Filmkritik: „Tron Legacy“ (2010)

Filmtitel: Tron Legacy
Regie:
Joseph Kosinski
Mit:
Jeff Bridges
Laufzeit:
125 Minuten
Land:
USA
Genre:
Science Fiction

Inhalt: Ein gewisser Kevin Flynn (Jeff Bridges) ist im Jahre 1989 einer der bedeutendsten Software-Entwickler der Welt. Er widmet sich oft voll und ganz seiner Arbeit, und berichtet auch seinem Sohn Sam (Owen Best) davon. So erfährt Sam auch, dass Flynn kurz vor einem noch nie dagewesenen technischen Durchbruch steht. Genaues weiss er jedoch nicht, und es ist schon bald zu spät, danach zu fragen: Flynn verschwindet eines Tages spurlos und lässt seine Familie und seine erfolgreiche Firma zurück. Zwanzig Jahre später hat sich die technologische Welt gewandelt, und auch das Encom-Unternehmen von Flynn. Der nun erwachsene Sam (Garrett Hedlund) bekämpft das von seinen ursprünglichen Idealen abgewichene Unternehmen auf seine ganz eigene Art… Doch dann geschieht das unglaubliche: Sam erhält eine lang ersehnte Nachricht… In der stillgelegten Spielhalle seines Vaters findet er daraufhin ein geheimes Büro, und einen alten Computer. Sam bedient ihn, und wird daraufhin in das sogenannte Raster transportiert, eine Art virtuelle Zwischenwelt in der sein Vater seit dem Tag seines Verschwindens sein Dasein fristet. Computerprogramme sehen hier aus wie Menschen, und wie bei denen gibt es auch hier allerlei „zwischenmenschliche“ Probleme…  ein ganz spezielles Programm namens Quora (Olivia Wilde) könnte Sam und Flynn nun bei ihrer gemeinsamen Flucht aus dem Raster behilflich sein.

Kritik: Tron Legacy – eigentlich spricht alles für das neueste Disney-Projekt. Der Titel klingt episch, die Filmposter und der Trailer sehen genial aus, und durch den Einsatz von „echtem“ 3D ist der Film ein optischer Leckerbissen. Wohlgemerkt, Tron Legacy greift auf den Sci-Fi Kultklassiker Tron aus dem Jahre 1982 zurück, ist also kein gänzlich neu ersonnenes Projekt. Neu ist dagegen das spektakuläre 3D-Gewand und die hämmernde Soundkulisse, die dem Film einen Touch von Kinofeeling a’la 2010 verpasst – doch kommt das dem Film zugute, oder handelt es sich hier um eine überflüssige Neuverfilmung eines Klassikers ? Immerhin: der Gedanke, eine virtuelle Welt zu erschaffen in die man als Mensch irgendwie eintreten kann (durch komplizierte technische Verfahren), ist auch heute noch faszinierend. Die Grundidee beziehungsweise der Rahmen für die Story ist also definitiv gegeben – und auch die heutigen Techniken sollten es problemlos möglich machen, eine glaubhafte Computer-Welt zu erschaffen. Worauf kommt es also an ? Beinahe ausschließlich auf das wie – wie gestaltet man diese Computerwelt, sodass sie möglichst nachvollziehbar erscheint und spannend wirkt ?

Tron Legacy bietet hierzu eine Lösung an, die Vor- und Nachteile mit sich bringt – indem die Computerwelt der „echten“ sehr nahekommt. Es scheint auch hier einen klar strukturierten Aufbau zu geben; ähnlich einer Großstadt – und in einer solchen leben, natürlich: Menschen. Im virtuellen Fall spricht man dementsprechend von Programmen in humanoider Gestalt. Die Vorteile sind offensichtlich: dem Zuschauer wird es ermöglicht, dem Geschehen stets folgen zu können, und auch von allerlei abstraktem Denken Abstand zu nehmen. Doch dies ist gleichzeitig auch der Nachteil: durch diese „Vermenschlichung“ der technischen Welt bietet das Raster selbst eigentlich wenig spannendes, ungewöhnliches. Ausser: es sieht irgendwie anders aus. So regiert eine allgemeine Dunkelheit, die nur von zahlreichen Lichtstrahlen (auf Kleidung, an Fahrzeugen, an Geräten) durchbrochen wird. Hier kommt dann die 3D-Technik ins Spiel: doch während die rasanteren Szenen wie die mit den Disc-Kämpfen und den Leuchtmotorrädern sicherlich überaus ästhetisch wirken, fällt der Film insgesamt viel zu dunkel aus. Die einzigen markanten Fixpunkte bleiben die Neonfarben, doch eine glaubhafte 3D-Welt, wie beispielsweise die von Avatar – entsteht nicht. So ist Tron Legacy eher eine Art optisches Experiment, ähnlich einem besonderen Musikvideo oder einer Computerspielsequenz, jedoch mit einer ungleich längeren Spieldauer.

Sicherlich ist die letztendliche Präsentation der Tron-Welt eine Geschmacksfrage, doch wie verhält es sich mit dem zweitwichtigsten Aspekt des Films, den Charakteren ? Doch gerade hier offenbart Tron seine größten Schwächen. Dabei fängt alles noch so gut an: ein Vater, der an irgendeinem geheimen Projekt arbeitet, seinen Sohn eines Tages vielleicht sogar einmal mitnehmen möchte… und dann der große Zeitsprung. Mit diesem Zeitsprung zerspringt aber auch die Glaubwürdigkeit der Charaktere: es scheint, als hätte der Sohn in 20 Jahren nicht viel unternommen (dafür kann er aber unglaublich viel !); sodass ihm die besagte Botschaft „gerade recht“ kommt. Wahrlich ins Grübeln kommt man aber bei Flynn, dem Vater: seit zwei Jahrzehnten (mindestens, siehe Zeitunterschied) hat er nichts anderes zu tun als zu meditieren, und in einem kahlen Anwesen ausserhalb der „Stadt“ sein Dasein zu fristen – und das als „Schöpfer“ dieser fantastischen Welt. Sicher, hier kommt das Argument der „bösen“ Gegenspieler zum Zuge: denn seine eigenen Kreationen sind (wie gezeigt) ausser Kontrolle geraten. Doch all dies erscheint nicht wirklich nachvollziehbar, und ausschließlich auf das Funktionieren des Plots zugeschnitten. So wird niemals wirklich deutlich, ob der Vater dieser virtuellen Welt wieder entkommen möchte; oder was seine eigentlichen Ziele sind. Oder, warum er etwaige besondere Fähigkeiten erst ganz am Schluss des Films einsetzt.

Schlimm: selbst der letztendliche Coup des Films geht völlig in Rauch auf. Denn im Grunde ging Sam auf das Raster, um seinen Vater zu retten – was nicht klappt. Verständlich, dass die Filmemacher ihn nun nicht wieder „alleine“ gehen lassen wollten – so stelle man ihm ein besonderes Wesen zur Seite, und verknüpft dies beinahe (und frecherweise) noch mit einer Liebesgeschichte. Auch hier bleiben die Hintergründe schleierhaft – es wird nicht darauf eingegangen, was es für eine Bedeutung haben könnte dass ein „Programm“ nun in menschlicher Gestalt auf unserem Planeten wandelt. Das ist sehr ärgerlich, gerade da (bessere) Story-Alternativen geradezu auf der Hand liegen. Doch dafür hätte es weitaus mehr Mut seitens der Produktion und das nicht-Fokussieren auf ein breites Massenpublikum bedurft. Mit einem gut geschriebenen Drehbuch hätte man Sam durchaus auch „alleine“ wieder aus der Raster-Welt entkommen lassen können – ohne das die ganze Reise sich letztendlich selbst relativieren würde. Doch in dieser Form läuft sie Gefahr, genau das zu tun…

Doch auch während des Aufenthaltes und bei Umlenkung der Aufmerksamkeit auf weniger tiefgreifende Aspekte kann Tron nicht wirklich überzeugen. Die Kämpfe wirken – gerade da sie ebenfalls entsprechend „vermenschlicht“ werden – relativ belanglos, und überzeugen höchstens auf der optischen Ebene. Merkwürdig ist dabei, dass Sam als „User“ offenbar überall mithalten kann: im Raster sind es Martial-Arts-Kämpfe und Motorradrennen die er perfekt meistert – und vorher sind es komplexe Hackerangriffe mit seinem…  Handy ! Die „Programme“ dagegen scheinen keine besonderen Fähigkeiten zu haben, sie selbst und die Welt in der sie „leben“ bleibt starr und monoton. Auch hier kommt schnell der Gedanke an mögliche Alternativen auf: warum „programmieren“ die Programme nicht in Eigenregie, können die Welt nach Belieben verändern, erweitern oder sogar vernichten (entsprechende Sinnbilder wären hierbei Programm-Upgrades, Viren, als Selbstschutz Firewalls etc.) – und die „User“ in dieser Welt nicht über aussergewöhnliche Fähigkeiten (durch die Verknüpfung von menschliche DNA und Computerstrukturen) verfügen ? Pustekuchen, alles bleibt oberflächlich und wirkt wenig innovativ. Doch dies passt zumindest zum Gesamteindruck des Films: viel Wirbel um nichts, eine Aussage, eine Moral oder ähnliches sucht man vergebens.

Fazit: Da zumindest die technischen Aspekte stimmen, der Soundtrack stellenweise sogar recht gut ist (Daft Punk als Gaststars), die Optik gewagt erscheint und in 3D einen grundsoliden (aber nicht spektakulären, da zu dunkel) Eindruck macht – Durchschnitt ! Vom Wertungstron ist Tron Legacy aber meilenweit entfernt – und das zu recht. Eventuell lieber zum „Original“ greifen… Tron (1982).

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Tron Legacy“ (2010)

  1. Naja (irgendwie fang ich meine Kommentare oft so an ^^)…ich glaube mich zu erinnern, dass ich Tron damals als Kind sehr toll fand. Wie das heute aussieht müsste man ertesten. Tron von 82 traf genau den richtigen Nerv der Zeit, wie kurz darauf später „War Games“ mit Matthew Broderick z.B. Tron Legacy empfinde ich in der heutigen Zeit, in der prinzipiell nichts mehr manuell erschaffen wird, total überflüssig. Das Erblicken eines (nicht mal so besonders toll) computeranimierten Jeff Bridges in den Trailern hat mir gereicht um das Machwerk als überflüssig zu entlarven. Also ich muss es nicht sehen, da schau ich mir aus Nostalgiegründen lieber das „Original“ an.

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