Filmkritik: „The Children“ (2008)

Filmtitel: The Children
Regie:
Tom Shankland
Mit: /
Laufzeit:
84 Minuten
Land:
Großbritannien
Genre:
Horror

Inhalt: Eine Familie ist auf dem Weg zu ihren Verwandten – Schnee bedeckt die Bäume und die Straßen. Es gilt, dass Neujahrsfest zu feiern, ganz altmodisch im Kreise der Familie. Alle freuen sich auf eine schöne Zeit, besonders natürlich die Kinder. Aber ist das wirklich so ? Gerade der junge Paulie scheint sich nicht sehr gut zu fühlen, er wirkt krank – so sehr, dass die anderen Kinder sogar eine gewisse Angst vor ihm haben. Doch all diese Gefühle verfliegen schnell, als sich plötzlich und offenbar grundlos zwei Seiten bilden: mit den Kindern auf der einen, und den Erwachsenen auf der anderen. Doch dieser gar parteiische Zusammenhalt ist nicht normaler Natur – die Kinder beginnen, sich zunehmend entgeistert und gewalttätig zu zeigen. Die Eltern können all das nicht wirklich glauben – selbst, als die erste Person stirbt glaubt man nicht, dass die Kinder irgendetwas damit zu tun haben könnten. Einzig und allein ein jugendliches Mädchen scheint langsam zu begreifen, was hier vor sich geht…

Kritik: Nach dieser Plotzusammenfassung könnte man davon ausgehen, dass es sich im Falle von The Children um einen typischen, klischeebehafteten Horrorfilm handelt. Doch das ist nur bedingt der Fall; lehnt sich der Film in einer Hinsicht recht weit aus dem (Genre-)Fenster: eine Gruppe von jungen Kindern gilt hier als die Art von Monster, die in anderen Filmen seelenlose Zombies oder psychopathische Serienmörder sind. Der Grund dafür bleibt allerdings schleierhaft, im Gegensatz zu Genre-Klassikern wie Das Omen werden niemals Gründe für das merkwürdige Verhalten der Kinder gezeigt. Vielleicht ist das auch besser so, da man wohl kaum eine nachvollziehbare Geschichte hätte erzählen können – und auch so, das heisst mit dem Verschweigen der Hintergründe, wirkt der Film stark gewöhnungsbedürftig. Die Geschichte ist im Grunde keine: viel schienen die Drehbuchautoren wohl nicht zu tun gehabt haben. Ein Haus, in dem ein Großteil der (schrecklichen) Ereignisse stattfindet, ein kleines benachbartes Wäldchen für die Aussenszenen, und zwei Familien mit Kindern, die sich warum-auch-immer plötzlich gegenseitig umbringen.

Gerade diese Szenen fallen enorm grenzwertig aus, da wieder einmal eine der letzten Grenzen für Horrorfilme überschritten wird: eigentlich unschuldige, „niedliche“ Kinder werden zu Jägern (Mördern) und dementsprechend auch zu gejagten – denn es ist klar, dass irgendwann die Gefahr erkannt wird und sich daraufhin mit Händen und Füssen gegen die Aggressoren gewehrt wird. Auch, wenn es die eigenen Kinder sind ? Genau diesen Zwiespalt greift auch der Film auf, scheitert aber kläglich daran. Das Hadern der Mutter, auf die zwei (ihrer ?) Kinder zukommen, mit offensichtlicher Absicht – wirkt derart von einer aufgesetzten Moral durchzogen, dass es einem graust. Wozu überhaupt noch in irgendeiner Art und Weise rechtfertigen, wenn die Regisseure schon eine solche merkwürdige Idee in Filmform umsetzen ? Doch die anfänglichen Szenen, in denen die Kinder erst friedlich draußen mit ihren Eltern spielen, erzeugen reichlich Spannung – nicht zuletzt durch die neumodische Art der Aufmachung. So kommen hier Zeitlupeneffekte und markante Musik zum Einsatz; was im Gesamteindruck durchaus seine Wirkung erzeugt.

So wird auch die allgemeine Panik und die Verwirrung recht stimmig inszeniert: besonders die Darsteller tragen hier ihren Teil bei. Selten sieht man eine so authentisch spielende Gruppe von Personen in einer fiktiven Extremsituation – zweifellos ist es eine große Herausforderung für die Darsteller, eine solche Form der Gruppendynamik glaubhaft umzusetzen. Was also soll man von diesem fragwürdigen Machwerk halten ? Eine Bewertung gestaltet sich zunehmend schwieriger, da der Film seine Qualitäten hat: technisch gesehen ist das Ganze definitiv überdurchschnittliche Horrorkost, und in Sachen Spannung und Horror gibt es durchaus das ein oder andere Highlight. Die Kameraarbeit ist ausgezeichnet, die Schockmomente werden nicht in Form einer Holzhammermethode präsentiert, der Soundtrack ist sehr düster. Auf der Negativseite kann man dagegen hauptsächlich zwei Punkte verbuchen, nämlich 1. das es keine wirkliche Story gibt, bis auf die Tatsache dass Kinder urplötzlich (im Geiste) mutieren und zu Mördern werden, und 2. dass besagte Kinder im Grunde die Hauptrolle im Film spielen, und es dementsprechende Szenen gibt, die schlicht und einfach „falsch“ wirken.

Fazit: Es bleibt die Frage, ob es sich hier um einen innovativen Horrorfilm oder um einen weiteren Erguss einer mehr und mehr pervertierenden Horrofilm-Schmiede handelt. Wirklich innovativ fällt das Ganze nicht aus – damit hätte man den ersten Punkt schon einmal abgearbeitet. Hinsichtlich der Perversität sieht es schon schwieriger aus: manche werden sich solch einen Film aus Prinzip gar nicht erst ansehen wollen (wegen des Themen-Trios aus Gewalt, Horror und Kindern); andere werden sich vielleicht gar nicht sonderlich daran stören und auf Filme wie Das Omen verweisen – Kinder in Horrorfilmen als weiteres, in Hollywood schon lange bekanntes Stilmittel. Aber hört der (ohnehin schon fragliche) Spaß nicht endgültig auf, wenn schwer brutale Gewaltszenen enthalten sind, die den Tod von Kindercharakteren zeigen ? Dies wäre wahrlich ein heikles Thema für eine Diskussionsrunde. Mit besonderer Vorsicht zu genießen !

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3 Gedanken zu “Filmkritik: „The Children“ (2008)

  1. Jetzt nimmt er aber mal wieder einen Beitrag auseinander… und dann auch noch einen der ältesten ! Öhm ja… irgendwie recht lolig die Zitate, von wem stammen die^^ ?
    In jedem Fall: ich liebe Deine direkten Antworten darauf, hehe.

    Ist schon der Hammer. Aber schließlich führe ich den Blog ja auch, um jegliche Arten einer (persönlichen) Entwicklung festzuhalten. Nicht alles von dem, was ich ‚damals‘ geschrieben haben, würde ich heute wieder so schreiben. Aber da finden sich noch ganz andere (heftigere) ‚Perlen‘, vor allem wohl im Musikbereich 😉

    Aber egal, jetzt können wir ja schließlich unsere beiden Texte zusammenlegen. Gute Sache das, und von der Wertung her gar nicht so weit entfernt. Dass ich letztendlich einen Punkt / 10 Prozent höher angesetzt habe, könnte an etwaigen Gemütszuständen meinerseits gelegen haben. Kann sie zwar nicht mehr rekonstruieren, aber irgendetwas wird wohl gewesen sein. Meine auch, dass er auf mich möglicherweise etwas ‚ernster‘ wirkte. Warum auch immer.

    p.s. habe Deinen Kommentar mal mit den von Dir nachgelieferten Korrekturen versehen.

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    1. Danke…ich hoffe du wirst den Rest von mir auch „abarbeiten“. 🙂 Ich will ja so ein bisschen auch eine andere Sichtweise präsentieren, auch wenn wir oft der gleichen Meinung sind und du weißt ja, vier Augen und zwei Gehirne…vor allem die von uns ^^ …sind effizienter als zwei bzw. eins. Wir geben uns gegenseitig Impulse und Hinweise und ich will deine Beiträge eigentlich nicht auseinandernehmen, normalerweise gibt es auch kaum was hinzuzufügen, aber hier hast du ein paar Dinge übersehen. Das akribische Zitieren diente auch eher der schnellen Übersicht worauf ich mich beziehe. 🙂

      Was die Ernsthaftigkeit des Films angeht…ich bin kein Unmensch und bin eigentlich der erste der richtig wütend wird, wenn Kinder (auch wenns nur fiktiv ist) Schaden nehmen (siehe „Cradle Will Fall“), aber der Film ist teilweise so konfus, hysterisch, hektisch…ich kanns einfach nicht ernst nehmen. Ein gescheiterter Versuch.

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  2. Zitat: „denn es ist klar, dass irgendwann die Gefahr erkannt wird und sich daraufhin mit Händen und Füssen gegen die Aggressoren gewehrt wird.“

    Der Witz an dem Film ist, dass eben NICHT…außer der kessen Teenietochter. ^^

    Zitat: „Das Hadern der Mutter, auf die zwei (ihrer ?) Kinder zukommen, mit offensichtlicher Absicht“

    LOL…hast du auch so Probleme wie ich gehabt, die Zuordnung der Familienmitglieder im Kopf zu behalten? Bei mir war das jedenfalls so…der Film war so wirr, ich wusste nicht mehr wer hier mit wem verheiratet ist, wer wessen Kinder und wer in dem Haus überhaupt nochmal ursprünglich gewohnt hat. ^^ Mag auch daran liegen, dass ich am Anfang nicht so ganz aufgepasst habe..aber seis drum…für mich wars extrem konfus.

    Zitat: „Selten sieht man eine so authentisch spielende Gruppe von Personen in einer fiktiven Extremsituation“

    Du meinst wohl GZSZ-authentisch. ^^ Für mich wars ganz klar overacting…außer den von dir schon angesprochenen Schluss mit den zwei Kindern, die Kinder lassen wir mal außen vor, die standen ja nur dumm rum. ^^ Aber das Schauspiel der Mutter und vor allem der Tochter und die Kameraarbeit fand ich in dieser Szene sehr gut…die EINZIGE Szene im ganzen Film die mich irgendwie überzeugen konnte…ich hatte fast schon das Gefühl wieder in einen anderen Film reingezappt zu haben.

    Zitat: “ 1. das es keine wirkliche Story gibt, bis auf die Tatsache dass Kinder urplötzlich (im Geiste) mutieren und zu Mördern werden“

    Dann hast du entweder etwas übersehen oder vergessen…die Kinder litten an einer plötzlichen Krankheit/Infektion und steckten sich untereinander an und wurden dann plötzlich so.

    Zitat: “ 2. dass besagte Kinder im Grunde die Hauptrolle im Film spielen, und es dementsprechende Szenen gibt, die schlicht und einfach “falsch” wirken.“

    Ich würde sagen es gibt hier auf den ersten Blick gar keine Hauptrolle. Die Hauptrolle ist die ganze Situation, das Kammerspiel an sich. Es kristallisieren sich allerdings später erst zwei zentrale (weil überlebende) Charaktere heraus und das sind die Mutter und VOR ALLEM ihre Teenagertochter die eigentlich hätte abgetrieben werden sollen. (Stichwort: Tattoo)

    Zitat: „Es bleibt die Frage, ob es sich hier um einen innovativen Horrorfilm oder um einen weiteren Erguss einer mehr und mehr pervertierenden Horrofilm-Schmiede handelt. Hinsichtlich der Perversität sieht es schon schwieriger aus: manche werden sich solch einen Film aus Prinzip gar nicht erst ansehen wollen (wegen des Themen-Trios aus Gewalt, Horror und Kindern)“

    Ich würde eher sagen ein gescheiterter Versuch. Besonders pervertiert empfand ich den Film nicht, mag auch sein, dass ich schon übleres gesehen habe, aber ich habe nicht VOLLSTÄNDIG das Gefühl gehabt, dass es nur ein selbstzweckhaftes abartiges Stück Film wäre. Nur nachvollziehbar war der Film nun auch nicht wirklich.

    Also nochmal was mein erster Eindruck war:
    Die Optik des Films ist an sich ganz ansprechend, die Darsteller agieren teilweise auf Soap Opera-Niveau, die Kinder bleiben blass (im wahrsten Sinne). Alle Beteiligten agieren durchweg irrational, verwirrend (ja Kinder sind süß, man darf ihnen nichts tun und sie könnten ja nie selbst jemandem etwas tun weil sie ja unschuldig sind usw…ja wir haben es kapiert Mensch…aber how the fuck kann man so dumm sein? :D)….man verliert schnell die Übersicht.

    An manchen Stellen weiß man gar nicht ob man schockiert sein, lachen oder selbst eine Wut gegenüber den Kindern entwickeln soll. Die Szene im Gewächshaus ist exemplarisch, die Schnitte dort sind so hektisch, der Junge wird hin und her geschmissen, man könnte meinen das ganze sei aus einer Horrorkomödie. Als der Vater (ich nehme mal an lol) dazu kommt entwickelt die ganze Situation irgendwie eine unfreiwillige Komik. Genau das gleiche mit der Szene auf der Treppe…der Junge wird an der gesplitterten Tür aufgespießt und das geschieht so schnell und überzeichnet, dass man sich fast ein Lachen verkneifen muss. ^^ Das ganze wirkt einfach nicht ernst und was macht die Teenietochter dann…verschont das kleine Mädchen. TOLL …Danke…super…ähem. ^^ Noch besser was die Komik und Überzeichnung anbelangt ist ja die Szene in der das blonde Mädchen am Schluss an die Windschutzscheibe knallt und langsam blutig abrutscht. Man mag mir verzeihen, ich fand das eher komisch als ernst. ^^ Was wohl daran lag, dass man „voll draufgehalten“ hat. Das Highlight aber ist dieses vorhersehbare ambivalente Ende….es SCHREIT nach Einfallslosigkeit. 😀

    Ähm ja…Friedhof der Kuscheltiere meets Kinder des Zorns meets Das Dorf der Verdammten meets Ein Kind zu töten (von dem es ja neuerdings auch schon wieder ein Remake gibt) meets Das Omen meets Whisper meets Cabin Fever meets noch irgendwas mit bösen Kindern. ^^

    Der Film ist pure Lebenszeitverschwendung und trotzdem hab ich so viel dazu geschrieben. LOL Ich hätte es nicht gedacht, aber über Sachen die man schlecht findet kann ich am besten schreiben. ^^

    3,5/10

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