Filmkritik: „Watchmen – Die Wächter“ (2009)

Filmtitel: Watchmen – Die Wächter
Regisseur:
Zack Snyder
Mit: /
Laufzeit:
162 Minuten
Land:
USA
Genre:
Action

Inhalt: Die Watchmen-Welt gleicht im Jahre 1985 merklich der unseren – doch eine kleine Schar von Superhelden hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt vor allem Übel zu beschützen. Im Laufe der Jahre aber hat sich die Situation auf der Erde grundlegend gewandelt. Der kalte Krieg zwischen den USA und der UDSSR steht jetzt kurz vor dem Höhepunkt, und beide Seiten haben ihre Finger schon am jeweiligen Knopf der Atomraketen-Abschussanlagen. Als einzige Chance, den Krieg noch zu verhindern, kommt ein gewisser Rorschach (Jackie Earle Haley) ins Spiel – der einzige der Heldentruppe, der noch aktiv im Dienst ist. Im Zuge seiner Ermittlungen schafft er es sogar, weitere seiner ehemaligen Mitstreiter ins Boot zu holen. So auch Dr. Manhattan (Billy Crudup), der seit einem Reaktorunfall gar als Galionsfigur der USA gilt. Seit dem Tag des Unfalls besitzt er enorme Kräfte, welche den Verlauf des Krieges beeinflussen könnten. Könnten – doch auf seiner Suche nach einer sicheren Energiequelle scheint er mehr und mehr in allzu intergalaktische Sphären vorzudringen, und sich dabei eine ganz eigene Wahrheit zu formen.

Kritik: Watchmen ist ohne Zweifel ein Superheldenfilm – aber einer der etwas anderen Art. Im Gegensatz zu anderen Filmen, die sich mit besonderen Menschen und deren Kräften auseinandersetzen, wirkt Watchmen erst einmal viel… schmutziger und ehrlicher, wenn man so will. Das bedeutet: diese Superhelden haben eine gewisse Historie, und dementsprechend menschliche Probleme. Und weiterhin: der Film scheint weniger auf Special Effects, als auf eine ganz eigene Superhelden-Philosophie zu setzen. Das ist ungewöhnlich, und hebt ihn markant von vielen sinnfreien Hollywood-Werken um besondere Menschen oder Wesen – a’la Hellboy – ab. Zumal die fraglichen Helden sich in diesem Fall nicht eindeutig einer Fraktion zuordnen lassen – ein Fakt, der durch die teilweise expliziten Gewaltdarstellungen zusätzlich verdeutlicht wird.

Im Grunde aber bietet die Geschichte – abgesehen von der etwas anderen Art der Charakterporträts – nicht viel neues. Wieder einmal wird sich mit dem Bösen im Menschen beschäftigt, und das in Hinsicht auf ein sehr aktuelles Thema: wie weit ist der Mensch bereit zu gehen, wenn es um die Expansion der Bevölkerung geht ? Welche Art der Energieversorgung sollen wir in Zukunft nutzen, wenn wir den Planeten nicht allzu frühzeitig abschreiben wollen ? So fungiert Watchmen zumindest zum Teil auch als moralischer Zeigefinger in Filmform. Jedoch wird all dies so stimmig und angenehm rau porträtiert, dass ein hoher Unterhaltungswert definitiv gegeben ist. Diesen Eindruck zu unterstützen vermag besonders die Tatsache, dass der Film aus der (düsteren) Sicht von Protagonist Rohrschach erzählt wird, der – zumindest in der deutschen Synchronisation – eine geniale Stimme hat. Die recht lange Spieldauer erklärt sich unter anderem durch den Fakt, dass dem Zuschauer möglichst detaillierte Charakterporträts geboten werden – wer also auf einen stupiden Actionfilm mit zahlreichen Baller- und Actionszenen aus ist, ist mit Watchmen sicherlich falsch beraten.

Wenn schon kategorisieren, dann ist Watchmen am ehesten ein Action-Drama. Aber ist es auch ein durch und durch gutes ? Nicht ganz – denn dies verhindert besonders die Darstellung der Geschichte von Dr. Manhattan als wichtigen Protagonisten. Allein in optischer Hinsicht weicht er stark vom sonst eher düsteren Gesamtbild des Films ab – wie sollte es auch anders sein, wenn man seit einem Reaktorunfall ein strahlend blaues Energiewesen ist ? Doch auch das inhaltliche Potential dieses Charakters scheint nicht sonderlich gut ausgenutzt worden zu sein – es wirkt etwas merkwürdig und unpassend, dass er zum einen unsterblich ist (das macht ihn weniger interessant), und zum anderen in andere Universen schauen, und aus seinen Gedanken Materie schaffen kann. So könnte man in seinem Falle wohl sicherlich vom wahren Superhelden des Films – mit den stärksten Kräften – sprechen. Doch das philosophische Potential, was dieses Porträt hätte bieten können, geht leider ein wenig flöten ob der generell immer noch stark amerikanisierten filmischen Machart.

In Sachen Optik, Schnitt und Co. bildet der blaue Strahlemann also schon einmal eine gewisse optische Abwechslung – doch grundsätzlich keine durch und durch positive. Auch die anderen CGI-Effekte, sofern denn einmal welche zum Einsatz kommen – wirken leider stark überstilisiert und etwas kontextlos. So sieht beispielsweise die Basis in der Arktis sehr artifiziell, gar lächerlich aus. So etwas hätte man vermeiden können, vermeiden müssen. Auch der Soundtrack wirkt etwas daneben, denn klassische oder eigens komponierte Stücke sucht man beinahe vergebens.

Fazit: Nun, Watchmen wäre beinahe ein perfekter Film geworden, der sich markant aus der Masse der Hollywood-Filme hervorhebt. Doch letztendlich sind kleinere (bis mittelschwere) Fehler dafür verantwortlich, dass er nicht zur Film-Elite gezählt werden kann. Dies wären demnach die fehlgeschlagene Inszenierung von Dr. Manhattan, der Soundtrack, die künstlichen wirkenden CGI-Effekte, sowie zu einem kleinen Teil noch die etwas abgenutzte Grundgeschichte. Positiv dagegen sind die detaillierten Charakterporträts, der Gesamtlook des Films; sowie die (düstere) Stimmung, die er etablieren kann.

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