Filmkritik: „Der Polarexpress“ (2003)

Originaltitel: The Polar Express
Regisseur:
Robert Zemeckis
Mit:
Tom Hanks
Laufzeit: 100 Minuten
Land:
USA
Genre:
Animationsfilm

Inhalt: Existiert der Weihnachtsmann nun oder nicht ? Eine wichtige Frage, die sich in der Vorweihnachtsnacht viele Kinder stellen werden. So tut dies auch ein namenloser Junge. Er liegt in seinem Bett, als er merkwürdige Geräusche hört, daraufhin vor der Tür nachsieht – und eine riesige Dampflok erblickt. Der Schaffner (Tom Hanks) macht kein großes Aufheben, sondern fordert den Jungen auf, in den Polarexpress einzusteigen. Der zögert erst, springt dann im letzten Moment aber doch noch auf den nunmehr fahrenden Zug auf. Im Abteil finden sich weitere Kinder, die den Nordpol besuchen werden – eine abenteuerliche Odyssee beginnt. Denn nicht alles läuft auf der wahnwitzigen, aber dennoch magischen Fahrt von Anfang an glatt…

Kritik: Der weihnachtliche Animationsfilm Der Polarexpress gilt aus heutiger Sicht als wichtiger Meilenstein des sogenannten Performance-Capturing-Verfahrens, einer vergleichsweise teuren Produktionsart. Das besondere: CGI-Effekte sind nicht nur Beiwerk, nein; der gesamte Film besteht daraus. Die Bewertung des Films ist also ein eindeutig zweischneidiges Schwert: einerseits stimmen die Produktionskosten von satten 165 Millionen US-Dollar in Anbetracht des Ergebnisses nicht gerade besinnlich-weihnachtlich, doch andererseits besitzt der Film dennoch so etwas wie eine Seele. Dies ist nicht zuletzt besagtem Technologie-Einsatz zu verdanken – selten fügten sich die Bilder in einem Animationsfilm so stimmig zusammen. Im Polarexpress weihnachtet es eben sehr – und das sieht man. Die leise rieselnden Schneeflocken, die wunderbaren Winterlandschaften, die perfekt animierten Charaktere – und mittendrin ein wahnwitziger Zug, der sich auf mehr oder weniger „sicheren“ Schienen seinen Weg zum Nordpol bahnt. Gerade diese Szenen dürften so manchen (jüngeren) Zuschauern den Atem stocken lassen, sie sind rasant und spannend inszeniert. In handelsüblichen Hollywood-Filmen ist es wohl berechtigt, auf den genauen (und oftmals übermäßigen) Einsatz von Special-Effects zu achten (nicht zuletzt als unnötiger Kostenfaktor), doch wenn ein Projekt ausschließlich auf solchen Effekten und Animationen basiert – dann ist das etwas anderes. Und, dass es funktionieren kann; zeigt der Polarexpress.

Sicherlich, der Film hat seine Schwächen – diese sind hauptsächlich in der Handlung zu finden. Will heissen – die Kosten wurden nicht verschwendet, dafür sieht das Ergebnis einfach zu gut aus, doch sie wurden ungleichmäßig verteilt. Denn im Grunde besteht der Handlungsrahmen ausschließlich aus der Reise zum Nordpol selbst, sowie einigen weiteren aber grundsätzlich unbedeutenden Szenen in der Wichtelstadt. Diese sollen offensichtlich dazu dienen, die Entwicklung der Charaktere weiter auszuführen; doch im Grunde bekommt man das wichtigste schon während der Reise serviert: an Weihnachten soll niemand alleine sein, jeder sollte gleich behandelt werden, und: jeder ist einzigartig und hat dementsprechend zu akzeptierende Stärken und Schwächen. Für jüngere Kinder ist der Film uneingeschränkt zu empfehlen, da gerade diese Botschaften wichtig sind und in diesem Fall keinesfalls mit einem erhobenen Zeigefinger präsentiert werden. Für alle älteren aber bietet die Handlung etwas zu wenig Innovation, und noch viel zu wenig abenteuerliche Elemente (wie die Ereignisse auf dem Dach des Zuges). Das ist schade, aber immerhin schafft es der Film dennoch, etwas von diesem besonderen, magischen Gefühl zu transportieren.

Dies liegt in erster Linie an den bereits oben erwähnten optischen Faktoren, ganz besonders aber auch an den nicht zu unterschätzenden akustischen: so ist der Soundtrack ein wunderbar stimmungsvoller, in dem bekannte weihnachtliche Melodien auf eine neuartige, aber passende Weise abgemischt werden. Die Schnitte sind perfekt auf die beinahe fotorealistischen Bilder abgestimmt, die Mischung aus actionreichen und eher andächtigen Szeneneinstellungen (der kleine Junge, der am Ende des Zuges ein Lied in Musical-Manier singt). Schauspielerische Leistungen zu beurteilen, fällt natürlich schwer – doch tatsächlich wurden die gebraucht, für das hier verwendete Verfahren. Umso erstaunlicher ist es, dass beispielsweise Tom Hanks gleich mehrere Rollen besetzte. Der Polarexpress schlittert nur knapp an einer Wertungsansiedlung im höheren Bereich vorbei – dies ist allein der inhaltlichen Einfachheit und Oberflächlichkeit geschuldet. Zwar gibt es noch ein oder zwei Kernaussagen, die über den Kontext des Films hinausgehen und entsprechend emotional dargeboten werden – doch im Grunde war es das auch schon.

Fazit: Zugegeben, der Film vermag es den Zuschauer mehr zu bewegen als erwartet. Eine absolute Empfehlung für einen besinnlichen Weihnachtsfilm-Abend im Kreise der Familie – gerade, wenn (jüngere) Kinder dabei sind, wird man mit diesem Film nicht viel falsch machen.

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