TV-Kritik / Anime-Review: BLACK BLOOD BROTHERS

Episode 01: Black Blood Brothers
Episode 02: Compromiser
Episode 03: Kowloon Child
Episode 04: Old Blood
Episode 05: Special Zone
Episode 06: Kabun
Episode 07: Silver Blade
Episode 08: Guardian
Episode 09: Eleventh Yard
Episode 10: Order Coffin Company
Episode 11: The Sea
Episode 12: For the Eternity of Our Bloodline, I Devote Everything of This Blood

Inhalt: Die beiden Brüder Jirou und Kotarou Mochizuki sind Vampire, in deren Adern das Blut der Black Bloods fliesst. Nach einem großen heiligen Krieg, der vor 10 Jahren zwischen verschiedenen Vampirgruppen stattgefunden hat, hat sich die Lage wieder etwas beruhigt – doch nicht nur das, mit der sogenannten Kontrollzone wurde ausserdem ein Lebensbereich geschaffen, in dem Vampire und Menschen gemeinsam und in Frieden miteinander leben sollen. Genau dorthin sind Jirou und Kotarou unterwegs, wobei sie auf ihrer Reise erstmals wieder mit längst vergessen geglaubten Problemen konfrontiert werden. Die Kowloon Children tauchen wieder auf – gefährliche Vampire, die Menschen ohne Probleme in Vampire transformieren können – im Gegensatz zu den regulären Black Bloods. Selbst die fürchten sich nämlich vor den Kowloon Children, können sie selbst andere Vampire transformieren oder ihnen ihren Willen aufzwingen. Auf ihrer Reise treffen die beiden Brüder schon bald auf die quirlige Mimiko Katsuragi, eine Mitarbeiterin der sogenannten Company – der Organisation, die über die Kontrollzone wacht. Deren Aufgabe ist es auch, die Kowloon Children zu jagen und zu vernichten… und auch Jirou selbst hat eine nicht gänzlich unbefleckte Vergangenheit was das betrifft. Im Gegenteil, er kämpfte bereits damals, im heiligen Krieg gegen die Kowloon Children, und besonders eine weibliche Widersacherin setzte ihm zu. Die Befürchtung liegt nahe, dass sie auch mit den immer bedrohlicheren Ereignissen zu tun haben könnte… wird das ungewöhnliche Trio aus Jirou, Kotarou und Mimiko es schaffen können, die Gefahr zu bannen ? Die Chancen stehen gar nicht mal so schlecht, denn Jirou tritt erneut als legendärer Silverblade in Aktion, der damals sogar den König der Kowloon Children besiegt hat…

Kritik: Mit Black Blood Brothers erwartet die Zuschauer eine vergleichsweise kurze Anime-Serie aus Japan, die mit 12 Folgen a 25 Minuten (abzüglich Intro und Outro) recht übersichtlich bleibt. Könnte man also von „leichter Kost“ sprechen ? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht – denn besonders bei Werken aus Fernost zeigt sich, dass weder Umfang noch Aufmachung etwas mit dem qualitativen Gehalt und der erzählerischen Tiefe zu tun haben. So könnte man auch im Falle von Black Blood Brothers annehmen, dass es sich um eine typische Anime-Vampirstory handelt, bei der sich aufgrund der Anzahl von 12 Folgen erst gar kein großartiger Spannungsbogen etablieren kann… doch weit gefehlt, das vermag die Serie durchaus. So liegt auch dieser Serie ein grundsolides Story-Gerüst zugrunde, für welches man das nötige Maß an Begeisterung, Interesse und vielleicht auch Faszination entgegenbringen kann. Sicher, so neu und spannend sind Vampirstorys im Anime-Bereich bei Weitem nicht – aber hier schuf man die nötigen Elemente, um dem Ganzen eine Prise Einzigartigkeit zu verleihen. Das sind in erster Linie die Geschichte um die Kontrollzone, und die Bedeutung der Charaktere – von denen einer (recht unerwartet) eine ganz besondere innehat.

Die Geschichte ist grundsätzlich eine ernste, erwachsene – und auch Brutalität bekommt man des öfteren zu Gesicht. Gerade wenn es um die (Schwert-)Kämpfe geht, ist der Anime nicht gerade zimperlich – je nach Wesensart fliegt entweder Staub umher (Vampire), oder aber es spritzt der rote Lebenssaft (Menschen), und das nicht zu knapp. Jedoch gibt es etwas, was den Anime besonders macht: wenngleich man anhand der Story annehmen müsste, es handelte sich um eine sehr düstere Serie, ist sie das überhaupt nicht. Im Gegenteil es gibt zuhauf Slapstick-Einlagen, und besonders mit Mimiko hat man stets einen Charakter zur Hand, der das Ganze Szenario in einem ganz anderen, geradezu fröhlich-unbekümmerten Licht erstrahlen lässt. Auch der junge Kotarou trägt seinen Teil dazu bei – als kleiner, quirliger Knirps sorgt auch er für den ein oder anderen Schmunzler. Besonders heiter wird es dann, wenn der grundsätzlich ernste Jirou durch die beiden in Verlegenheit gebracht wird – und die ein oder andere makabere Situation entsteht. Aber auch die Widersacher, die „Bösen“ fallen gut charakterisiert und interessant aus. Es handelt sich hier eben nicht um irgendein Schema F, nach dem man sich richtete – alle Charaktere wirken „frisch“ und wie bisher nie gesehen. Die Schauplätze wissen diesen Eindruck jedoch nicht immer zu untermalen: hauptsächlich spielt das Ganze in der Kontrollzone, und dementsprechend in städtischen Straßenzügen, Wohnungen, Bürokomplexen und Lagerhallen. Eine wirkliche Abwechslung dazu markiert leider nur das kurze Schneesetting aus einer der ersten Folgen.

Hinzu kommen zahlreiche weitere, grundsätzlich spannende Protagonisten; besonders die mit entsprechenden Fähigkeiten. Etwas schade ist nur, dass einstweilen (und trotz der relativ kurzen Spieldauer) etwas der Überblick verloren ging, wer nun mit wem zu tun oder zu tun hatte, oder was genau ihre Rollen / Position im längst vergangen, heiligen Krieg waren. Hier wurde auch nicht ausreichend porträtiert – besonders gegen Ende der Serie wird nur noch mit Namen um sich geworfen (Der König von… der blaue Wolf etc.), sodass man sich seinen eigenen Reim darauf machen muss. Oder, es einfach so hinnimmt – denn das scheint auch beabsichtigt. Das Hauptaugenmerk liegt schließlich auf Jirou und den, die ihn umgeben – und der letztendlichen Geschichte, die dahintersteckt. Besonders ansprechend ist auch die Dosierung der Hinweise, die man als Zuschauer erhält – so wird der Spannungsbogen gerade richtig aufgebaut, um in der letzten Episode in der ein oder anderen „Wahrheit“ zu explodieren.

Fazit: Eine Anime-Serie mit 12 Folgen, das ist vergleichsweise selten… weshalb einem auch vielleicht sofort die Kultserie Elfenlied in den Sinn kommen könnte (gut, nicht ganz; da 13 Episoden). Einem Vergleich hält Black Blood Brothers natürlich nicht wirklich stand, aber das liegt auch an den differenten Genres. Obwohl, eine Gemeinsamkeit gibt es durchaus: beide Serien haben eine grundsätzlich ernste Thematik, doch bedienen sich zahlreichen auflockernden Faktoren (Cuteness, Unschuldigkeit, Slapstick) – wobei Elfenlied diese Party auf einem deutlich höheren Niveau veranstaltet. BBB bleibt vom Inhalt ein Durchschnittsanime mit geringem bis mittelmäßigem Anspruch, doch die technischen Aspekte werten das Ganze dann doch noch weiter auf. Schließlich sind die Zeichnungen und Animationen klasse, die Kämpfe sind temporeich und gut choreografiert, die Musik ist stimmig. Man wird gut unterhalten werden – doch eine wirkliche erzählerische Tiefe kann sich nicht entwickeln, dafür ist das Ganze zu kurz und zu flach erzählt (Stichwort Charakterporträts). Immerhin rundet die Geschichte um Kotarou das Ganze noch solide ab. Nicht intensiv, nicht innovativ, nicht episch – aber action- und temporeich, witzig und unterhaltsam. Eine Popcorn-Anime-Serie sozusagen, doch vom Niveau her immer noch weit über dem Groß an Filmen die aus dem Westen kommen.


80button

„Überraschend gut funktionierende, kurze Anime-Serie.“

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