Freddy Sahin-Scholl Ist Galileo – Und Bald Das Supertalent 2010 ?

Oder: Warum ein „echter“ Sopran üblicherweise nur Frauen oder Jungen vorbehalten ist.

Alle Infos zu „Das Supertalent“ im Special bei RTL.de (Link)

Freddy Sahin-Scholl ist ein 57-jähriger Musiker aus Karlsruhe – und er ist Teilnehmer der aktuellen Das Supertalent-Staffel bei RTL. Nach der Sendung von Samstag, den 04. Dezember 2010, steht er sogar im Finale der diesjährigen Staffel. Als ehemaliger Krankenpfleger mit einer schweren Kindheit arbeitet er schon seit Jahren an eigenen Kompositionen – bisher mehr oder weniger erfolgreich. Sein letzter großer Auftritt fand offenbar im Jahre 2006 und im Rahmen der Last Night Of The Proms-Veranstaltung statt – der dort performte Titel war ebenfalls das markant präsentierte Carpe Diem. Nun versucht er mithilfe der umstrittenen Castingshow ein noch größeres Publikum zu erreichen. Aktuelle Videos von ihm gibt es auf der offiziellen Homepage von RTL; doch für einen musikalischen Eindruck sollte ein Mitschnitt des besagten 2006’er Auftrittes genügen:

Das besondere: Freddy Sahin-Scholl gehört zu den wenigen Menschen, die in der Lage sind, auch im Erwachsenenalter in der sonst nur vorpubertären Jungen vorbehaltenen Stimmlage des Soprans zu singen. Dabei wechselt er von der typischerweise sehr hohen und hellen Stimmlage in Sekundenbruchteilen ins Tiefe – und erreicht einen kräftigen Bariton. Aber, und das ist eine Frage, die nur wahre Musikprofis beantworten können – handelt es sich bei ihm um einen echten Sopran ? Denn dann würde er zu einer absoluten weltweiten Minderheit gehören – und müsste eigentlich automatisch viel viel größere Erfolge zelebrieren. Denn es gibt eine Technik, die es Männern erlaubt, dem Sopran sehr nahe zu kommen – die sogenannten Countertenöre erreichen ähnlich hohe Stimmlagen mit bestimmten Kopfstimmen- oder Falsett-Techniken.

In jedem Fall ist Herr Sahin-Scholl ein charismatischer Musiker, der eine gewisse Wärme und Gelassenheit ausstrahlt. Doch die Internetpräsenz, die über seinen Künstlernamen Galileo erreichbar ist (http://www.galileo-music.com) geizt ein wenig mit Informationen, und lässt gar 3 Dekaden seiner Lebensgeschichte komplett aus – schade, ich hätte gerne mehr erfahren ! Eines wird jedenfalls ersichtlich: seine Kindheit war keine leichte oder schöne, und er geht weniger mit einem methodischen Prinzip bei seinen musikalischen Konzipierungen vor, als mit einem emotionalen. Er „fühlt“ die Richtigkeit der Noten, anstatt sie formgetreu niederzuschreiben.

All dies erinnert zwangsläufig ein wenig an den großartigen Musiker Michael Maniaci – einer der wenigen Männer weltweit, die in der Lage sind einen echten Sopran zu singen. Ein durchaus aussergewöhnliches Talent (oder besser: die Veranlagung dazu) – der Stimmbruch setzt bei diesen Menschen offenbar nicht wirklich ein. Besagter Musiker spielt aber (noch… ?) in einer etwas anderen Liga, und fokussiert sich ausschließlich auf die Sopran-Stimmlage, während Freddy Sahin-Scholl den Bariton als abgrenzendes, ebenso schön klingendes Stilmittel einsetzt. An dieser Stelle noch ein Link zu einem Youtube-Video, in dem ein Auftritt von Michael Maniaci in einer Arie nach Händel gezeigt wird:

Ich wünsche Herrn Sahin-Scholl jedenfalls alles Gute, denn er ist einfach eine sympathische Erscheinung, und grenzt sich damit von vielen anderen Menschen, die auf ähnlichen Privatsendern zu sehen sind, ab. Ich hoffe nur, dass er sich nicht zu sehr abhängig macht von allerlei Knebelverträgen und Co. – sondern vielleicht doch noch den Sprung in eine unabhängige Erfolgsgeschichte schafft. Denn, ich fange lieber gar nicht erst an, hier meine Gedanken zum Prinzip der Supertalent-Show im allgemeinen festzuhalten – dies habe ich ohnehin schon hier (als ein Beispiel) getan. Auch werde ich kaum sagen, dass am besten jeder für ihn anrufen sollte, am besten gleich mehrmals – denn das lässt sich einfach nicht mit meiner Lebensphilosophie vereinbaren. Und auch frage ich mich immer wieder (dies war auch schon bei Paul Potts der Fall), warum die Zuschauer dergleichen offenbar noch nie gesehen oder gehört haben; und einen TV-Auftritt plötzlich als wahre Offenbarung ansehen. Das ist etwas schade, da dies nur umso deutlicher aufzeigt; dass die Zuschauer sich ansonsten kaum oder gar nicht mit klassischer Musik beschäftigen.

Sei’s drum, ein deutliches mehr an Aufmerksamkeit hat er sich bereits jetzt erwirtschaftet, alles weitere wird sich zeigen. Ach ja, wussten Sie; dass er unter seinem Künstlernamen Galileo (fraglich ob er ihn behält, behalten darf wenn er tatsächlich gewinnen sollte) ein Album veröffentlicht hat ?

Es scheint aktuell vergriffen zu sein, wer weiss; vielleicht steigen nun die Preise für umlaufende Exemplare gar ins Unermessliche… viel Glück für die Zukunft, und uns allen sei geraten: Carpe Diem

Advertisements

4 Gedanken zu “Freddy Sahin-Scholl Ist Galileo – Und Bald Das Supertalent 2010 ?

  1. So, nun ist es raus: knapp 23% der Anrufer wählten Freddy Sahin-Scholl zum Supertalent 2010. Auf Platz 2 schaffte es Michael Holderbusch (der dickliche Sänger mit der souligen Stimme) mit knapp 16 %. Der gehörlose Tänzer Tobias kam mit 10% auf Platz 3.

    Warum ich dies hier festhalte ? Nur aus Gründen der Vollständigkeit. Im Großen und Ganzen sollte bekannt sein, dass ich die Sendung für das halte, was sie ist: perfekt inszeniertes Unterschichten-Fernsehen vom allerfeinsten (Null Qualität kontra zuschauerabzocke). Passend zu den Prozentzahlen hätte ich nun gerne noch die Zahl der tatsächlichen Anrufer – zumindest für Platz 1, der Rest lässt sich dann errechnen. Wer also genaueres weiss, schätzt oder vermutet… würde mir einen großen Gefallen tun.

    Was dieses Jahr besonders auffiel: die Sprüche von Marco Schreyl und Daniel Hartwig als Moderatorenduo – platter und peinlicher geht’s wohl nimmer. Es bleibt die Frage, was das neue „Supertalent“ aus seinem Gewinn macht, beziehungsweise was ihm nun noch möglich ist (siehe RTL-Knebelvertrag)… werden wir im nächsten Jahr noch um seinen Namen wissen, oder geht er unter wie der Hundemensch aus dem letzten Jahr (absolutes Paradebeispiel – aber der hat wenigstens alles richtig gemacht, 100.000 Euro kassiert und dann weg von der Bildfläche)… ?

    Time will tell, und ausserdem heisst es ja sowieso ganz schnell wieder: wer ist der neue Superstar, wer das nächste Supertalent ? Ein endloser Teufelskreis…

    Gefällt mir

  2. Beeindruckend! Freddys Stil gefällt mir ganz gut, aber Michaels Kastratenstil gefällt mir gar nicht – geht mir irgendwie schon nach den ersten Sekunden tierisch auf den Sack. ^^ Michael hat tatsächlich eine hormonelle Störung die dazu führt(e), dass sich seine Stimme bzw. die Stimmlippen nicht vollständig ausbildeten, darum hört sich seine Sprechstimme schon ungewöhnlich hoch an. Bei ihm könnte man also von einem „echten“ Sopran reden. Freddy und die meisten anderen Männer müssen ihre Stimme hingegen irgendwie „betrügen“…mit Talent und Training geht alles…ich persönlich blick bei den Begriffen Kopfstimme, Fistelstimme, Falsett, Sopran, Mischstimme eh nicht mehr durch. Fakt ist…ich finde klassischen Männersopran der in Richtung Farinelli geht schröcklich! ^^ Es geht nichts über eine gute weibliche Sopranistin oder Knabensoprane. Falsettgebrauch in der Rockmusik hingegen geht klar! *g* Priest 4Ever! ^^

    Gefällt mir

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s