Metal-CD-Review: RHAPSODY OF FIRE – Triumph Or Agony (2006)

Land: Italien – Genre: Epic Symphonic Power Metal

Dar-Kunor – 3:13
(I. Echoes from the Elvish Woods)
(II. Fear of the Dungeons)
Triumph or Agony – 5:02
Heart of the Darklands – 4:10
Old Age of Wonders – 4:35
The Myth of the Holy Sword – 5:03
Il Canto del Vento – 3:54
Silent Dream – 3:50
Bloody Red Dungeons – 5:10
Son of Pain – 4:43
The Mystic Prophecy of the Demonknight – 16:26
(I. A New Saga Begins)
(II. Through the Portals of Agony)
(III. The Black Order)
(IV. Nekron’s Bloody Rhymes)
(V. Escape From Horror)
Dark Reign of Fire – 6:26
(I. Winter Dawn’s Theme)

Die Rezensionsreihe zur Rhapsody Of Fire-Diskografie neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu – vorerst ! Denn das nächste Album ist schließlich bereits für den Juni dieses Jahres (2011) angekündigt… Triumph Or Agony ist der 2006’er Longplayer der Italiener, welcher nun wieder etwas eingängiger klingen, und damit an frühere Glanzzeiten der Band anknüpfen soll. Soll – das Intro Dar-Kunor verspricht zumindest schon einmal großes: zur einen Hälfte grandioser Fantasy-Filmmusic-Score, zur anderen ein typischer Rhapsody Of Fire-Mysterytrack mit stimmigen Chor- und Orchesterparts. Was für ein Auftakt – ein durch und durch epischer. Die Gitarren halten sich noch zurück (bis auf ein paar Turilli-Riffs im Hintergrund), Leadsänger Fabio Lione ebenso – denn schließlich nutzen sie den Opener, den Titeltrack Triumph Or Agony als abermaligen Einmarsch in den Olymp der (Metal-)Götter. Und genau so klingt das Stück auch: hier handelt es sich um eine Hymne, die ähnlich aufgebaut und strukturiert ist wie frühere Kracher. Luca Turilli und Alex Staropoli geben wieder einmal alles – und Fabio Lione sowieso. Die Chöre sind ebenso präsent wie die Rhapsody-typische musikalische Vielfalt und Vielschichtigkeit, lateinische Chorpassagen untermalen den episch-düsteren Gesamteindruck. Doch wenngleich mit diesem Album wieder ein höheren „Eingängigkeitslevel“ angepeilt war – wenn eine Band wie Rhapsody Of Fire derart glücklich in die Karriere startet (mit den ersten 3 Studioalben als klaren Highlights und zeitlosen Meilensteinen des Genres), dann hat sie es schwer, diese ehemals selbst hochgelegte Messlatte im weiteren Verlauf der Karriere wieder zu erreichen. Dass sie aufgrund der Genialität und des Überraschungserfolges des zweiten Albums in so ziemlich jeder Community der Erde aber niemals noch höher angesetzt werden könnte – dass sollte selbst den Bandmitgliedern klar sein.

Was soll man also tun, wenn man in der Haut der Member von Rhapsody Of Fire steckt ? Einfach aufhören, wenn es am schönsten ist ? Gut, das haben sie nicht getan. Eine gänzlich andere Stilrichtung einschlagen, damit man nicht mehr an der Qualität und Einzigartigkeit der früheren Alben gemessen wird ? Das haben sie ebenfalls nicht getan. So bleibt nur der Weg, den die Jungs letztendlich auch gegangen sind: einfach konsequent weitermachen mit dem was man liebt, unabhängig davon ob man noch einmal ein so markantes Werk erschaffen würde wie beispielsweise Symphony Of Enchanted Lands oder Dawn Of Victory. folglich gibt es einige Folgeerscheinungen: Fans der ersten Stunde werden auch diese Alben schätzen, wohl aber nicht mehr derart „verehren“ – und Neueinsteiger in Sachen Rhapsody Of Fire können bei so ziemlich jedem Album in die Diskografie einsteigen. Menschen, die generell pompösen Symphonic Power Metal mit minimaler Kitsch-Tendenz verhöhnen, werden auch bei diesem Album die Nase rümpfen. Und ein letztes: selbst als alteingesessener Fan der ersten Stunde muss man leichte Abzüge in der B-Note vergeben. Denn die fehlende Innovation und die wenig überraschenden Albeninhalte fielen bereits beim Longplayer Power Of The Dragonflame auf. Nicht allzu sehr oder allzu negativ, aber: die Band Rhapsody Of Fire wurde langsam aber sicher vorhersehbar. Fans würden zwar stets lieben was die Jungs da auf den Markt schmeißen, aber eben auch immer seltener überrascht werden.

In der Tat klingt der Titeltrack Triumph Or Agony sehr nach Rhapsody Of Fire – es ist ein rundum gelungener Track, der abermals mit melodiösen Kompositionen und komplexen Arrangements daherkommt. Fabio Lione gibt alles, die Chöre und Filmmusik-Passagen sorgen für reichlich Bombast-Stimmung. Im Gegensatz zum Intro jedoch kann man hier längst nicht mehr von einer wirklich „erfrischenden“ oder neuen musikalischen Hörerfahrung sprechen. Wenn man die anderen Alben der Band besitzt, so „kennt“ man auch diesen Song. Wie auch das folgende Heart Of The Darklands – ein Titel, der nicht mehr ganz so brachial daherkommt, aber dafür mit einem gefühlvolleren Refrain aufwartet. Das Ganze klingt nett – aber besonders der Refrain lässt im Vergleich zu früheren Produktion einiges an Tempo und Druckkraft vermissen. Man könnte also von weniger spektakulären, „abgespeckten“ Versionen von ehemaligen Brechern a’la Dawn Of Victory oder Power Of The Dragonflame sprechen. Mit Old Age Of Wodners folgt, abermals Rhapsody-typisch, eine Ballade als Stimmungsmache. Jedoch muss man gerade im Vergleich zu früheren, weitaus besseren Balladen der Band feststellen, dass das Ganze erstmals eher künstlich klingt. Fabio Lione wirkt hier sehr zaghaft und beinahe schon zitternd mit seinem Gesang, die Flöten- und Spinnetttöne gab es schon einmal wesentlich besser und innovativer verpackt. Hier fehlt einfach der letzte Kick. Wie leider auch beim folgenden, eher minimalistischen The Myth Of The Holy Sword. Der Refrain wirkt ambitioniert, kann aber kaum an frühere, epische Hymnen der Band herankommen.

Stichwort Tempo-Mangel: es scheint, als würden Rhapsody Of Fire zwar an ihrem traditionellem Konzept festhalten (Chöre, Fantasy, Epicness) – aber an einem kleinen Detail werkeln: der Geschwindigkeit ! Die Songs kommen nun wesentlich gemäßigter, weniger druckvoll und einfach etwas unspektakulärer daher. So ist es keine Überraschung, dass abermals eine Ballade (auf italienisch) folgt: Il Canto Del Vento erinnert ein wenig an das Lamento Eroico von Power Of The Dragonflame (klar, viele auf italienisch vorgetragene Stücke gab es ohnehin nicht), kommt aber insgesamt als der wohl unspektakulärste Titel, der in der Landessprache der Jungs vorgetragen wurde, daher. Einzig im späteren Verlauf, wenn der Refrain zusätzlich ausgeschmückt wird (mit überlagertem Gesang, stärkeren epischen Hintergrundelementen), kann der Titel ein klein wenig Begeisterung entfachen. Silent Dream beginnt da schon wesentlich interessanter – doch leider stellt sich auch dieser Titel als Midtempo-Stück ohne viel Schmackes heraus. Bloody Red Dungeons ist abermals ein eher lamentierendes Stück wie auch schon Old Age Of Wonders, das den geneigten Rhapsody-Hörer erstmals richtig zweifeln lässt: das Tempo ist lahm, die Riffe wenig kraft- oder druckvoll, die Instrumentalisierung geradezu minimalistisch – einzig im Refrain gibt es dann einen den Song gerade-noch rettenden Chor. Aber was ist nur mit der Band geschehen ? Wenn sie schon einen neuen Weg gehen wollen, um etwas auszuprobieren – sollen sie alles tun, nur nicht das Tempo aus den Songs nehmen ! Denn das war schon immer die Stärke der Band. Tempo, gepaart mit enormer Druckkraft und episch-klassischen Arrangements. Puhh, zumindest mit Son Of Pain hat man das, was wohl auch für andere Songs angepeilt war, geschafft: dies ist eine wunderschöne Ballade geworden. Zwar ist auch diese recht minimalistisch gehalten (Fabio Lione abermals zurückhaltend, kaum Instrumente in den Strophen), kann aber durch den wahrlich hammermäßigen, emotionalen Bombast-Refrain beinahe alles wieder rausholen. Das erste Stück der Cd (nach dem Intro), bei dem so richtig Gänsehaut aufkommen kann ! Dass das dann gerade der Fall bei nicht-Gitarren und nicht-Schlagzeug-Stücken ist, gibt allerdings zu denken…

Die obligatorische Überlängen-Hymne gibt es diesmal in Form von The Mystic Prophecy Of The Demon Knight. Ein nettes Stück, aber kein Vergleich zu den früheren Epen. Dafür fehlt es einfach an Eingängigkeit, und auch der Instrumenteneinsatz beschränkt sich auf das nötigste. Zudem glaubt man, einige Passagen schon in anderen Songs der Band gehört zu haben… etwas daneben: Lione’s abermalige Screamversuche, die schon auf den letzten Alben gescheitert sind, sowie die hektisch wirkenden Hörspielpassagen. Zum Abschluss gibt es dann noch einmal ein deutlich epischeres Finalstück, welches gerade noch die Kurve kriegt. Zur Übersicht der Einzelwertungen der Songs:

Dar-Kunor – 9/10
Triumph or Agony – 8/10
Heart of the Darklands – 6/10
Old Age of Wonders – 4/10
The Myth of the Holy Sword – 4/10
Il Canto del Vento – 4/10
Silent Dream – 4/10
Bloody Red Dungeons – 4/10
Son of Pain – 9/10
The Mystic Prophecy of the Demonknight – 5/10
Dark Reign of Fire – 6/10

Schlussendlich: Trimph Or Agony macht kaum einen Vergleich zu den früheren Werken der Band möglich, im Gegenteil, hier wurde das Experiment in Richtung „Hollywood-Filmmusik-Metal“ konsequent weitergeführt. Vielleicht aber sogar einen Tucken zu weit… denn: früher markante Rhapsody-Elemente wie Up-Tempopassagen mit Doublebassuntermalung, schöne Streicher zu gnadenlos komplexen Bombast-Arrangements; sowie ein kräftig singender Fabio Lione gibt es nun nicht mehr. Es dominieren klar die ruhigeren, gemäßigten Töne – erstmals sind auch deutlich mehr Balladen als sonst enthalten. Das Power aus dem Power Metal wurde offenbar gegen ein Heavy eingetauscht – aber nur vermeintlich. Denn, auch wenn das Ganze sich nun im Midtempo-Bereich bewegt, wirklich kraftvoller wirkt das Instrumentenspiel nicht. Eher im Gegenteil, die Riffs wirken vereinfacht und simpel, wirkliche Tracks zum „Staunen“ gibt es nicht mehr. Einzig den Faktor „Chor“ hat man auch bei diesem Album fest eingeplant: besonders in den Refrains schmettern hier eine Riesen-Chortruppe den ein oder anderen Part. Triumph Or Agony – Filmmusik mit ein wenig Metal. Diejenigen, die die Band noch nicht kennen, könnte es durchweg gefallen. Fans dagegen werden eher enttäuscht sein… da die Band vom ehemals so geliebten Stil abweicht. Zwar machen sie etwas neues, dass wünschten sich viele – doch dies ist definitiv die falsche Richtung ! Einzig das Intro und die gefühlvolle Ballade mit Power-Refrain Son Of Pain könnte man als Highlights anführen.

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