Filmkritik: „Splice“ (2010)

Filmtitel: Splice
Regie:
Vincenzo Natali
Mit: /
Laufzeit:
108 Minuten
Land:
Frankreich / Kanada
Genre:
Horror

Inhalt: Ein junges Wissenschaftlerpärchen, bestehend aus Clive (Adrian Brody) und Elsa (Sarah Polley) steht kurz vor einem sensationellen Durchbruch. Nachdem bereits neuartige Tiere in den Laboratorien gezüchtet werden konnten, könnte nun auch eine Kreuzung von menschlicher, pflanzlicher und tierischer DNA in Betracht kommen – trotz aller möglicher moralischer Bedenken. Die äussert auch das Pharamaunternehmen als Finanzierer der Projekte – sie wollen lediglich, dass die beiden ein spezielles Gen benennen und extrahieren, um in Zukunft Krankheiten besser bekämpfen zu können. Doch Clive und Elsa scheinen von ihren eigenen Plänen und Vorstellungen getrieben zu werden, wobei diese sich nicht immer zwingend gleichen müssen…

Kritik: Zuallererst: warum nur… ? Nein, nicht in Bezug auf den Film selbst, denn der hat durchaus seine aktuelle Relevanz und Existenzberechtigung – aber in Bezug auf das verschenkte Potential ! Gerade in Anbetracht des Regisseurs, Herrn Vincenzo Natali – hätte man weitaus mehr erwarten können. Schließlich zeigte er besonders mit Filmen wie Cube, wie genial und spannend eine im Grunde simple Idee inszeniert werden kann. Dieser Film lebte allein aufgrund seiner inszenatorischen Qualitäten und dem gewissen Klaustrophobie-Gefühl lebte – und auf eine weitreichendere Story verzichten. Und damit, und mit dem Stichwort Story direkt zu Splice, dem neuesten Werk des Regisseurs. Im Hinblick auf die Filmgeschichte ist die Grundidee zwar keine sonderlich innovative, doch gerade in der heutigen Zeit gewinnt die Diskussion um das Thema „Klontechnologie“ zunehmend an Bedeutung. Denn: je weiter wir uns technologisch entwickeln, desto schneller sind die kühnsten Vorstellungen realisierbar. So wird auch in Splice das unmögliche möglich: man ist in der Lage, ein völlig neuartiges Wesen aus DNA-Versatzstücken zu kreieren. Der Film geht hierbei jedoch weniger auf Hintergründe, als auf die direkten Folgen der Interaktion zwischen dem erschaffenen Wesen und seinen Schöpfern ein.

So gibt es zwei Faktoren, die dem Film grundsätzlich ein hohes Maß an Spannung verleihen: zum einen ist es dem Wissenschaftspärchen offiziell nicht erlaubt, ein solches Experiment durchzuführen – sodass alles im geheimen stattfinden muss. Und zum anderen ist es der Faktor der menschlichen Neugierde, der die beiden doch dazu bringt, das Experiment weiterzuführen. Das ständige hadern mit der ein oder anderen Entscheidung, die Unsicherheit, das Entsetzen – all dies bietet einige Möglichkeiten des Spannungsaufbaus, zumal das Paar hin und wieder doch recht unterschiedlicher Auffassung zu sein scheint. Doch, bei aller Liebe zu den potentiellen Möglichkeiten (die auch zum Teil ausgenutzt werden) – beim Ansehen des Films entsteht ein seltsamen Gefühl. Gerade das Porträt der beiden Hauptprotagonisten wirkt im großen und ganzen überaus unglaubwürdig, und stark auf eine gewisse Lockerheit getrimmt. Durch entsprechende Nebencharaktere (Wissenschaftsbruder – Emo, anyone ?) wird der Eindruck einer großen Teenager-Nerdparty erweckt. NERD heisst übrigens auch die Organisation, für die die beiden Wissenschaftler arbeiten. Frei nach dem Credo hey, heute habe ich mal Lust, was neues auszuprobieren wird in einem beinahe überhaupt nicht gezeigten Prozess DNA analysiert, neu zusammengeführt und ein Wesen erschaffen. Erklärung sucht man hierbei stets vergebens – der Film setzt im Grunde alles als hinzunehmende Tatsachen voraus.

Das Problem ist, dass der Film sich selbst absolut ernst nimmt – aber einfach nicht so wirkt. Im Gegenteil, stellenweise wirkt er einfach nur absurd, klischeebehaftet; ja sogar amateurhaft. Die Dialoge bleiben oberflächlich und schwach, es gibt Logiklöcher noch und nöcher, die Leistungen der Schauspieler sind hölzern. Damit lässt sich definitiv kein Blumentopf gewinnen – zumal so die ohnehin schon bröckelnde Gruselstimmung endgültig ad absurdum geführt wird. Das Design von Dren dagegen wirkt stets gelungen – es ist diese Mischung aus Vertraut- und Fremdheit, die dem Zuschauer einen gruseligen Schauer über den Rücken jagen lässt. Hier hätte man viel, viel mehr draus machen müssen ! Doch wer neben einem gelungen dargestellten, neuartigen Wesen so etwas wie eine damit einhergehende, neuartige Philosophie oder überhaupt tiefgehende Aspekte erwartet, hat falsch gewettet. Stattdessen scheint sich Natali einer eher kruden und langweiligen Mischung aus animalischen und menschlichen Eigenschaften zu bedienen: im Grunde landet man doch wieder bei einem Thema, nämlich dem der Geschlechter und der Fortpflanzung. Was genau dann letztendlich im Film geschieht, entbehrt so ziemlich jeder Beschreibung: man kann es einfach nicht für voll nehmen. Gegen Ende hin ist es dann endgültig aus und vorbei: Splice ist nicht mal mehr Splice, sondern nur noch eine Ansammlung von billigen Klischees und allgemeiner Vorhersagbarkeit.

Schade, schade – gerade da die technischen Aspekte so vielversprechend waren beziehungsweise auch sind (der Film war nicht gerade günstig), und die Grundidee nach wie vor spannend – hätte aus Splice ein wahrlich guter Film werden können. So aber bleibt es bei Standard-Horrorfilmkost, wobei der besagte „Horror“ eher zwischen den Zeilen stattfindet. Fans von Schockmomenten, Brutalität und allgemeinem Horror werden ohnehin enttäuscht sein. Doch diese vermeintliche Philosophie, dieser vermeintliche Tiefsinn entpuppt sich als Mogelpackung par excellence. Denn: im Grunde passiert nichts. Es werden keine Hintergründe behandelt, keine Fragen beantwortet, keine neuartigen Ansichten zum Thema Klontechnologie präsentiert. Lediglich die merkwürdige Dreiecksbeziehung zwischen Mann-Frau-Wesen bekommt ein großes Maß0 an Aufmerksamkeit, wirkt im Gesamtbild aber einfach nicht stimmig. Die Fronten werden nur allzu oft gewechselt (von Hass zu Liebe in Bezug auf das Wesen, scheinbar auf Knopfdruck), und die Sexszenen wirken nur allzu makaber und nicht nachvollziehbar. Klar, all dies soll womöglich aufzeigen, wie zwiespältig Menschen in Bezug auf ein fast-menschliches Wesen reagieren können – aber wenn alles von einer gewissen Plattheit und Blödelei untermalt ist, geht das Konzept nicht auf. Oh Dren, deine Augen erinnern mich an meine Freundin / Frau – ich muss dich jetzt besteigen – entschuldigen Sie nun wiederum meine Direktheit, aber das ist einfach nur absurd. Ein authentischer Eindruck, wie beispielsweise in Bezug auf die Begriffe und Verhaltensaspekte Furcht, Respekt, Erstaunen – kommt nur selten rüber. Das Wesen ist einfach kein besonderes – dies wird ja bereits durch den stark entkomplizierten Entstehungsprozess deutlich gemacht. Wenn man es danach dann in einer Pappkiste versteckt und in einer Scheune wohnen lässt, ja – was soll da noch groß passieren ?

Fazit: Absolut entmystifizierend, desillusionierend und simpel – Splice ist eine herbe Enttäuschung und raubt dem Thema Klontechnologie ein wenig den Reiz. Stellt man sich bei einem eben erschaffenen Wesen eher die Frage, was genau man da erschaffen hat – oder lässt man sich von seinen Instinkten leiten und besteigt (im wahrsten sinne des Wortes, würg) die Schöpfung auch noch ? Wer hier eine durchschimmernde Adam-Eva Thematik vermutet, interpretiert bereits zuviel. Und selbst wenn der Regisseur solche Absichten hatte, warum gibt es nicht – wie sonst auch in seinen Filmen – eine weitere, nachvollziehbare Bezugnahme darauf ? Sonst geniale Darsteller wie David Hewlett werden ebenfalls verheizt, da man wohl mal wieder ausprobieren wollte, wie man das Gegenteil von Charme entsprechend auf die Leinwand bringen kann. Nach seiner (Parade-)Rolle in Stargate Atlantis nimmt man ihm die Rolle des unwissenden Firmen-Hardliners jedenfalls nicht ab. Schlussendlich: auf der Postivseite sind definitiv die Darstellung von Dren, ansatzweise die Interaktion innerhalb der Dreiecksbeziehung sowie ein kleiner Aha-Moment gegen Mitte des Films (auf dem Dach) zu verzeichnen. Auf der Negativseite haben wir die fehlenden Hintergründe, die fehlenden Erklärungen, die fehlende Innovation, die schlechten Leistungen der Darsteller, die eher mittelmäßige Optik und den unspektakulären Soundtrack. Und: die zahlreichen Genre-Klischees (besonders gegen Ende hin). Mittelmaß – für anspruchsvollere Zuschauer sicherlich eine herbe Enttäuschung, für Fans des Genres immerhin noch halbwegs spannende, subtile Gruselunterhaltung zum Thema Klonen.

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