Metal-CD-Review: KALEDON – Chapter 1 / Legend Of The Forgotten Reign (2002)

Land: Italien – Genre: Melodic Power Metal

1. Imperium Fulgens
2. In Search of Kaledon
3. Army of the Undead King
4. Thunder in the Sky
5. Streets of the Kingdom
6. Spirit of the Dragon
7. Hero of the Land
8. God Says Yes
9. Deep Forest
10. Desert Land of Warriors
11. The Jackal’s Fall

Nun also kann ich in Sachen Kaledon ordnungsgemäß und „von vorne“ beginnen, nachdem sich meine erste Rezension zum Schaffen der italienischen Power Metal-Combo auf das vierte Album bezog (siehe hier). Versuchen wir also, den Einstieg wieder ein wenig zu vergessen, und gehen möglichst unvoreingenommen an Chapter 1 der von Kaledon eigens ins Leben gerufenen Historien-Saga, der Titel lautet Legend Of The Forgotten Reign. Klingt das nach Fantasy-Inhalten und reichlich Klischee ? In der Tat, das lässt sich gewiss nicht verhehlen. Zudem stammt die Band aus Italien, und muss sich so mit zahlreichen, weitaus populäreren Genrevertretern messen (Rhapsody Of Fire, Labyrinth) – die ebenfalls für gnadenlos epischen Bombastsound bekannt sind. Allerdings auf einem sehr hohen Niveau – wie also kann eine „unbefleckte“ Band wie Kaledon in diese riesigen Fußstapfen treten, oder bestenfalls noch etwas ganz eigenes, musikalisch innovatives kreieren ?

Power Metal, Screams, Doublebass und Fantasy – das bleibt ohnehin eine Mischung, um die einige einen großen Bogen machen werden – im voraus. Ich selbst jedoch bin diesem Genre keinesfalls abgeneigt, im Gegenteil – ich habe mich gar auf diese Art von Musik spezialisiert, weshalb auf diesem Blog zahlreiche Reviews zu eben solchen (gerne auch mal als „cheesy“ verschrieenen) Alben vorzufinden sind. Selbstverständlich sind auch die Alben von Rhapsody Of Fire dabei – für mich (und viele andere, die gern einem epischen Symphonic Power Metal lauschen) eine echte Offenbarung in musikalischer Hinsicht, und das seit dem Debütalbum de Band.

Bei Kaledon fällt zumindest der musikalische Werdegang nicht wirklich vergleichbar aus: man hört dem ersten Album deutlich an, dass es in Sachen Produktionsqualität hinterherhinkt. Zwar bewegt sich dieser Faktor noch im erträglichen Bereich – manche werden sich aber dennoch daran stören, gerade solche, die den satt-glasklaren Sound von Rhapsody und Co so lieben. Bemerkbar macht es sich vor allem durch leichte Halleffekte, die die Drums zusätzlich ein wenig „künstlich“ erscheinen lassen, und überhaupt wirkt der Sound auf Chapter 1 relativ flach und dünn – und das, obwohl hier eigentlich eine Symphonische Metal-Bombe auf den Hörer warten sollte. Und auch das nett gemeinte Coverartwork lässt erst nichts allzu gutes vermuten: ein Drache vor einem Schloss, das Ganze in überbunten Farben und im Kinderbuch-Look ? Wirklich innovativ oder „episch“ wirkt das beileibe nicht.

Angesprochene Produktionsmängel haben aber in einem Fall einen Vorteil – nämlich beim Opener nach dem (etwas unspektakulären) Intro, Search For Kaledon. Dieser Titel beginnt nämlich mit einer flotten Instrumentalisierung und zusätzlichen Effekten – sodass ein leicht „sphärischer“ Eindruck entstehen kann. gleichzeitig ist dies einer der stärksten Titel des Albums – wenngleich man sicher festhalten muss, dass einem als alteingesessener Power Metal-Fan (der auch mal nach Italien lauscht) nichts wirklich neues geboten wird. In Titeln wie Track 3, Army Of The Undead King, offenbart sich ein weiteres potentielles Problem für alle, die Power Metal vielleicht „gerade noch so“ hören können… eben dann, wenn nicht ständig in den höchsten Lagen gesungen wird. Was der Leadsänger hier stellenweise loslässt, bewegt sich schon hart an der Grenze – besonders gegen Ende hin. Immerhin stellt er so zur Schau, was er alles mit seiner Stimme anstellen kann – er beherrscht sowohl die tieferen, als auch die unendlich (!) hohen Screamparts. Allerdings wirken gerade diese nicht immer standfest und sicher – dies mag aber auch an der Produktion liegen. Zudem scheint es, als würden Gesang und Instrumentalisierung / Melodie nicht immer wirklich miteinander harmonieren. Andererseits sorgt dies für eine gewisse Unverwechselbarkeit des Sängers, es scheint, als ob er einfach „sein Ding“ durchzieht.

Und bei Titeln wie Thunder In The Sky merkt man einfach wieder sofort, dass die Produktion einfach noch nicht sonderlich rund wirkt. Hinten wummert ein kontinuierlicher Doublebass, die Gitarren schrammen (vergleichsweise leise und unspektakulär) im Mittelfeld, und ganz vorne schreit sich ein Sänger die Seele aus dem Leib – so oder so ähnlich. Streets Of The Kingdom ist mit knapp 6 Minuten Laufzeit einer der längeren Titel des Albums. Hier handelt es sich um eine, leider: 08/15 Ballade. Denn was sich die Jungs von Rhapsody Of Fire erlauben können (auch gerne mal volkstümliches auf italienisch), das kann eben nicht jeder. Man entschuldige die ständigen Vergleiche – aber man muss sich einfach vergegenwärtigen, dass dieses Album hier aus dem Jahre 2002 stammt (!) – bis dahin haben die Jungs von Rhapsody, Labyrinth und Co aber 10x hochwertigeres, innovativeres, spektakuläreres Material abgeliefert. Da muss man sich als „Neuling“ in der Szene schon ein wenig mehr anstrengen…

Einzig, dass es dann ab einer bestimmten Minute doch mal einen Tempogewinn (und eines der besseren Gitarrensoli) serviert gibt, gestaltet das Ganze ein klein wenig abwechslungsreich. Der Rest, vor allem die Gesangspassagen und der unmelodiöse Refrain – das muss nicht sein. Spirit Of The Dragon beginnt dann ausnahmsweise mal mit einer deutlich längeren Instrumentalpassage. Etwas merkwürdig: die Methode der späteren Stimmüberlagerungen, teilweise meint man, noch einen zweiten Titel irgendwo im Hintergrund laufen zu haben. Und auch der Refrain zeugt nicht gerade von zeitloser „Epicness“: der vermeintliche „Chor“ besteht wahrscheinlich aus 3 Leuten die in einem Kellergewölbe stehen, das Ganze klingt einfach noch nicht sonderlich reif und versiert. Aber vielleicht ja gerade deswegen ein gaaanz klein wenig kultig, und irgendwie ‚“echt“ ?

Wie sieht es dann mit Hero Of The Land aus ? Eigentlich ganz gut, zieht man die eingängige Melodie zu Rate. Hier wirkt auch der Refrain deutlich sicherer und ausgereifter präsentiert. Aber auf wirklich spektakuläres wartet man vergebens… leider auch während der noch verbleibenden Titel. Nun, Kommen wir zu einer Übersicht der einzelnen Titel (mit Wertungsvergabe):

01. Mystisch, stimmig, aber vielleicht doch ein wenig unspektakulär. 5/10
02. Kräftig, schnell, voller Spielfreude, Screamparts, Doublebass – ein guter Opener. 7/10
03. Stimmenexperimente, langsamer Titel, ein wenig Schlachtensound – Gewöhnungsbedürftig. 4/10
04. Wieder Stimmenexperimente, dafür flotte (aber leider billig wirkende) Instrumentalisierung. 4/10
05. Langatmige Ballade ohne Schnörkel, aber mit einem netten Soli-Part. 4/10
06. Im Grunde vielversprechend, aber nervige Stimmüberlagerungen und behelfsmäßiger Refrain. 4/10
07. Deutlicher Sicherer, nette Melodie, netter Refrain. Aber immer noch nichts wirklich besonderes. 4/10
08. Leider eine reichlich verworrene Instrumentalisierung, und der Chor… 4/10
09. Gähn… das wird definitiv niemandem vom Hocker reissen. 3/10
10. Guter Start, ein paar Heavy- und Proganleihen. Stimmakrobatik aber stark gewöhnungsbedürftig. 4/10
11. Mit 9 Minuten auf „episch“ angelegt. Der Refrain ist ganz nett. Aber noch viel zu künstlich. 4/10

Schlussendlich, für ein Debütalbum ist Chapter 1 einerseits gut (da „echt“ und eigenwillig) – andererseits aber auch schlecht (da schlechte Produktionsqualität, und zuwenig neues). In jedem Fall wird diesem Album eines nicht gelingen – nämlich mit den „ganz großen“ der Szene mitzuhalten. Da schmiert Chapter 1 im Vergleich gnadenlos ab, aber vielleicht musste man erst einmal einen Einstieg finden. Daher bin ich gespannt, wie es mit Chapter 2 aussieht (Review folgt). Auch der Leadsänger ist stark gewöhnugsbedürftig, die extremen Ausflüge in höchste Höhen und das ein wenig „off-key“ Gesinge sowie sein Akzent ist sicherlich nicht jedermanns Sache.


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