Filmkritik: „The International“ (2009)

Filmtitel: The International
Regisseur:
Tom Tykwer
Mit: /
Laufzeit:
118 Minuten
Land:
USA / UK / Deutschland
Genre:
Thriller

Inhalt: Eine mächtige Bank mit Status und Einfluss auf der ganzen Welt hat einen ganz dicken Fisch an Land gezogen. Und von eben dem hängt eine ganze Menge ab – vielleicht mehr, als sich der demokratisch orientierte Bürger vorzustellen wagt. Mit dem Prinzip der Geldwäsche hat all dies zwar ebenfalls zu tun – wenn man die illegalen (und gewinnbringenden) Machenschaften aber schon beim Namen nennen sollte, geht es um Waffenhandel, weitreichende Korruption und sogar Mord. Hierbei schließt sich ein grausamer Kreis: je mehr Menschen den Verbrechen der Bank auch nur ansatzweise auf die Schliche kommen, umso mehr Auftragsmorde werden auch verübt. Wie kann all das in der heutigen Zeit der Überwachung überhaupt möglich sein? Diese Frage stellt sich auch der Interpol-Ermittler Louis (Clive Owen). Zusammen mit seiner Partnerin Eleanor (Naomi Watts) versucht er, die Geheimnisse der Bank aufzudecken und bestenfalls publik zu machen. Dass das kein leichter Auftrag werden würde, war abzusehen – aber worauf haben sich die beiden da tatsächlich eingelassen ?

Kritik: Der eher schlichte Titel macht es bereits deutlich: dass, was The International dem Zuschauer nahebringen möchte, hat eine weitreichende, landesunabhängige und daher allgemeingültige Bedeutung. Schließlich kann sich der Otto-Normalbürger nicht erst seit der katastrophalen Finanzkrise denken, dass es im internationalen Bankengeschäft nicht immer ganz sauber zugehen kann. Denn: natürlich möchte man sich noch weiter aus dem (imaginären) Fenster lehnen, wenn man schon einmal damit begonnen hat. Vielleicht sogar so lange, bis man um die Ecke sehen kann – doch jeder weiss, dass gleichzeitig auch die Gefahr des Abstürzens zunimmt. Genau diese Tatsache präsentiert uns auch der Film. Aus den unterschiedlichsten Gründen kommen hier Menschen um – hauptsächlich weil die Bank eine Gefährdung ihrer profitbringenden aber moralisch mehr als bedenklichen Geschäfte sieht. In dieser Hinsicht erscheint The International durchaus gelungen, zumal auch die erzählerische Perspektive stimmt: wir als Zuschauer erfahren nie wirklich, wer genau hinter all dem steckt; sehen nicht die Verstrickungen im gesamten. Wer oder was auch immer den Motor am Laufen hält – selbst einige Drahtzieher geraten in die Schusslinie wenn sie sich auch nur den kleinsten Patzer erlauben.

Wenn jedoch nach guten 2 Stunden Laufzeit der Abspann einsetzt, so muss man höchstwahrscheinlich erst einmal kurz innehalten und sich fragen: Moment, um was ging es hier eigentlich ? Denn so einfach gestrickt das Drehbuch und die Handlung erscheinen, stellenweise kann das Gefühl der Nachvollziehbarkeit verloren gehen. Und das aus mehreren Gründen. Einerseits pocht der Film auf eine gewisse investigative Authentizität, andererseits streut er recht übertriebene Actionszenen wie die im Guggenheim-Museum ein. Dies ist mitunter auch die einzige „richtige“ Actionszene des Films – die offensichtlich so verwendet werden „musste“ um den Zuschauern doch noch einen mittelprächtigen Kugelhagel zu bescheren. Denn: wenn sonst schon soviel geredet und gerätselt wird… doch gerade dieser Schusswechsel erscheint vollkommen absurd und bedient sich aller möglichen Klischees. Wieder einmal hat nur der Hauptprotagonist Zielwasser getrunken, wieder einmal findet eine Schiesserei an einem öffentlichen Ort statt ohne das irgendeine andere Partei auch nur alarmiert geworden wäre. Und das eigentliche Zielobjekt erfährt wieder einmal eine doppelte  Aufmerksamkeit, nämlich einmal von Interpol selbst, und dann auch noch von der Bankgesellschaft und ihren Leuten. So kommt es, dass plötzlich ganze Privatarmeen im Museum auftauchen. Sinn ergibt all das trotzdem nicht, und auch Spannung können diese Szenen nicht besonders gut vermitteln.

Der technischen Part ist noch das Beste an The International. Angefangen bei der stimmigen Optik, dem guten Schnitt, bis hin zur musikalischen Szenenuntermalung – das ist Kino auf dem höchstem Niveau. Überaus interessant ist natürlich auch die Schauplatzwahl ausgefallen. Es gibt einige nachbearbeitete Originalschauplätze zu sehen – so sind beispielsweise die Autostadt oder das PHAENO in Wolfsburg zu erkennen. Desweiteren war man noch an allerlei Orten in den USA und den UK unterwegs – die Vielfalt macht es nicht immer, in diesem Fall aber schon (Stichwort: International). Auch die Darsteller machen einen wirklich guten Job. Der kernige Clive Owen trägt den Film beinahe allein auf seinen Schultern – trotz der Tatsache, dass an seiner Seite beispielsweise Hochkaräter wie Armin Mueller-Stahl oder Naomi Watts spielen. Nun gut, er hat schlicht die bedeutendste Rolle – und zeigt auch die größte Präsenz auf der Leinwand.

Fazit: Wirkliche Spannung will einfach nicht aufkommen – denn der Film hat trotz der relativ kurzen Spieldauer einige Durststrecken. Hinzu kommen einige Logikfehler sowie die Tatsache, dass man als Zuschauer nach dem Film nicht wirklich weiter ist als vorher. Sicher, man wurde für 2 Stunden unterhalten – doch das, was man zu sehen bekommt, ist im Endeffekt nichts wirklich neues. Für einen abendfüllenden Blockbuster hoher Qualität zu wenig, für einen kleinen Politthriller-Dvd-Abend aber durchaus akzeptabel.

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