Metal-CD-Review: KALEDON – Chapter 6 / The Last Night On The Battlefield (2010)

Land: Italien – Genre: Heavy / Power Metal

1. The Way To Home
2. Last Days
3. Power In Me
4. Coming Back To Our Land
5. Sorumoth
6. Surprise Impact
7. Black Clouds
8. Demons Away
9. May The Dragon Be With You

Nun steigen wir also zum vorerst letzten Male in die Legend Of The Forgotten Reign-Sage von Kaledon ein – denn mit diesem nunmehr sechsten Teil scheint das Epos zu enden. Immerhin, ein klein wenig episch mutet bereits die lange Geschichte dahinter an: im Jahre 2002 hat man begonnen, noch mit einem anderen Leadsänger… der neue, Marco Palazzi, darf nun also zum zweiten Male ans Werk, nachdem er auf dem vorherigen Chapter 5 sein Banddebüt gab. Eines wird aber bereits jetzt, und mit den vorherigen 5 Reviews deutlich: auch wenn die Band aus Italien stammt, und sich entsprechend ambitioniert zeigt(e): an gnadenlos epische, vergleichbare Sagen wie die Emerald Sword-Saga der Italo-Kultmetaller von Rhapsody Of Fire reichen die Werke von Kaledon zu keinem Zeitpunkt heran.

Das ist schade – mag aber auch an den unterschiedlichen Auffassungen bezüglich des Leadsängerwechsels liegen. Während einige Rezensenten über den Rücktritt des „alten“ Claudio Conti sogar glücklich waren und Marco Palazzi als weitaus stärkeren Sänger feiern, meine ich; dass sich Herr Conti zumindest kontinuierlich steigerte. So sehr, dass er auf seinem Höhepunkt – dem Chapter 4 der Sage – beinahe restlos begeistern konnte, dabei aber stets seine Unkonventionalität beibehielt. Und gerade dann muss er die Band verlassen, auf dem steilen Weg nach oben… ich selbst finde das nicht so glücklich wie manch andere, wie es sich auch in meinen Bewertungen abgezeichnet hat. von Chapter 1 bis Chapter 3 waren bereits immer wieder Steigerungen zu erkennen, doch Chapter 4 war endlich DAS ansprechende, bombastisch-mystische Power Metal-Album wie man es sich von Kaledon gewünscht hat. Es erhielt eine Wertung von 75 % – während der Nachfolger mit dem „neuen“ Marco Palazzi „nur“ 55 % erhielt – soviel wie das Chapter 2, und sogar noch 10 % weniger als Chapter 3.

Die „Steigerungslinie“ wurde also entsprechend geknickt, was allerdings nicht nur am Sänger lag: denn schließlich passte sich auch der generelle Sound an. Man bewegte sich weg vom vermeintlich kitschigen, und schlug eine weitaus härtere, klarere; aber eben auch unspektakulärere Schiene ein… von einem genregerechten Power Metal konnte man nun kaum noch sprechen, eventuell noch von einem gemäßigteren Epic Metal. Einige wenige Stücke waren durchaus hörenswert und knüpften da an, wo die Legend Of The Forgotten Reign-Sage ihre Höhepunkte fand – doch insgesamt wurde wenig neues geboten. Wie also wird das vorerst letzte Chapter abschneiden ? Sonderlich „viel zu tun“ hat man als Rezensent dieses Mal nicht: es sind lediglich 9 Titel vertreten,  zumeist mit einer Spieldauer von 3 bis 5 Minuten. Doch das muss nichts heissen – The Way To Home ist der gelungene Opener, der durch ein flottes Tempo und satten Sound besticht. Zusätzlich liefert Marco Palazzi die stimmigen und gut präsentierten Vocals ab, und wirkt dabei weitaus weniger „gelangweilt“ als noch auf dem Vorgänger. Ein paar epische Elemente (leichter Chorgesang) gibt es noch obendrauf, wobei die Textpassagen im (ruhigen) Gegensatz dazu stehen. Doch, der Song macht Lust auf mehr, und wirkt besonders gut, wenn man sich noch einmal das absolut geniale (!!) Coverartwork vor die  Nase hält.

Der zweite Track Last Days startet mit etwas Pferdegalopp und klaren Riffs. Hier handelt es sich um einen Midtempotrack, der vor allem auf die Gesangspassagen setzt. Insgesamt wirkt er jedoch wenig spektakulär und es ist etwas schade, dass man sich nicht wie lediglich in einer kurzen Passage (20 Sekunden) auf ein höheres Tempo und einige Bombast-Chorelemente fokussiert hat. Bis auf das kontinuierliche Sample, dass ein wenig nach synthetischem Orgelton aus der Konserve anmutet, bleibt eigentlich kaum etwas hängen.

Power In Me ist dann wieder einer dieser Titel, der mit einem der typischen, und damit leider auch leicht unpassend wirkenden Kaledon-Samples startet – ein Ritter gibt einen Schmerzensschrei von sich. Das klingt immer noch viel zu seltsam und befremdlich, als dass es einen „epischen“ Eindruck erwecken könnte. Und auch der Titel selbst bietet nicht viel neues – wieder handelt es sich um ein Midtempo-Stück, welches immerhin mit einer sehr gelungenen Instrumentalpassage aufwartet (etwa ab Minute 2). Dann wird es ruhiger, der Song wird kurz zur Ballade – um dann noch einmal seine volle Wirkung zu entfalten. Der Refrain mit einigen Streichern untermalt, das klingt einfach nett. Aber was ist das… Coming Back To Our Land ist eine Ballade, die keinerlei Höhen oder Tiefen aufweist, und eigentlich nur so vor sich hindudelt. Hier prägt sich nichts ein, es wird auf keinen Höhepunkt zugesteuert, der Refrain wiederholt sich recht oft – auch wenn Herr Palazzi sich reinhängt (besonders gegen Ende), einer der wohl schwächsten Tracks des Albums.

Jetzt beginnt wohl (endlich !) die Zeit der Gegensätze. Denn es herrscht zum ersten Mal richtige Gänsehaut beim epischen Sorumoth – und das trotz, oder gerade wegen der kräftigen Growls ? Kaledon einmal anders – und als Abwechslung gibt es noch eine wunderbar liebliche Gesangsvariation. Das Ganze wirkt wie ein episches Zwiegespräch zwischen zwei Protagonisten auf dem Schlachtfeld – genau so soll es sein, ein echter Kracher. Und auch das folgende Surprise Impact zeigt sich als echter Muntermacher: ein flottes Tempo, fetzige Riffs, und generell ein einprägsamer Eindruck… der Refrain kommt sehr frisch und innovativ daher, die epischen Klassik-Samples im Hintergrund sorgen für die nötige Erhabenheit. Und Sänger Marco Palazzi weiss nun auch mich zum ersten Mal so richtig zu begeistern.

Doch es folgt ein wesentlich schwächeres Black Clouds, dass erneut keine nennenswerten Höhepunkte aufweist. Es erinnert durch die Instrumentalisierung zudem stark an Track 2 des Albums. Das ist wenig spannend, und auch die vermeintlich „symphonischen“ Elemente kommen in der (viel zu kraftlosen und langsamen) Gesamtwirkung eher fade daher. Es bleibt eine merkwürdige Angelegenheit mit dieser Band – aber definitiv eine spannende. Gerade bei diesem Album hat man das Gefühl, als weise es trotz der geringen Titelanzahl von gerade einmal 9 Stück einen sehr deutlichen Spannungsbogen auf. Der Opener funktioniert noch gut und macht Laune, danach aber geht es bergab… bis zur Ballade Coming Back To Our Land als Tiefpunkt. Dann aber heisst es Kaledon einmal anders – und das Konzept geht auf, die beiden stärksten Tracks des Albums folgen. Warum bitte besinnt sich Kaledon nicht auf Stücke dieser Art, scheinen doch in diesem Bereich ihre klaren Stärken zu liegen (die etwas düsteren, schnelleren, „dreckigeren“ Titel) ? Doch danach heisst es abermals Langeweile vor: Black Clouds und Demons Away klingen absolut unspektakulär, wobei gerade Demons Away Potential gehabt hätte. Aber die Mischung aus klassischen (hier sehr nach Filmmusik klingenden) und rockigen Elementen geht im Gegensatz zu den Jungs bei Rhapsody Of Fire absolut nicht auf. Die Drums wirken eher unsauber und störend, der (angestrengte) Gesang wenig passend. May The Dragon Be With You wartet dann endlich noch einmal mit etwas mehr Tempo auf – wie es zu Kaledon nun einmal am Besten passt. Und auch der Refrain wirkt ambitioniert… kann aber auch nicht wirklich überzeugen, ebenso wie die vermeintlich „dämonische“ Erzählerstimme gegen Ende – viel zu künstlich ! Das können andere Genrevertreter viel, viel besser. Zu einer Übersicht der einzelnen Wertungsvergaben:

1. The Way To Home – 8/10
2. Last Days – 5/10
3. Power In Me – 7/10
4. Coming Back To Our Land – 3/10
5. Sorumoth – 9/10
6. Surprise Impact – 9/10
7. Black Clouds – 4/10
8. Demons Away – 5/10
9. May The Dragon Be With You – 5/10

Schlussendlich… das Chapter 6 ist aufgrund der starken „Mitte“ der Tracks vielleicht einen kleinen Tucken besser als der Vorgänger. Aber, an den Höhepunkt der Saga, Chapter 4, vermag dieses Album nicht heranzukommen. Für Fans der Band sicher empfehlenswert !

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