Filmkritik: „Prinz Caspian Von Narnia“ (2008)

Filmtitel: Prinz Caspian Von Narnia
Regie:
Andrew Adamson
Mit:
William Moseley Skandar KeynesAnna Popplewell Georgie Henley
Laufzeit: 137 Minuten
Land:
USA
Genre:
Abenteuer

Inhalt: Die Geschwister Peter (William Moseley), Edmund (Skandar Keynes), Susan (Anna Popplewell) und Lucy (Georgie Henley) gelangen zurück nach Narnia, der fantastischen Fabelwelt. Sie müssen allerdings bald feststellen, dass in ihrer für sie einjährigen Abwesenheit bereits 1000 Jahre in Narnia vergangen sind – die Dinge haben sich entsprechend geändert. Aslan scheint verschwunden, und ein neuer Bösewicht  strebt an, König zu werden – und alle übriggebliebenen „Narnianer“ zu vernichten. Nur gemeinsam mit Prinz Caspian könnten die 4 es schaffen, wieder Ordnung in das zerrüttete Königreich zu bringen.

Kritik: Hier handelt es sich um den zweiten Teil der Neuverfilmung der berühmten Narnia-Sage, welche ursprünglich im Jahre 1951 ins Leben gerufen wurde – und zwar in Romanform. An eine Verfilmung dieser episch angelegten Erzählung um 4 Youngsters mit vermeintlichem Herrscherpotential wagte man sich auch schon Ende der 80er Jahre, in einer BBC-Produktion. Aus Budgetgründen beließ man es damals bei nur 4 Teilen – obwohl die Buchreihe 7 Teile umfasst. Unter der Ägide Hollywoods wird es nun aber wohl so richtig losgehen, ja; eventuell werden sogar alle 7 Bücher verfilmt. Zumindest der enorme kommerzielle Erfolg der Reihe lässt – bis jetzt – darauf schließen. Aber woran liegt das eigentlich ? Genau das ist auch die spannende Frage dieser Kritik.

Die Narnia-Verfilmung ist ein Produkt, unter welches man den Begriff Ambivalenz (in Fettschrift !) setzen sollte – denn derart zwiespältig sind nur wenige Machwerke der neueren Zeit. Wirklich jedem Bereich der Produktion lassen sich gute Absichten unterstellen – doch das Ergebnis enthält zu jedem Aspekt stets die passende Ungereimtheit. Das fängt bereits beim Genre und der Zielgruppe an: im Grunde handelt es sich um einen märchenartigen Film voller Spannung und Abenteuer – also bestenfalls ein Werk für die ganze Familie. Das ist allerdings nur bedingt der Fall, denn die stellenweise ausufernde, kontextlose Gewalt macht schnell deutlich, warum der Film eine FSK-Freigabe von 12 bekommen hat. Für Erwachsene ist die Reihe aber mit Sicherheit nicht gemacht – dafür dient Der Herr Der Ringe als weitaus epischeres, erwachsenere Alternative. Denn welcher halbwegs anspruchsvolle, volljährige Zuschauer möchte schon ein Fantasy-Abentuer in glattgeleckter Disney-Optik erleben ? Nebenbei, diese „Glättung“ findet sich auch in allen anderen Bereichen: der Film fällt recht bunt und effektvoll aus, den Charakteren werden alle Ecken und Kanten genommen (da massentauglicher), und Schlachten werden ohne großen Sinn oder Verstand geschlagen – aufgrund des Stichworts Disney aber natürlich ohne einen einzigen Tropfen Blut. Es bleiben also die Zuschauer von 12 bis 16 oder 18, die Jugendlichen; für die der Film noch am ehesten etwas sein könnte.

Könnte – denn nicht nur das Genre und die Zielgruppe erscheinen fraglich. Ebenso sind es die vielen, nennen wir es Anleihen, die der Film hat. Ein wenig wirkt es – und das könnte oder sollte auch bei jüngeren, jugendlichen Zuschauern der Fall sein – als hätte man viele der in Narnia gezeigten und behandelten Aspekte schon einmal gesehen. Als absolut offensichtliche „Vorbilder“ gestaltete sich in erster Linie der Herr Der Ringe. Nun, das Effektteam war übrigens dasselbe – ist das aber ein Grund, Dinge direkt zu kopieren anstatt für einen anderen Film neu zu erschaffen ? So sieht man auch hier wandelnde Bäume (Treants), Wassergeister, allerlei mystisches Getier (das sprechen kann) und ganz ähnliche Schlachtenkonstellationen. Aber es gibt auch nicht ganz so auffällige Anleihen, als Stichwort seien hier nur einmal die Titel Shrek, Harry Potter oder 300 erwähnt. Würde man dies genauer analysieren, könnte man sicherlich noch weitere Parallelen entdecken – bereits ein schlechtes Zeichen für einen Film, der einzigartig sein, und den Zuschauer auf eine ebenso einmalige Reise in eine fantastische Welt mitnehmen möchte.

Jedoch ist die Liste der Negativaspekte noch weiterzuführen… und dies besonders in Bezug auf das inhaltliche, das storyrelevante. Hier gibt es tatsächlich einige mehr als auffällige Ungereimtheiten, die solche sind – weil sie nicht anders erklärt beziehungsweise präsentiert werden. So ist die erste Frage, warum genau der Thronfolger Caspian nicht schon längst König ist – eigentlich wäre er doch alt genug ? Das ist besonders schmerzlich, da der Filmkontext darauf aufmerksam macht, dass einige Mitglieder des königlichen Rates durchaus unzufrieden mit den Machtambitionen des „Fieslings“ des Films sind, und da sicherlich einiges hätten drehen können. So aber muss Caspian fliehen, und die Geschichte nimmt ihren (nicht wirklich nachvollziehbaren) Lauf. Stichwort Nachvollziehbarkeit: der Aspekt mit dem unterschiedlichen Zeitempfinden ist zwar eine nette Idee (1 Jahr in England, 1000 Jahre in Narnia) – wird aber absolut nicht ausgenutzt. Mehr noch: jegliche Ambitionen werden damit in den Bereich des Lächerlichen gerückt, wie die Existenz Aslans – 1000 Jahre hatte er offenbar nichts anderes zu tun, als in einem Wald auf die „4 Könige“  zu warten – warum ? Schließlich konnte sich erst durch seine Untätigkeit so etwas wie eine Anti-Narnia-Fraktion bilden, durch die sicherlich einige unschuldige Geschöpfe ihr Leben lassen mussten… aber, es geht noch viel weiter: das eigentliche „Allheilmittel“ – die vier Kinder nämlich – gerät ebenfalls mehr und mehr zum Lacher. Zum einen ist es schon recht merkwürdig, dass sie sich alle so abgebrüht verhalten wie Erwachsene mit jahrelanger Lebenserfahrung (und auch die entsprechende Stärke mitbringen, siehe Schwertkämpfe), zum anderen ist es erschreckend, wie „nutzlos“ sie dann im Endeffekt doch werden: schließlich ist es der wieder erweckte (?) Aslan, der die Dinge letztendlich richtet. Da fragt man sich doch zurecht: warum nicht gleich, und schon viel viel früher so ? Und somit verliert der Film jeden inhaltlichen Sinn, was etwas schade ist. Dabei hätte man dies einfach nur erklären müssen, so fantastisch diese Erläuterung auch gewesen wäre: Aslan wäre beispielsweise gezwungen, auf Lucy oder die anderen 3 zu warten, weil… (weiterzuführen von einem findigen Drehbuchschreiber). Jedoch heisst es: absolute Fehlanzeige.

Als letzten wichtigen Punkt der Negativaspekte sei noch einmal die ausufernde Brutalität zu erwähnen, die für einen Disneyfilm trotz fehlendem Blut und abgetrennten Körperteilen recht heftig daherkommt. Eine kleine süße Maus mit Schwert dient einerseits als Knuffig-Faktor, metzelt andererseits aber ganze Horden der sogenannten „Gegner“ nieder – nicht zu vergessen, das sind Menschen. Und auch die Kinder langen ordentlichen zu – ausser natürlich die kleine Lucy, die – noch ! – den Welpenbonus genießt und nicht wie ihre Schwester unzählige Menschen mit Pfeil und Bogen durchbohrt. So wirken leider auch die Schlachten viel zu martialisch und unmotiviert – warum genau diese gefochten werden, weiss man nicht (der Angriff auf die Burg – welch sinnloses Unterfangen !). In jedem Fall sterben unzählige Menschen, und am Ende werden doch ohnehin alle vom „großen Erlöser“ gerettet. Ja, auch eine gewisse christliche Symbolik lässt sich nicht verhehlen… doch die letztendliche Aussage bleibt als höchst kritisch zu betrachten. Was will man dem Zschauer hier (wohl im Gegensatz zu den Büchern) sagen ? Kämpfe ehrenhaft in einer Schlacht, wenn es einem höheren Ziel dient ? Tue es einem seltsamen Wesen zuliebe welches sich nie zeigt, aber stets vergöttert wird (Aslan) ? Hieraus Parallelen zu ziehen böte sich an, doch es sei an dieser Stelle dabei belassen. In jedem Fall bleibt fraglich, wer hier die Guten und wer die Bösen sind. Oder, was für einen Sinn der Film überhaupt gehabt hat, betrachtet man das (höchst simple) Ende. Leider bieten auch die Charakterporträts keine sonderlichen qualitativen Höhenflüge an, selbst die Kinder / Jugendlichen bleiben blass und recht einseitig. Wirkliche Empathie kann eigentlich nicht aufkommen – auch nicht für die vielen animierten Wesen.

Alles in allem, ein klarer Kandidat für die absolut unterste Schublade jeglicher Wertungslisten, könnte man nun sagen ? Ja, beinahe ist es auch so. Aber dennoch, wenige positive Aspekte „retten“ den Film vor dem letzten Abgrund. Zum einen ist dies die „Magie“ der Vorlage, welche man nicht ganz zerstört hat – ob das gut oder schlecht ist, muss jeder für sich entscheiden. Zumindest ist die Grundidee eine gute, eine fantastische; und auch die Reise der Kinder (vom Kind zum Mann / zur Frau) bietet einiges an Potential. Ebenfalls gut gelungen: die gesamte optische Aufmachung. Von den sehr gut gewählten Schauplätzen (unter anderem in Neuseeland) über die Kamera-Arbeit bis hin zu den enorm aufwendigen Kostümen – und natürlich den hervorragend animierten Kreaturen – bewegt sich alles auf einem sehr hohen Niveau. Auch der Soundtrack gerät typisch Hollywood-Bombastlike: stellenweise sicherlich ein wenig zu kitschig, zeugt die Produktion doch von einem gewissen Können. Die Schauspieler machen ebenfalls einen annehmbaren Job, etwaige Unzulänglichkeiten sind ausschließlich auf das Drehbuch zurückzuführen. Gut, wenngleich schon wieder fraglich (Stichwort Zielgruppe, siehe oben !) ist der Ansatz, dass unter bestimmten Umständen verborgene Kräfte (auch bei Kindern) freigesetzt werden können; und dass das ganze Erlebnis als eine Art Illusion gesehen werden könnte – eben noch waren die Kinder in Narnia, und nun sind sie wieder in der U-Bahn. Ohne jegliche „Beweise“ – sodass letztendlich nur das zählt, was die 4 gemeinsam erlebt haben; unabhängig von einer Beweisbarkeit und anderen Einflüssen. Dies ist aber wohl die mitunter einzig positive Aussage des Films.

Fazit: Ja, wie gut diese Verfilmung hätte sein können… es stimmt schon ein wenig traurig. Ich denke da an bestimmte Szenen, in denen die Jugendlichen geradezu entflammt scheinen (Helden, von denen es niemand erwartet hätte, werden geboren !) ob der bedrohlichen Lage, unter einem markanten Kräfteschrei ihre Schwerter zücken und… genau das ist der Knackpunkt. Weniger wäre hier viel, viel mehr gewesen – subtiles Kräftemessen, Andeutungen statt Gemetzel. Eines lernen wir in jedem Fall: das Disney-Imperim wächst, jedoch in keinem Verhältnis zur inhaltlichen Qualität. Wenigstens wissen wir nun, dass man auch in völlig unbeobachtbaren Gewässern nur mit voller Kleidungsmontur schwimmen sollte, und dass über einer Burg, in der gerade eine Schlacht gefochten wird, ein Disney-Feuerwerk entstehen kann – wenn die „Helden“ nur ambitioniert und „ehrenhaft“ genug sind.

Advertisements

Die Kommentarfunktion wird noch zu selten genutzt... ändere dies !

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s