Filmkritik: „Das Kabinett Des Dr. Parnassus“ (2007)

Filmtitel: Das Kabinett Des Dr. Parnassus
Regisseur:
Terry Gilliam
Mit:
Christopher PlummerHeath LedgerTom Waits
Laufzeit: 122 Minuten
Land:
Frankreich / Großbritannien / Kanada
Genre:
Abenteuer

Inhalt: In Das Kabinett Des Dr. Panassus geht es um eben genannten Herrn (Christopher Plummer) und seine skurrile Wandertheater-Bühnenshow, die offenbar nur an den entlegensten Ecken London’s Halt macht und wenige Zuschauer lockt. Auf der Bühne findet sich – neben einigen makaberen, altertümlich gekleideten Leuten – ein mysteriöser Spiegel, die Hauptattraktion der Show. Einmal hindurchgegangen, findet man sich in der Welt seiner eigenen Gedanken wieder, und zwar unter der Regie des gebrechlich wirkenden Dr. Parnassus. Die „Besucher“ haben auch in dieser Welt stets die Wahl zwischen dem Guten und dem Bösen, und je nachdem wie sie sich entscheiden, so fällt auch ihr Schicksal aus… eines Tages rettet die Truppe Tony (Heath Ledger), einen ehemaligen Sozialarbeiter, der aufgeknüpft an einer Stadtbrücke hängt. Dieser bringt fortan neuen Schwung in das Leben der eher konservativ wirkenden Truppe, und lockt auch wieder neue Zuschauer. Doch leider ist da noch ein gewisser Pakt mit dem Teufel, der besagt, dass alle Kinder von Dr. Parnassus ihm gehören würden wenn sie nur das 16.te Lebensjahr erreichen. Und das ist bald der Fall… die einzige Chance für Dr. Parnassus: eine neue Wette, die ihm seine Tochter wieder zurückbringen würde. Wer schafft es als erster, 5 Seelen um sich zu sammeln – Parnassus oder Mr. Nick (Tom Waits), der leibhaftige Teufel ?

Kritik: Ein wahrlich schwieriger Fall, dieser Das Kabinett Des Dr. Parnassus. Denn auf der einen Seite hat man den offenbar immer öfter ausufernden Regisseur Terry Gilliam – der auch in diesem Fall alle erdenklichen Stilmittel und Fantasy-Elemente einbringt, was dem allgemeinen Überblick und dem Eindruck einer zusammenhängenden Erzählung eher schadet als nützt. Und zum anderen hat man Heath Ledger, der seinen letzten Auftritt in diesem Film hat – inmitten der Produktionsphase starb der bekannte Schauspieler. So sprangen in noch ausstehenden Szenen einige Freunde des Schauspielers ein, und vollendeten sein Werk. Kann man über so einen Film also überhaupt schlecht reden, oder Kritikpunkte benennen ? Man kann, und sollte. Doch es ist nicht ganz leicht, dieses abenteuerliche Konstrukt aus Realität, Fiktion (oder treffender: Imagination) und Stilmitteln zu entwirren. Tut man dies, so erhält man in erster Linie eine Fabel-artige Erzählung um einen alten, unsterblichen Mann, der ein wenig ein Abbild von Gott höchstselbst zu sein scheint – und den Teufel als Gegenspieler hat.

Die besagten Imaginations-Sequenzen sind es, die den Film einerseits auszeichnen, andererseits aber auch für einiges an Verwirrung sorgen. Was genau nun tatsächlich das Geheimnis der „Spiegelwelt“ ist wird nicht offenbart, und es fällt einstweilen schwer, diese Szenen mit dem tatsächlichen Handlungsverlauf abzugleichen. So könnte man letztendlich auch zu dem Schluss kommen, dass sich ein Großteil der Handlung innerhalb der Imaginationswelt abspielte – ein ewiger Kampf zwischen Gut und Böse eben – und dass sich dieser Geisteskampf zweier Größen (Gott und Teufel) unmittelbar auf die „echte“ Welt auswirkt (siehe Tochter von Dr. Parnassus). Schade ist, dass die Spiegelwelt einstweilen enorm künstlich wirkt, und die Effekte nicht immer auf der Höhe der Zeit sind. Und, sie erscheint wenig komplex – ein stimmiges Traumebenen-Spiel a’la Inception erwartet einen hier nicht. Dafür können die Charaktere punkten: Dr. Parnassus Porträt fällt einerseits ernsthaft, andererseits aber irrwitzig aus: so schaut er gerne mal zu tief in die Flasche oder hat trotz Unsterblichkeit ganz menschliche Probleme. Der „Teufel“ ist ebenfalls gelungen, auch wenn er (leider) nicht viel mehr zu tun hat als unmoralische Angebote zu offerieren. Tony, gespielt von Heath Ledger, hat ebenfalls eine bedeutende Rolle: was ist Sein, was bloss Schein; und wieviel Wahrheit lebt dieser Mensch ? Die anderen Charaktere kommen allerdings recht kurz, und bleiben nicht derart im Gedächtnis haften.

Technisch fällt das Ganze mittelmäßig aus – dies liegt zweifelsohne an der allgemeinen Überzeichnung der Dinge in der Welt des Regisseurs Terry Gilliam. Hier hätte man die CGI-Welten und Spezialeffekte besser dosieren, und dafür anspruchsvoller gestalten sollen. Der Soundtrack ist ganz nett, plätschert im Grunde aber nur so vor sich dahin. In punkto Kamera, Schnitt und Ausstattung dagegen gibt es nur positives zu verzeichnen – die Kamerafahrten sind nett, die Schauplätze abwechslungsreich und die Kostüme und Umgebungen detailreich gehalten. Auch in schauspielerischer Hinsicht gibt es nichts zu bemängeln – alle haben grundsätzlich solide Auftritte. Ausser eventuell die Gaststars um Johnny Depp, Jude Law und Co – wenn diese nicht aus einem so tragenden Grund eingesprungen wäre, so wäre deren Erscheinen vollkommen sinnlos und merkwürdig makaber. Aber man weiss ja, dass es sich hier um einen letzten (und zudem gagenfreien) Gefallen für einen alten Kollegen handelt.

Fazit: Schlussendlich muss man sagen, dass Das Kabinett Von Dr. Parnassus kein so großes Kino geworden ist, wie es vielleicht von den Machern beabsichtigt war. Dafür fällt die Inszenierung insgesamt deutlich zu überladen, die CGI-Effekte zu zahlreich aus. Und: das Ergebnis hinsichtlich der nicht sonderlich ausgeprägten Komplexität zu kompliziert, oder besser: unnötig verkompliziert. Wer auf der Suchen nach einem „magischen“ Film voller Mysterien und einer hochkarätigen Besetzung ist, der sollte eher zu tiefgründigen (aber keinesfalls allzu kryptischen) Titeln wie The Prestige – Meister Der Magie greifen. Alle anderen erwartet eine leicht überzeichnete Durchschnitts-Fantasy-Kost mit solidem Unterhaltungswert.

Advertisements

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s