Filmkritik: „9“ (2009)

Filmtitel: 9
Regisseur:
Shane Acker
Mit: /
Laufzeit:
79 Minuten
Land:
USA
Genre:
Animationsfilm

Inhalt: Die merkwürdig anmutende Mecha-Puppe mit dem Namen 9 erwacht in einer halbdunklen Kammer. Am Boden liegt eine Leiche, und ein vorsichtiger Blick aus dem Fenster offenbart 9 zumindest eines: die Welt, in die er nun hinein geboren wurde, ist keine besonders schöne.Von (lebenden) Menschen fehlt jede Spur, entsetzt blickt 9 auf die zerstörte Stadt. Er trifft schon bald auf einen offenbar verwandten, eine Puppe mit dem Namen 2 – doch die wird im Zuge des ersten Gespräches von einer gefährlich aussehenden Stahlkreatur entführt. Das seltene Artefakt, welches 9 bei sich trug, nimmt diese ebenfalls mit – 9 hat nun zwei Gründe, der Bestie hinterherzueilen. Doch der ebenfalls in der Gegend ansässige neue Anführer der Puppen, 1, scheint sehr ängstlich und zurückhaltend was das betrifft – er ordnet an, dass niemand der Kreatur nachspionieren soll, da dies weitaus zu gefährlich sei. Doch offensichtlich ist 9 von einem starken inneren Drang zur Gerechtigkeit getrieben, der es ihm unmöglich macht, 2 in den Fängen der Bestie zurückzulassen…

Kritik: Und danach geht es erst richtig los: in der postapokalyptischen Welt von 9 regiert das Bild einer völlig zerstörten Stadt und allgemeiner Tristesse. Inmitten dieser von Schutt und Metallteilen durchzogenen Welt wuseln einige puppenartige Wesen umher, und erwecken – versehentlich – eine alte Gefahr, die für den jetzigen Zustand der Welt wohl mitverantwortlich war. Und der Kampf beginnt… zugegeben, 9 ist ein besonderer Film, der sich merklich von der Masse abhebt. Woran das liegt ? Nun, zweifelsohne an der Optik. Es handelt sich um einen nett aussehenden, detailreichen Animationsfilm, der in eher düsteren Farben gehalten ist und mit allerlei Rauch- und Explosionseffekten daherkommt. Eine richtig schön schmutzige Endzeitwelt im Mecha-Look eben – das sieht einfach nur gut aus. Und auch die Animationen sind geschmeidig und zeugen von einer hohen Qualität.

Es ist vielleicht nur ein wenig schade, dass der optische Part wohl der einzige Aspekt an 9 ist, der den Film von der Masse abhebt – denn die Story bleibt recht flach und die (Puppen-)Charaktere blass. Besonders schmerzlich ist das unter dem Aspekt der künstlerischen Freiheit, die man als Macher eines Animationsfilms nun einmal hat – warum nicht also ein wenig „rumspinnen“ und eine ganz und gar fantastische (was nicht automatisch heissen muss: positive) Geschichte erzählen ? So aber wirkt der Erzählstrang relativ schnell entschlüsselbar, die Vorgeschichte bleibt weitestgehend offen – und das Ende ebenfalls. Ein weiteres Problem besteht in der fehlenden emotionalen Bindung: man kann sich nicht wirklich mit den Figuren und deren Schicksal identifizieren, im Sinne des Films sind es eben doch „nur“ Maschinen, denen eine Seele (oder ein Teil davon) eingehaucht wurde. Einzig und allein gegen Ende kann der emotionale Funke ansatzweise überspringen – indem man die Nachhaltigkeit dieser Seele(n) noch einmal expliziter zeigt, und vielleicht sogar einen Bezug zu einer neuen „Schöpfungsgeschichte“ herstellt.

Immerhin ist der Film gespickt mit Actionszenen und stimmigen Endzeitbildern, welche ihm einen gewissen Charme verleihen. Und auch der Wiedererkennungswert ist enorm – so eine Produktion wird man kein zweites Mal finden. Aber auch in Anbetracht der sehr kurzen Spieldauer lässt sich schon im voraus erahnen, dass der Film nicht so episch angelegt ist, wie es einige vielleicht erwartet hätten. Das heisst zwar nicht, dass es sich hier um leicht zu verdauende Kost oder gar einen Kinderfilm handelt – beileibe nicht. Aber dennoch, die ganz große Begeisterung bleibt aus. Denn neben der schwächelnden Story sind es besonders auch die Charaktere und die letztendlich Handlung, die im Film gezeigt wird: es bleibt kaum Zeit für viele (tiefer gehende) Fragen, es wird sich auf den Kampf und das Überleben besonnen – und das war’s. Etwas merkwürdig scheint auch der Weg zur Selbstfindung 9’s, beziehungsweise auch aller anderen Charaktere: haben sich diese Wesen denn niemals gefragt, wer oder was sie sind und woher sie kommen ? Die letztendliche Antwort, die der Film darauf gibt, erscheint dann doch unangenehm simpel und merklich unphilosophisch. Doch das ist etwas, was die amerikanischen Filmemacher nur schwerlich besser zu machen wissen.

Fazit: Schlussendlich verdient 9 dennoch Aufmerksamkeit, und ist grundsätzlich für alle empfehlenswert, die ihren Augen mal wieder etwas Abwechslung bieten wollen. Und, die spannende und packende Actionszenen mal in einem ganz anderen Gewand serviert bekommen möchten. Storyfanatiker und Charakterfreaks aber wird 9 wohl gnadenlos enttäuschen.

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