Casino-Philosophie Für Arme und Adelige

Hach, das waren noch Zeiten… 10-Cent-Spiele und trotzdem gute Unterhaltung.

Heute mal ein eher ungewöhnliches Thema – es geht um das Glücksspiel ! Natürlich handelt es sich um ein (beinhartes) Verlustgeschäft für die Kunden, die eigentlichen Spieler – aber wer kann im Zuge der steigenden Anzahl der Spielsüchtigen und der überall aus dem Boden sprießenden Casino-Filialen überhaupt noch „nein“ zum Spiel sagen ? Betroffen sind vor allem Jugendliche – die entweder aus Mangel an Beschäftigung oder der stillen Hoffnung, das meist mickrige Gehalt (Azubi-Gehälter, 400-Euro-Jobs) aufzubessern, in die Spielotheken strömen. Es fängt harmlos an… doch für viele wird das blosse „Spiel“ bald zu einem ernsthaften Problem. Jedoch gilt es, eine Unterscheidung zu wahren – zwischen den Spielsüchtigen, die tatsächlich ihre gesamte (erst einmal: finanzielle) Existenz aufs Spiel setzen, und denjenigen; die das Spiel zu einer Art überteuerten Hobby machen.

Vor allem erstere Gruppe wird in den offiziellen Statistiken erfasst – da es sich hier meist um extreme Fälle handelt, bei denen ohne eine vernünftige Therapie nichts mehr zu machen ist. Sie spielen längst nicht mehr um des Spiels wegen – sondern darum, Gewinne zu erzielen; beziehungsweise treffender: bereits verspielte Summen wieder „zurückzugewinnen“. Dabei spielt es offenbar keine Rolle, wie hoch die Differenz zwischen bisherigen Verlusten und den temporären „Gewinnen“ ist – selbst wenn es an nur einem von 10 Spieltagen (oder mehr) „gut läuft“, genügt dies als Motivation.

Es gilt aber ebenfalls nicht, die zweite Gruppe der Spieler ausser acht zu lassen. So gibt es tatsächlich Spieler, die in erster Linie wegen des Spiels in entsprechende Etablissements gehen – bei denen folglich auch das „Drumherum“ eine Rolle spielt. Das können Faktoren wie ein bereits etabliertes soziales Umfeld während des Spiels sein, das kann der teilweise gute Service und die Aufmerksamkeit seitens des Personals (bei großen Ketten) sein, das kann schlicht die Tatsache sein, dass man „mal wieder rauskommt“. Andere gehen anderen Hobbys nach, und so zählt für manche Spielotheken-Geher ein derartiger Besuch oftmals als Freizeitaktivität die „Spaß“ macht – und die möglichst wenig kosten soll.

Doch genau das ist der Punkt: selbst diese „Unterhaltungsspieler“ verlieren oft größere Summen. Kommt man nun zu dem Punkt, bei dem es um die Frage nach der Sucht und dem Zeitpunkt, aufzuhören geht – so landet man unweigerlich bei der grässlichen Doppelmoral, wie sie sonst nur in Bezug auf Tabakwaren vorherrscht. Natürlich, Vater Staat propagiert öffentlich, dass es „gefährlich“ sei, sich derartigen Süchten hinzugeben – doch andererseits kann er keinesfalls auf die daraus entstehenden Einnahmen verzichten. Oder, er könnte es: doch eine weitere Mehrwertsteuererhöhung von schätzungsweise 20-30 Prozent würde wohl vielen übel aufstoßen. Gewiss nicht zu unrecht – aber hier haben wir eben die besagte Doppelmoral. Es „darf“ offiziell nicht mit Süchtigen gehen, es ist inoffiziell aber gar nicht anders möglich. Und so werden noch viele weitere „Kandidaten“ geködert und mehr oder weniger dazu verleitet, eben diesen Süchten zu frönen…

Gibt es eine Lösung ? Gewiss nicht. Aber es gibt Wege, Dinge zu verbessern – diese wären in erster Linie in zwei unterschiedliche Herangehensweisen einzuteilen. Die eine bezieht sich auf die „Entschärfung“ des Spielprinzipes, wäre also die Pro-Spiel-Variante. Die andere, Kontra-Spiel-Variante wäre die Schaffung von adäquaten Alternativen für das Spiel. Stichpunkte für die erste Variante sind demnach: deutliche Limits hinsichtlich der Anzahl von Spielstätten je nach Bevölkerungsdichte, deutliche Reduzierung der möglichen Einsätze und Gewinne, absolute Kontrolle der Betreiber (Betrugsausschluss). Nur ein Stichpunkt für die zweite, beinahe utopische (und klar von mir favorisierte) Variante: die Schaffung von ähnlich attraktiven Orten der Freizeitbeschäftigung bei denen weitaus weniger „auf dem Spiel“ steht. Was das sein oder wie das  aussehen soll, bleibt schleierhaft – doch dies soll auch nicht meine Aufgabe sein. Aber es ist nun einmal Fakt: je „desolater“ die Zustände in einer Gesellschaftsstruktur, desto häufiger sind… fragwürdige Aktivitäten an der Tagesordnung (am häufigsten: übermäßiger Alkoholkonsum).

Play Safe lautet das Stichwort – denn nur ein kontrolliertes Spiel ist noch ein Spiel, und keine Sucht. Was jedem klar sein sollte: ob Gewinn oder Verlust ist reiner Zufall, wobei man eher davon ausgehen sollte dass man „verliert“ – schließlich muss man sich vor Augen halten, dass Spielhallenbetreiber ihre Kosten decken und selbstverständlich einen (großen) Gewinn machen möchten… das heisst: der Ausgang des Spiels lässt sich nicht beeinflussen, und man muss das „Ergebnis“ so hinnehmen wie es ist. Stattdessen sollte man sich, sofern noch nicht in die Sucht-Sparte abgerutscht, am Spiel selbst erfreuen und es „genießen“. Denn ein Casino-Gang dient schließlich nicht nur dem Gewinn oder Verlust, sondern auch: richtig, der Unterhaltung. Wenn man sich selbst noch so einschätzt, dass man genau aus diesem Grund in ein Casino geht, dann ist man (halbwegs) auf der sicheren Seite. Wobei, natürlich nicht immer – denn auch ein solches Verhalten kann schnell zu einer Abhängigkeit führen – wohl weniger wegen des zu erwarteten Gewinns, als aufgrund dem Verlangen nach dem Spielen selbst. Oder aber den Spielen – denn selbst wenn es theoretisch Spiele geben würde bei denen man „mehr“ gewinnt – so würde eben genannte Spielerfraktion dennoch vorrangig zu „ihren“ Spielen greifen, zu ihren Lieblingsspielen.

Klein aber fein… das war einmal.

Spielhallen, Casinos, Glücksspiel – alles nur Ärgernisse, gar sinnlose Beschäftigungsmaßnahmen für „Unterbelichtete“ ? Eine vorgegaukelte Gewinnchance für Menschen, die Geld setzen obwohl sie ohnehin wenig haben ? Oder handelt es sich, sofern in Maßen genossen, um eine attraktive Freizeitgestaltung ? Was meint Ihr ? Wenn Ihr Eure Meinung beisteuern möchten, so nutzt bitte die Kommentarfunktion.

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2 Gedanken zu “Casino-Philosophie Für Arme und Adelige

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