Metal-CD-Review: RHAPSODY OF FIRE – The Cold Embrace Of Fear (EP, 2010)

Land: Italien – Genre: Epic Symphonic Power Metal
  1. ACT I The Pass Of Nair-Kaan – 2:01
  2. ACT II Dark Mystic Vision – 1:41
  3. ACT III The Ancient Fires Of Har-Kuun – 14:56
  4. ACT IV The Betrayal – 3:58
  5. ACT V Neve Rosso Sangue – 4:41
  6. ACT VI Erian’s Lost Secrets – 4:28
  7. ACT VII The Angels‘ Dark Revelation – 3:59

Nach dem Bombast-Album The Frozen Tears Of Angels lieferten Rhapsody Of Fire kurze Zeit später eine EP nach, die eigentlich nur aus einem einzigen, wie immer episch angelegten Track besteht – der in 7 kleinere Teile aufgespalten ist. Alles andere wäre wohl auch nicht gerade zweckdienlich gewesen – eine EP mit nur einem (dafür sehr langen) Track ? So aber lässt sich das Ganze gut handhaben, und auch in Bezug auf ein Musikreview recht gut betrachten. Sinnvolle Zugabe zum Album, oder ein überflüssiges Ausschlacht-Werk einer abgelutschten Fantasy-Saga ? Sehen wir es uns an.

Das Ganze beginnt mit einem gar apokalyptischen Intro: für gute 2 Minuten hört man nicht viel mehr als einen reissenden Wind, und einige Menschen die sich offenbar auf einer Reise befinden… dann etwas Tempo und die ersten Schreie – irgendetwas schreckliches ist geschehen. Rein musikalisch betrachtet geschieht nicht viel – das Ganze dient lediglich als Stimmungsmacher im Hörspiel-Stil, als non-music Opening wenn man so will. Und auch der zweite Track, das noch kürzere Dark Mystic Vision ist ein Titel dieser Art. Doch setzt einstweilen eine epische Hintergrundmusik ein, hier kann man schon eher von „Musik“ sprechen – ja, Rhapsody-typisch klingt das Ganze sehr nach einer (düsteren) Filmmusik; beziehungsweise eher einem Ausschnitt davon.

Dann aber geht es richtig los, und zwar mit dem 15-minütigen Epos The Ancient Fires Of Har-Kuun. Hier kommt wahrlich alles zusammen, was man bisher von Rhapsody zu kennen glaubte, schätzte – vielleicht aber auch nicht mochte. So wirkt der Track tatsächlich wie eine Rhapsodie aus all ihren bisherigen Werken, und auch ein wenig neuen Einflüssen. Der Vorteil: das Ganze wirkt entsprechend episch und musikalisch sehr umfassend. Der Nachteil: eine wirkliche Songstruktur wird man eventuell vermissen. Denn so wie die EP in 7 kleinere Teile aufgespalten ist, so liesse sich auch dieser einzelne Song nochmals in unzählige kleinere Teile aufteilen: je nachdem zu welcher Minute man theoretisch in den Song hineinskippen würde, hört man einen anderen.

Es beginnt sehr Rhapsody-like und damit entsprechend episch: orchestrale Klänge, eine Frauenstimme im Hintergrund; hier haben wir eine Filmmusik wie zu einem düsteren Abschnitt aus Herr der Ringe. Dies geht jedoch nur bis ca. Minute 1.30, dann setzen auch schon die Gitarren und das Schlagzeug ein – ungewöhnlich ruhig und simpel für Rhapsody-Verhältnisse, das muss man dazu sagen. Ab Minute 2 dann ein wenig leiseres Gitarren-Gezupfe, und gleich darauf auch die erste Textpassage – auf italienisch vorgetragen. Die Instrumentalisierung fällt hier noch eher minimalistisch aus, das Ganze ist sehr ruhig gehalten. Dann ab Minute 3.30 zum ersten Mal der Refrain (Englisch) – ja, hier klingen die Bombast-Metaller wieder klar durch, Chor-Elemente und ein satter Doublebass. Und das ist auch gut so. Diese musikalische Erhabenheit wird noch ein wenig so weitergeführt, bis ca. ab Minute 5 wieder italienische Gesänge einsetzen. Und dann wieder ein deutlicher Wandel: ab Minute 6 beginnen klar die orchestralen Passagen zu dominieren. Das Ganze steigert sich mehr und mehr – bis zusätzlich noch die Chöre (Latein) einsetzen. Wirklich tempo- oder druckvoll erscheinen diese Passagen allerdings nicht – da haben die Jungs auf ihren Vorgängeralben schon wesentlich mehr aus dem Vollen geschöpft.

Minute 8, wieder italienische Gesänge und ein sehr ruhiger Grundton. Minimaler Schlagzeugeinsatz, leises Gitarrengeplänkel… und dann wieder der Refrain aus Minute 3.30. Ab Minute 9.30 dann zum ersten Mal (meiner Façon nach) waschechter Rhapsody-Sound voller Glanz und Glorie. Allerdings nur sehr kurz: denn danach setzen wieder die italienischen Gesänge ein, und danach wieder die leicht verfremdete, aggressivere Stimme des Leadsängers. Bis Minute 11 wieder ein wenig hiervon, ein wenig davon… und danach wieder das Orchester und die Chöre mit aller Kraft. Allerdings wiederholen sich die Passagen, auch wenn man es beim ersten Durchhören vielleicht gar nicht direkt bemerkt – tatsächlich scheint es auch in diesem Titel so etwas wie Refrains und Reprisen zu geben. Minute 12.50 – jetzt haben die Gitarren das Sagen, das Orchester hält sich dezent zurück. Dann kommen noch Synthesizer hinzu, und das Ganze endet mit gemischten Gefühlen meinerseits. Was habe ich hier gerade gehört – einen einzelnen Song, oder aber viele Versatzstücke aus unendlichen vielen „Kleinkompositionen“ ?

In The Betrayal kehrt die Erzählstimme zurück, die durchaus einiges an Atmosphäre etablieren kann. Danach wird es richtig düster… und zwischenzeitlich auch mal sehr still. Hier handelt es sich erneut nicht um einen Song in dem Sinne – sondern um eine Art stimmungsmachendes Interlude welches eine Geschichte erzählen will. Eine Art Rhapsody-Hörbuch eben… kurz vor Schluss des Tracks setzen noch einmal leicht bombastische Chöre und das Orchester ein. Neve Rosso Sangre ist dann wieder ein alleinstehender Titel, der auf italienisch vorgetragen wird. Tempomäßig geht er eher in Richtung einer Ballade, und auch die verwendeten Instrumente sprechen dafür. Später kommen noch dezente Flötentöne hinzu, hier handelt es sich ganz klar um einen Chill-out Track.

Das Orchester und die Chöre kommen erst mit Erian’s Lost Secrets zurück. Dieser Track ist eher im Midtempo-Bereich anzusiedeln, und bietet zumindest einen sehr schmackhaften Refrain. Dazwischen… nun ja, ein wenig Langeweile lässt sich sicher nicht verhehlen. Die Überraschung kommt dann ab Minute 3.00, denn hier setzt der Doublebass noch einmal tatkräftig ein, und der Titel steuert auf das gnadenlos epische Finale hin. The Angels Dark Revelation ist dann wieder ein Hörspiel-Part: eine Erzählstimme und im Hintergrund episch angehauchte Klänge – zum Schluss hält sich der Erzähler wieder etwas zurück. Der Ausklang findet unter apokalyptischen Chorgesängen und düster-mystischen Klängen statt.

Nun, wie lautet das Resümee ? Es ist schwer zu sagen. Einerseits finde ich, dass für das Jahr 2010 bereits „genug“ Rhapsody-Stoff abgeliefert wurde, nämlich mit dem recht guten und abwechslungsreichen Album – andererseits ist die Idee, eine Art Story-EP hinterzuschieben auch nicht verkehrt. Für nicht-experimentierfreudige Freunde des Power / Epic / Symphonic Metal aber sollte diese Scheibe nichts sein, wenn man schon die regulären Werke von Rhapsody Of Fire „grenzwertig“ findet. Man sollte die Band schon kennen und lieben, dann bekommt man hier neues episches, aber eben auch leicht unstrukturiert wirkendes Futter auf die Ohren. Ich greife lieber zu den regulären Alben der Band, auch wenn ich dafür auf ein Übermaß an Hörspielelementen verzichten muss. Aber vielleicht ist ja auch genau das der Knackpunkt…

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