Filmkritik: „Kurzer Prozess – Righteous Kill“ (2008)

Originaltitel: Righteous Kill
Regie: Jon Avnet
Mit: /
Laufzeit: 101 Minuten
Land: USA
Genre: Thriller

Inhalt: Zwei alteingesessene New Yorker Polizisten mit Namen Turk (Robert De Niro) und Rooster (Al Pacino) gehen mehr oder weniger zufrieden ihrem Alltagsgeschäft nach, welches darin besteht, die bösen Buben der Stadt dingfest zu machen. Umso ärgerlich ist es für die beiden, wenn man einen offensichtlich schuldigen Delinquenten schon bis vor ein Gericht gebracht hat – er aber aus irgendwelchen Gründen nicht verurteilt wird. Auch den Drogendealer Spider (Curtis „50 Cent“ Jackson) haben die beiden schon lange auf der Abschussliste – doch auch hier fehlen die letzten wirklich stichhaltigen Beweise. Einer der beiden hat irgendwann genug von der Machtlosigkeit der Justiz – und beginnt einen gefährlichen Rachefeldzug gegen eben solche Kriminellen, die immer wieder durch Gesetzeslücken und damit haarscharf an einer Verurteilung vorbeirutschen. Das Problem: gegen diesen neuen Selbstjustizler wird natürlich ebenso bald ermittelt, und nur allzu schnell liegt die Vermutung nahe, dass es sich dabei um jemanden aus den eigenen Reihen handeln muss…

Kritik: Nun, bevor man überhaupt dazu kommt, irgendetwas zu dem Film zu sagen, wird man erst einmal von den großen Namen erschlagen: Robert De Niro und Al Pacino zusammen in einer Produktion, und das auch noch in vielen gemeinsamen Szenen ? Erst zum dritten Male spielen die beiden gemeinsam in einem Film – doch so ausführlich wie hier war es noch nie der Fall. Man erinnert sich nur zu gerne an Heat, einen Film, der sich inzwischen zu einem echten Kult-Klassiker gemausert hat. Und das sicherlich zu Recht – nicht zuletzt dank der großartigen Darbietungen dieser beiden hochkarätigen Darsteller. Nun also spielen die beiden wieder Seite an Seite, doch zu diesem Hitgarant-Duo gesellen sich noch weitere Personen – von denen leider nicht alle in einer ebenso erhabenen Liga spielen. Zumindest die Nebendarsteller versprechen viel: die Namen John Leguizamo, Donnie Wahlberg oder Carla Gugino sollten einem durchschnittlichen Cineasten schon das ein oder andere Mal über die Leinwand gelaufen sein, sodass sie sich perfekt in den insgesamt sehr anspruchsvollen, gut gewählten Cast integrieren. Jedoch gibt es da noch andere Personen, die nicht ganz unwichtige Aufgaben in Bezug auf den Film Kurzer Prozess innehatten – Regisseur Avnet und Drehbuchschreiber Russell Gewirtz zum Beispiel.

Und, dass gerade diese beiden nicht ihren glamorösesten Auftritt ihrer Karriere hinlegen, ist kein Geheimnis. Mehr noch: einstweilen scheint es recht unverständlich, wie eine Produktion wie Kurzer Prozess ein Produktionsbudget von gut und gerne 60 Millionen (!!) US-Dollar gehabt haben kann – dem Film sieht man es zu keiner Zeit an. Dies ist einerseits ein PRO-Aspekt – schließlich wurde das Geld nicht für allerlei Effekthascherei verschwendet. Explosionen, Schusswechsel und / oder Verfolgungsjagden gibt es so gut wie keine – weshalb bei Kurzer Prozess im Gegensatz zu Heat auch keinesfalls von einem Thriller mit Action-Elementen zu sprechen ist. Andererseits aber muss man sich inständig fragen, wohin dann das ganze Geld geflossen ist – sicher, zu einem erheblichen Teil auch in die Gagen. Aber ansonsten ? Erschwerend hinzu kommt, dass der Film deutlich in einem gewissen Retro-Stil gedreht worden ist (sowohl optisch als auch inhaltlich), sich also klar an Krimis der 80’er Jahre orientiert. Das heisst, neben den nicht vorhandenen Special-Effects gibt es auch kaum aussergewöhnliche Schauplätze oder Szenenaufbauten, interessante Ortswechsel oder generell einen sichtbaren großen Aufwand. Generell muss das nichts schlechtes heissen – doch wenn, dann sollte man diese Linie auch konsequent beibehalten. In diesem Fall scheint dies nicht immer so, da beispielsweise mit 50 Cent ein Darsteller eingesetzt wurde, der das Ganze auch für eine deutlich jüngere Zielgruppe interessanter machen sollte; man also von einem gewissen Modernisierungs-Touch sprechen. Das solche immer fraglich bleiben, ist klar – immerhin hat man sich ansonsten zurückgehalten was die technischen Aspekte (wie die Optik oder den Soundtrack) angeht. Rein stilistisch bewegt man sich also schon eher auf der Retro-Authenzitätsschiene, was gut ist.

Das Groß des Films und der Story spielt sich in den Köpfen der Protagonisten ab, es wird porträtiert wie 2 gut befreundete Kollegen mit, nennen wir es Justizfehlern umgehen – an und für sich ist das kein neues Thema. Aber dennoch, einstweilen kommt der Film recht solide inszeniert daher, und vermag über die weitesten Strecken gut zu unterhalten. Dies liegt in erster Linie an den hervorragenden Darstellern, die viele Schwächen aus Regie und Drehbuch wieder wettmachen – und an den ebenso spritzigen Dialogen. Für besondere Spannung sorgt ein erheblicher Story-Twist, der im Grunde nicht vorhersehbar ist – hier streute man exakt die richtige Dosis an Hinweisen ein, um den Zuschauer zum Grübeln zu bringen – sodass er am Ende und im besten Fall doch noch völlig überrascht wird. Dass Kurzer Prozess dennoch meilenweit davon entfernt ist, ein perfekter Film zu sein oder gar zu einem Kult-Klassiker wie Heat zu werden (das wird er definitiv nicht), liegt nach wie vor an den deutlichen Drehbuchschwächen und der insgesamt viel zu unspektakulären Story. Es ist schon riskant, das Funktionieren eines Films grundsätzlich nur vom Erfolg eines einzigen großen Twists abhängig zu machen – dieses Risiko ging man in diesem Fall bereitwillig ein. Die Folge: streicht man diesen Story-Twist, der in den meisten Fällen zwar funktionieren sollte, einmal gedanklich weg – so bleibt nicht viel mehr als ein absolut handelsüblicher 08/15 Thriller.

Damit hat sich auch der Wiederanschauungswert relativiert – einmal gesehen, wird der Film nun endgültig niemanden mehr vom Hocker reissen. Schuld daran ist aber noch ein weiteres Problem: die viel zu flachen Charakterporträts, die einem kaum verständlich machen, wieso genau die Cops so handeln wie sie es tun. Man erhält kaum Einblicke in die Psyche der Beteiligten (geradezu höhnisch wirken da schon die dargestellten Sitzungen bei einem Psychologen), und kann nun entweder völlig blind versuchen zu erahnen was sie bewegt – oder das gezeigte einfach so hinnehmen. Beide Varianten sind für einen derart hochgradig dekorierten Film aber einfach zu plump, zumal es kaum Anhaltspunkte auf einen weiteren Sinn, tiefere Beweggründe gibt. Auf die Spitze treibt man es damit gegen Ende, beispielsweise in einer Badezimmer-Szene, bei der nicht so richtig schlüssig wird was genau der Ausführende mit dieser Gewalttat bezwecken will – als Erklärung muss lediglich eine leere Floskel hinhalten. Extrem ärgerlich ist auch das typische, auf Hollywood zugeschnittene Ende: hier ist es in Sachen Empathie und Nachvollziehbarkeit endgültig vorbei, gerade da man hier jegliches weitere Nachhaltigkeits-Potential verschenkte. Was bringt es, wenn der „Bösewicht“ für den man gerade noch versucht hat so etwas wie Verständnis aufzubringen, derart schnell nach seiner Offenbarung wieder von der Bildfläche verschwindet, und das unter so… merkwürdigen Umständen  ?

Fazit: Das Ganze ist erledigt, „case closed“ – und der Abspann beginnt. Das ist wenig mutig und ebenso unspektakulär wie der gesamte vorhergegangene Film. Sicher inszeniert, ja – aber nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird einem dieser Film keineswegs. Das bleiben allerhöchstens die Darsteller und die hohen Erwartungen, die man schätzungsweise an den Film haben wird – die aber eigentlich nur enttäuscht werden konnten. Mit Heat ist Kurzer Prozess keinesfalls zu vergleichen, nicht einmal ansatzweise – dafür ist allein die Story viel zu trocken und konventionell. Technisch bewegt sich das Ganze auf einem annehmbaren, wenn auch völlig eintönigen Niveau. Weder einzelne Szenen werden sich einprägen, noch der Soundtrack oder besondere Schauplätze (hauptsächlich aus New York). Kurzum: für einen leicht spannenden DVD-Abend ist dieser Film noch zu empfehlen, vor allem wenn man grundsätzliche Sympathien für die beiden Hauptdarsteller aufbringen kann. Wer aber ein unvergleichliches Meisterwerk mit Kult-Faktor sucht, sollte einen riesigen Bogen um diesen Film machen ! Insgesamt eine Enttäuschung, aber auch kein abgrundtief schlechter Film.

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