Filmkritik: „Der Tag An Dem Die Erde Stillstand“ (2008)

Orginaltitel: The Day The Earth Stood Still
Regie:
Scott Derrickson
Mit:
Keanu Reeves
Laufzeit:
103 Minuten
Land:
USA
Genre:
Science Fiction

Inhalt: Vor einigen Jahrzehnten… ein Mann stösst auf einen seltsamen Fund an einem verschneiten Ort. Es handelt sich um eine Art leuchtende Sphäre, mit der er auch direkten Kontakt hat – das Ergebnis dieser Begegnung bleibt vorerst ungewiss. Viele Jahre später wird die Wissenschaftlerin Dr. Helen Benson (Jennifer Connelly) von Regierungsbeamten aufgefordert, an einem einmaligen Ereignis teilzuhaben: ein unbekanntes Flugobjekt steuert direkt auf die Erde zu. Diese kugelförmige Energiesphäre erinnert an die vor vielen Jahren – nur ist sie um einiges größer. Und kurze Zeit später entsteigt ihr auch schon ein außerirdisches Wesen namens Klaatu (Keanu Reeves), welches offenbar den Vorboten einer kommenden, gravierenden Veränderung für die Erde darstellt. Die US-Regierung reagiert höchst kritisch, und versucht Klaatu auf ihre Art zu verhören, um eine mögliche Gefahr abzuwenden. Doch dass dieser Bedrohung nicht mit herkömmlicher Waffengewalt zu begegnen ist, das würden alle bald erfahren… und plötzlich steht das Schicksal der gesamten Menschheit auf dem Spiel.

Kritik: Nun, im Grunde müsste es sich bei Der Tag Als Die Erde Stillstand um einen geradezu prädestinierten Film in Bezug auf Liebhaber von Sci-Fi orientierten Weltuntergangsszenarien handeln – da er viele Elemente einer hypothetischen Apokalypse in sich vereint und dabei recht spannend erzählt wird. Immerhin – es gab schon einmal einen gleichnamigem Film, und zwar im Jahre 1951 – welcher daher als eigentliches „Original“ zu bezeichnen ist. Dieses entstand im Zuge der Nachwirkungen des zweiten Weltkrieges, und spielte auf die enorme technologische Entwicklung (Atombomben) an, die auch eine Gefahr für andere bedeutend könnte… in der Neuverfilmung hat sich die Situation ein wenig geändert: nunmehr ist es die Entwicklung der Menschheit im Gesamten, die unweigerlich einmal dazu führen wird dass wir uns selbst (und noch schlimmer: auch die Erde) zerstören werden. Jedoch haben wir in diesem Fall die Rechnung ohne einige hochentwickelte Außerirdische gemacht, die die Existenz der Erde selbst klar über die Wichtigkeit des Fortbestands der Menschheit stellen.

Schön und gut – doch bereits diese erste kleine „Veränderung“ hinsichtlich einer Aktualisierung könnte manchen übel aufstoßen. Ein SciFi-Thriller, der eigentlich unbekanntes porträtieren soll (außerirdische Wesen), dass Augenmerk aber von Anfang an auf „unser“ eigenes Fehlverhalten legt ? In Zeiten wo Begriffe wie Klimakatastrophe Hochkonjunktur feiern, aber sicherlich kein (marketingtechnisch) schlechter Zug. Nur: es raubt dem Film einiges an Faszination und Spannung, und kommt im Endeffekt wie ein erhobener moralischer Zeigefinger daher: die alte Leier von erdenfreundlicher Ökologie und Umweltbewusstsein wird aufgefahren. Glücklicherweise haben es die Ausserirdischen aber nicht auf einige Wirtschaftsmagnate abgesehen, sondern gleich auf die Menschheit im Gesamten – das wirkt konsequent und verhindert weitere Lächerlichkeiten. Stichwort Lächerlichkeiten: der eigentlich episch angelegte Film schafft es kaum, diese Stimmung entsprechend zu transportieren. Während man über diverse Logik-Faktoiren sicherlich noch hinwegsehen kann, scheitert der Film vor allem in Bezug auf die Wandlung von Klaatu, dem Außerirdischen. Während er noch (typisch klischeehaft) empfangen wird, und – wieder mal – ein einziges Land für den Rest der Welt spricht und entscheidet, dient eine zerissene Familie (bestehend aus 2 Personen) als eigentlicher Wandlungsfaktor.

Diese Szenen, in denen übrigens auch der Sohn von Will Smith, Jaden Smith eine nicht unerhebliche Rolle (das aber eher holperig als gekonnt) spielt, offenbaren letztendlich die wahre Schwäche von Der Tag An Dem Die Erde Stillstand. Alles wirkt streng heruntergebrochen, und wird ausschließlich auf der oberflächlichsten aller Ebenen behandelt: so dient ein außerirdisches Wesen als Repräsentant der einen, eine Frau und ihr (adoptiv-)Kind als der der anderen Fraktion. Das simple Prinzip: wenn hier „die Chemie stimmt“, dann wird die Vernichtung der Menschheit sicherlich verhindert werden können. Wie… öde, und zudem noch auf das grausamste vorhersehbar. Wenn man allerdings schon von mangelnder Nachvollziehbarkeit spricht; so muss man auch die dargestellte, allgemeine Ehrfurcht erwähnen – die eben gar nicht vorhanden ist. In Anbetracht der eigentlich ganz und gar „schockierenden“ Ereignisse ist dies sicherlich auf ein mangelhaftes Drehbuch zurückzuführen. Es passiert eben täglich, dass Außerirdische mit uns Kontakt aufnehmen, und dass sogar noch in Form eines (halb) menschlichen Repräsentanten – egal, alles was man nicht kennt wird eben als gefährlich eingestuft und niedergemacht. Von daher wäre ein „Bad“-Ending vielleicht gar nicht so schlecht gewesen, und hätte viel besser zum Grundton der ersten Minuten des Films gepasst.

Doch natürlich würde man sich das niemals wagen, sondern sich viel eher den gängigsten Klischees hingeben. Alles ist gut, solange es ein paar „perfekte“ Amerikaner gibt, die über unser Geschick entscheiden, und dass selbst noch wenn extraterrestrische Wesen im Spiel sind. Interessant ist auch, dass die „Hauptsphäre“ zufälligerweise natürlich mal wieder im Zentrum der USA landete – und alle anderen nur nebensächlich waren. Warum nicht einen episodenartig angelegten Blockbuster im Sinne von Babel drehen, der an verschiedenen Orten spielt und bei dem sich alle Ereignisse am Ende zu einem großen Ganzen zusammenfügen ? Doch dafür braucht man Mut, noch mehr Geld und vor allem eines: Ideen. Immerhin, eine gewisse Spannung vermag der Film zu etablieren: diese ist jedoch ausschließlich auf Klaatu (gut gespielt von Keanu Reeves) zurückzuführen, von dem man als Zuschauer natürlich „mehr“ wissen möchte. Der Rest fällt eher bescheiden, und einstweilen sogar höchst abstrus aus: besonders der „Schwarm“ der außerirdischen Kleinstwesen scheint kein besonderer Kunstgriff im Sinne der Inszenierung zu sein. Zumal sich der Sinn dahinter ebenfalls niemals erschließt (was genau vernichtet er, und vor allem wie) – man kann ihn allenfalls erahnen. Doch vielleicht wollte man den Zuschauern auch nicht zuviel zumuten. Da hat selbst eine Serie wie Stargate Atlantis wesentliche bessere und faszinierendere Interpretationen anzubieten (Stichwort Replikatoren).

Fazit: Insgesamt ist Der Tag An Dem Die Erde Stillstand wohl als Fehlschlag zu bezeichnen. Teure Produktionskosten und teilweise gute Darsteller können eben nicht über das Fehlen des gewissen Etwas, in Filmkreisen gerne auch filmische Seele genannt, hinwegtäuschen. Die Effekte sind allenfalls im qualitativen Mittelfeld einzuordnen, zumal deren Potential fast nie ausgenutzt wird (bis auf ein oder zwei kurze Kampfszenen). Die Darsteller spielen im Grunde gut, doch in Anbetracht des Drehbuchs stellen sie sich mit ihren oberflächlichen und einseitigen Rollen selbst ein Bein. Was bleibt ? Die Frage, ob wir nicht doch anfangen sollten; unsere Mutter Erde zu respektieren… aber selbst wenn nicht, wird es eine Weltmacht mit ausserordentlich „guten“ Staatsbürgern geben, die eine Ausrede (stellvertretend für uns alle) findet. Wer einen gut gemachten Film über ein Weltuntergangsszenario sehen möchte, in dem ebenfalls „Außerirdische“ vorkommen und der Schauplatz (sowie auch der Produktionsort) Amerika ist, der sollte unbedingt zu Knowing (Link) greifen.

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Der Tag An Dem Die Erde Stillstand“ (2008)

  1. Hab mir den Film gestern auch eingezogen aber erst die wiederholung um 1 uhr nachts…. hab mir deine genauen gründe für eine 4er wertung noch nicht durchgelesen, muss noch. kleiner tip mach eine direkte verlinkung zu Knowing im Text ganz unten.

    bis dann , muss mal wieder weiter arbeiten

    cb

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