Filmkritik: „Der Goldene Kompass“ (2007)

Originaltitel: The Golden Compass
Regie:
Chris Weitz
Mit:
Dakota Blue Richards
Laufzeit:
105 Minuten
Land:
USA
Genre:
Abenteuer

Inhalt: Auf einem Planeten in einer Art Paralleluniversum, welcher der Erde sehr ähnlich zu sein scheint… jeder Mensch besitzt eine Art Haustier, einen sogenannten persönlichen Dämonen. Eine mysteriöse Institution mit der Bezeichnung Das Magisterium scheint diese Welt zu kontrollieren; und dafür zu sorgen, dass alles seinen geregelten Lauf nimmt. Ein junges Mädchen namens Lyra Belacqua (Dakota Blue Richards) wird in dieser Welt das Abenteuer ihres Lebens erleben: es stellt sich heraus, dass sie dieses eine, sagenumwobene Kind ist welches über das Schicksal dieser Welt entscheiden wird – oder sogar des gesamten Universums…

Kritik: Basierend auf der Roman-Trilogie His Dark Materials von Philip Pullman ist Der Goldene Kompass der erste Teil der ehemals (!) geplanten filmischen Umsetzung des fantastischen Stoffes. Wie man heute weiss, wurden Teil 2 und 3 gechancelt – der erste Teil hatte nicht den erwarteten kommerziellen Erfolg. Aber warum ist das so, liegt das am Film oder am möglicherweise schlechten Marketing ? Besieht man die Story, so muss man zumindest schon einmal feststellen, dass sie nicht gerade eine große Bandbreite an Themenfeldern offeriert – trotz des fantastischen Settings. Nach den ersten Minuten hat man noch den Eindruck, in eine sehr interessante Welt geführt zu werden – doch dieses für einen Fantasy-Abenteuerfilm sehr wichtige Gefühl geht nach einer gefühlten halben Stunde leider wieder verloren. Das hier präsentierte Universum von Der Goldene Kompasswirkt letztendlich viel weniger faszinierend als möglicherweise in den Büchern, mehr noch: vieles wirkt gar deutlich von anderen Filmen abgekupfert und wenig originell.

Dies hat in erster Linie mit den filmischen Grundelementen und deren Inszenierung zu tun. Allzu häufig sieht man beispielsweise die Schar animierter Tiere (die sprechen können), oder die stark vertretenen, eindeutig computergenerierte Landschaften. Hinzu kommen spektakulär inszenierte Kampfszenen (wie eine längere zwischen einigen Eisbären), ganze im Computer entstandene Städte; Luftschiffe, Szenen in unendlichen Eiswelten… doch so viel Mühe man in die Darstellung dieser Fantasiewelt investiert hat, umso nachlässiger zeigte man sich hinsichtlich des Grundgerüstes, der Existenzberechtigung für diese technisch-optischen Aspekte. Es ist kein Geheimnis: die Story von Der Goldene Kompass wirkt wenig spannend, und: erschreckend flach ! Sicher war in Anbetracht der Zielgruppe kein übermäßig komplexes Fantasy-Werk zu erwarten, doch offenbar hat man sich – wie es in Hollywood leider Gang und Gebe ist – einigen künstlerischen Freiheiten hinsichtlich der Umsetzung Buch-zu-Film bedient. Dies führte dazu, dass das Hauptaugenmerk offenbar auf die Präsentation gelegt wurde (Optik, Darsteller; unter anderem Nicole Kidman) – und die Drehbuchschreiber es einfach nicht schafften, die „Magie“ des Buches auf die Leinwand zu transportieren.

So kommt es, dass man sich als Zuschauer eher über vielerlei Film-Elemente wundert, als dass man sie fasziniert hinterfragt. Es fängt bereits mit dem Goldenen Kompass als tatsächliche „Taschenuhr“ an – diese Gerätschaft (die immerhin im Filmtitel vertreten ist, und daher enorm wichtig für den weiteren Handlungsablauf sein müsste), wird im Film letztendlich als absolut entmystifiziertes, relativ uninteressantes Kleinod präsentiert. Die einzige Bedeutung scheint im Film darin zu liegen, dass der Kompass feststellen kann ob jemand die Wahrheit sagt oder schwindelt. Hätte man diesen Aspekt noch im zweiten und dritten Teil (und dann ausführlicher) behandelt ? Niemand vermag das zu sagen – doch im ersten Film fällt die Präsentation des titelgebenden Gegenstandes sehr unspektakulär aus. Und zudem wieder wenig originell: eine Art „Wahrheitsmesser“ gibt es in genügend anderen Filmen.

Immerhin zeigt mit Dakota Blue Richards eine talentierte Jung-Darstellerin, was in ihr steckt. Überhaupt, die schauspielerischen Leistungen bewegen sich auf einem angenehmen Level – selbst die von Nicole Kidman. Sie spielen alle besser, als es das Drehbuch eigentlich hergeben sollte – selbst in den künstlichsten Umgebungen kann man sich so zumindest noch ein wenig auf die Charaktere fokussieren, und vielleicht sogar ein wenig Empathie entwickeln ob der kleinen Coming-Of-Age-Abenteuergeschichte. Aber wieder gilt: ein Mädchen, welches sich auf eine fantastische Reise begibt, dabei erwachsen wird und vieles erlebt – dafür gibt es genügend andere Alternativfilme, dies rechtfertigt noch immer nicht die Verbindung mit der Geschichte um den Goldenen Kompass. Reduzierte man den Film auf seine grundsätzliche Substanz, erhielte man eine Thematik die zudem recht übel aufstoßen könnte: die hier präsentierte Welt ist eben nicht wirklich magisch, sondern ist gespickt von zahlreichen (viel zu offensichtlichen) Seitenhieben auf die unsrige. Auch hier gibt es Menschen, die sich unterdrückt fühlen und gegen eine gewisse Obrigkeit rebellieren – in diesem Fall das Magisterium. Die Hintergründe werden jedoch niemals ersichtlich, sodass diese Institution beliebig auszutauschen ist – so könnte man sinnbildlich auch von einer markant erstarkten Kirche oder ähnlichem ausgehen.

Fazit: Und so kam, was kommen musste – die meisten Zuschauer dürfte es nicht interessiert haben, wie die Geschichte weitergeht. Der Goldene Kompass weiss nicht zu fesseln, nicht zu beeindrucken – und wartet stattdessen mit horrenden Produktionskosten von ca. 180 Millionen US-Dollar auf. Das meiste Geld ist offensichtlich in die computergenerierten Charaktere und Szenerien geflossen – typisch für eine Hollywood Buch-zu-Film Umsetzung. Aber leider ist dies der falsche Weg ! In Anbetracht dessen ist es vielleicht gar nicht so verkehrt, dass die geplante Trilogie so nicht stattfindet. Nur sehr, sehr bedingt empfehlenswert.

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