Filmkritik: „Marley Und Ich“ (2008)

Filmtitel: Marley Und Ich
Regisseur:
David Frankel
Mit: /
Laufzeit:
120 Minuten
Land:
USA
Genre:
Komödie

Inhalt: In einem sonnigen Urlaubsort in den USA – eine junge, frisch gebackene Familie entschließt sich dazu, sich einen Hund anzuschaffen. Dabei geht die Idee hauptsächlich von John (Owen Wilson) aus, der seiner Frau Jennifer (Jennifer Aniston) damit eine Überraschung zum Geburtstag machen möchte. Jennifer zeigt sich im ersten Augenblick zwar durchaus begeistert – doch im Grunde wünscht sie sich nichts sehnlicher als ein eigenes Kind, um das Familienglück komplett(er) zu machen. Und tatsächlich einigt man sich daraufhin, eine Schwangerschaft Jennifer’s nicht mehr zu verhindern – doch es gibt Komplikationen. Mit der Unterstützung von John und dem neuen Familien-Mitglied Marley gelingt es den beiden aber eines Tages doch noch. Und bald darauf folgen sogar noch zwei weitere Kinder… alles scheint im grünen Bereich, bis die sogenannte Midlife-Crisis zum ersten Mal so richtig (und gleich bei beiden) zuschlägt. Familie und Liebe, Karriere und eigene Wünsche – wie ist all dies unter einen Hut zu bringen ?

Kritik: Bereits die ersten Minuten von Marley Und Ich machen richtig Spaß, und: Lust auf mehr. Eine allgemeine gute Laune, die sich auch auf den Zuschauer überträgt, herrscht vor – man zeigt ein wenig aus der Vergangenheit der Charaktere, man porträtiert ein wenig Alltagsleben, und natürlich die Anschaffung des Hundes Marley. Doch der Film gestaltet sich nicht immer so positiv und konstant: denn spätestens bei der 30-Minuten Marke erlebt man als Zuschauer eine kleine Überraschung in Form eines in Filmen nicht allzu oft verwendeten Experimentes: Einige Tage und Wochen werden in einem sehr schnellen Zeitraffer abgearbeitet. Das bedeutet, dass der eigentliche Hauptcharakter John seine Erlebnisse aufzählungsartig herunterrasselt, ganz und gar ohne Atempause. Das ist einerseits ungewöhnlich, andererseits erzeugt es Hektik und den Wunsch beim Zuschauer, dass endlich wieder die anfängliche Gediegenheit in den Film zurückkommen möge.

Total auf den Hund gekommen…

Der weitere Verlauf des Films besteht grundsätzlich aus zwei Komponenten: zum einen aus der Geschichte um das Ehepaar welches beschließt, ein Kind zu bekommen – und zum anderen aus dem Hund Marley, der quasi eine bedeutende Extrarolle im Film erhält. Der Film hat einen guten Start, und auch die spätere Entwicklung von einer allgemeinen Problemlosigkeit hin zu den ersten Schwierigkeiten wirkt noch halbwegs gut inszeniert – doch der Film scheitert klar am Aufbau eines Spannungs- und Motivationsbogens. Irgendwann einmal fällt einem zwangsläufig die doch recht ausgedehnte Spieldauer von guten 2 Stunden auf, und Langeweile macht sich breit. So gibt es in Marley Und Ich tatsächlich auch sich quasi wiederholende Szenen. Nein, sie sind nicht identisch, aber sie gleichen sich stark: Situationen oder Probleme, die behandelt werden, tauchen doppelt oder sogar mehrmals auf. Das kann einstweilen etwas ermüdend wirken.

Die Mischung von verschiedenen Genres offenbart ein weiteres Problem: scheinbar kann sich der Film nicht so richtig entscheiden, was er denn nun sein will. Ein Tierfilm, eine Komödie, ein Drama ? Während besonders der erste Teil des Films geprägt ist von Situationskomik; diese ist meist auf den Hund bezogen – schlägt der Film im weiteren Verlauf immer ernstere Töne an. Seien es knallharte Existenzfragen oder Beziehungsprobleme, hier wird scheinbar urplötzlich das gesamte Repertoire aufgefahren. Es ist eben wie im wirklichen Leben, wird man sagen ? Nicht ganz, denn dafür ist das Ganze viel zu Hollywood-like inszeniert, viel zu Amerika-bezogen und wirkt insgesamt viel zu geleckt, dass heisst; nicht sonderlich authentisch. Eine weitere Geduldsprobe folgt schließlich in Form des Endes, beziehungsweise der  Vorarbeit in Bezug auf das baldige Ende: der Hund wird langsam alt. Als Zuschauer weiss man natürlich sofort, was schon bald anstehen muss. Diese vorhersehbare Tatsache, die zwar durchaus traurig und emotional sein kann; wird bei Marley Und Ich bis zum Letzten ausgereizt. So besteht fast das letzte Drittel des Films aus nichts anderem; und man fragt sich, warum der Fokus nach der ausschweifenden Mitte des Films nun doch wieder so (zu !) stark auf den Hund gelegt wird.

Der technische Part bewegt sich auf einem mittleren Niveau: nichts fällt sonderlich positiv oder negativ auf, eine allgemeine Monotonie macht sich breit. Der harmlose Soundtrack dudelt leise vor sich hin, die Kamera und Schnitte bleiben meist ruhig. Auffälliger ist dagegen ein Zwiespalt, der in Bezug auf die Darsteller entsteht: so spielen Owen Wilson und Jennifer Aniston zwar grundsätzlich solide, doch automatisch wirkt alles wie einem Hollywood-Märchenbuch entsprungen. Owen, ein gut gebräunter Sunnyboy, Jennifer die auch im Pool stark geschminkte Superfrau; ein Haus, ein Auto, Kinder; ein Hund. Kurz gesagt: man nimmt ihnen diese Rollen einfach nicht ab. Desweiteren gibt es noch einige Kinderdarsteller; die jeweils die drei Altersabschnitte der Kinder im Film verkörpern. Doch es war von vornherein klar, dass die Hauptdarsteller allen anderen – selbst dem Hund – die Show stehlen würden durch ihre (für manche unerträgliche) Leinwandpräsenz. So sind die Rollen der Kinderdarsteller absolut unbedeutend, einzig gegen Ende hin gewinnen sie ganz kurz Bedeutung, nämlich passenderweise genau dann, als man zusätzlich ein paar traurige Kinderaugen brauchte um das Ableben des Hundes „intensiver“ und emotionaler darzustellen. Ach du meine Güte…

Fazit: Marley Und Ich beginnt als unterhaltsamer gute-Laune-Film mit viel Potential. Im weiteren Verlauf jedoch verzettelt er sich Genretechnisch und verliert sich scheinbar in seiner endlos anmutenden Spieldauer. Ein Hund als Aufhänger für einen Film, der nicht weiss, was er sein will ? Das kann nur schiefgehen. Hätte der Film auch ohne den Hund funktioniert ? Ja, aber was liebe dann noch übrig ? Die Lebensplanung und die ach-so-schwerwiegenden Probleme eines verwöhnten Hollywood-Paares. Wer’s sehen möchte… 

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Marley Und Ich“ (2008)

  1. mein lieber OIiver,
    ich habe mich ja bei vielen Filmkritiken von dir schon gefragt, wieso die Filme so schlecht von dir bewertet wurden, aber hier kann ich 3 von 10 absolut nicht nachvollziehen, aber es liegt halt vielleicht daran, das dir dieses Genre oder sagen wir lieber die message des Films einfach nicht ins Auge springt oder halt gefällt.
    Dies ist nicht böse gemeint, aber ich mag diesen Film einfach, klar es gibt viele Filme die besser sind aber wer jemals ein Tier über längere Zeit hatte und mit ihm aufgewachsen ist der weiss, wie sehr ein solches Tier einem ans Herz wächst und in seinem Leben wichtig ist.

    Ich habe es selbst erlebt und darf dies daher auch sagen.
    Eine tolle Geschichte, ein Hund der die Familie durch gute und schlechte Zeiten begleitet… Der Anschied von dem Hund .. was will man mehr .. es kommen viele Erinnerungen an selbst erlebte Dinge hoch.
    eine 8 von 10 von mir.

    Und lieber Oliver.. schau dir den Film nochmal an, vielleicht springt der Funke ja doch noch über.

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