Metal-CD-Review: RHAPSODY – Legendary Tales (1997)

Land: Italien – Genre: Epic Symphonic Power Metal

1. Ira Tenax (1:13)
2. Warrior Of Ice (5:58)
3. Rage Of The Winter (6:10)
4. Forest Of Unicorns (3:23)
5. Flames Of Revenge (5:32)
6. Virgin Skies (1:22)
7. Land Of Immortals (4:49)
8. Echoes Of Tragedy (3:32)
9. Lord Of The Thunder (5:32)
10. Legendary Tales (7:50)

Es begann im Jahre 1997… eine bis dato noch relativ unbekannte Band legte den Grundstein für eine unvergleichliche Karrierelaufbahn im Bereich der italienischen Metal-Szene. Rhapsody Of Fire schafften das beinahe unmögliche: sie schossen von 0 auf 100 in beinahe jeder Beleibtheitsskala, faszinierte abertausende von Hörern, und „bekehrte“ sogar einige eingefleischte Fans anderer Spielarten als der des Symphonic Power Metal. Die Emerald Sword-Sage ward ins Leben gerufen ! Überhaupt: 1997 lief Musik dieser Art noch längst nicht Gefahr, als Kitsch verschrien zu werden. So gilt die Band bei vielen auch heute noch als „Erfinder“ des symphonischen Epic-Bombast-Metal – der eben nicht nur „mal eben“ in einem Studio entsteht, sondern zu dem ein ausgearbeitetes Konzept und viel investierter Schweiss und Herzblut gehört. Eine nicht unwichtige Rolle spielte und spielt auch heute noch Luca Turilli – der bereits bei diesem Debütalbum zusammen mit Alex Staropoli sämtliche Songtexte und Songkonzepte verfasste und auch die Komposition der äusserst majestätischen, klassisch angehauchten Instrumentalparts übernahm.Und auch ein neuer Sänger trat auf die Bühne der Welt, und half dabei, Rhapsody Of Fire zur neuen Referenz in Sachen Power Metal avancieren zu lassen. Fabio Lione heisst der Mann – der bis heute nicht von seiner damals etablierten Linie abgekommen ist und die teils gefühlvollen, teils einfach nur antreibenden Vocals zu den passenden Melodiebrettern schmettert. Doch, hinter einem solch episch angelegten Album stehen natürlich noch weitere Personen, weshalb an dieser Stelle eine Übersicht der Beteiligten folgt:

– Fabio Lione / Gesang
– Sasha Paeth / Bass, Akustik-Gitarren und Madoline
– Luca Turilli / Gitarre
– Daniele Carbonera / Drums
– Alex Staropoli / Keyboards
– Robert Hunecke / Bass
– Manuel Staropoli / Barock-Rekorder
– Thomas Rettke, Cinzia Rizzo / Unterstützender Gesang
– Anne Schnyder / Violine

Desweiteren gab es da noch ein Chorensemble, welches sich für die herausstechenden, melodiösen Refrains teils mitverantwortlich zeigte. Nun, wer auch heute noch nicht in Besitz dieses zeitlosen Klassikers ist, der sollte sich noch einmal gut überlegen, ob er heute andere italienische Power Metal-Bands niedermacht – ohne diesen Grundstein dieser musikalischen Entwicklung zu kennen, sollte man sich doch zurückhalten. Wie aber klingt dieses Debütalbum mit 10 Tracks tatsächlich ? Sollte man nicht annehmen, dass die Produktionsqualität ein gewisses Niveau vermissen lässt, handelt es sich doch um ein Debüt, was dementsprechend immer eine Art „Experiment“ ist ? Weit gefehlt, bereits auf diesem ersten Album begeistert der satte Sound, die melodiösen Kompositionen die vor Anmut nur so strotzen. Hier wird eben geklotzt, und nicht gekleckert – aber dennoch niemals geprotzt, die Stücke wirken niemals zu aufdringlich oder gar „gekünstelt“ – es galt eben nicht das Motto wir müssen das jetzt machen, weil wir dadurch bestimmt eine Nische füllen und damit Geld verdienen. Es scheint, als lebten die Mitglieder der Band das was sie da machen von Anfang an – dementsprechend aktiv zeigten sie sich über die Jahre auch in alternativen oder auch Solo-Projekten. In dieser Hinsicht ist wiederum Luca Turilli der schillerndste Charakter geblieben: seine ersten beiden Soloalben sprengten selbst noch den epischen Rahmen, der mit Rhapsdoy Of Fire schon eine neue, für viele unerreichbare Stufe erreichte.

Startet man mit dieser CD, so fällt einem sofort der Bezug zur Klassik auf: bereits das Intro Ira Ternax wartet mit einigen Streichern, leichten Chor-Elementen und Bombast-Klängen auf – und ist, wie der Titel bereits impliziert, ebenfalls in einer Sprache gesungen die hauptsächlich im klassischen Bereich Verwendung findet. Die Spannung steigt… und findet erstmals in der Rhapsody-Albengeschichte ihren Höhepunkt mit dem satten Opener Warrior Of Ice. Was für ein Fest – man hat das Gefühl, eine symbiotische Mischung aus klassischen und zeitgemäßen Elementen zu hören – alle einzelnen Aspekte haben aber stets eines gemeinsam: sie sind quasi eine „Auslese“ der wohlklingendsten Elemente, die einerseits ein harmonisches Klangerlebnis ermöglichen – andererseits aber auch für eine leicht apokalyptische, eine Art Aufbruchsstimmung sorgen. Der Begriff Epic wird hier eben großgeschrieben – Titel wie dieser im Radio, gar auf einem Mobiltelefon ? Nein, dafür sollte man dann doch lieber zu anderen musikalischen Genres greifen… eine Scheibe wie diese gehört in eine entsprechende Anlage, oder auch gern über einen qualitativ hochwertigen Kopfhörer genossen – das Ganze dann noch abends und in der Dämmerung, dann kann man kaum noch etwas falsch machen.

Während der Opener vor Komplexität und interessanten Arrangements nur so strotzt (was definitiv nichts schlechtes heisst !), zeigt das folgende Rage Of The Winter, dass die Band auch wunderbar eingängige, fast schön fröhlich wirkende Refrain kreieren kann. Doch wer den Lyrics lauscht, weiss, dass dem sicher nicht so ist – doch so ist das eben bei Rhapsody Of Fire, viele verschiedene Eindrücke kommen zusammen und ergeben ein abenteuerliches – und dementsprechend unterhaltsames – Gesamtbild. Ein Blick auf das wunderbare Coverartwork hie und da bekräftigen diesen Eindruck abermals. Titel wie Forest Of Unicorns lassen es abermals nicht langweilig werden, und stellen dem Hörer erstmals die etwas experimentellere Seite der Band vor. Und auch diese weiss restlos zu begeistern: hier steckt viel Liebe und Mühe drin, und die Wirkung verfehlt auch dieser Titel nicht. Insgesamt schon deutlich ruhiger, dominieren hier leise Flötenklänge und ein weiblicher „Elfengesang“ im Refrain. Das macht Laune, und sorgt für die nötige Abwechslung – gut, dass man nicht einfach Bombast-Kracher für Kracher hintereinanderreihte.

Denn mit so einer Art „Interlude“ ist man wieder bestens vorbereitet für die nächste Hymne, nämlich Flames Of Revenge. Über die technischen Aspekte und die Leistungen aller Beteiligten bracht man eigentlich nichts mehr zu sagen – alles ist stimmig und perfekt. Wenn man tatsächlich noch etwas an diesem Album auszusetzen hat, dann ist das hauptsächlich auf den guten alten „Geschmack“ zurückzuführen; von dem auch in dieser Rezension Gebrauch gemacht wird (das ist unvermeidlich). So sollen die Wertungsvergaben entsprechend für sich sprechen, dabei aber möglichst objektiv bleiben – eine schwierige Gratwanderung. Bei einem Debütalbum wie diesem fällt es natürlich zusätzlich schwer – kann man diesem Album wirklich eine durchgehende 10/10 geben, denn wenn dieses Level jetzt schon erreicht ist, wie bitte soll sich die Band dann noch steigern (was zu erwarten ist) ?

Immerhin könnte man die relative Kürze des Albums bemängeln, 10 Titel sind enthalten, davon 2 mit einer Länge von einer knappen Minute. Die anderen 8 bewegen sich zwischen Spieldauern von guten 3 bis maximal knappen 8 Minuten (das Finale). Titel Nummer 6, Virgin Skies, ist im übrigen einer dieser kurzen Titel, die als Interlude fungieren und ohne Gesang auskommen. „Endlich“ etwas überflüssiges, etwas unpassendes… ? Nein, erneut nicht: man könnte höchstens sagen, etwas ein klein wenig unspektakulärer als die vorangegangenen Titel. Das gleicht das folgende Land Of Immortals aber locker wieder aus: die symbiotische Mischung aus „harten“ Heavy-Metal-Elementen (Drums, Riffs) und so wunderbar zeitlos-versierten klassischen lockt durchaus den ein oder anderen Begeisterungsschrei hervor. Mal sind es eben Querflöten, mal Streicher, mal ein Spinett, mal ganze Orchester (zumindest klingt das so)… Echoes Of Tragedy ist wiederum eine Art Ballade, oder treffender: eine epische Gesangshymne die stark nach Soundtrack klingt. Bravo – erneut ein Beleg für die unglaubliche Vielfalt der Band. Die nächste brachial-Hymne ist demnach Lord Of The Thunder – in der Tat. Ein flottes Schlagzeug, untermalt vom wunderbar klaren Gesang von Fabio Leone, im Hintergrund die unterstützenden Riffs und Symphonic-Elemente; und ein gnadenlos epischer Refrain mit darauffolgenden Instrumentalpassagen die erneut stark nach Klassik klingen. Der Abschluss gelingt mit Legendary Tales bravourös – mal deutlich ruhiger und mit einer minimalen instrumentellen Untermalung, und mal geradezu explodierend (vor allem gegen Ende hin). Zur Wertungsvergabe in Bezug auf die einzelnen Titel:

1. Ira Tenax – 9/10
2. Warrior Of Ice – 9/10
3. Rage Of The Winter – 9/10
4. Forest Of Unicorns – 9/10
5. Flames Of Revenge – 9/10
6. Virgin Skies – 8/10
7. Land Of Immortals – 9/10
8. Echoes Of Tragedy – 9/10
9. Lord Of The Thunder – 9/10
10. Legendary Tales – 9/10

Insgesamt kann man kaum anders als dieses Debütalbum zu empfehlen, und gleichzeitig auch zu einem der besten Debüts überhaupt zu erklären. Hier geht es weiter zum Review des nächsten Rhapsody-Albums: Symphony Of Enchanted Lands (1998)…

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