Filmkritik: „Repo Men“ (2010)

Filmtitel: Repo Men
Regie:
Miguel Sapochnik
Mit:
Jude Law
Laufzeit:
111 Minuten
Land:
USA / Kanada
Genre:
Action

Inhalt: In einer nahen Zukunft: eine seltsame Organisation hat sich auf das Gebiet des legalen Organhandels spezialisiert. Seit es problemlos möglich ist, beinahe jedes beliebige Körperteil künstlich herzustellen, finden immer mehr potentielle Kunden ihren Weg in das Etablissement von Oberboss Frank (Liev Schreiber) – doch die Preise sind entsprechend dem letztendlichen „Wert“ eines Organs – und damit eines möglicherweise verlängerten Lebens – entsprechend hoch. Falls Zahlungen wiederholt versäumt werden, können die sogenannten Repo Men auf den Plan gerufen werden. Vom Gesetz offenbar unabhängig, sind sie berechtigt, die verkauften künstlichen Organe wieder ihren Kunden zu entnehmen – und das auf nicht gerade zimperliche Weise. Remy (Jude Law) und Jake (Forest Whitaker) sind zwei dieser Repo Men – und sogar recht erfolgreiche. Ein Job bleibt eben ein Job – doch eines Tages hat es das Schicksal auch auf Remy abgesehen. Erst wird er von seiner Frau Carol (Carice Van Houten) verlassen, und dann hat er auch noch einen Arbeitsunfall – bei dem er schwer verwundet wird. Das unglaubliche: Remy benötigt nun ein neues Herz, und wird damit ebenfalls ein Kunde der Organisation. Um die horrende Summe zu begleichen, soll er weiterhin als Repo Men arbeiten… doch er beginnt, zu zweifeln. Später trifft er auf Beth (Alice Braga), eine längst überfällige Kundin, und gemeinsam versuchen sie unterzutauchen…

Kritik: Repo Men macht auf den ersten Blick einen vielversprechenden Eindruck. Immerhin geben sich hier zahlreiche Stars die Klinke in die Hand: besonders das Trio aus Jude Law, Forest Whitaker und Liev Schreiber macht eine gute Figur – gerade da die Charaktere dieser drei immer wieder miteinander interagieren, uns so den Mittelpunkt der Story bilden. Die Grundidee dagegen, die auf dem (sicherlich nicht mehr abwegigen) Gedanken des Züchtens / „Bauens“ von künstlichen Organen basiert, ist dagegen nicht sonderlich neu. In Repo Men avanciert sie gar zu einer Art überzogener Gesellschaftssatire (Stichwort Finanzkrisen) – nur leider ohne, dass dieser Weg auch konsequent gegangen wird. Denn in erster Linie will der Film ein Haudrauf-Actioner sein, der auch in Sachen Gewaltdarstellungen nicht gerade zimperlich vorgeht – ohne dabei allzu sehr ins ethische, ins philosophische zu steuern. Entsprechend simpel wirkt bereits der Auftakt des Films: die Repo Men agieren in bestialischer Manier, indem sie nicht nur die verkauften Organe „zurückholen“, sondern die Kunden dabei regelmäßig sterben. Doch im Sinne des Films macht das „nichts“ – eine Vorgeschichte, wie es zu solchen kruden Machenschaften kommen konnte (Gesetzesgrundlage, Menschenrechte, Polizeieinfluss) gibt es nicht. Ebenso wenig hält man es für nötig darauf einzugehen, was nach den brutalen „Entnahmen“ mit den zahlungsunfähigen Opfern geschieht. Werden sie zurückgelassen ? Wird die Polizei verständigt ? Finden verstörte Nachbarn den jeweiligen Kadaver nach einigen Wochen aufgrund des Geruchs ? Egal – Business is Business.

So kommt gerade die erste Stunde des Films recht langatmig daher, und man weiss als Zuschauer noch nicht so genau worauf man sich hier eingelassen hat – bis einer der Jäger selbst zum Gejagten wird. Immerhin – sonderlich originell ist dieser Ansatz zwar nicht, aber er funktioniert. Schließlich ist man gespannt darauf, wie Remy seine Probleme nun lösen würde – wenn er schon nicht mehr in „seinem“ Business arbeiten möchte (was nun einmal das lukrativste für ihn wäre). Schade ist, dass der Film dieses Porträt – vom kapitalistischen Killer zum geläuterten Opfer – nicht sonderlich spannend inszeniert. Im Gegenteil, der Film verkommt im weiteren Verlauf mehr und mehr zu einem blutig-trashigen Versteckspiel, welches Remy als absoluten Dreh- und Angelpunkt der Geschichte einsetzt. Nicht nur, dass sich die Tragkraft der Geschichte letztendlich selbst aufgrund dieses enorm eingeschränkten Fokusses einschränkt, zumindest was die gefühlte „Bedeutungsschwere“ angeht – der „neue“ Verfechter der Gerechtigkeit hat nicht viel mehr im Sinn als seine Widersacher niederzumetzeln. Und das auf eine recht brutale Art und Weise – einige Szenen toppen handelsübliche Film-Gewaltorgien im Handumdrehen. Das war eigentlich nicht zu erwarten – und lässt die Frage nach der Wirkung des Films aufkommen. Offenbart hatte man die Wahl – macht man einen (relativ inhaltsleeren) Actioner mit einigen Ekelszenen, oder kreiert man stattdessen einen durchaus kultigen, gesellschaftskritischen Film a’la Equilibrium ?. Der beinhaltet zwar auch Gewalt, doch wird diese ganz anders (und eher nebensächlich) in Szene gesetzt.

Es wurde auf ersteres gesetzt – und auch wenn der Film noch eine relativ überraschende Wendung gegen Ende offenbart, so „entschuldigt“ dies nicht für die relative Langatmigkeit, die deplatziert wirkenden Gewaltszenen und die stellenweise offensichtlich ausgelutschten Genrereferenzen (beispielsweise die Zitate). Überhaupt ist von der standardisierten Ehe-Krise bis hin zu einer gar lächerlich wirkenden (aufgrund des Zusammenhangs) Kuss- und Sexszene alles vertreten. Vor allem aber nerven die fehlenden Begründungen und die fehlenden Aussagen. Was will uns dieser Film sagen ? Genau das ist das Problem: hätte man den Fokus weitaus mehr auf die zu Beginn noch vorherrschende Gesellschaftskritik (+ entsprechender überzogener Satire) gelegt, so hätte aus Repo Men noch ein annehmliches Werk werden können. Oder aber, andersherum: wenn man schon den optischen (Ekel-)Weg in Richtung Splatter geht, dann sollte man diesen auch konsequent gehen – und dem Zuschauer von Anfang an klarmachen, um was es geht. So bleibt rein recht unbestimmbares Gefühl zurück, ein weder-noch Gefühl welches einem zumindest klarmacht: diesen Film muss man nicht zweimal gesehen haben, und sonderlich sinnvoll ist er ebenfalls nicht.

Fazit: Technisch fällt das Ganze trotz eines relativ „niedrigen“ (gut, mit dem Geld hätte man sicher mehr anfangen können) Budgets ordentlich aus. Auch wenn es so gut wie keine Sci-Fi Aspekte gibt (in optischer Hinsicht), so wirken die Schauplätze gut ausstaffiert und abwechslungsreich. Die Darsteller wirken leider beinahe alle, als „spulten“ sie ihre einseitigen Rollen wie von einem Band ab – besonders Jude Law lässt hier wenig Tiefsinn blicken. Aber wie sollte das bei einem derartigen Drehbuch auch anders sein – so wirken besonders auch die Szenen mit seinem Filmsohn (Chandler Canterbury – u.a. Knowing) recht befremdlich und unnatürlich. Betrachtet man dagegen Liev Schreiber, so wird einem schnell wieder klar was dieser Film hätte werden können: satirische Trash-Unterhaltung auf einem überdurchschnittlichen Niveau – zahlreiche Seitenhiebe und Hintergrundinformationen inklusive. Aber so… mit Ach und Krach noch 5.0/10 Punkten.

Advertisements

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s