Filmkritik: „Sukiyaki Western Django“ (2007)

Filmtitel: Sukiyaki Western Django
Regisseur:
Takashi Miike
Mit: /
Laufzeit: 
121 Minuten
Land:
USA
Genre:
Action

Inhalt: In einer abgelegenen Kleinstadt kämpfen zwei ostasiatische Parteien um die allgemeine Vorherrschaft. Doch nicht nur das, sowohl der rote als auch der weisse Klan sind auf der Suche nach einem legendären Schatz, der irgendwo in der Gegend versteckt sein soll. Eines Tages taucht ein mysteriöser Revolverheld (Hideaki Ito) auf, und stellt sich erst einmal zwischen beide Parteien. Er scheint sich keiner der beiden Seiten wirklich verbunden zu fühlen, weshalb er sich einfach denen anschließen würde, die ihm den höheren Sold zahlen… doch  in Wahrheit hat auch er geheime Absichten – und vielleicht sogar ein höheres Ziel. Auch eine Frau und ihr junger Sohn scheinen dabei eine entscheidende Rolle zu spielen… doch zu Beginn stehen alle in der Schusslinie, wenn es darum geht, die Fronten im Dorf zu klären.

Kritik: Nun, dieses Ost-West (Aufeinander-)Treffen der verschiedenen Kulturen ist im Sinne einer möglichst objektiven Filmrezension nicht gerade leicht zu bewerten. Immerhin, Regisseur Takashi Miike genießt einen weltweiten Bekanntheitsgrad und Kultstatus, und viele Fans und Freunde des Genres werden auch dieses Werk zu schätzen wissen. Doch insgesamt, und besonders für westliche Verhältnisse, geht es doch recht kunterbunt (und stellenweise unübersichtlich) zu. Stichwort Genre: es handelt sich um kein klar definiertes, wenngleich man im ersten Augenblick eine Action-Attributierung vornehmen wird – doch im Grunde scheint der Film eine neuartige Mischung aus Eastern, Western, Martial-Arts und B-Movie zu zelebrieren. Als besonderes (westliches) Highlight spielt Altmeister Quentin Tarantino eine nicht unerhebliche Rolle im Film selbst, und man kommt als Zuschauer automatisch der Vermutung näher, dass auch in diesem Film zahlreiche Seitenhiebe, welche insgesamt eine Hommage an bestimme Genres und Klassiker darstellen sollen; vorkommen werden. Und, das tun sie auch. Immerhin scheint Tarantino selbst ein großer Fan des sogenannten Spaghetti-Westerns zu sein. Aber handelt es sich hierbei wirklich um ein innovatives, neues Werk; oder nur um eine Art Abklatsch ?

Es ist eine schwierige Entscheidung, die bei einem jeden Zuschauer wohl ein klein wenig anders ausfallen dürfte. Gerade in Anbetracht der Kombination der beiden Namen Miike und Tarantino sollte erneut ein weiteres (grundsätzlich positives) Vorurteil aufkommen: dass Experimentierfreude ein Wort ist, welches beide nur allzu gut kennen. Im Fall des vorliegenden Filmes aber scheint man es generell ein klein wenig übertrieben zu haben: während die optischen Spielereien mit den verschiedenen Stilen, Perspektiven, und allgemein der Optik noch zu den harmloseren Arten der Kreativität zählen, kommen hier noch Dinge wie der sich stets gut durchmischende Einsatz verschiedener Sprachen, Nationalitäten, Schauplätze und Fraktionen hinzu. An und für sich eine interessante Angelegenheit – aber auch eine delikate, wenn man dabei den allgemeinen Überblick bewahren will. Doch es sind nicht die Action-Szenen, die eventuell zu hektisch oder unübersichtlich daherkommen – davon gibt es ohnehin gar nicht mal so viele und spektakuläre. Dies stört zwar nicht, im Gegenteil – aber vom Trailer her könnte man durchaus etwas anderes erwartet haben. Es sind eher die immer wieder auftauchenden, vermeintlich philosophischen Aspekte, die in einer Mixtur aus Fernost und Westen zu einem kruden Gesamteindruck entwickeln.

Einer der deutlicheren negativen Aspekte ist aber die Darstellung der Charaktere, sowie die entsprechenden Dialoge. Es erscheint merkwürdig in Anbetracht der großen Namen, doch für keinen der Charaktere kann man so etwas wie Empathie oder Sympathie entwickeln; sie wirken alle ersetzbar und irgendwie seelenlos. In Bezug auf den Plot macht dies ein weiteres Problem ersichtlich: auf den Zuschauer mag es einstweilen wirken, als wüssten selbst die Protagonisten nicht, warum genau sie all diese Kämpfe führen und Fehden pflegen, wenn es doch alles so viel einfacher ginge. Dennoch stampfen sie unbeirrt durch die Szenerie, kämpfen für ein recht undeutliches Ziel; und wenn mal jemand stirbt – dann ist das eben so; es fällt ohnehin niemanden (der anderen Protagonisten) auf, beziehungsweise spielt dies keine Rolle für den weiteren Handlungsverlauf. Ausser natürlich, es würde sich um einen der Hauptcharaktere handelt, den Gunman zum Beispiel oder Ringo (Quentin Tarantino). Es fällt ein wenig schwer, die wahre Bedeutung dieser Gestalten zu entschlüsseln, sofern überhaupt ein Geheimnis dahintersteckt. Allerlei gewöhnungsbedürftige Symbole, die sich selbst dem vielseitig interessierten West-Zuschaer nicht auf Anhieb erschließen werden, gibt es dazu – so fängt der eigentlich stumme Junge gegen Ende hin doch noch an zu sprechen, als der Gunman ihm ein paar weise Worte zukommen lässt. Warum oder weshalb, das muss man sich aus den kryptischen Dialogen oder den Versatzstücken aus Informationen selbst zusammenschustern.

Fazit: Der technische Part kann zwar überzeugen, andererseits aber unterstützt er die eben erwähnten (babylonischen) Verwirrungen, viele Schnitte wirken enorm abrupt (wie der Wechsel von der Wüste in eine schneebedeckte Landschaft) und ergeben kaum einen (stilistischen) Sinn, ebenso wie die Tag-Nacht-Wechsel. Einzelne Szenen wiederum erinnern merkwürdigerweise stark an Klassiker wie From Dusk Till Dawn (siehe Finalszene), und auch die herrlich-übertriebenen Soundeffekte sorgen für einen Grundton, der nicht immer als bierernst zu interpretieren ist. Eine grundsätzlich leicht disharmonische Mischung aus verschiedenen Kulturen und filmischen Aspekten.

Advertisements

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s