Filmkritik: „Whisper – Des Teufels Werk Ist Ein Kinderspiel“ (2007)

Filmtitel: Whisper – Des Teufels Werk Ist Ein Kinderspiel
Regie:
Steward Hendler
Mit: /
Laufzeit:
91 Minuten
Land:
USA
Genre:
Horror

Inhalt: Das gute alte „Böse“ hat einen neue Galionsfigur – einen kleinen, unschuldig wirkenden Jungen namens David (Blake Woodruff). So macht eine Gruppe von Kriminellen, die eine Geiselnahme planen, eines Tages einen entscheidenden Fehler: sie entführen den kleinen David direkt von seiner eigenen Geburtstagsparty, ohne zu wissen, was sie damit für einen Fehler begangen haben. Dass David kein gewöhnlicher Junge ist, müssen die Delinquenten schon bald feststellen… nicht nur, dass er stets eine auffallend düstere Miene macht, anscheinend ist er auch in Besitz von übernatürlichen Kräften…

Kritik: Das Omen war gestern ? So kurz und knackig die Inhaltsangabe zu diesem Film in diesem Fall ausgefallen ist, so eindeutig könnte man den Film mit nur einem einzigen Satz bewerten. Das hätten die Macher wohl gerne – doch man sollte tunlichst Vorsicht walten lassen bei diesem eher fragwürdigen Film der sich so selbstsicher auf große Filmverwandte stützt. Sicher, das Phänomen „kleine harmlos aussehende Kinder werden zu Monstern“ ist in Hollywood noch längst nicht ausgereizt, und tatsächlich fallen einem nicht viel mehr Filme als beispielsweise Das Omen als bekanntester Vertreter dieser Genresparte ein. Von daher kann man den Machern schon einmal nicht vorwerfen, dass sie auf einer völlig ausgelutschten Trendwelle surfen – in dem Sinne „originell“ ist die Idee, einen solchen Film zu machen, also schon.

Doch leider war es das dann auch schon mit der Originalität – denn die Story von Whisper ist doch reichlich stumpfsinnig und steckt voller gängiger Horrorfilm-Genre-Klischees. Während in Filmen wie dem Omen zumindest noch ansatzweise Erklärungen für die erst nicht zu vermutende „Bösartigkeit“ der Kinder geliefert werden (und sind sie auch noch so krude und simpel), muss man hier einfach hinnehmen, dass dem Buben ein „Teufel“ (oder ähnliches, genauer eingegangen wird darauf nicht) innewohnt. Der Film liefert ausserdem keine Hintergrundgeschichte, geht auch nicht über eine gewisse Mystery-Schiene (was dem Film vielleicht noch am ehesten geholfen hätte) – stattdessen kann man sich als Zuschauer nur damit aufhalten, der höchst makaberen Geiselnahme beizuwohnen, und zu erleben, wie die Entführer nach und nach abgeschlachtet werden. Wobei man erwähnen sollte, dass die Tötungen niemals „direkt“ ausgeführt werden, sondern in typischer Mentalkraft-Manier durch herabfallende Eiszapfen etc. verursacht werden. Dies hätte vielleicht noch unterhaltsam ausfallen können, wenn der Film explizite Trash- oder Comedyaspekte an sich hätte – doch auch dies ist nicht der Fall, der Film nimmt sich selbst absolut bierernst.


Auch der letzte Rest von dem was sich da so ernst Story nennt, ist nichts weiter als ein einziges Ärgernis. Deswegen sprach ich von einem möglichen Mystery-Touch, der das Ganze hätte aufwerten können – Mensch Leute, liefert uns Zuschauern doch wenigstens irgendeine Erklärung für das, was im Film passiert ! Als wäre das bereits zuviel verlangt und würde in unendliche Arbeitsphasen ausarten, sieht man hier einen 8-jährigen, der schon von Anfang so grimmig schaut als würde er sagen wollen: seht her, ich bin das Böse – und eine Mutter, die sich offenbar gar nichts weiteres dabei denkt. Nur, dass ihr Sohn ihr nicht geheuer ist – klar, wer hätte sich nicht damit abgefunden !  Zu allem Übermaß wird auch noch gezeigt, wie sie sich offenbar über die Entführung ihres Sohnes freut – Verzeihung, wenn man schon mit derart fragwürdigen, verstörenden Prämissen um sich wirft, dann muss man sie auch ansatzweise nachvollziehbar inszenieren. Wer hier ernsthafte Filmkunst erwartet, der wird sich die Haare raufen, und das nicht zu knapp.

Gegen Ende siedelt das Ganze dann doch noch in den (allerdings unfreiwilligen !) Trash-Bereich über: der „finale Kampf“ ist wohl einer der abstrusesten, den man gesehen haben wird. Zumal nie wirklich klar wird, warum genau der eine Widersacher noch übrig ist (ist er der mental stärkste ? Der gutmütigste, die letzte Bastion der menschlichen Hoffnung und Güte ?), und was genau das eigentliche Ziel des Jungen ist. Steckt in ihm ein Dämon, der wahllos Menschen tötet – oder ist es eine Art rechtschaffener Rache-Dämon, der nur diejenigen bestraft, die es wirklich „verdient“ haben ? In jedem Fall verschenkt der Film jedwedes Potential, in dem er eher für (unbeabsichtigte) Lacher sorgt, als dass er wirklich ernstzunehmen wäre. Gerade deswegen schlägt er auch grundsätzlich unter dem Drama-Aspekt fehl: wer eine solche Attributierung vornimmt, interpretiert wahrscheinlich auch schon mehr in den Film hinein, als tatsächlich drinsteckt. Schließlich könnte man auch vermuten, dass der Junge nicht grundlos „böse“ geworden ist, und sich so sein Hass in besonderer Weise manifestiert (weil er kein anderes Sprachrohr hat) – doch wenn dies die Intention gewesen sein sollte, dann hätte man das Drehbuch komplett anders schreiben müssen.

Was bleibt sind die grundsätzlich guten technischen Aspekte. Die Optik wirkt insgesamt sehr stimmig, sowie auch die Schauplatzwahl. Eine düstere aber dennoch irgendwie gemütlich wirkende Hütte, inmitten von verschneiten Landschaften (die auch gerne mal aus der Luft gezeigt werden), ein zugefrorener See, ein beeinflussbarer Wolf… weiterhin sind es die durchaus annehmbaren Kamerafahrten, die soliden Schnitte, der passend-stimmungserzeugende Soundtrack – hier stimmt einfach (fast) alles. Ein noch größeres Lob können nur die Darsteller einheimsen – die alle erheblich besser spielen, als es das Drehbuch eigentlich hergeben sollte. Auch der junge Blake Woodruff kann als „böser Junge“ überzeugen – schade eigentlich, dass dieses Darstellerpotential in so einem (unfreiwillig) trashigen TV-B-Movie verwurstet wurde. Den letzten Gnadenstoß gibt dem Film dann das Gedankenexperiment, das Kind einmal durch einen Erwachsenen zu ersetzen (dem Film also seiner einzigen vermeintlichen „Einzigartigkeit“ zu berauben) – übrig bleibt so gut wie nichts, lediglich eine Bande von unbeholfenen Entführern, die aus irgendwelchen Gründen diese Verzweiflungstat begehen müssen. Richtig – solches hat man schon tausendmal in anderen Filmen gesehen, nur auf wesentlich anspruchsvolleren Story-Gerüsten.

Fazit: Keine Verschwörungen, kein Geheimnis, keine Höhepunkte, keine Auflösung, keine besonders interessanten Charaktere, keine Action, kein Drama, lediglich eine verdächtig kleine Prise subtiler Horror – was eigentlich soll Whisper für ein Film sein ? Aller Wahrscheinlichkeit nach ein vermeintlich spannender Horrorfilm, der in den Regalen von Leuten gegriffen werden könnte, die sich etwas besonders schockierendes oder gar „völlig neues“ von der Kombination Kind+Horror vorstellen. Doch weit gefehlt… Whisper überzeugt lediglich in handwerklicher Hinsicht (Optik, Sound, Darsteller), die Grundidee und das Drehbuch sind jedoch völliger uninspirierter Murks.

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