Filmkritik: „Kick-Ass“ (2010)

Filmtitel: Kick-Ass
Regie:
Matthew Vaughn
Mit: /
Laufzeit:
117 Minuten
Land:
Großbritannien / USA
Genre:
Action

Inhalt: Dave Lizewski (Aaron Johnson) ist ein durchschnittlicher Teenager und Schüler, der in Comics vernarrt ist. Er stellt sich die Frage, warum es nicht auch in der Realität so etwas wie Superhelden gibt, die gegen das Böse kämpfen und für die Schwachen einstehen. Gesagt (beziehungsweise gedacht) und getan – quasi über Nacht wird aus dem schüchternen Dave der (mehr oder weniger) mutige Kick-Ass, sein neues Alter Ego. Allerdings ist das einzige, was sich wirklich merklich ändert, sein Aussehen: er schlüpft in eine Art grünen Taucheranzug und zieht daraufhin los, um Ausschau nach allerlei Schurken zu halten. Diese Ausflüge enden jedoch nicht immer glimpflich: so muss er gehörig Prügel einstecken, und bekommt im Krankenhaus sogar zahlreiche Metallimplantate eingesetzt. All dies scheint ihn nicht an seiner Mission zweifeln zu lassen; und schon gar nicht nachdem er zwei weitere „Superhelden“ der Stadt, die offenbar von Kick-Ass inspiriert wurden, trifft – Ex-Polizist Damon Macready (Nicolas Cage) sowie dessen Tochter Mindy (Chloe Moretz) – Big Daddy und Hit-Girl. Eines Tages jedoch rufen die Superhelden den Mafiapaten Frank D’Amico (Mark Strong) auf den Plan, der seit deren Auftreten zahlreiche (menschliche) Verluste einbüßen musste. Es scheint, als könnten sie diesem Widersacher nur gemeinsam gegenübertreten…

Kritik: Wenn ein Film „anders“ ist, dann ist das oftmals ein gutes Zeichen. Und so reiht sich auch Kick-Ass in die Reihe der Filme ein, die sich etwas trauen – und setzt auf eine bis dato ungewöhnliche Mischung aus Action, Parodie und Drama. Doch ein solches Experiment kann nicht immer gutgehen: was als hoffnungsvolle Persiflage a’la Superhero Movie (nur auf einem höheren Niveau) beginnt, entpuppt sich bald als relativ sinnfreier Ego-und Brutalotrip der Extraklasse. Und das, obwohl der Film eine FSK-16 Freigabe erhielt – eine (vergleichsweise) völlig unverständliche Einstufung. So „metzeln“ nicht nur die älteren der neugeborenen Superhelden durch die Szenerie, sondern eben auch ein 11-jähriges Mädchen – Hit-Girl. Die Art, wie die Gewalt hierbei inszeniert wird, deutet zwar klar in Richtung „Überzeichnung“, in Richtung Parodie – jedoch ist der Film insgesamt und in seiner Wirkung gesehen keine solche. Dafür ist der immer wieder durchschimmernde Unterton ein viel zu ernster – so hat man das ein oder andere Mal das Gefühl, ein Drama zu sehen, und keinen (komödiantischen) Actionfilm.

Das stört natürlich nicht nur den Filmfluss und das eigentliche Filmerlebnis, es stimmt auch ein wenig nachdenklich. Was hat sich der Regisseur bei dieser wahrlich kruden Genre-Mischung gedacht ? Sicher, er wollte etwas neues, etwas einzigartiges Schaffen, und das ist ihm sicherlich gelungen. Auch werden zahlreiche Zuschauer Gefallen an den deutlich überzeichneten Charakteren, gerade am minderjährigen „Killergirl“ Nummer 1, die wohl einen höheren Bodycount vorzuweisen hat als alle anderen zusammen. Jedoch geht die Mischung nicht auf, vielmehr wirkt es, als konnten sich die Macher nicht wirklich entscheiden, welche Richtung Kick-Ass einmal einschlagen sollte. Eine reine Parodie, eine reine Komödie wie Superhero Movie vielleicht ? Ein comic-artiger Film mit Kultpotential a’la Sin City ? Oder aber ein seichtes Teenager-Drama, in dem es um das Ausleben geheimer Helden-Fantasien und die „Eroberung“ der Liebsten geht ? Es ist eindeutig, dass alle diese Ansätze ihren weg in den Film gefunden haben. Folglich ist das weniger genial, als dass es wie Zufall wirkt – man mische dieses und jenes zusammen, man reihe an eine Liebesszene sogleich eine brutale Ballerei – und schaut mal, was dabei am Ende herauskommt. Richtig, es ist: Kick-Ass.

Diese „Identifikationsstörung“ ist es, welche den Film teilweise nur schwer verdaulich macht. Er ist (wie auch schon Repo-Men) weder Fisch noch Fleisch, weder Komödie noch Satire noch Action noch Drama – sondern von allem ein wenig. Natürlich haben gewisse Szenen ihren Reiz, so etwa die des Duos aus Nicholas Cage und Chloe Moretz, die eine leicht… ungewöhnliche Familie zu bilden scheinen. Doch auch hier erschließt sich nicht wirklich ein Sinn, ausser dass man sagt: wow, das ist mutig, das habe ich so noch nicht gesehen – und wenn das der einzige bleibt ? Denn man kann in Anbetracht der dargestellten Absurdität weder Lachen (Komödie) noch Weinen (Drama) – dafür spielen sich diese beiden Genres immer wieder gegeneinander aus. Man kann allerhöchstens unterhalten werden – auf eine doch recht fragliche Art und Weise. Dies gilt auch für die Actionszenen, die insgesamt recht flott inszeniert sind. Doch will man wirklich sehen, wie eine 11-jährige mit lila Haaren reihenweise „böse Buben“ umnietet (in der Manier eines Profi-Killers), nur weil das ungewöhnlich und gewagt ist – oder tendiert man gedanklich doch eher in Richtung echten Kults und Stils, wie zum Beispiel dem Porträt der (ebenfalls skrupellosen) Damen aus Sin City ? Höchst ärgerlich und wenig originell wirkt auch der Erzähler der Geschichte, der teilweise ernste oder spannende Szenen immer wieder aus dem Off ins lächerliche zieht – in der ewig gleichen klischeehaften Teenager-Sorge-Nöte-Anträge Leier. Überhaupt wirken diese „Hauptcharaktere“ des Films, die drei auf hässlich bis unscheinbar getrimmte Comic-Nerds wie ein perfektes Klischee an sich – ihr Verhalten ist derart unnatürlich und gekünstelt, dass sie früher oder später dann wohl doch noch das „Girl ihrer Träume“ abbekommen müssen. zumindest der Filmaussage nach. So nutzt der eine seine Chance bei einer Live-Folterübertragung, indem er ein geschocktes Mädchen tröstet (und seitdem mit ihr zusammen ist) – soll das nun witzig sein, soll es eine Persiflage sein – aber wenn ja, auf was ?

Immerhin wirkt zumindest der technische Part in höchstem Maße versiert – abgesehen von den (Kunst-)Feuerszenen beim / im Lagerhaus. Im allgemeinen regiert eine glasklare Optik, und besonders auch die Kampfszenen und die späteren „Special-Effects“ (Flug mit einem Jetpack, Explosionen et cetera) wissen zu überzeugen. Der Soundtrack kommt bombastisch daher, und auch der Schnitt und die Kameraführung sind mehr als solide. Weder zu unruhig noch zu eintönig – selbst eine relativ Epillepsie-Fördernde Szene mit einem speziellen Waffenaufsatz reizte man nicht bis zum geht-nicht-mehr aus. Das ist gut – wie auch die Leistungen der Darsteller. Nicholas Cage als absoluter Macho-Vater und Waffennarr, Chloe Moretz als seine blutrünstige  Tochter (gut, dies ist mit Sicherheit das einseitigste Porträt von allen), Aaron Johnson als Nerd-Dave und Kick-Ass… diesen Darstellungen kann man – separat betrachtet – sicherlich etwas abgewinnen. Nur nicht in der Gesamtkonstellation und in diesem Film.

Fazit: Kick-Ass ist ein weder-noch Film, der FSK-technisch zudem noch „weit unter Wert“ verkauft wurde. Ein „Kultpotential“ mag allerhöchstens ob der ungewöhnlichen Charakterportäts vorliegen, doch mit Sicherheit nicht in Bezug auf die Gesamtwirkung.

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4 Gedanken zu “Filmkritik: „Kick-Ass“ (2010)

  1. Das ist genau was ich mit „Möchtegern-Tarantino“ („Kill Bill“, „Sin City“ etc..lässt grüßen) meinte. Ich wurde gestern zu diesem Film genötigt und scheinbar fast jeder scheint von diesem kruden Mix begeistert zu sein, außer mir, aber ich glaube wir haben die gleiche Sicht auf den Film, ich kann also eigentlich gar nicht viel neues beisteuern.

    Ich mag normalerweise den kranken/derben/brutalen Humor einiger Filme (erinnert mich ja auch so bißchen an den Stil von Alex de la Iglesia dem „spanischen Tarantino“ oder Santiago Segura), trotzdem stößt es mir etwas sauer auf, wenn auf eine 11jährige geschossen wird oder ihr ins Gesicht geschlagen wird etc.. und besagtes Mädel in nächster Instanz abgeht wie eine kahlkühle seenlenlose Profi-Killerin a la Natalie Portmann, vor allem dann wenn sich ein Großteil des Films auf diesen Charakter stützt. (hierzulande hätte der mächtige Jugendschutz was dagegen)

    Obwohl der ganzen Kinderbrutalität blieb mir der Charakter „Hit-Girl“ (gespielt vom derzeitigen Hype-Mädl Chloe Moretz), auch wenn sie (wie der Volksmund sagt:) „wie „Schmidt’s Katze abgeht“ (jemand beschrieb es mit „Pufferpuff Girl auf Ecstasy) unsympathisch, zu oberflächlich, und irgendwie nervig mit ihrer antrainierten Lässigkeit, um sich näher mit ihrer Person beschäftigen zu wollen. Ihren Kindchen-Joker (den sie in einer Filmszene gekonnt ausnutzt^^) hat sie damit schon mal verspielt.

    Andere Leute mögen das anders sehen und sich mit dem Mädl gar identifizieren..ich persönlich finde es eher fragwürdig. Fragt mich nicht warum ich hingegen „Max und Moritz Reloaded“ irgendwie geil fand. LOL Ich glaube das liegt daran, dass der einfach SO schlecht gemacht war, dass man ihn einfach nur noch als belustigendes Trash-Nebenprodukt warnehmen kann.
    Im Gegensatz zur zelebrierten Gewaltorgie in „Kick-Ass“, die erschreckend gut gemacht ist.

    Fazit: Ein Mix aus streckenweiser unkomischer Comichelden-Parodie (gabs schon zu Hauf), mit Zombieland-ähnlicher Off-Einspreche, Revenge-Movie a la „Kill Bill“ und einem Mädel, das sich lieber mal Natalie Portmann in „Leon – Der Profi“ noch paar Mal anschaun sollte, bevor sie sich auf deren Pfade begibt, denn die fand ich weitaus sympathischer. Andererseits will sie ja gar nicht sympathisch sein oder gar Mitleid haben, da hat sie aber Pech, dass genau DAS einen guten, in seiner Handlung nachvollziehbaren Charakter ausmacht. Zu hart und unkomisch für eine Komödie, zu albern für einen ernstzunehmenden „Action-Schlitzer“. Einzig schmunzeln konnte ich über den bekloppten „Big Daddy“ Charakter und die dazugehörige debile Lache von Nic Cage. ^^ Wertung a la Amazon: (mit gutem Willen) 2 von 5 Sternen.^^

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    1. Da näheren wir uns ja mal wieder stark an, muss absolut zustimmen… gerade in Bezug auf den, nennen wir ihn mal ‚Pseudo-Kult-Ansatz‘. Doch es müssen nur einige Jahre ins Land gehen, und die Spreu wird sich wieder rasch vom Weizen trennen. Wie wohl auch in diesem Fall, der zwar einige Zeit im Gespräch war, aber wohl kaum in die cineastischen Geschichtsbücher Einzug halten wird. In der Tat, die Mischung geht einfach nicht auf…

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