Metal-CD-Review: BETO VAZQUEZ INFINITY – Existence (2010)

Land: Argentinien – Genre: Progressive Power Metal

CD 1 :

01. Shadows Fall
02. Council Of My Dreams
03. The Temple
04. Existence
05. Beyond Myself
06. Celestial Meeting
07. Tonight
08. Future City
09. Freedom
10. Dark Night

CD 2 :

01. Eyes of Destiny
02. Cold Soul
03. Endless Tears
04. Epic Travel
05. Arwen Song
06. Watching You
07. The Vortex
08. Earth
09. Ghost Of Time
10. To Live for The King (Bonus Track)

Interessanterweise ist die neue Beto Vazquez Infinity-Scheibe ein Doppelalbum – wollen wir doch mal sehen, was es (musikalisch) damit auf sich hat. Vorab angemerkt sei die Tatsache, dass es wahnsinnig viele Gastmusiker auf die Scheibe geschafft haben – daher werde ich bei den jeweiligen Titeln nicht immer auf die jeweiligen Künstler eingehen – bei mir gilt es, dass Ganze erst einmal als Gesamtwerk zu betrachten. Und eigentlich kommt man kaum zum Nachdenken, lauscht man dem wahrlich brachialen Shadows Fall – was für ein geiles, unendlich episches Opening (unten als Link angehängt) ! Geniale Samples, eine sehr flotte Spielart und ein Sänger, der sich endlich mal wieder richtig verausgabt. Das heisst, es geht in scheinbar unendliche Höhen – vor allem im Refrain. Da sich diese „Ausflüge“ aber nicht auf die Textpassagen selbst beziehen, kann man hier ohne Gefahr (eines Ohrensausens) genießen. Jason Droguett (mir bisher kein Begriff) sei dank ! Und später… die epischen Samples und Filmmusik-like Arrangements, die eingestreuten Stimmen, die Berserker-Gitarrensoli und der donnernde Doublebass… genau so soll es doch bitte, bitte weitergehen – das ist PowerMetal in Perfektion !

Es war eigentlich schon abzusehen, dass es nicht in diesem Tempo weitergehen wird. Und so ist Council Of My Dreams ein gemäßigteres Stück, welches von einer Dame vorgetragen wird. Zur Entspannung vielleicht ganz in Ordnung – und besonders der Refrain ist nett. Aber im Vergleich zum ersten Track… ist das ungefähr… nichts, und wenig spektakulär. Auch The Temple ist kein besonders flotter Titel – aber dafür ein recht melodischer mit einem wunderbar verträumten Refrain. Gut: die zarten Female-Lyrics als Untermalung hier und da, nicht zu aufdringlich und einfach passend. Existence wiederum ist ein von Frauengesängen dominierter Titel, der ein wenig zwischen dem Dasein als Ballade (vor allem der Gesang) und einem Midtempo-Streicherstück zu schwanken scheint. Heftig: der spätere Sprecher, der mit einer ausserordentlichen Inbrunst eine Botschaft zu verkünden hat. Das macht Laune !

Beyond Myself ist ein Stück, dass ein wenig mit dem Tempo spielt. Insgesamt überzeugen zwar die versierten männlichen Vocals – aber ein wenig Eintönigkeit macht sich – zunehmend – breit. Leider bricht auch Celestial Meeting nicht unbedingt mit dieser Tendenz – immer wartete ich auf den Umbruch, der bestenfalls von flotten Bässen und einem energischen Sänger hätte losgetreten werden können… aber auch hier: Female Vocals als Dauerbrenner, das Ganze fällt sehr balladesk aus. Das klingt anfangs sogar noch recht annehmbar – doch wenn später die schrammenden Gitarren dazukommen, funktioniert es nicht mehr. Markiert Tonight nun den Umbruch und schlägt die Brücke zum ersten Track ? Zuerst klingt es so, aber dann setzen leider wieder die Female Lyrics ein, und das Ganze gerät abermals zu einem verträumt anmutenden Titel ohne viel Druck oder Glanz. Klar, wenn man auf weibliche Vocals steht, ist man mit dieser Scheibe gut bedient – aber hätte ich das vorher gewusst, hätte ich sicher nicht zugegriffen. Ich ging nämlich klar von einer männlich dominierten Scheibe aus.

Immerhin meldet sich in Future City wieder mal ein Mann zu Wort, Slava Popova. Der hat ein kräftiges Organ, etwas schade ist dass der instrumentelle Part abermals ein wenig minimalistisch ausfällt. Versiert gespielt, aber irgendwie noch viel zu langsam und wenig kraftvoll. Freedom wollen wir alle genießen – aber für eine Ode an die Freiheit klingt das ganze doch noch etwas zu schwach auf der Brust. Im übrigen singt wieder eine Dame – das aber recht gut und nicht zu Opern-Diva-like. Auch ist das Tempo recht angenehm, aber dennoch fehlt der zündende Funke. Und damit auch gleich zum letzten Titel der ersten Cd – Dark Night. Schade, ich dachte, männliche und weibliche Gesänge wurden sich zumindest abwechseln – aber nun wieder eine Female Vocalist. Und dazu noch eine wenig kraftvolle. Nervig: die spätere Überschneidung einiger Stimmen. Wenigstens passt dies zur schwachen Instrumentalisierung, welche doch sehr eintönig daherkommt.

Was ist nur geschehen… für wen ist dieses Album gemacht ? Wie kann der Opener eine derart kraftvolle PowerMetal-Hymne sein, und daraufhin alles andere verblassen ? Ich verstehe dies nicht, und hätte wenigstens noch 1, 2 weitere Kracher dieser Art erwartet. Ich erwarte ja nicht, dass ein solches Tempo über die komplette Spieldauer beibehalten wird – da kann ich gleich eine Dragonforce-Scheibe einlegen. Aber ein wenig mehr Abwechslung, und nicht ständig diese lowtempo-Balladen mit weiblichen Gesängen – wobei Schlagzeug und Gitarren nicht wirklich in den Vordergrund kommen – stören, und sind nicht mein Fall.

Alsdann, CD 2 eingelegt… und der Opener Eyes Of Destiny zeigt doch, wie es gehen kann ! Weibliche Vocals, Opern-like – eigentlich nicht mein Fall, aber hier funktioniert es tadellos. Denn die epische Instrumentalisierung mit den netten Samples, sowie die Abwechslung zwischen Doublebass-Passagen und ruhigeren Parts machen’s. Nett – nach dem ersten Track der ersten CD mein zweiter Favorit. Wenn man aber so lange auf dergleichen warten muss… Could Soul ist unfortunately wieder so ein Schnarchnasen-Titel, der nun wirklich keinem mehr hinter dem Ofen hervorlocken kann. Ein komischer Doublebass der hier gar nicht zu passen scheint, und ein wahrlich einschläfernder Sänger. Nein, das passt nicht.

Endless Tears, und wieder eine Dame. Leider Gottes rettet ihre gute Leistung nicht über den ansonsten stinklangweiligen Track hinweg. Wo sind die Höhen und Tiefen, wo sind die frischen Samples, wo ist die Melodie ? Finally… ein Track der Epic Travel heisst, müsste musikalisch eigentlich dem Wortlaut entsprechen… schade ist, dass auch hier wieder eine Dame zum Zuge kommt. Ich frage mich ohnehin, wieso man nicht Male und Female Vocals mischt. Ein Part von einer Dame, einer von einem Mann… und schon könnte ein ganz anderer (symbiotischer) Eindruck entstehen. So aber herrscht vor allem gähnende Langeweile. Ein wenig episch ist der Titel ja, aber dies liegt nur an den verwenden Samples und der Hintergrundmusik. Schade, dass man nicht die Stimmung der ersten paar Sekunden des Tracks aufrechterhalten konnte (die gehen nämlich richtig nach vorn).

Arwen Song wird von einem Kleinkind eingestimmt, welches I love you daddy säuselt. Eine nette Intention, mag sein; doch was danach folgt gleicht abermals einem Schnarchfeldzug erster Güteklasse. Gähn… und das soll eine gefühlvolle Ballade sein ? Dafür fehlt es einfach an Ausdruck, und auch der Sänger scheint nicht sonderlich gefordert zu sein… wir erinnern uns: es ist derselbe, der den ersten Track der ersten Cd einläutete, und das reichlich glorreich ! Aber nun… ist die Luft raus. Nun aber… Watching You, wieder ein von einer Dame vorgetragenes Stück. Aber diesmal, endlich mal wieder – ein geniales. Hier stimmt einfach alles: wir haben eine Melodie, ein flottes Tempo welches im Refrain zusätzlich anzieht, und stimmige Samples. The Vortex, meine Güte… in selbigen wird man wohl gezogen, wenn man dieses Lied zu oft hört, so ruhig und langweilig klingt es. Merkwürdig übereinander gelagerte Gesangstimmen retten hier auch nichts mehr.

Aber vielleicht Earth… warum müssen die Kracher eigentlich immer von Damen gesungen werden ? Egal, man nimmt was man bekommt. Ein mystisch wirkendes Stück, mit einem genialen Instrumentalpart und reichlich Tempo. Gerade bei einem Titel wie diesem hier kommt erneut der Gedanke an ein Zusammenspiel von male und Female Vocals auf… doch dieser Ruf wird wohl nicht erhört. Immerhin haben wir hier eines der vielleicht besten Instrumentals der Doppel-Cd zu bestaunen. Ja, wenn man bei Beto Vazquez Infinity mit den passenden Samples arbeitet, dann klappt es auch. Werden diese weggelassen (bei fast allen anderen Titeln), verstummen plötzlich auch Schlagzeug und Gitarren (beinahe) – ein merkwürdiger Effekt, der in nicht weniger als gähnender Langeweile mündet. Ghost Of Time aber hat ein ganz anderes Problem: die Female Vocals nämlich. Eine gewisse Gaby Koss (mir kein Begriff) sorgt hier eher für Ohrenschmerzen als einen akustischen Genuss. Schröklich… ! Live For The King glänzt wieder mit einer stimmlichen Bestleistung von Dario Schmunck, der schon beim Titel Existence die gesprochene Wörter (mächtig !) beisteuern durfte. So ist der Titel noch halbwegs erträglich – denn vom Instrumental wird man abermals eingeschläfert.

Was also ist das Resümee ? Ein bisher nie dagewesener Fall in Bezug auf meine Review-Laufbahn. Ein Titel, der dermaßen rockt, dass einem Hören und Sehen vergeht – noch 3 oder 4 weitere gute (aber längst nicht mehr so brillante), und der Rest… kann als Schlafmittel fungieren. Das Beste wäre, man würde Shadows Fall als Single auskoppeln… ein nettes Video dazu (bei solchen Songs entstehen die Bilder automatisch vor dem geistigen Auge), und ab dafür. Das Projekt ist zwar ambitioniert (durch die vielen Gastmusiker), für mich macht dieses Zusammenspiel aber keinen wirklichen Sinn, wenn sich die Titel auf den beiden CD’s im Endeffekt alle ziemlich… gleich anhören. Rather Kuschelrock than Epicness…

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