Filmkritik: „My Suicide“ (2008)

Filmtitel: Mein Selbstmord
Regisseur:
David Lee Miller
Mit: /
Laufzeit:
105 Minuten
Land:
USA
Genre:
Drama

Imhalt: Ist das Leben wirklich nur ein einziger Haufen Mist ? So, oder so ähnlich mag es klingen, wenn sich ein des Lebens überdrüssiger Teenager zu seiner aktuellen Gefühlssituation äussert. Archie Williams (Gabriel Sunday) ist ein junger Mann und Heranwachsender, der das unglaubliche wagt: in seiner Schule behauptet er, demnächst – und vor laufender Kamera – Suzid zu begehen. Was nun geschieht, scheint er bereits vermutet zu haben: die Welt, wie er sie bisher kannte, steht erst einmal Kopf. Seine Eltern, seine Lehrer, seine Mitschüler; aber auch spezielle Institutionen haben nun ein Auge auf Archie. Vielleicht so intensiv, dass es ihm dann doch etwas zuviel wird. Dabei immer dabei: seine Kamera, mit der so gut wie alles festhält, was er dieser Tage erlebt. Ist all das Erlebte und Gefühlte wirklich durchzogen von einem tiefen Hass, von Gewalt, geprägt von einer schmerzlichen inneren Zerissenheit – und selbst wenn, gibt es nicht immer ein Fünkchen Liebe, ein Fünkchen Hoffnung ?

Kritik: Bei diesem Titel, der unter anderem auch im Rahmen der Berlinale-Filmfestspiele gezeigt wurde (erstmalig in Deutschland), handelt es sich nicht um einen Film – sondern um ein visuelles Erlebnis. Bereits dem Filmposter ist zu entnehmen, dass My Suicide anders ist als alles, was Sie bisher gesehen haben. Und das trifft absolut zu, der Film wehrt sich gegen eine einfache Kategorisierung. Wenn man schon mit Schubladenzuordnungen arbeiten möchte, gehörte er definitiv in die Abteilung ungewöhnlich. Aber, und das ist wichtig: er ist nicht nur reichlich anders und seltsam, er bewegt sich in Sachen filmischer Qualität und Inhalt dabei auch noch auf höchstem Niveau. Und das schafft beileibe nicht jedes Machwerk, welches als besonders innovativ oder revolutionär angepriesen wird.

Der Film wirkt in seinem Gesamteindruck wie ein erbarmungsloser, intelligent inszenierter Feldzug gegen die Medien. Zahlreiche verschiedene Szenen, Einblendungen und Übergänge aller Art werden zu einem stimmigen, aber dennoch verwirrenden Gesamtbild vereinigt. Ähnlich einem Experiment, bei dem man zwar die Zutaten kennt und weiss dass diese gut sind – wobei man den Weg zum Endergebnis aber noch nie erprobt oder gewagt hat. Das Haupt-Augenmerk liegt auf dem Teenager Archie Williams, welcher den Zuschauern mitnimmt in seine fragile Seelenwelt. Dieses Porträt zu verfolgen, fällt nicht immer leicht – angelegt irgendwo zwischen Teenager- und Erwachsenendasein, zwischen Realität und Fiktion, zwischen Nachvollziehbarkeit und purem Wahnsinn wird der Zuschauer eingeladen, sich sein ganz eigenes Bild davon zu machen. Dieses Bild, diese Interpretation könnte sich von Kinogänger zu Kinogänger unterscheiden. Aber das ist ja auch gewollt und gut so.

Besonders ist, dass der Film nicht wirklich wie ein (Spiel-)Film wirkt – sondern eher wie eine Real-Life-Dokumentation mit verstörendem Inhalt. Ganz im Stile der Generation Web 2.0 wird so einerseits auch die Gefahr dieser von Medien beherrschten Welt deutlich. Doch der Film hat auch einige Längen: während man – gerade aufgrund der kunstvoll arrangierten Bilderflut – im ersten Abschnitt wie gebannt auf die Leinwand starrt; wandelt sich dieses Gefühl vorraussichtlich gegen Mitte des Films. Hier fokussiert sich der Film mehr und mehr auf Archie’s persönliche Welt. Die Kamera begleitet ihn in seinem Zimmer, auf eine Party, und bei allerlei Gesprächen mit anderen Teenagern. Diese Szenen scheinen sich nicht wirklich harmonisch in das Gesamtbild einzufügen, mindestens aber tragen sie zum Gefühl der (über-)Länge des Films bei. Zumal dies nicht gerade ein Film ist, bei dem man abschalten und sich berieseln lassen kann – man ist als Zuschauer aktiv gefordert. Doch die Optik und die allgemeine Aufmachung sind so angelegt, dass der allgemeine Zusammenhang nicht wirklich verlorengeht.

Fazit: My Suicide ist ein guter, intelligenter Film mit allerlei Gesellschaftskritik und einem verstörenden Porträt eines einzigartigen Jugendlichen – der aber durchaus seine kleinen Längen hat. Gabriel Sunday seine Rolle wirklich mehr als gut spielt – sie wirkt absolut authentisch und ihm gar wie auf den Leib geschneidert.

80button

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