Filmkritik: „Piranha 3D“ (2010)

Filmtitel: Piranha 3D
Regie: Alexandre Aja
Mit: Elisabeth Shue – Adam Scott – Jerry O’Connell
Laufzeit: 89 Minuten
Land: USA
Genre: Horror

Inhalt: Es darf gefeiert werden – der Springbreak ist bereits im vollen Gange ! Inmitten des durchgedrehten Partyvolkes findet sich auch der 17-jährige Jake (Steven R. Mcqueen) wieder. Jake ist ein etwas schüchterner Typ, der sich ein wenig überwinden muss um auf ein Angebot des aufgedrehten Produzenten Derrick Jones (Jerry O‘ Connell) einzugehen. Der will ihn nämlich als ortskundigen Navigator auf einer Luxusjacht anstellen, um die besten und schönsten Kulissen der Gegend für sein geplantes Erotik-Video zu nutzen. Mit von der Partie ist ausserdem eine Bekannte von Jake, sowie zwei Profi-Models (Kelly Brook, Riley Steele). In der Zwischenzeit hat Jake’s Mutter, Sheriff Julie Forester (Elisabeth Shue) viel zu tun, das Partyvolk entsprechend zu überwachen. Doch betrunkene Teenager werden sich bald als das definitiv kleinere Übel herausstellen: ein heftiges Erdbeben hat dafür gesorgt, dass sich eine riesige Spalte unter einem See gebildet hat – diese führt zu einem weiteren, unterirdischen See. Und was finden die zwei Taucher dort vor, die als erste die Höhle erkunden ? Richtig, eine Art von prähistorischen Piranhas, die eigentlich längst ausgestorben sein sollten. Während ihrer Zeit in der Dunkelheit der See konnten sie offenbar nur mithilfe von Kannibalismus überleben – doch nun erwartet sie ein reich gedeckter „Tisch“ mit neuer, frischer Nahrung.

Kritik: Es ist schon so eine Sache mit Filmen wie Piranha 3D – wobei man das 3D auch gleich wieder streichen könnte, bringt der zusätzliche 3D-Effekt auch diesem Film keinen deutlich erkennbaren Mehrwert. Nein, Piranha 3D offeriert weitaus interessantere, kontroversere Aspekte die es wert wären, darüber zu diskutieren. Oder aber auch nicht – denn eigentlich ist der Film dann doch weitaus unspektakulärer ausgefallen und schneller abgehandelt als erwartet. Offiziell ist der Film wohl am ehesten dem Horrofilm-Genre zuzuordnen, wobei man hierbei klar differenzieren muss: wirklich ernst nimmt sich der Film nicht, heftigste Splatterszenen dominieren das Szenenbild – man sollte also eher von einer Horrorsatire, oder noch besser von einer Splatterkomödie sprechen. Die zugrundeliegende Geschichte ist dabei – wie so oft – grundsätzlich schön „trashig“ und klischeehaft, was sicherlich auch so beabsichtigt war. Ein Erdbeben sorgt mal eben für die zufällige Freilassung einiger antiker Tierchen, die mit besonderen Piranha-Fähigkeiten ausgestattet sind – mit den „normalen“ Piranhas, die man eventuell kennt, haben diese Tiere also wenig gemein.

Wie auch immer man die Story werten sollte – man kann ihr eigentlich keine Schwächen anhängen. Schließlich gilt ein Werk wie Piranha 3D wie andere Splatter-Klassiker a’la Braindead und Co grundsätzlich als selbstironisch und als reines „Spaßprojekt“ – bei dem eben durchaus der ein oder andere Liter Kunstblut fliessen kann. Die Logiklücken allerdings sind eine andere Angelegenheit: selbst als nur halbwegs aufmerksamer Zuschauer wird man an den ein oder anderen Stellen gewisse Ungereimtheiten entdecken können. So „benötigen“ die Piranhas offenbar stets nur soviel Zeit zum „Verarbeiten“ eines Opfers, wie es gerade für den Plot nötig ist: mal ist nach wenigen Sekunden nur noch das Skelet übrig, mal hat man „noch ein paar Minuten“ Zeit (Zitat des Hauptcharakters), bis eine einzelne Leiche (!) entsprechend abgeknabbert ist. Ein anderes Mal geht ein kleines Mädchen, welches mit ihrem Bruder auf einer Insel gestrandet ist, ins flache Wasser um nach Hilfe zu rufen – anstatt sich weitaus sichtbarer am höchsten Punkt der Insel zu platzieren. Warum ? Eben, damit ein paar der (durchaus guten) Unterwasseraufnahmen zum Einsatz kommen können. Auch sonst strotzt der Film nicht gerade vor Ideenreichtum: oft kupfert man gekonnt ab (oder positiv ausgedrückt, man widmet Szenen alten Klassikern) – wie bei einer Szene in der ein Polizist ein „Schiffsmotor-Amoklauf“ begeht und Dutzende Piranhas mit in den Tod reisst. Das erinnert doch stark an die Rasenmäger-Szene von Braindead

Und wenn man gerade mal keine filmische Hommage abhandelt, dann müssen eben „eigene Ideen“ her – die jedoch niemals wirklich geistreich oder originell erscheinen. Einen weiteren Hinweis darauf gibt die oftmals mehrfache Verwendung von bestimmten Szenen: die „Unterwasser-Verfolgerkamera“ beispielsweise, oder die sich wiederholenden Witze (oftmals geht es da um Brüste). Und überhaupt wird man schnell feststellen, warum der Film eine FSK 18 bekommen hat: natürlich, aufgrund der expliziten Gewalt – aber eben auch, weil oft „blank“ gezogen wird und man die ein oder andere Schönheit in natura bewundern darf. Das Zielpublikum kann man sich daher bestens vorstellen: Männer, am besten in einer Gruppe; daheim vor dem Fernseher mit ein paar Dosen Bier und einer Tüte Chips. Der Film soll der reinen, unkomplizierten Unterhaltung dienen – und bestenfalls noch für den ein oder anderen Lacher sorgen. Doch damit gelangt man auch zum Hauptkritikpunkt, beziehungsweise der eigentlichen Kontroverse: während offensichtliche Vorbilder wie Braindead noch durch-und-durch „komisch“ wirkten, selbst in den heftigsten Gewaltszenen (sofern man kein Feind des Genres Splatter ist), sorgen in Piranha 3D die deutlich übertriebenen, auf realistisch getrimmten Darstellungen der Verstümmelungen et cetera für den ein oder anderen Stolperer in Sachen Stimmung: diese Szenen sind einfach nur widerlich, und viel zu explizit ! Selbst für einen Splatterfilm – hier wurde nicht die richtige Balance gefunden, das Ganze tendiert zusätzlich in Richtung niveaulos.

Als merkwürdigen Gegensatz dazu hat man 2 Kindercharaktere eingeführt, die für das nötige Maß an „Unschuld“ sorgen sollen. Warum, ist jedoch fraglich, da ihre Rollen ebenso wie die der meisten „Busenfrauen“ absolut unbedeutend bleiben. Man braucht sie eben nur, damit ein Horrorfilm-Klischee das nächste jagen kann: so werden sie von der Insel gerettet, und das Boot… fährt sich daraufhin natürlich fest. Nachdem es wieder vorwärts geht, geht es natürlich so sehr vorwärts, dass man auch schon auf die nächste Klippe läuft und das Schiff unterzugehen droht. Dabei fällt natürlich einer der Charaktere von Bord und wird zur Hälfte von den Piranhas gefressen. Immer noch nicht genug ? Dann zum mitunter geschmacklosesten: dieser halbaufgefressene Mann (die Kamera fängt den verstümmelten Unterleib stets „gut“ ein), haucht als letzten Satz vor seinem Ableben ein „Miss Wet T-Shirt Contest“. Ist das wirklich noch witzig oder vertretbar, selbst in einem Film der grundsätzlich eine Parodie / Satire ist ? Es erscheint fraglich. Deshalb scheitert auch der Spagat zwischen Splatter und Comedy: wirklich lachen können bei Piranha 3D wohl nur die wenigsten, zu 100% abgehärteten. Ebenfalls makaber: eine Szene, in der die beiden Erotik-Damen unter Wasser miteinander liebäugeln – untermalt von einem völlig deplatziert wirkenden Klassik-Musikstück.

Fazit: Piranha 3D weiss beinahe einzig und allein im optischen Bereich zu punkten. Denn die Kameraführung ist wirklich exzellent, die Optik glasklar und farbenfroh, die wilden Kamerafahrten und Unterwasseraufnahmen stimmig. Der Soundtrack und besonders auch die Darsteller braucht man kaum erwähnen: wirklich spielen (und damit so etwas wie Empathie ermöglichen) kann kaum einer der Beteiligten. Grundsätzlich ist der Film nur für die abgehärtesten der Splatter-Fans empfehlenswert, die kein Problem damit haben, täuschend echte menschliche Verstümmelungen zu begutachten, wo sonst noch Zombies und Mutationen als Schockelemente dienen mussten. Miese Story (selbst für Trash-Verhältnisse), miese Darsteller, eine merkwürdig-nivealose Verbindung von Sex und Gewalt, und nur einige wenige gelungen wirkende Szenen. Die nette Optik kann es nicht wirklich reissen – dann doch lieber den deutlich niveauvolleren Tucker & Dale Vs. Evil als gelungene Horror-Persiflage.

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Piranha 3D“ (2010)

  1. Auweia….wenn hinter einem Titel schon ein „3 D“ prangert mache ich erst recht einen WEITEN Bogen, damals wie auch heute will dieses „3 D“ nur darüber hinwegtäuschen, dass Filme inhaltlich meist sehr fragwürdig sind. Wieder so ein überflüssiges Kommerz-Remake, das Original: Joe Dante’s Piranha von 1978 als zynische Antwort auf „Der weiße Hai“ gedacht gewesen. Während „Piranha“ Joe Dante als Einstieg in die Filmwelt diente (mit „The Howling“ und „Gremlins“ war er spätestens etabliert im Business), sollte es Alexandre Aja („Haute Tension“, „The Hills Have Eyes“ (der bereits ein Remake eines Wes Craven Klassikers) , „Mirrors“…) doch besser machen können. Oder doch nicht? Diese Remakewelle geht mir dermaßen auf den Zeiger. „Nightmare on Elmstreet“….demnächst soll übrigens auch ein Remake von „Total Recall“ , damals mit einem Arnie auf dem Höhepunkt seiner Karriere, entstehen. Übelst..einfach nur schlimm! Das Schema ist mittlerweile nur allzu deutlich…jeder Film der gerade mal seinen 20. gefeiert hat läuft Gefahr kopiert zu werden. Aber wo zum Teufel bleibt endlich mal ein Remake (vielleicht in 3D) von Braindead? Oder gar ein zweiter Teil? ^^ Wenn, dann aber bitte wieder von Peter Jackson persönlich.
    Alexandre Aja rangiert für mich endgültig mit Leuten wie Eli Roth („Cabin Fever“, „Hostel“) auf der „Möchtegern“-Schiene der Horrorgenreregisseure die nicht wissen wie sie ihre Zuschauer noch so richtig provozieren können – sei es mit grenzdebilen Folterfilmen mit 0 Inhalt und 0 Realitätssinn oder dreisten Kopien. Ironischerweise (kein Witz) ist der 26. April der „Tag des geistigen Eigentums“. In diesem Sinne. ^^

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