Filmkritik: „Immer Nie Am Meer“ (2007)

Filmtitel: Immer Nie Am Meer
Regie: Antonin Svoboda
Mit: Christoph Grissemann – Dirk Stermann – Heinz Strunk
Laufzeit: 88 Minuten
Land: Österreich
Genre: Komödie / Drama

Inhalt: Was würde wohl passieren, wenn drei schräge Typen einen derart unglücklichen Autounfall haben, dass sie direkt zwischen zwei Bäumen stecken bleiben ? Was, wenn das Fahrzeug so hoffnungslos feststeckt und entsprechend „sicher“ gebaut ist, sodass das Trio ohne Hilfe nicht mehr aus dem Wagen gelangen kann ? Genau das passiert Anzengruber (Christoph Grissemann), Beisch (Dirk Stermann) und Schwanenmeister (Heinz Strunk), die das Schicksal zusammengeführt hat. Alle drei haben recht unterschiedliche Lebensgeschichten und Erfahrungen, sodass sie nun reichlich Zeit haben, um sich ausgiebig auszutauschen. Nach zahlreichen Stunden des mehr oder weniger unterhaltsamen Gespräches im inneren des Wagens taucht ausserhalb des Autowracks plötzlich ein Junge namens Toni (Philip Bialowski) auf. Der findet das Trio als erster – und bemerkt deren hilflose Lage. Die drei lassen aus Vorfreude schon einmal die Sektkorken der noch verbleibenden Sektflaschensammlung aus dem Kofferraum knallen – doch Toni ist nicht gekommen, und sie zu retten… stattdessen benutzt er die drei „Gefangenen“ als Versuchskaninchen und studiert „live“ diverse wissenschaftliche Annahmen in Bezug auf Menschen in Notsituationen.

Kritik: Klingt das makaber ? In der Tat, das ist es – und zudem reichlich ungewöhnlich. Immerhin wagen es nicht viele Regisseure, die komplette Handlung eines Filmes an nur einem (und zudem so engen und beschränkten) Schauplatz stattfinden zu lassen. Richtig – ausser den kurzen Vorszenen mit der Geschichte wie es zum Unfall kam, spielt sich der Rest im inneren des Wagens ab. Beziehungsweise stellenweise (das ist aber eher selten) auch ausserhalb – nämlich dann, wenn der merkwürdige Toni ins Spiel kommt. So versucht der Film ausschließlich, mit der äussert makaberen (aber gleichzeitig ernsten, da lebensbedrohlichen) Situation im Wagen zu punkten – und verlässt sich dabei samt und sonders auf die dort gefangenen Charaktere als Unterhaltungselement. Das klappt auch recht gut – der gut portionierte und pointierte österreichische Humor ist gewiss nicht zu verachten, und tatsächlich regen die Gespräche und Aktionen innerhalb des Wagens zum Schmunzeln an. Dies zeugt von einem gewissen Können des Regisseurs, aus derart minimalistischen Settings und Situationen das beste, also folglich das unterhaltende, herauszuholen. So wirkt der Film überraschenderweise fast nie langatmig oder allzu abstrus.

Und das, obwohl die Situation im Wagen eigentlich stets unverändert bleibt. Doch hier kommt der leicht voyeuristisch (in diesem Zusammenhang zwar höchst heikel zu betrachten, aber…) Aspekt zum Zuge: wie verhalten sich die Charaktere in dieser ungewöhnlichen Situation, und überhaupt: wie bleiben sie am Leben ? Genau das denkt sich wohl auch der Charakter des Toni – der zudem noch zu einigen fiesen Methoden greift, um wissenschaftliche Experimente durchzuführen. So bleibt der Film spannend, und balanciert hierbei geschickt zwischen komödiantischen und tragischen Elementen. Eine herbe Gratwanderung – die äusserst ungewöhnlich erscheint, aber ihre Wirkung niemals verfehlt. Fast – denn leider verliert sich der Film gegen Ende hin in eben dieser Gratwanderung. Ab einem gewissen Punkt scheint weder der Regisseur, noch der Zuschauer zu wissen, in welche Richtung man denn nun letztendlich tendieren sollte. Ja, wie schließt man so eine makabere, teilweise witzige aber dennoch lebensbedrohliche und gefährliche Situation ab ? So geschieht das unvermeidliche: gegen Ende hin driftet Immer Nie Am Meer zusehends in eine depressiv anmutende Psycho-Schiene ab, und klingt dabei äusserst ernst. Ob beabsichtigt oder nicht – so bleibt einem das Schmunzeln dann doch noch im Halse stecken.

Das besonders auffällige und störende hierbei ist das unglückliche Ende des Films selbst – aber auch das Porträt des Jungen Toni, der als seltsamer Junge mit einem scheinbar makaberen Hobby vorgestellt wird – sich aber nie über diesen simplen Charakterzug erhebt. Die Konstruktion des Plots führt außerdem dazu, dass sein Erscheinen eigentlich völlig irrelevant bleibt – ob er nun vor Ort war oder nicht, für das Ende hat dies keine Bedeutung. Hier hätte man einfach auf einen gelungen Twist, einen gelungen Kniff oder Wink setzen sollen – anstatt den Film letztendlich so deutlich vor sich hindümpeln zu lassen. Schade dabei ist, dass er so stark und originell beginnt – diese Qualität aber nicht halten kann. So kann das Gefühl entstehen, dass man ab dem Auftauchen von Toni einen anderen Film sieht – einen Psycho-Thriller etwa. Aber keinen besonders gelungenen – denn Hintergründe werden nicht erörtert. In technischer Hinsicht gibt es kaum Bemerkungen zu machen, da dieser Part höchst minimalistisch ausfällt. Das ungewöhnliche Darstellertrio verdient dann aber doch noch Erwähnung – eben, weil es eigentlich keine Schauspieler sind ! Sondern Kabarettisten, Radiomoderatoren… eine sympatisch-symbiotische Mischung, dadurch dass die drei größtenteils auch sich selbst spielen (zumindest scheint das so) entsteht ein sehr authentischer Eindruck.

Fazit: Immer Nie Am Meer ist ein etwas anderer Film, der Anfangs besonders durch seinen Wortwitz und die Situationskomik besticht. Gegen Ende hin aber enttäuscht er – hauptsächlich aufgrund von fehlenden Ideen und einem etwas merkwürdigen (da kaum nachvollziehbaren) Porträt eines kleinen, leicht gestört wirkenden Jungen. Die Frage nach einer Aussage, einer Moral der Geschichte bleibt dabei ebenso unbeantwortet im Raum stehen wie die nach dem Genre im Gesamten – Komödie, oder Psychotriller ? Wenn tatsächlich beides beabsichtigt war, schlägt die Mischung jedoch fehl. Schade, da hätte mehr draus werden können.

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3 Gedanken zu “Filmkritik: „Immer Nie Am Meer“ (2007)

  1. Achso noch vergessen: aus dem Film hätte man auch meiner Meinung nach etwas mehr machen können, aber um darauf näher eingehen zu können kann müsste ich mich an mehr als primär nur an prägende Dialogschnipsel erinnern. Aber schon alleine wegen diesen sollte man mal reingesehen haben. ^^

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  2. Gott..ich weiss schon gar nich mehr…aber diverse Dialoge bzw. Monologe im Auto waren durchaus sehr sehr amüsant.^^ Ich würde das Genre als „Groteske“ bezeichnen, auch lässt er sich aufgrund der stark eingeschränkten Handlungsorte mit Hinblick auf die Charakter- und Dialogentwicklung leicht ins Kammerspiel einordnen…anscheinend bezeichnen die Macher des Films ihn selbst als „Psycho-Groteske“.^^ Forever Never Anywhere…ja so fühl ich mich eigentlich auch die meiste Zeit.

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