2012, Gott Steh Uns Bei

Jawohl, am 21.12.2012 werden wir es (endlich) alle hinter uns haben – oder etwa doch nicht ? Man muss zumindest eines feststellen: ein Austausch zu diesem heiklen Thema findet rege statt. Sei es in den Medien – gerne auch mal mit ganz dicker Überschrift in einem bekannten Tagesblatt – sei es in den unendlichen Weiten des Internets, in zahlreichen Community’s und Foren. Betrachtet man die verschiedenen Menschen und verschiedenen Ansichten zum Thema (die hauptsächlich aufgrund des jeweiligen Wissensstandes stark differieren), so kommt man zu dem Schluss, dass es hauptsächlich 3 Gruppendynamiken gibt:

  • 1. Die Gruppe der unwissenden Paranoiden / der unwissenden Gleichgültigen

Diese Gruppe glaubt erst einmal alles, was ihr erzählt oder angedeutet wird – was sie zu den perfekten Empfängern von hysterischen Botschaften und Aussagen a’la der volksverdummenden Medien (oftmals mit drei oder vier Buchstaben) macht. Oder, man formuliert es so… Sie alle haben eins gemein: sie wissen nichts, beziehungsweise sehr wenig über die Hintergründe, und lassen sich so perfekt „füttern“, je nachdem mit panikmachenden oder „entwarnenden“ Botschaften. Folglich kann eine (unbegründete, da unfundierte) Furcht,  oder aber eine allgemeine Gleichgültigkeit in Bezug auf die Jahreszahl 2012 entstehen.

  • 2. Die Gruppe der Interessierten

Diese Gruppe gibt sich mit den Informationen der allseits gegenwärtigen Medien nicht zufrieden und bemüht sich, selbst zu recherchieren, um möglichst unvoreingenommene Aussagen zu erhalten und sich eine eigene Meinung zu bilden. Sie sind vielleicht nicht sonderlich interessiert an der genauen Bedeutung des Tages, sind in Anbetracht der allgemeinen Hysterie aber auch nicht gleichgültig. Sie wollen wissen, wie es zu dergleichen kommt – so können (astronomische) Hintergründe des speziellen Tages des 21sten Dezembers erforscht und bewertet werden; so kann der Ursprung des Maja-Kalenders untersucht werden. Wissen schafft Distanz zu den einseitigen Behauptungen und Ansichten, die allgemein im Umlauf sind.

  • 3. Die Gruppe der Experten

Einige sind tatsächlich Experten auf dem Gebiet der Astronomie und sollten als wahre Ansprechpartner für Fragen bezüglich der vermeintlichen Apokalypse dienen. Sie wissen genau, was für eine (durchaus seltene) Konstellation dieser Tage in unserem Sonnensystem eintreten wird und was für eine „Gefahr“ dies für die Erde bedeutet. Es können aber auch andere Berufsgruppen vertreten sein, beispielsweise die, die sich mit kultur- und sozialrelevanten Fragen beschäftigen. So kann schnell zwischen hysterischer Gruppendynamik und fundierter Forschung differenziert werden.

  • 4. Die Gruppe der Fanatiker

Diese Gruppe macht sich die allgemeine Hysterie um vermeintlich besonders wichtige Daten zu nutze, um ihre ganz eigenen Ideologien und Ansichten der Welt zu präsentieren. So finden sich zahlreiche Seiten in den weiten des Internets, die von einem höchst mystischen Unterton durchzogen sind, und ganz und gar fantastische Dinge keinesfalls ausschließen. Sämtliche historische Daten (und besonders die Geschichte der Mayas) werden so präsentiert, dass man automatisch glaubt, es müsste doch irgendetwas seltsames an all diesen Ereignissen dran sein. Es wird von einem „höchst seltenen Ereignis innerhalb des Universums“, von einer interstellaren Konjunktion (Stellung Sonne zu Milchstraße), oder gar von der Geburt eines neuen Zeitalters gesprochen.

Ach ja, war da eigentlich noch etwas am 31.12.1999 ? In der Tat, auch der Übergang ins neue Millennium wurde äusserst kritisch erwartet. Fanatische religiöse Köpfe und unwissende Menschen propagierten Panik; und alle waren schon beinahe wieder enttäuscht darüber, dass letztendlich doch nichts geschah. Ausser vielleicht, dass manche (Computer-)Systeme Probleme bei der Umstellung des Datensystems hatten; aber solche Probleme sind höchst irdischer und menschlicher Natur… in Bezug auf das Jahr 2012 gibt es aber einen Unterschied: die „Angst“ entsteht nicht gänzlich unbegründet, sondern greift man auf einen alten Kalender zurück, der angeblich „die Wahrheit“ spricht. Natürlich waren die Maya fähige Astronomen, was eine sehr bemerkenswerte Tatsache ist in Anbetracht ihres Daseinszeitraums. Wenn sie also gewisse Dinge voraussagen konnten, dann ist daran höchstens erschreckend, dass sie es schon damals konnten – während man heute ganz andere Möglichkeiten zur Weltraumbeobachtung hat (und natürlich weitaus entwickelter auf den Gebieten der Astronomie, Physik und Wissenschaft ist).

Letztendlich stellt sich also die Frage, was (heute noch) so „besonders“ an interstellaren Vorhersagen ist. Wie wissen, wie unser Sonnensystem aufgebaut ist, wir kennen die Umlaufbahnen der Planten, können viele Vorgänge im Weltall erklären. Und, dass Planetenbewegungen und spezielle Konstellationen dabei eigentlich unspektakulär erscheinen… außer vielleicht die einer Sonnenfinsternis, da hat man wenigstens noch „was zu sehen“ ! Alles andere wird ebenso unspektakulär an uns vorübergehen, wie bisherige Prophezeiungen… bis wieder ein neues Datum gefunden wird, an dem es sich aufzubauschen gilt. So oder so… spätestens mit dem 22.12.2222 sollte es dann aber endgültig vorbei sein mit unserer Welt so wie wir sie kennen. Oder… ?

Fast schon wieder enttäuschend, dass dem nicht so ist. Dann würde diese kümmerliche Existenzform, die man auch Menschheit nennt, endlich ein (schon lange prophezeites ?) Ende finden. Denn alles wäre ehrenwerter, als einen selbstverschuldeten Tod zu sterben. Den Weg dahin beschreiten wir ja gerade…

Ein guter Artikel zu Thema, der zwar aus wissenschaftlicher Sicht, aber dennoch gut verständlich für Einsteiger gehalten wurde, lässt sich hier finden: http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/10/die-sonne-die-milchstrasse-und-2012.php. Jetzt aber wieder ein wenig gute Stimmung…

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Ein Gedanke zu “2012, Gott Steh Uns Bei

  1. Ich nehm Tor 2.^^ Ich muss schon zugeben, dass ich privat leicht esoterisch angehaucht bin, trage u.a. selbst einen Talismann (Ring), ich hin und wieder Horoskope lese *duck*, aber ich bin weit davon entfernt diese Dinge Bierernst zu nehmen. Was genau sollten die Maya vor Ewigkeiten gewusst haben, was wir heute nicht wissen? Auch sie haben sich religiösen, esoterischen und glaubenstechnischen Dingen hingegeben, wie wir das heute z.B. auf Astro/Kosmica TV in seiner primitivsten Form sehen können. Wir hören das was wir hören wollen, wir glauben das was wir glauben wollen. Ob positiv oder negativ benetzt wollen wir unserem Dasein einen tieferen Sinn verleihen indem wir an höhere Mächte, das Schicksal oder das Ende Allenseins glauben. Aber es gilt immer noch der Grundsatz: Glauben heißt nicht Wissen.

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