Filmkritik: „Footsoldier“ (2007)

Filmtitel: Footsoldier AKA Rise Of The Footsoldier
Regie:
Julian Gilbey
Mit: /
Laufzeit:
120 Minuten
Land:
Großbritannien
Genre:
Drama

Inhalt: Carlton Leach ist ein Hooligan und in den 70ern mit seinen gewaltbereiten Kumpels aus der ICF (Inter City Firm) aktiv. Sie begleiten die Spiele von West Ham United – und das nicht gerade zimperlich. Sie lassen keine Gelegenheit aus, sich mit anderen zu bekriegen, und selbst schlimmere Verletzungen halten sie nicht auf. In den 80ern scheint dann alles erst einmal ein wenig gemäßigter und organisierter abzulaufen: zwar halten die Kumpels nach wie vor zusammen, doch arbeiten unter anderem als Türsteher. Bald schon nimmt die „Firma“ von Carlton auch viele andere Aufträge, wie die Eskorte von Drogenkuriern an, und macht sich damit zahlreiche Freunde, aber auch Feinde. Richtig los geht es dann Ende der 80er, als die Jungs ins Drogengeschäft einsteigen und Tony Tucker kennenlernen. Doch je höher die Gewinne, desto höher aus das Risiko: eines Tages werden Carlton und Co von den Türken eines Diebstahls bezichtigt. Die Folgen sind gravierend, und so richtig kommt – trotz Carltons Bemühungen – keiner mehr aus der Sache heraus. Er beginnt, an seinem Lebensstil zu zweifeln und zieht sich mehr und mehr zurück – während Tony, Pat und Co nun erst so richtig aufdrehen. Drogen, Gewalt und immer riskantere Deals – es scheint unausweichlich, dass sie früher oder später mit ihrem Leben dafür bezahlen werden…

Kritik: Footsoldier lässt sich wohl am besten mit dem vollen Filmtitel beschreiben. Und der lautet Rise Of The Footsoldier – dieser Aufstieg eines unbekannten Hooligans hin zu einem einflussreichen Kriminellen mit unzähligen Kontakten ist es, welcher den Film charakterisiert. Die Erzählung geht hierbei in chronologischer Form von statten, und umfasst dabei einen relativ langen Zeitraum von mindestens 20 Jahren. Inhaltlich geht es, wie man es vielleicht schon vor dem Filmbeginn ahnen wird, hauptsächlich um kriminelle Aspekte einer auch sonst bewegten Lebensgeschichte. Interessant ist, dass der Film beinahe keinerlei (moralische) Aussagen trifft – sondern alle Ereignisse wie in einer nüchternen Aufstellung abarbeitet und dem Zuschauer teilweise schonungslos präsentiert. Der Film tendiert, da er die gezeigten Ereignisse nicht verurteilt, schon eher in die gegenteilige Richtung; man könnte gar von einer Glorifizierung von Gewalt und Drogenexzessen sprechen. Jedoch, und das ist ein wichtiger Aspekt: wenn überhaupt, dann nur in Bezug auf den Filmkosmos selbst. Dass einige anderes darin sehen werden, lässt sich wohl nicht vermeiden – doch im Grunde geht es um Carlton’s Erleben und seine Sicht der Dinge. Von daher wirkt Footsoldier einstweilen auch gar nicht so sehr wie ein konstruierter Blockbuster – sondern wie ein Tatsachenbericht. Und da die Ereignisse tatsächlich auf einer wahren Begebenheit basieren sollen, wird dieser Eindruck auch bestätigt.

Footsoldier ist ein filmisch inszeniertes Gangster-Porträt mit hohem Unterhaltungswert – allerdings handelt es sich nicht um einen leicht verdaulichen Film. Einige Szenen sind zwar hart, können aber noch als „notwendiges Übel“ in Bezug auf den Filmkontext gesehen werden – andere dagegen, wie eine Szene in einer Pizzeria, kratzen schon enorm an der Grenze des Erträglichen (selbst für hartgesottene Filmzuschauer). Zumal gerade diese Szene keinen eigentlichen Sinn aufweist – ausser den, dass man über den geistigen Zustand des Charakters Pat informiert wird. Das hätte man anders und weniger explizit lösen können – aber man entschied sich für diese klare FSK-18-Variante. Auch sonst geht es nicht gerade zimperlich zur Sache, wobei diese Gewaltdarstellungen oftmals derart in den Vordergrund rücken, dass es die Hintergrundgeschichte ein wenig schwer hat. Sicher, das Leben der Protagonisten besteht aus Gewalt – doch man hätte das Augenmerk auch auf andere Dinge legen können – beispielsweise die Ausarbeitung von Carlton als Person in Bezug auf sein Umfeld. Natürlich nur, falls es in Bezug auf die Tatsachengeschichte etwas hinzuzufügen gäbe – es scheint, als wollten die Macher nur wenig bis nichts im filmischen Sinne „hinzudichten“ und so nah wie möglich an den ihnen zur Verfügung stehenden Informationen bleiben.

So wie der Film letztendlich vorliegt – bleiben viele Fragen offen; ob beabsichtigt oder nicht. Und, es gibt zahlreiche „was zum…“-Momente, die einen entweder den Magen umdrehen oder aber inhaltlich schocken – wie Carlton’s Verhältnis zu seiner Frau / seinen Frauen. Man muss jedoch klar sagen, dass es etwas schwierig erscheint, weiter auf diese storyrelevanten Dinge einzugehen – der Authenzitätsfaktor spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Und da wohl nur die Macher wissen, wie nah sie an dem ihnen zur Verfügung gestandenen Material geblieben sind; kann man schlussendlich nur den Unterhaltungswert an sich bewerten, sowie darauf hinweisen dass der Film in einem höheren Maße als sonst üblich Geschmackssache ist.für Fans des (Gangster-)Genres, die nicht auf eine grundsolide Story und vielfältige Charakterporträts und deren Zusammenspiel verzichten möchten, ist Footsoldier also definitiv eine Empfehlung. Auch handwerklich überzeugt der Film auf der ganzen Linie. Von der Filmmusik über die Kameraführung hin zu der gesamten stilistischen Aufmachung – das ist ein rundes Gesamtpaket. Die Darsteller überzeugen ebenfalls, Ausfälle gibt es keine.

Fazit: Harter Tobak – eine nicht leicht zu verdauende Story sowie einige explizite Gewaltdarstellungen (und generell der Konsum von Drogen und Waffengebrauch) machen Footsoldier zu einem Werk, welches nicht jedermanns Geschmacksnerv treffen wird. Doch es handelt sich beileibe um keinen schlechten Film; dafür ist der Unterhaltungswert zu hoch, die Lebensgeschichte von Carlton zu bewegt – vielleicht etwas zu einseitig, aber immerhin bewegt.


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