Filmkritik: „Vikaren / Alien Teacher“ (2007)

Auch Bekannt Als: The Substitute
Regie: Ole Bornedal
Mit: /
Laufzeit: 93 Minuten
Land: Dänemark
Genre: Kinderfilm

Inhalt: Irgendwo da draussen gibt es einen Planeten, der der Erde gar nicht so unähnlich zu sein scheint. Aber einen markanten Unterschied gibt es doch: die Bewohner dieses Planeten sind nicht in der Lage, Liebe zu empfinden. Nicht einmal Freundschaften scheinen dort üblich – aus diesem Grund tobt auch schon ein jahrelanger Krieg. Der würde bald zum unweigerlichen Untergang der Alien-Rasse führen – und genau aus diesem Grund macht sich eines der Wesen auf, die Erde zu besuchen. Hier will es herausfinden, was das „Geheimnis“ der Menschen ist, die als so ziemliche einzige Wesen im Universum die Bedeutung der wahren Liebe kennen. Das Wesen nimmt die Gestalt von Ulla (Paprika Steen) an, und arbeitet fortan als Austauschlehrerin an einer örtlichen dänischen Schule. Während die Erwachsenen nicht ahnen, sind es die Kinder, die zuerst bemerken dass mit der neuen Lehrerin irgendwas einfach nicht stimmen kann…

Kritik: Hört sich das ein wenig… abgedreht an ? In der Tat, das ist es auch. Bei Vikaren handelt es sich um einen Film mit einer fragwürdigen Zielgruppe. Dabei kommt er doch aus dem Land, welches eigentlich für gnadenlos gute Kinderfilme bekannt ist: Dänemark. Dass aber auch dieses Land nicht immer automatisch einen Freifahrtschein bekommen muss wenn es um die Produktion neuer Kinderfilme geht, soll diese Kritik aufzeigen. Nimmt man die Grundidee der Geschichte zur Hand, so wird man selbst als nur halbwegs aufmerksamer Zuschauer feststellen, dass es sich hier um ein recht simples, schon oft behandeltes Prinzip dreht: wieder einmal soll die Kraft der Liebe und der Empathie porträtiert werden, ein oft wichtiges Thema für den dänischen Kinderfilm. Warum man das Ganze aber ausgerechnet in einer derart kruden Sci-Fi Story unterbringen musste, bleibt ein großes Rätsel. Überhaupt wird so mit allerlei Traditionen gebrochen: den jüngeren Zuschauern wird nahegelegt; dass Liebe ein recht seltenes Gut ist – betrachtet man das Universum, oder zumindest den Teil, den wir bereits davon kennen. Dass das kaum ein Wunder ist, da wird keine anderen von menschenähnlichen Wesen bevölkerten Planeten kennen, ist das eine. Dass ein fiktiver Planet geschaffen wurde, auf dem intelligente Wesen leben die aber (warum auch immer) keine Liebe empfinden können, ist das andere. Dass aber die Fähigkeit zu lieben dem Film nach ausschließlich Menschen zugesprochen wird, ist der eigentliche (traditionsbrechende) Knackpunkt. Denn dass beispielsweise auch Tiere so etwas wie Zuneigung zueinander empfinden können (generell sehr bleibt in Kindergeschichten), wird nicht erwähnt.

So bleibt es also allein an den Menschen, diese „Kraft“ entsprechend zu nutzen – aber wenn, dann bitte auch richtig ! Genau das will Vikaren dem Zuschauer nahelegen – Kinder, lasst euch bloss nicht von bösen Mächten beeinflussen (das kann auch Eure Lehrerin sein, hier verkörpert durch Ulla), sonst habt ihr nämlich den Salat: und der besteht folgerichtig aus Krieg, Leid, Lug und Betrug ! Ähem… warum einfach, wenn es auch krude-kompliziert geht ? Denn Vikaren vermag es kaum, diese (im Schwachsinn untergehende) Botschaft sinngemäß zu transportieren. Es reihen sich vermehrt Szenen aneinander, die an Absurdität und Lächerlichkeit kaum zu überbieten sind – und auch die gute alte Fragwürdigkeit soll hier als Stichwort auftauchen. So verspeist die fiese Ulla ein lebendiges Huhn (plus allem was dazugehört, das heisst Federflug, Blutspritzer) – warum, wird nicht erklärt. Tun das die Bösewichter von heute einfach, oder liegt es daran, dass sie eigentlich ein „Alien“ ist ? Richtig übel wird es dann, wenn es zum Hauptteil des Films geht. Der besteht nämlich eigentlich nur aus dem Szenario, dass die Kinder ihren Eltern versuchen zu erklären, dass Ulla eine ganz schlimme ist. Und selbige schleimt sich natürlich so bei den auf dümmlich getrimmten Eltern ein, dass sie ihr aus der Hand fressen. Warum, wird aber nicht ersichtlich. Folglich: eine Person wie Ulla schafft es mit links, die Eltern von Kindern zu überzeugen, dass ihre Kinder nur verbalen Unsinn verzapfen. Was genau soll das bitte für eine Botschaft für einen Kinderfilm sein ? Zusätzlich wird das Ganze entsprechend leidlich in Szene gesetzt: eine Gruppe von Kindern verzweifelt völlig, alles untermalt von einer tragischen Musik und dramatischen Schnitten – es ist kaum auszuhalten.

Auch davon abgesehen gibt es genügend Unstimmigkeiten, die Vikaren als gelungenen Kinderfilm disqualifizieren. So wirkt auch die technische Machart nicht sehr versiert – viel Mühe hat man sich nicht gegeben. Die gefilmten Straßen wirken leer und öde (zusätzliche Statisten gibt es neben den Hauptdarstellern nicht), es scheint als seien kaum Hintergrundgeräusche vorhanden – dies wirkt nicht gerade wie ein stimmiges Abbild des dänischen Lebens. Kameraführung und Optik bewegen sich auf einem annehmbaren, allerdings höchst unspektakulären Niveau – wie auch der Soundtrack. Die Special Effects dagegen sind ein Witz – und wirken absolut fremd in der Szenerie. Die größte Frechheit bleibt aber die Story, die nur wenige positive Ausbrüche zeigt: so muss ein Junge den Tod seiner Mutter verarbeiten, in der Tat eine der gefühlvolleren, ernsteren Szenen des Films. Natürlich besinnt man sich nicht darauf (eine Farce !), sondern schlägt nur allzu schnell wieder in den komödiantisch-makaberen Bereich um: wirklich lustig (oder gar spannend) gerät aber auch der Zweikampf zwischen dem Jungen und Ulla nicht. Im Gegenteil, eher reichlich makaber. Und wenn der Film schon derart befremdlich (warum sind die Eltern so doof) und merklich düster daherkommt (Tentakel-Fangarme, die armen Hühner), dann ist das Ende ohnehin vorhersehbar: denn man will den lieben Kleinen ja nicht zusätzliche Alpträume ob eines „Bad“ Ends verschaffen.

Fazit: Vikaren ist ein Kinderfilm der miesesten Sorte. Dem Film fehlt es an Originalität, was sich durch die wahrhaft abenteuerliche, zusammengeklaute Story offenbart – die wenig durchdacht erscheint. Leider mangelt es ihm auch an etwas viel wichtigeren: einer Seele. Der Film strotzt nur so vor Klischees und Absurditäten, dass man nicht weiss; ob man nun lachen oder weinen soll. Für Kinder ist er viel zu düster und in pädagogischer Hinsicht höchst fragwürdig, für Erwachsene einfach nur ein Ärgernis und einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. In jedem Fall sollte man wissen, dass man als Vater oder Mutter um diesen Film einen riesigen Bogen machen sollte. Wenigstens den eigenen Kindern zuliebe.

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Vikaren / Alien Teacher“ (2007)

  1. Uh, also die Meinung teil ich mal gar nicht. ^^ Ich fand den Film gar nicht mal so schlecht, ich würde sagen ein Horrorfilm für Kinder (aber FSK 6 ist wirklich sehr fragwürdig). Ich würde dir empfehlen Ole Bornedal’s „Meisterwerk“ „Nachtwache“ (von 1994) anzusehen, es existiert von ihm auch ein US-Remake „Freeze – Alptraum Nachtwache“, das vielleicht im Vergleich dazu DANACH ansehen. Ansonsten „Vikaren“ – 6/10. (ich höre von der Ferne ein leises „Waaaas?“ ^^)

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    1. Da komm‘ ich sogar extra aus der Ferne herangaloppiert um „waaas“ zu sagen^^

      Aber jetzt wo Du es sagst – ich habe mich nochmal umgesehen, und tatsächlich kommt der Film durch-die-Bank weg gut an ! Zwar nicht überdurchschnittlich gut, aber durchaus immer im Bereich 60-80 Prozent. Hmm, was also ist dran an meiner Wertung… an der ich natürlich trotz allem festhalte ?

      Sieh doch mal: eine Darstellerin, die wie ein Stück Gemüse heißt, und zudem die schröcklichst-nervigste (Dämoninnen-) Rolle der vergangenen Jahre innehat… ? Das MUSS einfach Abzüge in der B-Note geben^^

      Aber ganz im Ernst: man vergleiche doch einmal diesen Film hier mit dem ebenfalls dänischen Monster Busters, beispielsweise. Die Filme haben eines gemeinsam: komische „Monster“ fallen über die Menschen (die Erwachsenen) her, und manipulieren sie, während die Kinder mal wieder die Welt retten müssen. Monster Busters (Original: Monsterjaegerne) kommt dabei aber völlig ohne sinnfrei-provozierende Hühnchenszenen daher (die Krönung !), und auch sonst wirkt die Handlung wesentlich liebevoller inszeniert. Nicht weniger klischeehaft, aber inhaltlich dann doch etwas „wertvoller“ als dieser Sci-Fi-Kinderfilm-Murks hier.

      Ha, beim Stöbern bin ich dann doch noch fündig geworden im Sinne einer nicht-positiv Kritik zum Film (puhh, nicht ganz allein auf weiter Flur^^):

      http://www.filmzentrale.com/rezis/alienteacherek.htm

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