Metal-CD-Review: RHAPSODY – Symphony Of Enchanted Lands II: The Dark Secret (2004)

Land: Italien – Genre: Epic Symphonic Power Metal

The Dark Secret – Ira Divina – 4:12
Unholy Warcry – 5:53
Never Forgotten Heroes – 5:32
Green Valleys – 2:19
The Magic of the Wizard’s Dream – 4:30
Erian’s Mystical Rhymes – The White Dragon’s Order – 9:15
The Last Angel’s Call – 4:36
Dragonland’s Rivers – 3:44
Sacred Power of Raging Winds – 10:06
Guardiani del Destino – 5:50
Shadows of Death – 8:13
Nightfall on the Grey Mountains – 7:20

Die Symphonic Metal-Bandgeschichte von Italiens wohl bekanntesten Genrevertretern Rhapsody Of Fire geht weiter ! Symphony Of Enchanted Lands 2: The Dark Secret heisst die Scheibe, und scheint nur auf den ersten Blick ein direkter „Nachfolger“ zum 1998’er Meistwerk Symphony Of Enchanted Lands zu sein. Denn in Wahrheit wird hier ein gänzlich neues Kapitel (Musik-)Geschichte geschrieben, zumindest von der inhaltlichen Thematik her. Doch in Sachen Sound und Epicness werden die Italiener auch dieses Mal nicht zurückstecken – das stand bereits vor dem ersten Probehören fest. Denn bereits das fantasievolle Coverartwork und der recht lange Albentitel weisen auf die Richtung hin, in die dieses Album steuern würde – und wenn man dann einen Sir Christopher Lee im Intro und als Erzähler hört, dann wird klar: Die Jungs von Rhapsody Of Fire werden ihres Bestrebens, DIE epische Hymne zu schaffen (als Ergebnis folgt dann meist die eine auf die andere) niemals müde. Im Gegenteil, mit Sir Christopher Lee hat man für den nötigen Funken an Innovation gesorgt, was das Album wieder ein stückweit besser machen sollte nach dem nicht mehr ganz so guten 2002’er Longplayer Power Of The Dragonflame.

Das Intro besteht zu einem Teil aus eben diesen epischen Erzählungen aus dem Munde Christopher Lee’s, sodass ein zusätzlicher Hörspielcharakter in den Vordergrund tritt. Doch natürlich sollen auch diesmal die epischen Chöre nicht fehlen: allerspätestens jetzt (da das Orchester nun zu 100% authentisch klingt) könnte man sich besonders den zweiten Teil des Intros in nahezu jedem qualitativ hochwertigen Fantasy-Filmepos vorstellen.Das Ganze klingt eben nicht kitschig, sondern wie verdammt ernstgemeinte, epische und versiert vorgetragene Musik: alle Beteiligten (das sind nicht wenige) leisten hier wieder einmal erstklassige Arbeit. Und zum ersten Mal ist auch die Videoauskopplung des folgenden Titelsongs, Unholy Warcry, tadellos gelungen: es sind keine billig wirkenden Computereffekte mehr zu sehen, keine kleinen Mädchen die warum-auch-immer zu einem Power Of The Dragonflame durch ein Zugabteil schlendern; nein, hier werden weitläufige, verschneite Hügel, dunkle Gänge und die Natur gezeigt – und inmitten der stimmigen Szenerie nehmen die Jungs von Rhapsody Of Fire die ein oder andere epische Pose ein. So muss ein adäquates Video für derart epische Musik aussehen – so und nicht anders. Und auch der Song selbst weiss zu überzeugen: im Gegensatz zum Vorgänger Power Of The Dragonflame muss man hier zu keinem Zeitpunkt mehr an einen lauwarmen Aufguss altbekannter Lieder (oder zumindest einzelnen Aspketen aus selbigen) denken, Rhapsody klingen hier wieder frisch und markant. Dennoch bleiben sie ihrem Stil treu – der sich durch gnadenlos epische Refrains, Bombast-Chöre und allem was dazuggeöhrt auszeichnet.

Es geht abermals nicht mehr ganz so klassisch zu wie auf Symphony Of Enchanted Lands (1) – aber dennoch wissen Titel wie Never Forgotten Heroes durch die Bank zu überzeugen. Denn die Klassik hat man hier mit etwas ebenso ansprechenden ausgetauscht – Filmmusik. Höchst epische, fantasievolle Filmmusik, gepaart mit Metal auf dem höchsten Niveau – das macht Laune und dürfte aller Zweifeler, die seit Dawn Of Victory mal wieder auf etwas gänzlich frisches, neues gewartet haben – wieder bekehren (wenngleich sich bei diesem Titel gewisse Parallelen zu Wisdom Of The Kings nicht verhelen lassen). Denn beinahe jedes einzelne Stück kommt einerseits schön komplex und kompositorisch wertvoll daher – Turilli und Starpoli sei Dank – aber anderseits spürt man auf diesem Album wieder diese wunderbare Eingägigkeit der einzelnen Titel. Heisst: jeder Song hätte das Zeug zur Singleauskopplung, oder aber unter der Bezeichung „Titelhymne“ zu firmieren. Gut, mit Ausnahme von Green Valley vielleicht: denn dieses nun folgende Stück ist ein reines Interlude, welches hauptsächlich aus stimmungsvollen Geräuschen besteht. Ein wenig Vogelgezwitscher hier, ein paar redende Menschen im Hingerund, dann setzt eine Föte ein – gut, ganz so nett wie Elno’s Magic Valley von Rain Of A Thousand Flames (klingt genrell ähnlich, daher Vergleichstitel) ist es nicht, aber dennoch wirkt es passend und fungiert als willkommende Abwechslung.

Das folgende Stück The Magic Of The Wizards Dream ist eine der Rhapsody-Balladen, das heisst; auf Doublebass-Einlagen und brachial-epische Hintergrundmusik wird weitestgehend verzichtet – ausnahmsweise, muss man schon fast sagen. Dennoch ist dies gewiss kein allzu minimalistisches Stück, denn besonders der Refrain ist schlicht wunderschön gehalten, leicht lamentierend, aber eben nicht zu sehr – sodass man weniger von einer traurigen, als vielleicht eher von einer epischen Ballade sprechen könnte. Merklich düsterer wird es da schon mit dem ellenlangen Titel Erian’s Mystical Rhymes – The White Dragon’s Order, welcher zu Beginn mit einer verzerrten Dämonenstimme aufwartet. Das klingt vielleicht ein wenig nach zuviel des Guten – und nervt eher als dass es Stimmung erzeugt. Danach beginnt ein recht episch anmutender Instrumentalisierungsauftakt, der den Weg für das insgesamt 10 Minuten lange Stück ebnet. An ehemalige Erfolgs-Epen wie die längeren, hochkomplexen Titel der früheren Alben mag dieses Stück nicht herankommen – aber dennoch handelt es sich abermals um eine perfekte musikalische Handarbeit. The Last Angels Call aber ist dann endlich wieder einer der Titel, der an frühere Glanzzeiten Rhapsody Of Fire’s anknüpft. Beinahe alles ist perfekt – das Ganze ist äusserst eingängig, vielfältig, abwechslungsreich – und der Refrain wunderbar erhaben. Besonders ist auch, dass der Chor hier stärker in den Vordergrund tritt, und dem Titel nach offenbar aus „7 Wizards“ besteht – genau so hört es sich auch an. Die Damen halten sich diesmal also zurück – was dem Song sehr gut tut – neben der Uptempo-Brachialhymne Unholy Warcry eine der etwas… feineren Hymnen, aber definitiv einer der besten Titel des Albums.

Zur Abwechslung lauscht man dann für gut 3 Minuten den Dragonland’s Rivers – Geplätscher von Wasser hier, eine zarte Flöte dort; und dann doch noch etwas Gesang, was leicht überrraschend kommt; könnte man doch erst von einem „reinen“ Interludium ausgehen. So aber klingt das Ganze sehr altertümlich-traditionell, und könnte perfekt auf einem Mittelalter-Festival gepsielt werden. Gegen Ende dann noch einmal ein kurzer Kraftausbruch, bevor es wieder an das ruhige Gewässer geht – ein wahrhaft innovatives, einzigartiges Stück ! Und nun… gute Güte, es wird abermals unendlich episch, und zwar mit Sacred Power Of Raging Winds, welches passenderweise von Cristopher Lee eingeführt wird. Ja, im Gegensatz zur ähnlichen langen Hymne Erian’s Mystical Rhymes – The White Dragon’s Order klingt diese hier schon viel eher wie eine – eine mit Schmackes. Es geht die Tonleitern rauf und runter, meist ist die Stimmung düster bis episch – doch wenn die wunderbaren Chorgesänge und der leicht stimmungsaufhellende Refrain dazukommen… ist die Stimmung perfekt. Sehr schön ist auch die leidenschaftliche Gesangspassage von Fabio Lione im Zwiegespräch mit seinem „Vater“ – schade nur, dass die dämonische Stimme wieder etwas… zu dämonisch-gekünstelt daherkommt und so die Harmonie des Songs leicht stört. Doch die Songstruktur weiss zu faszinieren und in Sachen Abwechslung mit Sicherheit nicht zu geizen: erst eingängige Hymne, dann ein düsteres Hörspiel, dann ein Instrumentalstück im Wechselspiel der Stimmungen mit einem Flötenteil als qualitatives Highlight – und tatsächlich auch noch mit einem nicht unerheblichen Klassik-Anteil ! Endlich, das ist Rhapsody Of Fire so wie man sie einst kennen- und schätzen gelernt hat.

Die nächste Ballade heisst Guardiani del Destino und wird ausnahmsweise mal komplett auf italienisch vorgetragen – sicher als Tribut an die Heimat der Band, und als Abwechslung für die Hörer. Jedoch wird sich damit nicht jeder anfreunden können – zum einen sind es die Sprachbarrieren, zum anderen der leicht kontextlos wirkende Eindruck (schließlich ist das so ziehmlich das einzige italienisch vorgetragene hier), und zum anderen ist der Song zwar gut, fällt klangtechnisch aber auch nicht aus der qualitativen Reihe – weder nach oben, noch nach unten. Nett sind die orchestralen Arrangements im Refrain, doch die Strophen sowie auch das Flötenspiel gegen Ende bieten kaum etwas neues. Das 8-minütige Shadows of Death ist ebenfalls nett, setzt sich aber kaum in den Gehörgängen fest – zumindest längst nicht so gut wie andere Titel. Hier bekommt man wahrlich nichts neues mehr geboten, auch wenn Fabio Lione an einer Stelle zu einem etwas aggressiveren Scream ansetzt (nanu, das macht er doch sonst nicht ?). Gut, zmindest die kurzen Soli von Gitarre und Keyboard klingen erfrischend und sind perfekt gegenübergestellt. Dennoch, der Song wirkt etwas zu schleppend und wird garantiert nicht zu einem Dauerbrenner werden. Das Finale wird mit Nightfall On Grey Mountain beschlossen, welches mit einigen passenden Samples (Wolfsgeheuel) daherkommt, und auch sonst alle Beteiligten noch einmal aus dem Vollen schöpfen lässt – aber ebenfalls ein klein wenig schwergängig daherkommt. Bis auf den Refrain, der für ein kurzes Licht im Dunkel sorgen kann, und besonders gegen Ende sein volles Potential ausschöpft. Zur Titelübersicht mit Wertungsvergabe:

The Dark Secret – Ira Divina – 9/10
Unholy Warcry – 10/10
Never Forgotten Heroes – 8/10
Green Valleys – 8/10
The Magic of the Wizard’s Dream – 8/10
Erian’s Mystical Rhymes – The White Dragon’s Order – 7/10
The Last Angel’s Call – 10/10
Dragonland’s Rivers – 9/10
Sacred Power of Raging Winds – 9/10
Guardiani del Destino – 6/10
Shadows of Death – 7/10
Nightfall on the Grey Mountains – 7/10

Schlussendlich, es bleibt eben so eine Sache mit Rhapsody (die sich seit diesem Album hier das zusätzliche Kürzel Of Fire hintendran gehangen haben, aus irrsinnigen Urheberrechtsgründen). Das was sie da machen bleibt Symphonic Metal auf dem höchsten Niveau – oder, man nennt es wie die Band selbst einen Film Score Metal. Ein durchdachtes Konzept ist ebenso vorhanden wie die Fähigkeit zu gnadenlos epischen Kompositionen und Arrangements, bei denen „harte“ Instrumente ebenso wie klassische eine Rolle spielen; sowie nach wie vor ein ausserordentlich guter Leadsänger namens Fabio Lione, und eine große Portion Abwechslung. Mal geht es sehr rasant zugange, denn kommt der ehrenwerte Sir Christopher Lee zum Mitmischen, mal erklingt eine Ballade, mal ein Interlude mit Natur- und Flötenklänge, mal wird ganz auf italienisch gesungen – und die obligatorischen „Epen“ mit Spieldauern von über 10 Minuten dürfen ebenfalls nicht fehlen. Das einzige Problem, was es jetzt dabei gibt: auch wenn die Emerald Sword Saga mit dem letzten Album abgeschlossen war, könnte man sagen: all das gab es schonmal, so oder so ähnlich. Nämlich auf den ersten 6 Alben ! In Sachen Innovation und Weiterentwicklung muss die Band sich also sehr anstrengen, um mit den nächsten Alben die Fans konstant bei Laune halten zu können. Denn was bringt es, wenn letztendlich doch alle wieder zu Album Nummer 1, 2 oder 3 greifen ? Natürlich ist dies hier kein schlechtes Album – besonders für Neueinsteiger sei es bedenkenlos ans Herz gelegt. Doch da man als Fan der ersten Stunde so langsam aber sicher ziehmlich genau weiss was einen erwartet wenn man eine neue Rhapsody Cd einlegt – eine leichte Wertungsdifferenz im Vergleich zu den früheren Alben.

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