Metal-CD-Review: RHAPSODY – Rain Of A Thousand Flames (2001)

Land: Italien – Genre: Epic Symphonic Power Metal

1 Rain of a Thousand Flames
2 Deadly Omen
3 Queen of the Dark Horizons
4 Tears of a Dying Angel
5 Elnor’s Magic Valley
6 The Poem’s Evil Page
7 The Wizard’s Last Rhymes

Nach dem 2000’er Album Dawn Of Victory schiebten die Italiener von Rhapsody Of Fire bereits im Jahre 2001 das nächste Werk nach. Man könnte meinen, dass es sich aufgrund der lediglich 7 Senthaltenen Stücke um eine EP handelt – doch auf der offiziellen Seite der Band wird auch diese Scheibe als Studio-CD geführt. Also behandeln wir es auch so – doch im Grunde macht es keinen Unterschied wie genau man die Werke von Rhapsody Of Fire nun anfässt. So oder so ist eines fast automatisch garantiert: man hält stets zeitlose-epische Kompositionen in den Händen, ist so begeistert vom wie immer grandiosen Coverartwork und der gesamten Aufmachung, dass einem beinahe die Hände zittern und man das Teil sofort in den CD-Player schieben möchte. Gesagt getan.

Nun, zum ersten Mal hat ein Album der Band nur 7 Titel – von denen auch noch 2 relativ kurze Interludes sind – kann das gutgehen ? Und ob es das kann, das macht bereits der Opener, der gleichzeitig als Titeltrack fungiert (Rain Of A Thousand Flames), eindeutig klar. Im Zeitraum von gerade einmal knappen 4 Minuten liefern die Italiener wieder mal ein brachiales Meisterstück ab, dass an die glanzvollsten Momente der vorherigen drei Alben erinnert. Ein flottes Tempo, ein einprägsamer Refrain, satte Bombast-Elemente wie Chorpassagen und Co – aber zu allem ist noch eine Extradosis Epicness hinzuzufügen. Wie das geht ? Nun, man sollte es selbst einmal gehört haben – das können wohl nur Rhapsody Of Fire. Beziehungsweise auch andere – aber nicht, ohne allzu sehr ins kitschig-künstliche abzudriften ! Dieser Opener hier klingt trotz der extremen Bombast-Elemente und des unglaublichen Tempos immer noch reichlich „true“ und frisch.

Natürlich gilt wie auf jedem Album der Band auch hier: Abwechslung ist geboten. So ist das folgende Deadly Omen eines der beiden Interludes, welches zuerst noch vermeintlich ruhig daherkommt – doch schon setzt der episch-orchestrale Klangteppich ein, nur um dann wieder in leiste Klaviertöne überzugehen. Dieses Prozedere geschieht zwei Mal und sorgt für reichlich Stimmungsaufbau. Wofür ? Nun, vielleicht für das Epos Queen Of The Dark Horizons mit einer satten Spieldauer von knapp 14 Minuten. Hier wird einem wahrlich alles geboten – nur keine Langatmigkeit. Zuerst dominieren noch eher ruhige Klänge, unterbrochen von dem ein oder anderen Fanfarenschlag; garniert mit ein paar weiblichen Vocals. Irgendwann wird es dann Zeit für das Schlagzeug, und endlich auch Fabio Lione, mit einzusteigen. So bietet der Titel eine beachtliche Entwicklung und steht abermals für die Qualität der Kompositionen der Band / respektive Mastermind Luca Turilli. Einen enorm epischen Refrain mit Chorelementen gibt es natürlich ebenfalls – wie auch ansprechende Soli-Passagen mit dem typisch extravaganten Gitarrenspiel a’la Rhapsody Of Fire. 14 Minuten, die wie im Fluge vergehen – nicht zuletzt dank des zusätzlichen Hörspielcharakters, der sich unter anderem durch einen stimmigen Erzählereinschub bei Minute 7, oder die äusserst abwechslungsreichen Tonlagen von Fabio Lione. It’s so… freaking epic.

Wird dem Hörer also mit Tears Of A Dying Angel eine Verschnaufspause gegönnt ? Glücklicherweise nicht wirklich. Hier handelt es sich um ein markantes Stück, welches mit einigen Latein-Passagen aufwartet. Das klingt teilweise etwas ungewöhnlich, da die Lateinischen Textfetzen diesmal und erstmals wirklich markant im Vordergrund stehen und dementsprechend durch die Boxen befördert werden. Aber, man gewöhnt sich dran. Nach zweieinhalb Minuten setzt dann wieder ein (äusserst ambitionieter !) Erzähler ein, dem man wirklich abnimmt, was er da gerade erlebt – wieder mal im Gegensatz zu anderen Bands, bei denen selbiges oftmals recht „billig“ wirkt. Gut, dass diese Linie dann noch eine Zeit lang weitergefahren wird, ist die andere Seite der Medaille. Denn irgendwann wirkt es leicht „überdosiert“ und verliert seine Wirkung. So entwickelt sich der Titel letztendlich doch zu einem reinen Hörspielstück, und greift den „musikalischen“ Teil vom Beginn lediglich noch einmal gegen Ende auf. Etwas unglücklich, eigentlich nur eine kleine Feinheit: Der Nachhalleffekt des letzten Wortes des Erzählers (Resist). Zugegeben, dieser Titel ist einer der schwächeren, an dem aufgrund des enormen Hörspielcahrakters auch die Geister scheiden werden.

Es folgt das zweite Interlude, Elnor’s Magic Valley – welches abermals zum Schunkeln und Schwärmen einlädt. Ein paar Fideleien hier und da, das Ganze klingt fröhlich-stimmig und ist mit leisen Hintergrundgeräuschen versehen, die den Eindruck abrunden (ein magisches Tal mit einem kleinen friedlichen Dorf vielleicht). The Poem’s Evil Page beginnt beinahe ebenso heiter, doch es ist klar, dass dies nicht so bleiben würde. Dann „kracht“ es auch entsprechend, und nach den obligatorischen Bombast-Elementen setzt eine ässerst melodische Gitarrenpassage ein, zusätzlich untermalt von einigen Cosmic Metal-Elementen. Hier weiss die Erzählerstimme (ausnahmsweise mal weiblich) allerdings nicht wirklich zu begeistern… dann doch lieber die gewohnte, männlich-epische. Und wieder macht sich der Hörspielcharakter bemerkbar – das ist etwas schade, da hätte ein gradliniger Kracher wie der Opener vielleicht besser gepasst. Denn Abwechslung hatte man bis hierhin ja schon genug – ab und zu dürften es dann doch mal wieder Hymnen-artige Titel sein wie auf den vorherigen Alben. Gut, die gibt es dann eben mit dem Finale, The Wizard’s Last Rhymes – aber eben auch nur bedingt. Denn abermals handelt es sich um ein ähnlich komplexes Stück wie schon Titel 3.

1 Rain of a Thousand Flames – 10/10
2 Deadly Omen – 9/10
3 Queen of the Dark Horizons – 9/10
4 Tears of a Dying Angel – 7/10
5 Elnor’s Magic Valley – 8/10
6 The Poem’s Evil Page – 7/10
7 The Wizard’s Last Rhymes – 7/10

Schlussendlich… ob nun Album oder EP, das vierte offizielle Werk der Italo-Metaller Rhapsody Of Fire hinterlässt in jedem Fall schonmal einen etwas zwiespältigeren Eindruck als die ersten drei Bombast-Alben. Denn die Hörspielelemente sind hier deutlich stärker ausgefallen, und so richtig eingängige Hymnen gibt es mit Ausnahme des Openers auch nicht. Dafür dann aber zwei gnadenlos epische, komplexe und grandios komponierte Stücke mit 10 beziehungsweise 14 Minuten Länge. Vermehrt treten nun auch Frauengesänge, lateinische Chorpassagen und Erzählerstimmen auf, dafür treten die klassischen Instrumente (Streicher, Harfen, Spinett) etwas in den Hintergrund (schade !) – man könnte also von einem experimentelleren Album sprechen, welches dementsprechend auch nicht mehr ganz zu zugänglich wirkt. Man muss es schon ein paar Mal hören, und dabei völlig in die besungene Fantasy-Welt (wirkt hier schon deutlich düsterer) abtauchen – dann kann auch dieses Werk den Hörer fesseln. Dennoch muss hier eine (wertungstechnische) Abgrenzung zum gnadenlos guten Vorgängeralbum (und erst Recht dem Meisterwerk Symphony Of Enchanted Lands) geschaffen werden.

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