Filmkritik: „Das Vermächtnis Der Tempelritter“ (2004)

Originaltitel: National Treasure
Regie:
Jon Turteltaub
Mit:
Nicolas CageSean BeanDiane Kruger
Laufzeit: 130 Minuten
Land:
USA
Genre:
Abenteuer

Inhalt: Die männlichen Nachfahren der Familie Gates bewahren seit mehreren Generationen ein großes Geheimnis – das Wissen um einen legendären Schatz. Von den meisten namhaften Experten nur höhnisch belächelt, glaubt besonders der findige Ben Gates (Nicolas Cage) an die Existenz des Schatzes, und dass die Freimaurer und Tempelritter sich für die bisherige Unauffindbarkeit verantwortlich zeichnen. Und tatsächlich scheint er bei einer Expedition in die Antarktis kurz vor seinem Ziel zu stehen: sein Team entdeckt ein altes Schiff, auf dem ein weiterer Hinweis versteckt ist. Das Problem: Ian Howe (Sean Bean), sein Kollege und Schatzsuch-Partner, erklärt ihm gerade jetzt die Feindschaft. Er versucht Ben in dem Wrack zu begraben, doch scheitert wie er später feststellen muss. Alles deutet nun auf einen weiteren Hinweis hin, der ausgerechnet auf der Rückseite der Unabhängigkeitsurkunde versteckt sein soll – wie aber ist an dieses perfekt überwachte Dokument heranzukommen ? Ben weiss, dass sein Rivale es ebenfalls versuchen würde und warnt das FBI – doch wieder schenkt ihm niemand glauben. Also entschließt er sich, das Dokument doch lieber selbst zu stehlen… und auch Dr. Abigail Chase (Diane Kruger) wird – mehr oder weniger freiwillig – in die darauffolgende Odyssee involviert. Von wem wird der Schatz also am Ende gefunden werden – oder entpuppt er sich doch noch als Finte ? Eine spannende Jagd beginnt.

Kritik: Und tatsächlich trifft das Adjektiv spannend die Grundstimmung des Films perfekt. Da immer neue Rätsel auftauchen gibt es kaum Atempausen, und der erbitterte Zweikampf zweier Rivalen sorgt für zusätzlichen Zündstoff und reichlich Tempo. Allerdings, und dies sollte man beachten – handelt es sich hier in erster Linie um reines Hollywood-Popcornkino a’la Disney und Jerry Bruckheimer. Das verheisst in diesem Fall nichts allzu schlechtes – nur scheint es offensichtlich, dass man folgerichtig keine allzu komplex ausgearbeiteten Rätsel, unendlich vielschichtige Charakterporträts oder ganz generell eine Ansammlung von philosophischen Ergüssen erwarten kann. Nein, im Grunde ist Das Vermächtnis Der Tempelritter ein simpler Abenteuer-Actionstreifen, der auch gar nicht mehr sein will. Ganz im Sinne eines vereinfachten Abenteuerfilm-Prinzipes avancieren theoretische Jahrhundertdiebstähle wie den der Unabhängigkeitsurkunde also mal eben zum „Lausbubenstreich“ – spektakuläre Historienfunde werden „nebenbei“ gemacht, und schwierig anmutende, kryptische Rätsel werden in Sekundenbruchteilen gelöst.

Wenn man sich darauf einlassen kann, und ausserdem noch auf gut gemachte Abenteuerfilme a’la Indiana Jones steht, dann ist man mit dem Vermächtnis der Tempelritter sicherlich gut beraten. Stichwort Indiana Jones: diese Klasse erreicht der Film dann allerdings beileibe doch nicht, und wird er wohl kaum einen ähnlichen Kultstatus erreichen. Dennoch lassen sich ansatzweise Parallelen feststellen: so dominieren auch im Vermächtnis… recht sympathische Charaktere das Szenenbild, die nicht auf den Kopf gefallen sind – und zumindest rein vom Gebaren und von den Dialogen her die Intelligenz des Zuschauers nicht beleidigen. Zusätzlich ist das Ganze mit einer enormen Portion (Wort-)Witz und Situationskomik garniert, was dem Gesamteindruck keinesfalls schadet – was bei Klassikern schon bestens funktionierte, klappt auch hier. Und das glücklicherweise niemals unter der Gürtellinie, oder auf simple Slapstick-Einlagen beschränkt. Ebenfalls ein positiver Aspekt: eine (obligatorische) Liebesgeschichte ist auch hier vorhanden, jedoch drängt sie sich niemals wirklich in den Vordergrund. Denn da steht nun einmal immer noch unangefochten der sagenumwobene Schatz… das ist konsequent, und alles andere hätte nur zu noch mehr Lächerlichkeiten geführt. Schließlich muss man sich auch so schon fragen, warum genau Ben und Dr. Chase zueinander finden… wirklich nachvollziehbar erscheint dies zu keinem Zeitpunkt.

Der Abenteuer-Aspekt wird ausreichend bedient, von alten Schatzkarten über Verschwörungstheorien bis hin zum tatsächlichen legendären Schatz ist alles dabei – auch der fieslings-Gegenpart, der unser Team aus „guten Menschen“ immer wieder in Bedrängnis bringt. Aber auch der Action-Part kommt nicht gerade zurückhaltend daher: unterstützt wird der Eindruck des enormen Erzähltempos auch durch die Bombast-Filmmusik. Viele Szenen sorgen immer wieder für Abwechslung, so gibt es in der Mitte einen Schauplatz auf einem Schiff von dem Ben ins Wasser springen muss um seinen (FBI-)Verfolgern zu entkommen. Am gelungensten erscheinen wohl aber die Szenen vor dem Diebstahl der Unabhängigkeitsurkunde: die (zwar vereinfachten) Vorbereitungen, und letztendlich die Mimik von Nicolas Cage, der sich unter die Partygäste schmuggelt… ein wenig Spannung, ein wenig Humor, ein wenig Action; und eine gewisse Portion Stil – die einen nicht sofort an einen geleckten James Bond-Verschnitt denken lässt. Das ist gut und macht vor allem eines: Spaß ! Überhaupt sind es die Darsteller, die den Film zusätzlich aufwerten: Nicolas Cage ist derzeit wohl einer der sympathischsten Darsteller Hollywoods, und auch seine Kollegen stehen ihm hier in nichts nach.

Fazit: Technisch ist das Ganze höchst versiert und perfekt stilisiert gehalten – Platz für Kritik gibt es kaum. Lediglich eine der Endszenen, bei denen es hinab in ein altes Gewölbe geht, wirkt etwas zu dunkel gehalten und lässt das Gefühl, eine „echte“ sagenumwobene Gruft zu betreten, ein wenig vermissen. Insgesamt hat Das Vermächtnis Der Tempelritter sicherlich seine Daseinsberechtigung – vor allem für den hohen Unterhaltungswert. Wer eine Steigerung in Bezug auf das Abenteuer-Genre sehen will, der sollte zu den ersten drei Teilen von Indiana Jones greifen – ansonsten herrscht in diesem Segment aber Ebbe auf dem Markt (wenn es nicht zu abgedreht, trashig oder Independent-like sein soll), weswegen man den Film im allgemeinen durchaus empfehlen kann.

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Das Vermächtnis Der Tempelritter“ (2004)

  1. Naja ich fand ihn…“nett“, die Rätsel und zum Teil auch die Story recht an den Haaren herbeigezogen. Der Film IST besser als Indiana Jones, allerdings nur besser als „Indy IV“.^^ Nur der Kristallschädel vermag schlechter zu sein, als die Tempelritter es je waren. Er ist unterhaltsam, aber kein Film für die Ewigkeit….Teil 2 war ein übler Rückschritt. Nicolas Cage ist mittlerweile ein Klaus Kinski der Neuzeit – er dreht wirklich JEDEN Schwachsinn um seine Kasse aufzubessern. Nach aktuellen Meldungen bestätigt sich auch der Grund warum das so sein sollte – er ist finanziell ausgebrannt! ^^ Er hat sich in Laufe der Zeit filmisch immer mehr unter seinem Wert verkauft und langsam aber sicher verkommt er zu einer Art Witzfigur.

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