Metal-CD-Review: LUCA TURILLI – King Of The Nordic Twilight (1999)

Wilkommen zu meiner Review-Reihe bezüglich Luca Turilli, dem Gitarristen von Rhapsody und seit geraumer Zeit auch Solokünstler. Ich möchte an dieser Stelle die wichtigsten vier seiner Werke vorstellen und rezensieren:

  • King of the Nordic Twilight (1999)
  • Prophet of the Last Eclipse (2002)
  • The Infinite Wonders of Creation (2006)
  • DREAMQUEST – Lost Horizons (2006)

Land: Italien – Genre: Melodic Power Metal

01. To Magic Horizons
02. Black Dragon
03. Legends Of Steel
04. Lord Of The Winter Snow
05. Princess Aurora
06. The Ancient Forest Of Elves
07. Throne Of Ice
08. Where Heroes Lie
09. Warriors Pride
10. Kings Of The Nordic Twilight

Nun, einigen wird der Name Luca Turilli vielleicht bekannt vorkommen – er ist Mitbegründer und Gitarrist der bekannten Metal-Band Rhapsody Of Fire. Und deren Songs klangen teilweise auch schon recht „hymnen-artig“ – nicht zuletzt dank Luca Turilli, der hier ebenfalls als Komponist fungiert. Zwar werden bei Rhapsody nur wenige Klischees aus dem (Power-)Metal-Bereich ausgelassen: seien es Drachen, epische Schlachten, Fabelwesen und so weiter – aber dennoch, die Musik hat ihren Reiz. Mit King Of The Nordic Twilight rief Turilli seine Cosmic-Vision-Trilogie ins Leben – ein Albentrio, welches über die Jahre inzwischen komplett erschienen ist. Mit diesem Album hier hat es also begonnen – werfen wir einen genaueren Blick auf dieses hoffentlich kosmische, epische Werk. Das Album ist textlich als auch musikalisch in der Vergangenheit angesetzt – während der Nachfolger in der Zukunft spielen wird, und der letzte Teil in der Gegenwart.

Das Intro To Magic Horizons stimmt den Hörer entsprechend ein: von der Grundstimmung ein wenig zwischen apokalyptischen Vergangenheitsszenarien und kriegerischer Wollust pendelnd, lauscht man einigen dramatischen Chorgesängen. Weibliche und männliche Stimmen wechseln sich ab, und auch das Schlagzeug darf schon einmal auf seine Schlagkraft getestet werden – 10/10. Diese Probe scheint ohnehin erforderlich für das kommende Black Dragon, einem recht fulminanten Auftakt-Track mit ordentlich Bumms. Nett: bereits dieser Titel offenbart die musikalische Vielfalt von Turilli – man muss den Track schon einige Male hören, um wirklich alle Finessen (und verwendete Instrumente) zu entdecken. All die (perfekten) einzelnen Songstrukturen und die Lyrics kommen dann in einem großen Ganzen, einer wahrlich meisterhaften Komposition zusammen – qualitativ denen von Rhapsody sicher in nichts nachstehend. Auch Abwechslung ist geboten: keinesfalls wird nur ein stupider Double-Bass heruntergeleiert, nein; Höhen und Tiefen spielen eine große Rolle. Mal ein echter Anthem, mal ein gemäßigterer Fantasy-Track – der Einstieg in das Album ist vollends gelungen. Und Olaf Heyer als Sänger macht seine Sache wirklich gut – 8/10.

Und dann geschieht „es“ bereits: Legend Of Steel ist einer der besten, wenn nicht sogar der beste Titel des gesamten Albums. Unter anderem deshalb hänge ich den Titel unten als Hörprobe an – kein anderes Liedgut definiert für mich den Klang dieses Albums so gut wie diese Hymne. Und dabei geht es eher gemäßigt zu: eher im Midtempo-Bereich angesidelt, geht die eingängige Melodie sofort ins Ohr; und der Refrain lädt zum Mitsingen ein. Im Hintergrund ein paar Spinett-Klänge, einige versierte Gitarrenriffs – und ein netter Songtext mit Chorgesang im Refrain. Und diese Klarheit, die gefühlte (witterungsbedingte) Kühlheit – bei einem zusätzlichen Blick auf das stimmige Cover-Artwork geht die Wirkung vollends auf, man ist drin im Turilli-Universum der Erzählungen längst vergangener Tage – 10/10.

Was folgt ist ein weiterer Titel zum Träumen, Lord Of The Winter Snow – und der beginnt mit einem netten Instrumental-Part und startet bald darauf mit einer etwas flotteren Instrumentalisierung als der vorherige Track. Im Refrain dann der Double-Bass und der episch vorgetragene Songtext – very Turilli-like – 7/10. Princess Aurora kann als eine Art Bonus-Track gesehen werden, da hier ausschließlich weibliche Gastlyrics zu hören sind. Als kleines Zwischenspiel sicher nicht verkehrt, doch ich persönlich kann es kaum erwarten bis es wieder zu brachial-epischen Stücken geht – 5/10. Und das gibt es dann auch gleich darauf serviert: The Ancient Forest Of Elves wurde sogar als Videosingle ausgekoppelt (über das Video selbst sage ich mal nichts), und erfreut sich entsprechender Bekanntheit. Markant: der überaus eingängige Refrain und die generelle Fantasy-Grundstimmung – it rocks – 10/10. Wer genau auf dem Throne Of Ice sitzt lässt sich schwer sagen – doch es klingt insgesamt recht bedrohlich. Hier handelt es sich um ein an Filmmusik-erinnerndes Interludium von knapp 2 Minuten Länge, welches sich perfekt in den Album-Kontext einpflegt – 9/10.

Und was ist mit all den Helden der vergangenen Zeiten ? In Where Heroes Lie können wir mehr darüber erfahren. Das Schlagzeug kracht dass es eine Freude ist, und Olaf Heyer nutzt sein kräftiges Organ in bester Turilli-Fantasy-Manier. Der leicht sphärische Eindruck wird im späteren Verlauf noch deutlicher, und auch die Gitarrenparts nehmen merklich zu. Melodisch, nett anzuhören, nicht ganz so kraftvoll wie andere Titel – 7/10. Noch ruhigerer wird es mit Warriors Pride, einem sanft vorgetragenen Stück. Doch hier geht das Konzept der „Atempause“ vollends auf – die zarten Spinett-Klänge und das behutsame Saiten-Gezupfe tragen den Titel bis zum Refrain, in dem dann doch noch ein kleiner „Ausbruch“ stattfindet: mit Fanfaren und Chorelemten wird hier offebar einem höheren Zweck gehuldigt; und es regiert eine endless glory… 10/10. Der längste Titel des Albums kommt mit Kings Of The Nordic Twilight daher, einer fast 12-minütigen Hymne. Sie beginnt etwas verhalten, doch zeugt stets von einer großen musikalischen Vielfalt und kompositionsbezogener Raffinesse. Und später entwickelt sich das Teil sogar noch zu einer recht brauchbaren Mitfeier-Hymne mit einer Riesenportion Melodie. Genial, genial, genial – 9/10.

Insgesamt kann es für dieses Erstlings-Solowerk von Luca Turilli nur eine höchst überdurchschnittliche Wertung geben – das Album macht Laune, ist höchst melodiös und teleportiert den Zuhörer tatsächlich um einige Jahre in die Vergangenheit zurück. Wenn die Cosmic Saga so weitergeht, dann kann es nur gut; oder in Anbetracht des Themenkomplexes Zukunft noch besser werden.

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