Metal-CD-Review: RHAPSODY – Dawn Of Victory (2000)

Land: Italien – Genre: Epic Symphonic Power Metal

  1. Lux Triumphans – 2:00
  2. Dawn of Victory – 4:47
  3. Triumph for My Magic Steel – 5:46
  4. The Village of Dwarves – 3:52
  5. Dargor, Shadowlord of the Black Mountain – 4:48
  6. The Bloody Rage of the Titans – 6:23
  7. Holy Thunderforce – 4:21
  8. Trolls in the Dark – 2:32
  9. The Last Winged Unicorn – 5:43
  10. The Mighty Ride of the Firelord – 9:15

Nun – das 1997’er Debütalbum Legendary Tales von Rhapsody Of Fire kann durchaus als richtungsweisend bezeichnet werden (Wertung: 90 %), das folgende Symphony Of Enchanted Lands einfach nur als zeitloser, unantastbarer Meilenstein (Wertung: 100%) – wie also sieht es mit dem dritten Werk der Italo-Metaller aus ? Schließlich kennt man es nur allzu gut von anderen Bands: nachdem der qualitative Höhepunkt erst einmal erreicht wurde, geht es oftmals nur noch bergab… Bands verirren sich in musikalischen Experimenten, machen auf einmal viel „gemäßigtere“ Musik weil Fantasy-Lyrics oder Powermetal-Bombastelemente als „kitschig“ angesehen werden könnten… sie wollen (vermeintlich !) „erwachsen“ werden. Glücklicherweise begehen die Jungs von Rhapdsody Of Fire nicht diesen Fehler, sondern machen genau da weiter wo sie auf ihrem letzten Album aufgehört hatten: mit gnadenlos schmetternden Bombast-Festspielen der musikalisch-melodiösen Art.

Bereits das Intro klingt gekonnt episch-triumphal, und lässt den Zuhörer einfach nur staunen ob der musikalisch erzeugten Anmut. Und dann folgt der Opener… Dawn Of Victory, der Titeltrack des Albums. Erneut heisst es: Rhapsody Of Fire at its best. So muss die Emerald Sword-Sage klingen: wunderbar episch, untermalt von allerhand symphonischen Elementen und klassischen Instrumenten; und natürlich dem genialen Gesang von Fabio Lione. Der Refrain brennt sich sofort in die Synapsen, in this dawn of victory… als zusätzliche Finessen gibt es wieder satte Instrumentalparts sowie ein klein wenig Latein obendrauf. Triumph For My Magic Steel klingt schon vom Namen her wie ein gnadenlos episches Stück – und das ist es auch. Es beginnt wunderbar kraftvoll-schmetternd, gefolgt von einer vergleichsweise ruhigen Gesangspassage – und dann wieder ein Refrain der Güteklasse A. Neben den aufwendigen, komplexen Kompositionen sind die Refrains ein deutliches Merkmal der Band: stets episch, stets einprägsam und eingängig, dabei aber niemals allzu kitschig oder gekünstelt. Sie machen einfach Laune, und preschen mit einem enormen Druck aus den Boxen.

Natürlich soll auch auf diesem Album ausreichend Abwechslung geboten sein – so ist The Village Of Dwarves ein Track der etwas… anderen Art. Hier dominieren traditionell-anmutende Klänge, ein leises Flötenspiel, Lagerfeuer-Schunkelgesänge – und eine große Portion an Abwechslung. Mal wirkt die Instrumentalisierung geradezu minimalistisch (dabei aber stets stimmig), mal wird eine wahre Zwergen-Party mit treibendem Instrumenteneinsatz gefeiert. Und was folgt auf einen solchen, vergleichsweise ruhigen Titel ? In der Tat, ein weiterer Kracher a’la Dragor, Shadowlord Of Black Mountains. Wie… episch, wie zeitlos, wie fantasievoll. Die Eindrücke sind vielfältig, der Bombast-Klangteppich wirkt komplex und niemals zu aufdringlich. Mal ein wenig düster mit treibenden Riffs und mystisch-klassischen Hintergrundklängen, mal unendlich episch mit gut dosierten Choreinsätzen (kurz vor dem Refrain), und dann natürlich noch der Refrain selbst. Hier wird sich in Sachen Doublebass mal etwas zurückgehalten, die klassischen Elemente und der Gesang stehen klar im Vordergrund. Vielleicht wäre dieser Titel gar nicht allzu spektakulär und „nur“ überdurchschnittlich gut wie grundsätzlich alle Tracks von Rhapsody Of Fire – aber die Instrumentalpassage ab Minute 3 haut es noch einmal deutlich raus. Es werden ein paar Töne aus dem vorangegangen The Village Of Dwarves aufgegriffen (Flöten), und gekonnt mit dem etwas epischeren Eindruck dieses Titels hier vermischt.

Müssen tatsächlich noch die qualitativen Aspekte wie die Leistungen der beteiligten Musiker erwähnt werden ? Wohl kaum das erübrigt sich völlig. Alle spielen und beteiligen sich auf einem so hohen Niveau, dass es eine Freude ist. Was sollte man hier bemängeln – eine mangelhafte Produktionsqualität vielleicht ? Ein musikalisches Durcheinander, musikalische Disharmonien ? Schwache Leistungen des Leadsängers, viel zu künstlich wirkende Samples ? Man nehme all diese negativen Aspekte, kehre sie ins Gegenteil um – und man erhält eine Beschreibung der Qualität von Rhapsody Of Fire. Technisch gesehen ist alles perfekt, das Konzept wirkt sehr erwachsen und ausgereift, die Kompositionen sind gnadenlos komplex und episch, die Vielfalt der Instrumente sorgt für einen erhabenen Eindruck. Dann gibt es da noch die Chöre, die sich abwechselnden Stimmungen (mal schnell, mal kräftig, mal gemäßigt, mal etwas düsterer, mal balladesk)… wer dieses Album hier nicht „gut“ findet, der hat wohl auch generell etwas gegen das Genre des Symphonic Power Metal. Anders wäre es nicht zu erklären – denn Rhapsody Of Fire sind spätestens seit ihrem zweiten Album die Nummer-1-Vertreter dieses Genres, an denen sich alle „Nachkömmlinge“ messen müssen.

The Bloody Rage Of The Titans wartet erneut mit einigen volkstümlichen Elementen auf, und ist einer der deutlich gemäßigteren (in Bezug auf das Tempo) Titel. Zu Beginn könnte man gar noch vermuten, dass es sich um eine reine Ballade mit etwas leisem Klavierspiel und klassischen Strings handelt – doch ungefähr ab Minute 1.40 komemn die bekräftigenden Elemente hinzu. Dieser Titel ist vielleicht nicht ganz spektakulär wie die vorherigen – immerhin kommt der Refrain mit gewohnt-gekonnt epischen Elementen (Chor) daher. Gut, die Ruhepause ist vorüber – denn mit Holy Thunderforce erschafft die Band einen der wohl bekanntesten (bis heute) Titel, der wie kein anderer für die musikalische Richtung der Band steht. Hier fehlen einem beinahe die Worte… das Teil haut einfach nur rein, lateinische Chor-Textpassagen, eine etwas „abgehackte“ Instrumentalisierung – Drums und Gitarren schmettern, halten sich dann zurück (im Wechsel), um im Refrain zu explodieren… die Lyrics sind gewohnt Fantasy-angehaucht und besingen wahre Helden; später kommen noch einige sehr Turilli-like Synthiepassagen sowie leichte Streicher hinzu, das Ganze ist einfach ein brachiales Metal-Kunstwerk. Die stellvertretende Hymne des Albums, eindeutig ! Die etwas „komplexeren“ Werke erhält der potentiell Interessierte dann, wenn er sich das gesamte Album zulegt. Das war wohl auch der Gedanke der BAnd, als sie das Video zum Song gedreht haben. Nun ja, die Qualität der Videos ist ein anderes Thema, definitiv… sie sind eben trashig, ich gebe sogar zu;  viel zu trashig. Eine Kostprobe gefällig ?

Immerhin wurde das langsam aber sicher besser im Laufe der Zeit… obwohl, so klinisch-rein-geleckte Videoclips wie das aktuellste sind auch nicht mein Ding. Zurück zu den 3 noch verbleibenden Titeln: Trolls Of The Dark ist zur Abwechslung mal ein reines Instrumentalstück. Und was für eins – es beginnt mit etwas verträumtem Kindergesang, und mausert sich dann zu einem echten Uptempo-Kracher mit einigen netten epischen Passagen. Ansonsten dominieren auch hier die eher traditionell wirkenden Klänge. The Last Winged Unicorn, wieder einer dieser typisch klischeehaften Titelbezeichnungen (würden manche jetzt sagen) – aber, im Falle von Rhapsody Of Fire muss man darüber hinwegsehen. Das ist einfach ihr Ding, und das dürfen sie auch. Sehr markant: der starke Chor-Refrain, sowie die vielen eingesetzten klassischen Elementen (Orgeltöne, ein wenig Frauensopran, Streicher)… und auch ein eine sehr einprägsame Erzählerstimme kommt hier zum Einsatz. Das ist Fantasy-Metal pur, in seiner stärksten Form. zum Abschluss gibt es noch die 9-minütige Hymne The Mighty Ride Of The Firelord. Diese beginnt erst noch mit zarten Flötenklängen, erinnert dann stark an Track 3 des Albums (Triumph For My Magic Steel), entwickelt dann aber doch noch die nötige Einzigartigkeit. In erster Linie durch die mal etwas anders präsentierten Gesangspassagen. Dieser Abschlusstitel wirkt noch einmal wie eine Zusammenfassung des Vorangegangenen, und kombiniert alle Aspekte und Spielarten der Band in einem Stück. So könnte man jetzt entweder sagen: das habe ich doch irgendwo schonmal gehört (ja, vor ein paar Tracks), oder aber: super, alle Stärken werden noch einmal „als Ganzes“ dargeboten. Einigen wir uns auf eine Mischung beider Sichtweisen, und allen wird gerecht. Die Titel in einer Übersicht mit Wertungsvergabe:

Lux Triumphans – 10/10
Dawn of Victory – 10/10
Triumph for My Magic Steel – 9/10
The Village of Dwarves – 9/10
Dargor, Shadowlord of the Black Mountain – 10/10
The Bloody Rage of the Titans – 8/10
Holy Thunderforce – 10/10
Trolls in the Dark – 9/10
The Last Winged Unicorn – 10/10
The Mighty Ride of the Firelord – 8/10

Schlussendlich – Rhapsody Of Fire können die mit ihrem Symphony Of Enchanted Lands-Album etablierte Qualität durchaus halten. Was keine leichte Aufgabe ist, in Anbetracht der Höchstwertung von 100 % – aber wie das eben so ist mit einer Diskografie, kleine aber feine Unterschiede (meist reine Geschmacksfragen) gibt es auch hier. Und die soll es ja auch geben, es wäre doch höchst ermüdend (und beinahe unmöglich), bei ein und demselben Rezensenten für 6,7 oder 8 Alben stets eine volle Wertung zu bekommen. Das wird bei mir auf meinem Blog, und auch bei anderen, „professionellen“ Reviewmagazinen nicht der Fall sein. Dass Rhapsody Of Fire ihr Handwerk verstehen und eine absolute Kultband ist, die sich auch mal etwas „erlauben“ kann – eine kleine Portion Kitsch beispielsweise, was bei anderen Bands mit einer differenten Historie zurecht verpönt wäre – ist aber klar. Und deshalb muss eben doch ein zweites Mal in der Rhapsody-Diskografie gesagt werden: Höchstwertung ! Ein absolutes Muss für Power Metal-Fans.

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