Filmkritik: „Prank“ (2006)

Originaltitel: Tréfa
Regisseur:
Péter Gárdos
Mit: /
Laufzeit:
93 Minuten
Land:
Ungarn
Genre:
Drama

Inhalt: Im Jahre 1912 an einer dörflichen, kirchlich institutionalisierten Schule: das Schuljahr beginnt für die Siebtklässler, die hier leben und lernen, in relativ gewohnten und geordneten Bahnen. Doch schon bald bekommt die harmlos erscheinende Phrase „jemanden einen Streich spielen“ eine große Bedeutung. Denn so wie der Pfarrer Zoltán (Lóránt Váta) die Kinder noch stets in Schutz nahm, wird der Ton mit dem Neuzugang in der Priesterriege, Weigl (Tamás Lengyel) schon merklich rauer. Mehr noch, durch den zusätzlichen psychischen Druck, der von diesem Pfarrer ausgeübt wird, scheinen die Kinder plötzlich in einer immer hoffnungsloseren, verwirrenderen Lage. Ganz besonders aber hat Szebeni, ein eher stiller und schüchterner Junge, mit den Attacken zu kämpfen. Denn offenbar richten sich viele der Streiche direkt gegen ihn, und auch der neue Pfarrer scheint es auf ihn – als schwächstes Glied in der Gruppe – abgesehen zu haben. Dass das kein gutes Ende nehmen kann, ist bereits abzusehen…

Kritik: Hierzulande sicherlich als Geheimtipp zu bezeichnen, fungiert Prank – wie schon viele Genrevertreter zuvor – als Sinnbild für das harte Leben an einer kirchlichen Schule zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, zu der die Kinder mehr oder weniger freiwillig gehen. Doch neben all der Ernsthaftigkeit, der Dramatik und der beklemmenden Stimmung gibt es etwas, was diesen Film von anderen abhebt – ein Aspekt, der erfrischend, aber auch etwas makaber daherkommt. Ohne Zweifel – es ist der Unterton einer unbeschwerten Leichtigkeit des Seins, zusätzlich untermalt von einer eher freudigen ungarischen Musik. So weiss man als Zuschauer nie wirklich, was einen genau (und am Ende) erwartet würde: geht es eher gut oder aber doch gnadenlos schlecht für die Protagonisten aus ? Denn die Stimmung schwankt, und das doch merklich: auf der einen Seite erfährt man etwas vom strengen Umgang in der Schule (die gleichzeitig das Zuhause für die Kinder ist), sowie von allerlei Streichen die verheerendere Auswirkungen haben als zuerst angenommen – und zum anderen ist es das Porträt einer dennoch halbwegs „normalen“ Kindheit, in der sich einige der Kinder Nachts aus der Schule schleichen um in die Stadt zu gehen und ihre Freiheit einzufordern.

Diese Mischung fällt einerseits authentisch, andererseits etwas merkwürdig erscheinend aus – während besonders der Soundtrack impliziert, dass alles könnte auch „bloss nur ein Spiel“ sein, mündet der Film letztendlich doch noch in der knallharten Realität, im Porträt abgrundtiefer seelischer Grausamkeit. Gewagt, gewagt – die (Gesamt-)Wirkung wird in Bezug auf den jeweiligen Zuschauer sicherlich sehr ambivalent ausfallen. Etwas schade ist, dass die eigentliche Story auch mit dem Ausscheiden des alten Pfarrers Zoltán endet – auf den Abschied, auf den Nachfolger sowie auf den stärker werdenden Konflikt mit dem Pfarrer und Sportlehrer Weigl wird kaum mehr eingegangen. Was dann noch passiert, sollte man sich selbst zu Gemüte führen. Es bleibt jedenfalls im Gedächtnis, und hinterlässt einen unangenehmen Beigeschmack. Man wird sich wünschen, dass der Film ein anderes Ende hätte haben können – und dieser Wunsch ist gar nicht so unberechtigt. Denn so schockiert es zwar, doch eine wirkliche Innovation lässt das Drehbuch sicherlich vermissen.

Auch mit Erklärungen hält man sich nicht auf – alle Interpretationsversuche bleiben vollständig dem Zuschauer überlassen. Sofern es überhaupt etwas zu interpretieren gibt – die Informationen, die man beispielsweise zu Hintergründen der Schule oder den jeweiligen Charakteren bekommt, sind sehr dünn. Letztendlich bleibt einem nur die Frage, was genau der Macher mit diesem Werk erreichen wollte, aufzeigen wollte – und wenn es nur die Frage nach dem „wie“ und „warum“ – in Bezug auf die entstehende Gruppendynamik in Verbindung mit dem Stichwort Gewalt – ist. Prank vermag es dennoch, gut zu unterhalten – auch wenn man als Zuschauer nie wirklich genau weiss, woran man ist. Dies ist in erster Linie den sehr guten Darstellern zu verdanken, die alle einen ausgezeichneten Job machen. Die Erwachsenen glänzen mit den mürrischen Pfarrersminen und den teilweise stark voneinander abweichenden Erziehungsansichten, die Kinder überzeugen durch ein sehr natürlich wirkendes, ungekünsteltes Spiel. Auch die technischen Aspekte machen rundum eine gute Figur. Die Optik wirkt sehr „stilecht“ und dem Ereigniszeitraum angepasst, die Szenenaufbauten sind authentisch, wenn auch nicht sehr aufwendig. Der Soundtrack ist – an und für sich – nett, kommt im jeweiligen Zusammenhang aber stellenweise etwas merkwürdig daher.

Fazit: Prank ist zwar ein Geheimtipp, aber leider auch nur einer, nach dem es sich nur bedingt lohnt, Ausschau zu halten. Es gibt zahlreiche weitere Filme mit einer ähnlichen Thematik (Leben an kirchlichen Schulen im zwanzigsten Jahrhundert), die merklich aufrüttelnder und spannender erzählt daherkommen. Prank punktet letztendlich nur mit einer gewissen inszenatorischen Leichtigkeit, den guten Darstellern und der guten Optik.

Advertisements

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s