Filmkritik: „Die Wolke“ (2006)

Filmtitel: Die Wolke (AKA: The Cloud)
Regisseur:
Gregor Schnitzler
Mit: /
Laufzeit:
105 Minuten
Land:
Deutschland
Genre:
Drama

Inhalt: In der Nähe der kleinen süddeutschen Ortschaft Schlitz befindet sich ein aktives Atomkraftwerk, in welchem eines Tages ein GAU geschieht – der größte anzunehmende Unfall. Das junge Mädchen Hannah (Paula Kalenberg) versucht daraufhin, zusammen mit ihrem kleinen Bruder Uli (Hans-Laurin Beyerling) aus der Stadt zu fliehen. Doch das fällt schwieriger aus als gedacht – denn alle anderen Bewohner aus dem Umkreis sind ebenfalls auf der Flucht, und eine allgemeine Panik macht sich breit. Auf den Straßen und über den regionalen Bahnverkehr ist kein Vorankommen möglich – die Züge sind überfüllt, die Straßen teilweise abgesperrt. Doch alle wissen, dass schon bald eine radioaktive Wolke die Ortschaft erreichen wird – und nicht nur die, sondern vielleicht sogar weite Teile Deutschlands. Während die Zahl der Toten bereits steigt; sind Hannah, Uli, und Hannah’s Freund Elmar (Franz Dinda) immer noch auf der Flucht in eine ungewisse Zukunft.

Kritik: Die Wolke basiert auf der gleichnamigen Buchvorlage von Gudrun Pausewang; und beginnt relativ locker und luftig-leicht inszeniert: man sieht die junge und energiegeladene Hannah, die mit Freundinnen schwimmen geht und danach notgedrungen nach Hause schleichen muss – da sie ihrer Kleidung beraubt wurde. Dieser ungezwungene Beginn lässt einen erst kaum vermuten, was danach folgen würde: eine glaubhaft und erschreckend gut inszenierte Katastrophengeschichte, die wohl nicht nur hierzulande ihresgleichen sucht. Endlich einmal wieder wurde ein Katastrophenfilm geschaffen, der sich deutlich an der Realität orientiert; und keinesfalls ein übertriebenes Szenario vorstellt. Während Hollywood-Katastrophenfilme oftmals nur eines sind, nämlich laut und teuer – schafft es der deutsche Katastrophenfilm noch weitaus öfter, durch Authentizität, Nachvollziehbarkeit und gar nicht mal so hohe Budgets Gänsehaut-Gefühle beim Zuschauer entstehen zu lassen. Denn nicht zuletzt sind die Schauplätze unmittelbar und greifbar, es wirkt; als könne als dies in der Nachbarschaft geschehen.

Mit niedrigem Budget, dafür aber mit einem Fokus auf die in solchen Situationen wichtigen Aspekte – die menschlichen nämlich – überzeugt Die Wolke durch und durch. Denn es handelt sich ebenfalls nicht um einen neumodischen Öko-Thriller, sondern um einen echten Katastrophenfilm ohne Schnörkel. Folgerichtig wird dem Zuschauer auch nicht gezeigt, wie genau es zur Katastrophe kam – es werden nur die unmittelbaren Auswirkungen gezeigt. Und, es wird eine ungewöhnliche Reise porträtiert – eine Reise von panikerfüllten jungen Menschen, die trotz allem einen kühlen Kopf bewahren müssen, damit kein weiteres Unglück geschieht. Dieses Porträt fällt überaus intensiv und glaubhaft aus, und ermöglicht das Entstehen von Empathie für die Filmcharaktere. Und, als doch noch ein Unglück geschieht, zeigt sich der Film abermals von seiner emotionalen, bewegenden Seite – und macht einen fast sprachlos. Und dennoch muss an dieser Stelle das Wort „leider“ folgen: denn leider sieht all das in der zweiten Hälfte des Films schon wieder ganz anders aus. Hier wird der Fokus fast ausschließlich auf die junge Hannah, und ihre stärker werdende Liebe zu Elmar gelegt.

Nach Bekanntwerden des Unfalls wirken die Straßen wie leergefegt - Hannah und Uli versuchen, ebenfalls zu entkommen...

An und für sich sind diese Szenen vielleicht gut gemacht und haben ihren Wert – aber nicht in diesem Film. Denn so wirkt es, als verkomme die „große Katastrophe“, die unzählige Menschen betroffen hat; zu einer kruden Liebesgeschichte mit relativ viel Pathos und Herzschmerz. Das ist schade, da die Emotionen und Gefühle, die die Katastrophe ausgelöst hat, kaum noch aufgegriffen werden. Natürlich, in schweren Zeiten kann die Kraft der Liebe neue Hoffnung geben – doch nicht einmal diese Aussage schafft der Film intelligent zu transportieren; er schweift merklich immer weiter ab und negiert gar die vorherigen Ereignisse. Auch das Porträt von Hannah, welches nun immer wichtiger wird und dementsprechend intensiv behandelt wird; wirkt nicht immer glaubhaft – zumindest im direkten Vergleich zur Charakterisierung während der Katastrophenphase. Technisch gesehen ist das Ganze aber beinah perfekt: die Aufnahmen der Ortschaft, die Landschaftsaufnahmen, die Massenpanik (speziell die etwas längere Szene am Bahnhof) wirken sicher und authentisch inszeniert. Die Kameraführung ist wenig hektisch, die Schnitte ebenfalls; der Soundtrack ist dezent; die schauspielerischen Leistungen sind überdurschschnittlich.

Fazit: Die Wolke ist ein Film, der enorm stark beginnt und den Zuschauer von Anfang an zu fesseln vermag – diese Spannung und Intensität aber nicht kontinuierlich aufbauen beziehungsweise halten kann. Für mehr hätte es gerade in der zweiten Hälfte eine weitreichendere Thematik geben müssen, die über den Kontext der Standard-Liebesgeschichte (und das bei einem gar nicht mal so Standard-Katastrophenfilm !)  hinausgeht.

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