Metal-CD-Review: LUCA TURILLI – The Infinite Wonders Of Creation (2006)

Wilkommen zu meiner Review-Reihe bezüglich Luca Turilli, dem Gitarristen von Rhapsody und seit geraumer Zeit auch Solokünstler. Ich möchte an dieser Stelle die wichtigsten vier seiner Werke vorstellen und rezensieren:

  • King of the Nordic Twilight (1999) – 8.5/10
  • Prophet of the Last Eclipse (2002) – 10/10
  • The Infinite Wonders of Creation (2006) – ?
  • DREAMQUEST – Lost Horizons (2006)

Land: Italien – Genre: Progressive Power Metal

1. Secrets of Forgotten Ages 03:32
2. Mother Nature 04:39
3. Angels of the Winter Dawn 04:16
4. Altitudes 04:37
5. The Miracle of Life 04:24
6. Silver Moon 05:37
7. Cosmic Revelation 04:48
8. Pyramids and Stargates 06:17
9. Mystic and Divine 04:21
10. The Infinite Wonders of Creation 08:39

Nun also geht es weiter mit der Cosmic-Vision-Trilogie von Ausnahmekünstler Luca Turilli – natürlich möchte ich es mir nicht nehmen lassen, seine komplette Diskografie vorzustellen und zu bewerten, gerade nachdem ich an seinem zweiten Soloalbum einen Narren gefressen habe… für mich persönlich verhält es sich wie folgt: das erste Album aus dem Jahre 1999, King Of The Nordic Twilight fungiert als „Einstiegswerk“ Turilli’s in Solo-Gefilde, und ist inhaltlich in der Vergangenheit angeordnet. Die Stimmung kam enorm gut herüber, und auch sonst ist das Album ein echter, perfekt inszenierter Meilenstein – ich vergab kürzlich 8.5/10 Punkten dafür. Der Nachfolger, der inhaltlich in der Zukunft spielt, Prophet Of The Last Ecplise, hat mich dagegen absolut restlos überzeugt – ich vergab (was durchaus eine Seltenheit ist) 10/10 Punkten für dieses ausgefeilte Bombast-Werk ohne Gleichen. Doch wie sieht es nun mit der Gegenwart, also The Infinite Wonders Of Creation aus ? Eines vorweg: in ähnlich hohe Wertungsgefilde wie die beiden Vorgängeralben schafft es der Abschluss der Trilogie nicht.

Und dabei beginnt es noch recht interessant: ein sattes, dreieinhalb-minütiges Intro stimmt auf das noch Kommende ein, und begeistert mit leicht mystischen, sphärischen Klängen und später auch mit epischen Chorpassagen. Man muss zwangsläufig an einen dunklen Abend in einer rauen Umgebung (Natur) denken, an einsame Helden und Krieger… und an eine leicht apokalyptische Stimmung. Genau so kann es doch bitte weitergehen, denn das ist Turilli so wie wir ihn kennen und lieben – 9/10.

Die „Offenbarung“ folgt jedoch sogleich: es wird deutlich, dass sich Turilli stilistisch merklich gewandelt hat. Nun kommt vermehrt eine weibliche Stimme zum Zuge, und Olaf Heyer spielt sozusagen nur noch eine „Gastrolle“. Auch ist das Tempo (welches im Vorgängeralbum ja noch reichlich vorhanden war) raus, und die komplexen Arrangements scheinen verschwunden zu sein. Stattdessen wimmert ein eigentlich recht flacher Instrumentalteppich durch die Boxen, der keine wirklichen Höhen oder Tiefen aufweist – das übernimmt dann die Stimme der Leadsängerin. Ich möchte nicht meinen generellen Unmut über weiblichen Gesang im Bereich des Power-Metal äussern, immerhin gab es auch auf den vergangenen Turilli-Scheiben immer mal wieder weibliche Gastparts, die eine perfekte Abwechslung zum sonst von Männern dominierten Gesang darstellten. Doch nun scheint die Waagschale gekippt… derlei Tracks gelten nicht mehr als Bonuszulage, sondern als Grundgerüst für ein ganzes Album. Und ich weiss nicht, ob dass noch der Turilli ist wie ich ihn kenne und liebe… immerhin, gut gesungen und gut gespielt ist das Ganze ja – 6/10.

Aber es ist noch lange nicht vorbei mit den (berechtigten !) Zweifeln – Angels Of The Winter Dawn ist schon eher ein Titel, welcher merklich… langatmig daherkommt. Zwar hört man hier auch (endlich !) wieder Olaf Heyer, der seine Sache erneut sehr gut macht – und zusammen mit der Sängerin ein nettes Gesangsduo abgibt. Aber die Instrumentalisierung… viel zu spärlich, viel zu unspektakulär, viel zu einfallslos. Da ist kein Bumms dahinter, das Gitarrenspiel besteht aus gefühlt einem Riff, das Schlagzeug hat wenig zu tun – einzig im Refrain gibt es einen kleinen Lichtblick. Ich würde vielleicht anders urteilen wenn dies nicht der dritte Teil der Cosmic-Vision-Triologie wäre (!) – aber diese Titel hier passen einfach nicht zum Gefühl der Vorgänger. 5/10.

Mit Altitudes folgt ein sphärischer Track, der zumindest in der ersten Minute noch an ehemals „glorreiche“ Turilli-Zeiten erinnert… ja, ein klein wenig des „kosmischen Kraftgefühls“ kam durch – doch dann passiert es schon wieder. Die Sängerin schöpft aus dem Vollen und scheint im Refrain gar die Boxen-Membranen anzuknacksen – und während im selbigen so etwas wie eine Instrumentalisierung wenigstens vorhanden ist (ansatzweise orchestral), ist im restlichen Teil des Liedes so gut wie nichts zu hören. Keine Melodie, keine Gitarren, kaum Schlagzeug – nur ein paar „Hintergrundgeräusche“. Und dann der kraftvolle Gesang… dies erinnert mich an andere Bands, aber doch nicht an Turilli ! Langweilig, und vielleicht sogar ein bisschen nervend – 3/10.

Ein Kirchensänger steht auf der Weide und singt los. Er besingt das Miracle Of Life, sicherlich eine nennenswerte Angelegenheit. In diesem (musikalischen) Fall… schwierig. Erneut lauscht man Olaf Heyer, der jedoch ein wenig an stimmlicher Ausdruckskraft vermissen lässt. Und wieder diese Instrumentalisierung, die eher einem Klim-Klam-Gedudel gleicht als einer epischen Klangwelt… schade. In Sachen Tempo gibt es auch nichts Neues zu vermelden – zwar hört man nun auch mal wieder ein paar Drums, aber es gilt: it’s slooow, baby. 3/10.

Vielleicht klappt es ja mit dem „Kracher“ (langsam müsste ja mal wieder einer kommen ?) Silver Moon ? Hust – nein, doch nicht. Das gleiche Spiel von vorne: ein paar sanfte Pianoklänge und dazu ein „lieblicher“ Frauengesang… absolut nicht mein Fall, und ich nahm an; auch nicht Turilli’s. An was hat er da bloss einen Narren gefressen, dass ist doch nicht mehr die Kunst, die er ursprünglich pflegte und hegte ? Das Album wird immer laaaangsamer und zäher… Knirschen tut hier gar nichts, dafür ist es viel zu glattgeschliffen. Dieser Song geht einfach nicht – 1/10.

Was zum… ? Nachdem ich ein-zwei Sekunden Hoffnung hatte, Cosmic Revelation könnte der ersehnte kosmische Erlöser sein (netter Effekt zu Beginn), trifft es mich wieder wie ein Brett vor dem Kopf – diese gähnende Langeweile ! Kein Tempo, keine Melodie, keine Gitarren, kein Schlagzeug… höchstens ein paar langatmige Chorpassagen, die mal so gar nichts episches an sich haben – nur einen hohen Nervfaktor. Und überhaupt, was ist das für ein Songkonzept ? Bla-bla-bla-bla-bla–bla; bla bla bla… tock tock tock… öde. 1/10.

Es ist aber noch nicht überstanden – ein Titel der so verheißungsvoll wie Pyramides & Stargates klingt, kann doch nur gut sein ? Weit gefehlt. Es wird beinahe gar nichts von der mystischen Stimmung wie sie hätte etabliert werden können transportiert. Wieder ist es dieses einschlafende Schlagzeug (1 Schlag pro 3 Sekunden ?) und der laaaangezogene Gesang. Da können die Lyrics noch so interessant sein… sie kommen einfach nicht rüber. Fail – 2/10.

Hmm, Mystic & Divine ? Aber doch sicherlich nicht der Song. Und in der Tat ist er das nicht. So langsam artet dieser „Bericht“ hier zu einer kleinen Hasstirade aus – es schmerzt mich sehr, gerade da ich das Vorgängeralbum noch mit einer 10/10 bewertet habe. Irgendetwas muss – auch rein objektiv betrachtet – passiert sein ! Ein Stilwechsel, sicherlich – aber ich dachte, dies wäre der finale Teil einer fulminanten Trilogie… Stattdessen eignet sich dieser „Stilwechsel“ wohl auch dazu, dass ein Großteil der Songs in Kaufhausfahrstühlen gespielt werden könnte (obwohl, dafür sind sie einfach zu kraftlos und deprimierend)… nicht gerade ein Glanzstück, aber besser als die vorherigen Titel – 3/10.

Dann bleibt ja nur noch die Hymne, The Infinite Wonders Of Creation. Immerhin, ein paar Stellen gibt es, die Laune machen… höchst mystisch, leicht düster… aber auch hier scheint die Gesamtkomposition abhanden gekommen zu sein. Stellenweise hat man das Gefühl, man könnte auch gleich „nichts“ hören, so leblos erscheint der Titel. Laaaaangsam, gemääääßigt… und zum Schluss noch ein wenig Filmmusik-Flair, immerhin. 4/10.

Was ist geschehen… man weiss es nicht. Ist es wirklich nur eine Geschmacksfrage ? Aber es scheint mir unmöglich, den Vorgänger Prophet Of The… UND diesen Nachfolger hier zu lieben. Diese beiden Werke haben wahrlich nichts gemein, ausser das derselbe Macher dahintersteckt. Aber rein klanglich… frage ich mich, ob es tatsächlich noch DER „alte“ Turilli ist den man hier hört. Irgendetwas muss vorgefallen sein – und was es auch ist, es gefällt mir nicht. Mit Power Metal hat es jedenfalls nichts mehr zu tun. Es bleibt nur, die alten Turilli-Scheiben einzuwerfen, oder doch die Werkesammlung von Rhapsody Of Fire… Wer folgendes Songbeispiel zu schätzen weiss, der sollte bei diesem Album vielleicht dennoch zugreifen…

Ich aber bereue den Kauf zutiefst. Geht es noch schlechter, oder findet Turilli zu seinen alten Zeiten zurück ? Im letzten Review zu dieser Reihe werden wir es erfahren.

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