Filmkritik: „Nachts Im Museum“ (2006)

Originaltitel: Night At The Museum
Regie: Shawn Levy
Mit: Ben Stiller – Kim Raver – Jake Cherry
Laufzeit: 108 Minuten
Land: USA / UK
Genre: Komödie

Inhalt: Larry Daley (Ben Stiller) ist noch relativ frisch geschieden und verzweifelt. Weder hat er Erfolg in der Liebe, noch in seinem Job – nebenbei versucht er sich zudem noch als erfolgloser Erfinder. Eines Tages steht für ihn fest: ein neuer, „richtiger“ Job muss her, koste es, was es wolle. Schließlich sollen auch seine Ex-Frau (Kim Raver) und seinen Sohn Nick (Jake Cherry) nicht den Eindruck bekommen, dass er sich allzu sehr „gehen“ liesse. Er bekommt daraufhin tatsächlich eine Stelle – als Nachtwächter in einem städtischen Museum. Was sich zuerst unspektakulär anhört, wird für Larry bald zu einem echten Abenteuer: denn Nacht für Nacht werden alle „Exponate“ des Museums auf magische Weise lebendig. So macht er das Beste aus der schier unglaublichen Situation – und schließt die ersten Freund- aber auch Feindschaften mit einigen der Kreaturen und berühmten Persönlichkeiten. Eines Tages dann entschließt er sich, dieses bisher nur ihm bekannte Geheimnis seinem Sohn zu zeigen – damit er endlich verstehen würde, dass ein Vater gewiss kein Verlierer ist. Aber ob das gutgehen kann, ist eine andere Sache…

Kritik: Dieser Film basiert auf einem 1993 erstmals veröffentlichten Kinderbuch von Milan Trenc, und beschäftigt sich mit einem zeitlosen Thema – der Fantasie ! Was ist eigentlich undenkbar, wird aber vielleicht doch möglich wenn man nur fest daran glaubt ? So fällt Nachts Im Museum recht bunt und verspielt aus, wie es auch die Intention des Buches war. Doch man weiss nur zu gut, dass viele Buch-Zu-Film Portierungen aus Hollywood scheitern – und das nicht, weil das Budget möglicherweise zu niedrig war. Im Gegenteil – meist werden für derartige Projekte Unsummen eingeplant, doch wird das Geld oftmals nicht richtig genutzt. Zumeist wird in teure Special Effects oder die Gagen von namhaften Schauspielern als Publikumsmagnete investiert – doch um den Transport der „Magie“ des eigentlichen Stoffes macht man sich leider erschreckend oft nur wenig Sorgen. Nachts Im Museum schafft hierbei gerade noch die Gratwanderung – zumindest ein klein wenig „fantastisch“ ist der Film – glücklicherweise – doch noch geworden. Aber eben auch reichlich oberflächlich und simpel. Dass dann überhaupt noch Dinge wie Larry’s familiäre Probleme behandelt werden, erscheint geradezu absurd – diese ernsten Züge passen nicht so recht zur restlichen magischen Szenerie, und wirken wie nach irgendeinem Schema wild zusammengeschustert. Hier wäre weitaus mehr Fingerspitzengefühl für die Charakterporträts erforderlich gewesen, um so den Übergang in das Nachtleben des Museums stimmig und eher luftig-locker zu gestalten – ähnlich wie in Jumanji beispielsweise.

Überhaupt werden allerlei Parallelen zu besagtem Filmklassiker ersichtlich – doch zu keinem Zeitpunkt reicht Nachts Im Museum auch nur annähernd an die Klasse eines solchen Vergleichsfilms heran. Hier regiert eher der pure, simple Slapstick; hauptsächlich präsentiert von Hauptdarsteller Ben Stiller. Der hat sichtlich Spaß an seiner Rolle, und wirkt in ihr dementsprechend engagiert und sympathisch. Wie ungünstig erscheint es da, dass andere Nebendarsteller ihm diese Show mit nur einigen winzigen Szenen locker stehlen können: Ricky Gervais als schrulliger Museumsdirektor mit Marotten, beispielsweise. Oder Owen Wilson als Anführer einer Gruppe von Miniatur-Cowboys – hier findet der Wortwitz und die Situationskomik ihren eindeutigen Höhepunkt in Nachts Im Museum. Der Rest gerät eher durchwachsen: viel wirkt arg konstruiert und wenig innovativ, was eher schlecht als recht ist – da das Drehbuch ohnehin schon mit dem Kopf durch die Wand will. So gibt es keine nennenswerte Erklärung warum das Museum Nachts lebendig wird (was noch zu verschmerzen ist) – noch leidlicher aber sind die typischen Elemente nach Schema F, wie die Truppe der Bösewichter. Das einzige interessante an deren Rollen ist die Tatsache, dass man anfangs vielleicht nicht vermutet hätte, dass sie zu den (natürlich zu 100% stereotypen) „Bösen“ gehören – danach werden sie immer unwichtiger.

Ebenfalls fraglich: die Vater-Sohn-Geschichte, die sicher einiges an Potential gehabt hätte. Doch wie es für Hollywood nun einmal üblich ist – wird zwar kurz darauf eingegangen, dann aber ist wieder nur Larry (der Vater) wichtig, während sein Sohn zu einem regelrechten Statisten verkommt. Und so schließt sich der Kreis zum absurden „Familiendrama-Aspekt“ aus Nachts Im Museum: ein solches musste nämlich geschaffen werden, damit Larry’s Sohn später in das Museum kommen würde, und damit das bunte Treiben auch von einem Kind (Stichwort Identifikationsfigur) gesehen und erlebt werden konnte. Eine Wandlung vom ungläubigen zum staunenden Kind – sonst noch etwas… ? Leider nein, nicht einmal längere Textpassagen hat der Sohn. Nun, wenn man einen Ben Stiller engagiert, dann stiehlt er eben allen anderen die Show – aber eben nur vermeintlich (siehe oben), und zwar hauptsächlich durch die erzwungene Screentime ! Die anderen Darsteller sind weitaus witziger, und erhalten gerade durch ihre kürzeren Auftritte die Chance, ihren Charme auszuspielen ohne dabei aufdringlich zu wirken. Optik und Schnitt bewegen sich auf einem annehmbaren Niveau – spätestens wenn allerlei Getier in CGI-Manier druch irgendwelche Gänge rennt wird klar, warum dieses Projekt satte 100 Millionen US-Dollar (!) verschlungen hat. Immerhin sollte der Soundtrack eine besondere Erwähnung erhalten: denn der stammt von Alan Silvestri, der auch schon für den Polarexpress komponiert hatte – entsprechend „magisch“ klingen auch die Stücke in diesem Werk.

Fazit: Bis auf die fraglichen Familien- und Charakterporträts nach Schema F (Baukastenprinzip) wirkt vor allem die erste Hälfte des Films noch spannend und unterhaltsam. Nach und nach aber machen sich die Schwächen des Drehbuchs bemerkbar, der Film schwächelt zusehends und kann kaum noch begeistern. Ein richtiges Brett bekommt man dann noch gegen Ende vor den Kopf geschlagen: anstatt dass auch nur versucht wird, ansatzweise so etwas eine zeitlose Botschaft zu generieren, wird einfach ausgelassen zu einer 08/15 Popmusik getanzt (alle Darsteller, Tiere…). Somit zeigt sich einmal wieder, wie eine gewisse Seelenlosigkeit innerhalb von Hollywoodfilmen mit ein wenig Blödelei versucht wird zu kaschieren. Immerhin, es gibt schlechteres – wer aber eine gelungene Fantasy-Komödie mit zum Leben erweckten Tieren sehen möchte, der sollte doch eher zu Jumanji greifen.

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Nachts Im Museum“ (2006)

  1. Ich denke da kann ich mich anschließen an dieses Review. Die Wertung 5/10 geht in Ordnung, mit der Tendenz nach unten. Jumanji ist definitiv eine zeitlosere Wahl. Soundtracks von Alan Silvestri haben immer etwas „magisches“, klingt immer wieder so ein Stück nach „Zurück in die Zukunft“. ^^

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