Filmkritik: „Lord Of War“ (2005)

Filmtitel: Lord Of War
Regie:
Andrew Niccol
Mit:
Nicolas Cage
Laufzeit:
122 Minuten
Land:
Frankreich / USA
Genre:
Action

Inhalt: Als Kind einer ukrainische Auswandererfamilie landet Yuri Orlov (Nicolas Cage) zusammen mit seinem jüngeren Bruder Vitaly (Jared Leto) in Brighton Beach, New York. Beide arbeiten im kleinen Restaurant ihrer Eltern, doch das läuft eher schlecht als recht. Und überhaupt, soll das etwa schon alles gewesen sein ? Genau diese Frage stellt sich Yuri, und wird von einer zufälligen Schiesserei geradezu inspiriert. Doch es ist nicht die Greueltat selbst, welches ihn neugierig macht – sondern die Waffen, mit denen sie verübt wurde. Er beginnt fortan, die ersten Waffen zu verkaufen, und arbeitet sich schnell immer weiter hoch. Bald schon konkurriert er mit anderen Warlords, doch er lässt sich nicht entmutigen. So reist er des öfteren auch in Krisengebiete, um seine Waffen an den Mann zu bringen – was genau mit der Ware geschieht, will er gar nicht erst wissen. Es ist schließlich nicht unser Krieg – doch während Yuri sich das perfekte Doppelleben aufgebaut zu haben scheint – mit seiner Frau Frau Ava (Bridget Moynahan) – kommt sein Bruder mit all dem nicht so gut zurecht. Eine bitterböse Mischung aus Kokain und ständiger Lebensgefahr sind eben nicht jedermanns Sache… und dann melden sich auch noch die Behörden, angeführt von Interpol-Agent Jack Valentine (Ethan Hawke). Yuri jedoch ist der Lord Of War und Profi in seinem Metier – mit viel Geschick zaubert er in jeder noch so verfahrenen Situation ein Ass aus dem Ärmel.

Kritik: Lord Of War ist ein Film, der zuerst einmal nach nicht „viel“ aussieht: das zugrundeliegende Thema ist der internationale Waffenhandel – ein Thema, bei dem der allgemeine Kinobesucher sicherlich nicht sofort „Hurra“ schreit. Wird es der moralische Zeigefinger sein, der den Film ungenießbar macht, die sicherlich vorhandenen politischen Aspekte, das mangelnde Tempo ? Oder gar eine überbordende Brutalität ? Doch Lord Of War schlägt einen anderen Weg ein. Ein höchst brisantes Thema – der Waffenhandel – wird auf eine bis dato nie dagewesene Art und Weise porträtiert – nämlich auf eine äussert unterhaltsame. Ohne dabei den Ernst der Hintergründe ausser acht zu lassen, lebt der Film von seinem heftigen Zynismus und der flotten Erzählweise. In erster Linie gibt es keine beinharten Actionszenen, sondern eine intensive Grundspannung, die dem gesamten Film innewohnt – das ist mindestens genauso gut, wenn nicht sogar noch besser. Dem Zuschauer wird kaum eine Atempause gegönnt, man ist zu gleichen teilen beeindruckt und verstört ob der Intelligenz, Gerissenheit und des Glücks von Hauptprotagonist Yuri Orlov. Politisch wenig bis gar nicht interessiert, zählt für ihn einzig und allein das Geschäft. Und obwohl er das ein oder andere Mal in höchst brenzlige Situationen gerät, bugsiert er sich immer wieder heraus.

Technisch ist das Ganze – wie zu erwarten war – äusserst positiv ausgefallen. Der Film wartet mit einer geradezu bombastischen Inszenierung auf, und setzt vor allem auf (optische) Abwechslung. Von den Hinterhöfen in Brighton Beach über zahlreiche Szenen die in Südafrika gedreht wurden, bis hin zu den Militärstützpunkt-Szenen in Tschechien – trotz dieser Vielfalt hatte der Film ein Produktionsbudget von „nur“ 50 Millionen US-Dollar. Man sieht also: man braucht nur auf oft unnötige, teure Spezialeffekte aus dem Computer verzichten – und sollte das Geld stattdessen lieber „sinnvoller“ investieren. Im Fall von Lord Of War ging das Konzept jedenfalls völlig auf. Der Film wirkt authentisch, und streut technische Spielereien höchst gemäßigt und geschickt ein – weniger ist eben mehr. Doch gerade diese Feinheiten sind es, die den Film bereits von Anfang an von der Masse abheben: so ist die Introszene, bei der eine Kamera an einer Patronenhülse befestigt zu sein scheint, ein optischer Augenschmaus und wirkt sehr originär. Auch die gut gelungene Kamera-Arbeit und der geschickt selektierte Soundtrack wissen zu überzeugen. In der Darstellerriege findet man zahlreiche bekannte Namen – doch im Grunde trägt Nicola Cage als Yuri Orlov einen Großteil des Films auf seinen Schultern. Schließlich konzentrierte man sich, wohl um nicht zu sehr ins offensichtlich-kritische, ins weniger nachzuvollziehende abzudriften – hauptsächlich auf seine Figur und nicht immer in vollem Maße auf das Waffengeschäft selbst. So wird dem Zuschauer ermöglicht, einerseits eine gewisse Empathie zu empfinden – charmant ist der Yuri beziehungsweise Nicolas Cage ja – aber gleichzeitig wird ein „innerer Kampf“ in Bezug auf die moralische Verwerflichkeit seines Handelns entstehen. Und genau das ist die Gratwanderung, die den Film ausmacht – wenngleich er dieses hehre Ziel nicht immer zu erreichen vermag.

So wirkt der Film in Anbetracht der Geschichte stellenweise ein wenig zu trivial, zu vereinfacht – Hintergründe werden kaum bis wenig beleuchtet. So zeigte man beispielsweise nie, wie genau Herr Orlov an seine (vor allem ersten) Waffen kam, und wie er die Geschäfte initiierte. Stattdessen findet man den Hauptprotagonisten stets dann vor, wenn er bereits mitten in einem „Deal“ steckt – der entweder glatt abläuft oder sich entsprechend hinauszögert. Etwas unglücklich und eindimensional kommt sicher auch die Darstellung des „Doppellebens“ daher – Spannung kann diesbezüglich und ob der allgemeinen Vorhersagbarkeit jedenfalls nicht aufkommen. Die „zweite moralische Instanz“ wird in Lord Of War nicht von den Eltern Yuri Orloff’s verkörpert, sondern von seinem Bruder (Jared Leto) – der immerhin nie völlig durchschaubar erscheint und so die Beziehung der Brüder untereinander spannend hält. Ja, dann gibt es da noch die dritte moralische Instanz – nachdem Frau und Kind diesbezüglich aussen vor stehen – die Interpol-Agenten. Ob dieses Porträt nun wirklich glaubhaft erscheint ist sicherlich eine berechtigte Frage – aber ein unterhaltsames Katz- und Mausspiel ist es allemal.

Fazit: Lord Of War ist ein Film mit einem hohen Unterhaltungswert, und das trotz der Anfang möglicherweise abschreckenden Thematik. Der technische Part ist wahrlich ausgezeichnet, und auch die Story ist – wenn man nicht gerade ein Feind des Zynismus ist – sehr interessant und präsentiert eine wichtige Botschaft. Letztendlich könnte man den Film als nicht viel mehr als eine höchst kritische, künstlerische Stellungnahme in Bezug auf den internationalen Waffenhandel betrachten – aber das „Drumherum“, der Film selbst ist einfach zu gut gemacht als dass man sagen könnte, man hätte so etwas schon einmal gesehen. Ein brisantes Thema ein wenig vereinfacht, eine kleine Hollywood-Prise obendrauf – und ein Zugang zu einem internationalen Publikum ward geschaffen. Das mag jeder so sehen wie er es möchte, doch da es kaum vergleichbare Filme gibt (bei denen man weder nach 30 Minuten einschläft oder nach 10 Minuten den moralischen Zeigefinger entgegengestreckt bekommt). Im Endeffekt bleibt einem nur der Schluss: wir wissen es, aber machen können wir ohnehin nichts dagegen…

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