Filmkritik: „Tron“ (1982)

Filmtitel: Tron
Regie:
Steven Lisberger
Mit:
Jeff Bridges
Laufzeit: 96 Minuten
Land:
USA
Genre:
Science Fiction

Inhalt: Ein Programmierer hat Schwierigkeiten mit seinem ehemaligen Arbeitgeber – der nämlich hat Kevin Flynn (Jeff Bridges) längst aus der Firma geworfen, nachdem er einige seiner genialen Spielekonzepte gestohlen und unter seinem Namen auf den Markt gebracht hat. Um diese Tatsache wissen nur der Übeltäter selbst, sowie natürlich Flynn – doch auch eine künstliche Intelligenz in einem Supercomputer, das MCP, weiss davon. So bleibt Flynn nichts anderes übrig, als mit zwei sympathisierenden Kollegen in das Hauptquartier der Firma einzusteigen, und irgendwie an die nötigen Beweise heranzukommen. Doch das MCP scheint Flynn zu kennen und fordert ihn heraus – indem es ihn mithilfe eines Lasers in das Innenleben des Computers transferiert. Als digitale Version seiner selbst ist er hier neuen, bisher unbekannten Gefahren ausgeliefert, und muss sich in verschiedenen Wettkämpfen behaupten. Doch neben den vielen Feinden findet er in dieser Welt sogar so etwas wie Freunde, die ihm von nun an zur Seite stehen und das MCP ebenfalls stürzen wollen. Denn nur wenn Flynn das gelänge, könnte er wieder in die wirkliche Welt zurückkehren…

Kritik: Dieser Klassiker aus dem Jahre 1982 hat bis heute kaum etwas von seiner Erzählkraft verloren – wenngleich die ausgehende Faszination im Veröffentlichungsjahr ungleich höher gewesen sein muss. Schließlich war der Film absolut zukunftsweisend, und zeigte nie dagewesene Effekte. Doch wenn man nun hergehen und behauptet würde, Tron sei im neuen Millennium „veraltet“, so träfe man eine klare Falschaussage. Denn der eigentliche Kern der Geschichte, die „fantastische“ Reise in die Innenwelt eines Computers, ist auch heute noch Zukunftsmusik; und wird es voraussichtlich auch bleiben. Das Setting aus Tron ist demnach nicht unbedingt futuristisch, sondern eher zeitlos. Diese Zeitlosigkeit der Handlung ist die eine Seite der Medaille, denn auf der anderen gibt es vielerlei Aspekte, die dem Film eine klare 80er-Jahre-Attributierung verleihen – natürlich sind das in erster Linie die optischen Aspekte. Aber auch die Musik – welche an kultige Spiele der 80er erinnert, und heutzutage das Herz aller junggebliebenen Nostalgiker höher schlagen lässt.

Glücklicherweise ist der gesamte technische Part von Tron nicht „zeitgemäß“ gehalten (das hiesse, qualitativ anzusiedeln in den frühen 80er-Jahren) – sondern absichtlich-minimalistisch. Dies hat zur Folge, dass einige der Szenen auch „heute“ noch beeindruckend wirken – oder zumindest einen gewissen Kult-Faktor innehaben (das „Gesicht“ der MCP beispielsweise). Im allgemeinen sticht die relativ klare Raumstruktur hervor, die das Innenleben des Computers darstellen soll. Im Gegensatz zur aktuellen Tron-Fortsetzung (2010) wirken diese „Räumlichkeiten“ plastischer, heller und auch begrenzter – in der Neuverfilmung hat man den Fehler begangen, den Film viel zu dunkel zu gestalten. So kann man sich in Tron einstweilen ein wenig „heimelig“ fühlen – gerade wenn man ein Kind der 80er ist und sich immer wieder an ältere Spiele erinnert fühlt (Amiga & C64). Entsprechend simpel (optisch als auch inhaltlich) ausgelegt sind zwar auch die Verfolgungsjagden, die Lichtmotorradrennen, die Diskkämpfe – aber dennoch; in ihnen steckt mehr Seele als in der Neuverfilmung, die nicht viel mehr als blosse Effekthascherei sind. Witzig und irgendwie makaber: die Anzüge der „Programme“, sowie die Leuchteffekte auf diesen.

Einziger Schwachpunkt bleibt demnach nur noch die Geschichte selbst – aller Nostalgie und (damaliger wie heutiger) Zukunftsmusik zum Trotz. Gut ist, dass die Umsetzung und die Inhalte weder als Hollywood-Kanonenfutter (das heisst, Massenware) noch als zu eigensinnig bezeichnet werden können – hier wäre die goldene Mitte also schon einmal getroffen. Doch insgesamt bietet die Handlung wenig spektakuläres, ausser der Tatsache, dass sich die Protagonisten eben in einem Computer befinden. Auch philosophische Aspekte werden nicht bis kaum behandelt, mögliche Ansätze in Richtung einer möglichen Koexistenz von „Mensch und Maschine“ werden beispielsweise ebensowenig gegeben wie fantastische Thesen et cetera – ein Film lebt von seinem Unterhaltungswert, das ist klar. Doch ein richtig guter Film bietet, gerade wenn er aus dem Fantasy / SciFi-Bereich kommt, zumeist bisher nie dagewesene Interpretationsmöglichkeiten oder Diskussionsansätze. Man muss einfach das Gefühl haben, dass sein eigenes Weltbild geradezu „erschüttert“ wird (das des Zuschauers), man muss aber auch auf emotionaler Ebene bedient werden. Tron schafft all das nicht wirklich – er unterhält, und mehr nicht. Eine reichlich abstruse, wenn auch kurze Liebesgeschichte rettet da dann auch nichts mehr.

Fazit: Vielleicht sind all diese Ansprüche in Bezug auf einen Disney-Film aber auch viel zu hoch und sollten keine Rolle spielen. Doch selbst nüchtern betrachtet – dem Film nach geht Flynn eigentlich nur in die Firma, um sein Urheberrecht einzufordern. Dass er dabei „aus Versehen“ in das innere eines Computers transportiert wird, scheint ihn dabei eigentlich gar nicht sonderlich zu beeindrucken oder gar zu stören. Wenn er dieses Ziel also erreichen würde, würde es ein Happy-End geben – und genau so kommt es dann ja auch. Das ist zugegeben etwas schade – aber davon abgesehen ist Tron mit Sicherheit ein überdurchschnittlicher, einzigartiger Film. Wenn die fehlende Tiefe schon ein Minuspunkt war, so muss man die herrliche Selbstironie und die teilweise witzigen Sprüche allerdings auf der Positivseite verbuchen – eindeutig. Die schauspielerischen Leistungen bilden, gelinde gesagt, nicht das höchste aller Künste – aber es reicht. Schließlich muss man sich vor Augen halten, dass entsprechende Situationen beim Dreh sicherlich eine mehr als erheiternde Angelegenheit gewesen sein müssen – und dieses „Grinsen“, diesen Augenzwinkern macht gleichzeitig auch den Unterton des Films aus. Da dies aber beabsichtigt war und auch sonst alles aufgegangen zu sein scheint, was man sich vorgenommen hatte…

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Tron“ (1982)

  1. Nachdem ich mir den Film nach etlichen Jahren mal wieder angesehen habe stimme ich deiner Rezension voll und ganz zu. Der Film macht vor allen Dingen optisch (besonders auf Blu-Ray/ in HD ein Genuss) viel Spaß. Früher hat mir der Film mit Sicherheit besser gefallen, mir fehlt leider auch etwas „mehr“ in der Handlung und ein gewisser Tiefgang…auch wenn man in den Film selbst sehr viel philosophisches (gar religiöses?) hinein interpretieren kann. Mir gefällt es, dass Jeff Bridges scheinbar (irgendwo auf dem Hintern vielleicht^^) das Prädikat „Kult“ eintätowiert haben muss…ein großartiger Kerl…aber für mich ist und bleibt er „der Dude“. 🙂

    Wertung: (auch ^^) 7,5/10

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