Filmkritik: „Percy, Buffalo Bill Och Jag“ (2005)

Filmtitel: Percy, Buffalo Bill Och Jag
Regie:
Anders Gustafsson
Mit: /
Laufzeit:
83 Minuten
Land:
Schweden
Genre:
Kinderfilm

Inhalt: Was für ein Sommer ! Ulf (Hampus Nyström) lädt seinen besten Freund Percy (Daniel Bragderyd) ein, die Ferien bei ihm und seiner Familie auf dem Land zu verbringen. Genauer gesagt ist es Percy selbst, der sich frecherweise eingeladen hat – die Familie weiss erst gar nichts davon. Doch nachdem er erst einmal angereist ist, wird er auch schnell willkommen geheissen. Es scheint, als käme nun endlich etwas Leben in die etwas träge wirkende Familie – Percy ist extrovertiert, lebhaft; und überträgt langsam aber sicher einen Teil dieser Stimmung. Und das ist auch nötig… besonders die Beziehung der Großeltern von Ulf scheint recht eingefahren und lieblos, doch langsam beginnt selbst der alte Buffalo Bill-Fan aufzublühen. Mindestens ein Problem gibt es dann aber doch: Ulf hat sich in die hübsche Pia verliebt, doch die scheint, jetzt da Percy da ist, anderes im Sinn zu haben… die Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt. Wird dies doch noch ein glücklicher Sommer werden – ein Sommer der Freundschaft, der Liebe, des Zusammenhalts ?

Kritik: In der Tat ist Percy, Buffalo Bill Och Jag kein gewöhnlicher Film. Denn an was denkt man, wenn man diese Storyzusammenfassung liest und nebenbei noch das Cover betrachtet ? Richtig, in erster Linie an einen heiteren, stimmungsaufhellenden Kinder- beziehungsweise Familienfilm. Das ist Percy, Buffalo… aber nur bedingt. Denn einstweilen werden recht ernste Untertöne angeschlagen, und überhaupt kommt der Film insgesamt ein wenig düster daher. Oder aber, man verwendet die Formulierung monoton: denn von einem spannenden, generationsübergreifenden Sommerabenteuer hat der Film dann doch weniger, als zuerst vermutet.

Und dabei beginnt alles noch so vielversprechend: ein Sommer auf dem Lande, mit einem frechen Jungen als (erst) heimlichen Gast – da ist das Meer, da ist die Natur, da ist die erste Liebe… und das Abenteuer. Doch schnell wird man feststellen, dass der Fokus zu einem nicht unerheblichen Teil auf das Familienleben der Großeltern gelegt wird – so werden beispielsweise häufig die bitterernsten Mienen des Großvaters oder der Großmutter eingefangen. Schnell wird klar: hier stimmt irgendetwas nicht in deren Beziehung. So erfährt der Zuschauer nach und nach mehr, wenn auch nichts halbes und nichts ganzes: der eigentliche Grund für die allgemeine Tristesse lässt sich höchstens erahnen. Immerhin kommt hier der Filmtitel zum Zuge: der Großvater ist ein heimlicher Verehrer von Buffalo Bill, dem Wildweststar. Und auch die Großmutter schwärmt von diesem „very handsome man“… doch für das junge Publikum dürfte dies bereits zuviel des guten sein. Nicht, dass es überfordert wäre, gewiss nicht – aber mit Sicherheit ein wenig gelangweilt. Denn neben dieser, nennen wir es „Beziehungskrise“ -kommt sogleich noch eine zweite auf, nämlich die der jüngeren Generation.

Eindeutig: Percy, Buffalo… legt den Fokus auf zwischenmenschliche Beziehungen, insbesondere der Liebe; und zeigt auf, mit welchen Schwierigkeiten man dabei einstweilen zu kämpfen hat. Das mag zwar ein ehrenwertes Konzept sein, für einen abendfüllenden Kinderfilm ist das aber viel zu wenig. Ausserdem gibt es genügend andere Filme, die derlei Aspekte „mal so nebenbei“ einstreuen – allerdings ohne dafür eine Spielzeit von 83 Minuten zu benötigen. Stichwort Beziehungskisten: hier geht es vor allem auch um Neid, Missgunst; und das Gefühl, „weniger wert“ zu sein. Denn genau das denkt und fühlt Ulf, der mit Percy den absoluten Gegenpart gegenübergestellt bekommt. Denn der ist offen, spontan, herzig; und macht sich schnell bei allen beliebt. Eben auch bei Pia, dem Mädchen welches merkwürdigerweise kaum Emotionen zeigt (warum, wird nicht erklärt). Mit dieser keinesfalls einfachen Situation muss Ulf nun zurechtkommen – und gelangt sogar an einen Punkt an dem er sich fragt, ob nun Percy oder aber Pia wichtiger für ihn ist. Und wieder: eine ernste Thematik, die uns alle bei unserem Weg ins Erwachsenendasein begleitet hat oder begleiten wird – aber, sonderlich spannend oder innovativ ist das Ganze nicht inszeniert. Und schon gar nicht kindgerecht – denn Kinder müssen bei Laune gehalten werden, bei diesem Film hier läuft man aber Gefahr, dass schnell Unruhe im Kinosaal entstehen könnte. Und das zu Recht.

Zwei, drei gute Szenen offeriert der Film in diesem Zusammenhang dann doch – beispielsweise als Percy seinem Freund einen Gefallen tun möchte und die beiden ein recht ungestümes Pferd ausführen um damit Pia zu beeindrucken. Oder aber, als der Großvater seinen Enkel Ulf zur Seite nimmt und ihm sagt, dass du schon genauso wirst wie ich. Kleine Hoffnungsschimmer an einem sonst recht düsteren Filmhorizont: die restliche Spieldauer verstreicht recht ereignislos, die Story dümpelt vor sich in – und spätestens als in den Schlussminuten der Ausruf was war das für ein schöner Sommer ! kommt, stellt sich der Film selbst ein Bein. Denn als Zuschauer fragt man sich nun: ja, was genau war daran denn nun so schön ? Viel gesehen hat man ja nicht, minimale Entwicklungen zwischenmenschlicher Beziehungen – oder ein kurzer Schwimmunterricht – mal aussen vor. Wo waren denn die gemeinsamen Unternehmungen, die gemeinsamen Abenteuer die zusammenschweißen ? Dies versucht der Film dann in einer der Endsequenzen zu relativieren, indem er sich auf de Kraft der Imagination beruft (Der Großvater wird zu Buffalo Bill, Sinnbild seiner Genesung) – das funktioniert dann – und zu so einem späten Zeitpunkt – aber leider auch nicht mehr wirklich.

Die technischen Aspekte sind durchwachsen – leider, muss man sagen. Denn hier hätte man dem Film durchaus noch einige Pluspunkte verleihen können. Wenngleich sich Schnitt und Kameraführung auf einem soliden Niveau bewegen, regiert im allgemeinen eine offensichtliche Langeweile: von einem „schönen Sommer“ ist hier die Rede, doch von diesem Gefühl kommt leider nicht viel rüber. Wenn man dies schon bei der Story vergeigt hat, dann hätte man doch wenigstens einige bezaubernde Bilder inszenierten können – laue Sommerabende, Spiel und Spaß in der Natur (und sei es ein simpler Hüttenbau !)… oder wenigstens ein paar kräftige Farben. Nein – es regieren klare Grau- und Grüntöne, wirkliche optische Abwechslung sucht man vergebens. Auch der eigens komponierte Soundtrack kommt reichlich dürftig daher, ja; man nimmt ihn kaum war. Da hätte man sich die Mühe – leider Gottes – auch sparen können. Einzig und allein die beiden Hauptdarsteller machen eine annehmbare Figur – einer als introvertierter, schüchterner Junge – der andere als absolutes Gegenteil. Dass die anderen Darsteller regelrecht zu Komparsen verkommen, ist ein weiteres schlechtes Zeichen: die anderen Kinder wirken seelenlos und höchstens zweckdienlich in Bezug auf die dünne Story. Dann wären da noch die Großeltern, die recht gut und glaubwürdig spielen. Interessant: die Eltern von Ulf sind zwar ebenfalls anwesend, haben aber überhaupt keine Bedeutung für die Geschichte. Die Mutter ist so gut wie nie zu sehen, und der Vater löst allerhöchstens mal ein Kreuzworträtsel – das war’s.

Fazit: Percy, Buffalo… ist wenn überhaupt ein durchschnittlicher Film mit einer fraglichen Zielgruppe. Kinder werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach langweilen, Erwachsene aber auch – es gibt weitaus bessere Filme für Kinder, oder aber: über Kinder. Denn das ist ein Unterschied – dieser hier versucht, beides auf eine merkwürdige Art zu vermischen. Ohne Zweifel: das Ergebnis ist höchst gewöhnungsbedürftig… zusätzlich gibt es eine Abwertung für das nicht eingehaltene Versprechen, dass es sich hier um einen „Sommerfilm“ (gute Laune, spannend, familiengerecht) handelt.


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