TV-Kritik / Anime-Review: DEATH NOTE

Death Note ist eine von Tsugumi Oba ins Leben gerufene Geschichte um einen jungen Mann namens Light Yagami, der eines Tages ein seltsames Buch findet – das Death Note. Dieses Buch ist aber mehr als nur ein blosser Leseschmöker, denn es gibt dem jeweiligen Eigentümer die Möglichkeit, Menschen zu töten. Alles was man dazu benötigt, ist eine bildliche Vorstellung des Gesichts des Opfers, sowie den dazugehörigen Namen. So kann man auch über den Todeszeitpunkt und die Umstände entscheiden, indem man eine entsprechende Eintragung in das Death Note vornimmt. Doch wie für alles andere gibt es auch für dieses Buch ein Regelwerk – ein mysteriöses, welches im Verlauf der Geschichte teilweise vorgestellt wird.

Mindestens (!) einen weiteren Nebeneffekt hat die Benutzung des Death Note dann aber doch: dem Benutzer erscheint ein sogenannter Shinigami, ein Gott des Todes. Dieser ist der eigentliche Besitzer des Buches, und ist nur für den betreffenden „neuen“ Besitzer sichtbar. Im Falle von Light ist es der gleichzeitig bedrohlich und ulkig wirkende Ryuk, der ihn von nun an begleitet – seine wahre Intention bleibt vorerst verborgen. Nachdem sich Light dieser neuen Fähigkeit bemächtigt hat und entschließt, sie möglichst „sinnvoll“ zu nutzen, erwacht automatisch auch eine Gegenseite. Vorerst sind das die Polizei und weitere Ermittler, doch schon bald meldet sich ein gewisser L zu Wort. Es entbrennt ein erbarmungsloser Kampf zwischen zwei  Seiten, bei dem es nicht nur entscheidend ist ob man ein Death Note besitzt – es geht in erster Linie darum, wer klüger ist. Die Episoden (deutsche Titel):

1 Wiedergeburt
2 Konfrontation
3 Ein Geschäft
4 Verfolgt
5 Strategien
6 Das Detail
7 Wolkenverhangen
8 Blickwinkel
9 Kontakt
10 Der Verdacht
11 Offensive
12 Liebe
13 Das Geständnis
14 Freunde
15 Das Duell
16 Das Urteil
17 Vollstreckung
18 Kollegen
19 Matsuda
20 Das Provisorium
21 Aktivitäten
22 Hinführung
23 Tumult
24 Das Comeback
25 Schweigen
26 Erneuerung
27 Die Entführung
28 Ungeduld
29 Vater
30 Gerechtigkeit
31 Übertragung
32 Die Auswahl
33 Hohngelächter
34 Lauern
35 Tötungsabsicht
36 1.28
37 Eine neue Welt

In dieser Rezension geht es ausschließlich um die Ende 2006 ins Fernsehen portierte Adaption des Manga-Stoffes, verantwortlich zeichnet sich das bekannte Anime-Studio Madhouse. Filmrezensionen zu den Real-Life-Portierungen sind an gesonderter Stelle zu finden. Und: man muss schon sagen… diese Serie ist bisher eine der größten Überraschungen überhaupt für mich. Als Fan von SciFi angehauchten Animes (hauptsächlich) habe ich anfangs noch etwas gezögert – würde mich diese Geschichte um ein seltsames aber mächtiges Buch fesseln können ? Doch es brauchte keine zwei Folgen, um mich zu überzeugen. Death Note ist eine wahrlich aussergewöhnliche Anime-Serie. Alle Fans von plumper Action und oberflächlichen Liebesgeschichten habt Acht – davon gibt es in Death Note nichts zu sehen. Welch eine Wohltat ! Stattdessen regiert, wie sollte man dies in einem Stichwort formulieren – Intelligenz. Diese ist vom Zuschauer gefordert; steckt aber besonders in den vielschichtigen Dialogen, dem Wortwitz und den grandiosen Zweikämpfen auf Geistesebene. Es ist einfach spannend, den jungen Light dabei zu beobachten, wie er sich kontinuierlich ein gefährliches Doppelleben aufbaut – und sich später aus absolut jeder noch so kritischen Misere herausbugsiert und ständig als Sieger hervorgeht. Wie macht er das bloss… ? Nun, sicherlich auch mithilfe des Death Note, mit dem er eine völlig neue Welt erschaffen möchte. Mord, Leid und Verbrechen wird es dann nicht mehr geben – doch es ist klar, dass nun die Frage nach einer Moral aufkommt. Kann und darf Mord wirklich die Grundlage für die Erschaffung einer „neuen Welt“ sein… ?

Hat hier jemand noch ein paar Äpfel für mich… ?

Natürlich ist das Porträt der Gegenseite ebenso spannend und faszinierend. Das besondere an dieser Serie ist zweifelsohne, dass man als Zuschauer recht genau weiss, wer dieser Kira ist und was er vorhat – alle anderen Protagonisten aber eben nicht. So ist man in vielen Situationen schnell der Meinung, dass es das nun aber gewesen sein muss mit der Erfolgsgeschichte von Kira – doch Pustekuchen. Es gelingt ihm immer wieder, sich aus den gefährlichsten Situationen zu bugsieren, ebenso wie die Gegenseite ihm immer wieder (ansatzweise) auf die Schliche kommt. Diese eigentlich simple Grundvoraussetzung sorgt für einen enormen Spannungsbogen, der sogar über die 37 Episoden kontinuierlich gehalten werden kann – sicherlich keine leichte Aufgabe. Daher fällt es auch etwas schwer zu sagen, ob eine (reguläre) Episodenanzahl von 26 sinnvoller gewesen wäre. Eventuell ja, da die Stimmung noch intensiver ausgefallen wäre, und man der Gefahr, den Spannungsbogen zu überdehnen, definitiv aus dem Weg geräumt hätte – eventuell aber auch nein, weil Death Note nun einmal Death Note ist und aus irgendeinem Grund 37 Episoden hat.

Etwas unzufriedenstellend ist – aber dies haben viele Animes an sich – die Erläuterung der Hintergründe. Vieles wird  demnach für „selbstverständlich“ gehalten, dazu nur einige Stichwörter: wer sind die Shinigamis, wer ist ihr Meister, was ist der Ursprung und Sinn des Death Notes… natürlich funktioniert der Anime auch, ohne explizit auf diese (sicherlich aufkommenden) Fragestellungen einzugehen. Man muss es wohl so hinnehmen, wie es ist; und sich bezüglich der Interpretation (gegebenenfalls) selbst den Kopf zerbrechen… für alles weitere möchte ich erneut meine Plus-Minus-Liste zur Hand nehmen, in der (möglichst objektiv) versuchen werde, alle Positiv- und Negativaspekte der Serie festzuhalten.

Positivliste:

+ Intelligente, spannende Dialoge

+ Ausgefeiltes Charakterporträt von Light (Doppelleben, gut und böse)

+ Grandioser, sich kontinuierlich entwickelnder Spannungsbogen

+ Spannende Nebencharaktere (auf beiden Seiten)

+ Gute Zeichnungen und gute Animationsqualität

+ Genial-stimmiger Soundtrack

+ 2 passende Intros und Outros

Negativliste:

– Kaum Erklärungen über Sinn oder Unsinn der Hintergründe, vieles wird als „Selbstverständlichkeit“ vorausgesetzt

Schlussendlich… man könnte sicherlich viele seiten über diese Anime-Serie füllen. Der Inhalt wäre aber höchstwahrscheinlich stets derselbe: er wäre von einem positiven Grundton durchzogen. Denn Death Note ist zweifelsohne eine der besten Anime-Serien, die es je gegeben hat. Folglich muss sie einen gerechten Platz auf meinem Wertungsthron finden – und den bekommt sie mit satten 10/10 Punkten auch. Es bleibt festzustellen, dass die Serie zwar ein eher spezifisches Thema hat, nicht ganz so universell und erschütternd daherkommt wie beispielsweise Neon Genesis Evangelion – aber ansonsten alle erdenklichen Stärken (im Sinne eines Unterhaltungswertes) aus dem Gebiet der Detektivgeschichten, der Psychologie und einer ausgefallenen Ideologie (+ dem Versuch der Verwirklichung) in sich vereint. Ganz, ganz großes Anime-Kino; Death Note ist uneingeschränkt empfehlenswert. Ein Muss ! Noch ein (von Fans gemachter) Trailer zum Abschluss:

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„Einzigartig.“

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