Filmkritik: „Wickie Und Die Starken Männer“ (2009)

Filmtitel: Wickie Und Die Starken Männer
Regie: Michael Bully Herbig
Mit: Jonas Hämmerle – Jürgen Vogel
Laufzeit: 87 Minuten
Land: Deutschland
Genre: Kinderfilm

Inhalt: Der lebendige Wikingerjunge Wickie (Jonas Hämmerle) entspricht definitiv nicht dem Wikingernachwuchs so wie man sich ihn vorstellt. Anstatt sich wie fast alle Bewohner des kleines Dorfes Flake auf pure Muskelkraft und überliefertes Wikingerwissen zu verlassen, löst er auftretende Probleme und Schwierigkeiten lieber mit Köpfchen. Allerdings eher zum Missfallen seines Vaters – der ihn eines Tages zu einem Wettbewerb nach alter Wikingertradition herausfordert. Steineschleppen, das ist eben nur was für „echte“ Männer ! Doch auch diese Prüfung weiss Wickie ganz ohne den Einsatz seiner (kaum vorhanden) körperlichen Kräfte zu meistern. Nach einigen weiteren Tagen der Idylle geschieht etwas schreckliches: eine verkleidete Truppe von Männern fällt über das kleine Dorf her, und raubt dem Stamm alle Kinder. Der schreckliche Sven (Günther Kaufmann) zeichnet sich für diese Tat verantwortlich – er will mithilfe der unschuldigen Kinder einen sagenumwobenen Schatz bergen. Doch als die Wikinger um Clanchef Halvar (Waldemar Kobus) um die Hintergründe dieser Tat wissen, setzen sie fortan alles daran ihre geliebten Kinder wieder zu befreien – aber ohne die Hilfe von Wickie scheint das natürlich eine unmögliche Herausforderung zu sein.

Kritik: Natürlich „darf“ Wickie offiziell nicht mit, schließlich ist er noch ein Kind – aber er schmuggelt sich dennoch an Bord des Wikingerschiffes und beschert dem Zuschauer diese… abenteuerliche Geschichte. Die, wie viele wissen, nicht neu ist: die damalige Zeichentrickserie rangiert heutzutage längst als Kult, weshalb Regisseur Michael Herbig auch alles daran setzte, nicht zu sehr vom Original abzuweichen. So wird allein die Darstellung des „heimelig“ wirkenden Dorfes Flake sowie selbstverständlich die Titelmelodie für einen großen Nostalgiebonus bei den erwachsenen Zuschauern sorgen. Doch nicht nur die, auch alle anderen wurden in einer groß angelegten Marketingkampagne auf den Film vorbereitet, wenn man es einmal neutral formulieren sollte. In Wirklichkeit aber wurde die Werbetrommel so stark gerührt wie schon lange nicht mehr für einen deutschen Film: im deutschen Fernsehprogramm lief eine eigens angelegte Casting-Sendung, unzählige Teaser und Trailer liefen rauf- und runter; Bully Herbig liess keine Gelegenheit aus über den Film zu berichten (und entsprechend zu schwärmen), in Zeitschriften fanden sich Beilagen, in vielen Auslagen Filmposter… und auf der anderen Seite wurden diese Informationen wie nie zuvor „weiterverarbeitet“ (im Rahmen des Web 2.0, auf Youtube, auf Blogs, in Foren).

Kann man also noch unvoreingenommen auf eine Rezension dieses Films zugehen, im Wissen, dass die Marketingkampagne nicht gerade… nebenbei betrieben wurde ? Man sollte es zumindest – denn wie auch immer man darüber urteilen mag, so ändert sich erst einmal nichts am Film beziehungsweise dessen Inhalt. Jedoch – mit einem weiteren „Clou“ des Marketings zeigen sich auch erstmals Auswirkungen auf eben diesen: mit Darstellern wie Jürgen Vogel, Nora Tschirner, Hannah Herzsprung, Christoph Maria Herbst, Herbert Feuerstein und Co. hat man sich durchaus bekannte Namen mit ins Boot geholt. Das problematische dabei ist, dass es scheint, als war auch nur dieser Fakt wichtig – ob die ganzen „Stars“ unter- und miteinander in einem Spielfilm harmonieren würden, scheint ein zweitrangiges Thema gewesen zu sein. Oder, ob man ihre Rollen überhaupt hätte ausbauen können – oder sie lieber gleich und hauptsächlich „sich selbst“ verkörpern sollten, was mit durchaus weniger Aufwand verbunden wäre. Fakt ist – die zweite Variante hat es in den Film geschafft.

So verkommen die Charaktere allesamt zu oberflächlich-eindimensionirten Witzfiguren auf Bildzeitungs-Niveau. Leider – selbst Jürgen Vogel in der Rolle eines bemitleidenswerten, stotternden Piraten kann da kaum für Lacher sorgen. Diese Art von Witz erscheint dabei nun wirklich sehr althergebracht – und nicht wirklich lustig, allerhöchstens für die jüngsten unter den Zuschauern. Aber selbst da gibt es genügend Alternativen, die inhaltlich wertvoller daherkommen und nicht in einer so perfiden Art und Weise auf den Bekanntheitsgrad des Namens Wickie und den Nostalgiebonus setzen. Wenn schon Nostalgie, dann bitte auf einem angebrachten Niveau – mit einer ausreichenden Tributzollung an das Original (das ist vorhanden), aber auch reichlich neuen Ideen und frischer Innovation ! Und die ist Michael Bully Herbig leider völlig abhanden gekommen. So hat er selbst einen (völlig bedeutungslosen und eher unwitzigen) Gastauftritt als spanischer Chronist, und mit Ankie Beilke als exotische Schönheit Lee Fu hat man sich auch noch „was für’s Auge“ ins Boot geholt. Solange es nichts allzu anstrengendes für den Kopf ist, oder zumindest für einen Hauch von Witz sorgen könnte… zudem stören diese beiden Charaktere die Harmonie der Szenerie, da sie wie Fremdkörper in einer sonst eigentlich stimmigen Umgebung sorgen. Die darstellerischen Leistungen beschränken sich auf das absolut nötigste – man glaubt, ein Kinderprogramm auf Teletubbie-Niveau zu sehen, was damit eben nicht kindgerecht ist. Eine Ausnahme bildet da Newcomer Jonas Hämmerle als Wickie – der im übrigen auch die einzige bedeutendere, ausfüllendere Rolle des Films innehat. Zumindest hier kann so etwas wie Sympathie (für sein Spiel aber auch den Charakter, den er verkörpert) aufkommen, und gleichzeitig biet er er mit seiner „Köpfchen-statt-Muskeln“ Einstellung eine sinnvolle Identifikationsfigur für die Kinder im Publikum.

Was im Zeichentrick noch funktionierte – eine simple Grundstory als Füller für einige Minuten an Unterhaltung – klappt nicht wirklich bei einem Kinofilm mit 87 Minuten Länge. Die Handlung dreht sich ausschließlich um die Entführung einiger Dorfkinder, die daraufhin natürlich wieder gerettet werden müssen. Eine Schatzsuche gibt es zwar auch noch, allerdings eher nebenbei. Schade auch, dass offensichtlich mehr auf technische Aspekte als auf das Entwickeln einer gewissen filmischen Magie geachtet wurde – die Kulissen, Kostüme und die Optik im Gesamten wirken sicherlich äusserst farbenfroh, stimmig und aufwendig. Auch der Soundtrack ist gut, zumal beispielsweise eine Originalversion der alten Serie eingespielt wurde. Die wenigen Spezialeffekte wirken zwar deutlich künstlich und übertrieben, passen aber so auch zum Charme der Originalfigur.

Fazit: Große Namen, große Versprechungen – und ein Ziel, welches man sicher erreicht hat. Das Einspielen der Produktionskosten nämlich – einen wirklich guten, zeitlosen oder gar magischen Kinderfilm der auf einer Kultfigur basiert, hat man mit Wickie aber nicht geschaffen. Dann doch lieber Der Räuber Hotzenplotz.

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