Filmkritik: „District 9“ (2009)


Filmtitel: District 9
Regisseur: Neill Blomkamp
Mit: /
Laufzeit:
112 Minuten
Land:
USA / Neuseeland
Genre:
Science Fiction / Action

Inhalt: Im heutigen Johannisburg in Afrika wurde eine Art Slum errichtet. Doch dieses Mal sind es keine Menschen, die hinter den abgrenzenden Mauern und Zäunen zusammengepfercht leben – sondern außerirdische Wesen. Die Regierung entschied sich für die Art der Unterbringung, da sie nicht so recht wusste womit mit den (potentiell gefährlichen) Wesen – nachdem ihr Raumschiff ohne ersichtlichen Grund über der Erde aufgetaucht ist. Die käferartigen Wesen scheinen ganz ähnliche Probleme wie die Menschen zu haben, wenn sie erst einmal so leben: Gewalt und Kriminalität sind an der Tagesordnung in den hiesigen Slums. Das macht sie in der Öffentlichkeit nicht gerade beliebt, und doch sollen sie für die Weiterentwicklung der irdischen Wissenschaft genutzt werden. Eigentlich geht es dabei hauptsächlich um moderne Waffensysteme – doch unglücklicherweise wird einer der Regierungsbeamten (Sharlto Copley) im Laufe einer Umsiedlungsaktion der Strahlung einer außerirdischen Technologie ausgesetzt. Offenbar beginnt er, zu mutieren – und wird zu einem neuartigen Wesen aus Mensch und fremder Lebensform.

Kritik: Nanu, ein hervorgehobenes Peter Jackson präsentiert… in der Überschrift ? Richtig, er fungiert als einer der beteiligten Produzenten – doch es ist bekannt, dass man gerne bekannte Namen zwecks einer besseren Vermarktungskraft einsetzt. Ein Neill Blomkamp ist eben besonders hierzulande nicht sehr bekannt – dabei bräuchte er sich gar nicht mal hinter anderen großen Namen zu verstecken. Denn: District 9 ist nicht unbedingt der Action-Hardliner, den man vielleicht erwartet hätte – sondern vielmehr ein solides Unterhaltungs-Drama vor einem SciFi-Hintergrund. Bis das erstmals richtig deutlich wird, vergehen allerdings einige Minuten – so startet der Film mit einer gewöhnungsbedürftigen Prämisse. Die Ausserirdischen kommen nicht auf der Erde an; sondern sind längst da und leben unter uns. Wenn auch in einem abgetrennten Distrikt – doch die Menschen betrachten die Situation, als sei dies das normalste der Welt. So könnte man besonders anfangs vermuten, dass es sich hierbei lediglich um einen leichten Trash-Aspekt handelt – doches stellt sich heraus, dass das Stichwort stattdessen Sozialkritik lautet. Denn man könnte die Ausserirdischen auf der Stelle mit einer jeden x-beliebigen ethnischen Minderheit ersetzen – die Wirkung bliebe dieselbe.

Was hat es mit dem mysteriösen Raumschiff auf sich ?

Aber dann gäbe es den zusätzlich spannungserzeugenden, technologischen Aspekt nicht mehr. Spätestens, als der Agent mit einer der rätselhaften nicht-irdischen Flüssigkeit in Kontakt kommt, beginnt die eigentliche Hauptgeschichte – und die hat wiederum eher weniger mit den Aliens oder dem über der Stadt schwebenden Raumschiff zu tun. Es geht um allzu menschliche Probleme und Interessen, und wie es sein kann, dass man einen ehemaligen Regierungsbeamten nunmehr als willenloses Versuchskaninchen betrachtet. Man ist der Meinung, dass er seine Menschlichkeit mit der intergalaktischen DNA-Fusion eingebüßt hat – doch auf der Gegenseite sieht es nicht sonderlich anders aus. Diese Zwischenstellung als fehlendes Bindeglied zwischen zwei Rassen ist einer der interessantesten und am gelungensten dargestellten Aspekt im Film.

Aber auch der technische Part scheint rundum gelungen. Lediglich die Darstellung der Außerirdischen fällt einstweilen etwas ambivalent aus: im Kontrast zur Szenerie wirken sie stets wie fremde Objekte,weshalb wohl auch versucht wird, diesem Eindruck mit einer leicht übertriebenen Menschlichkeit der Wesen entgegenzusteuern. Derlei Animationen und CGI-Effekte sind gewiss eine solide Grundzutat für einen heutigen SciFi-Film, doch andererseits verschlingen sie auch stets Unsummen an Kosten und Arbeit. Gerade im Fall von District 9 muss man sich nun also fragen, ob weniger hier nicht mehr gewesen wäre. Im Gegensatz dazu haben die Szenen mit dem übermannsgroßen Roboter oder die Infiltration der Basis fast schon automatisch Kultcharakter. In technischer Hinsicht braucht sich der Film also ebenfalls nicht hinter anderen Produktionen zu verstecken. Der Soundtrack hätte noch ein wenig eindrücklicher und mächtiger daherkommen können, ebenso wie die Charakterporträts. Die Darsteller geben sich reichlich Mühe, aber es ist ohnehin nur einer der in Erinnerung bleiben wird: Sharlto Copley als Hauptcharakter nämlich. Alle anderen gelten eher als Side-Kicks beziehungsweise gehen völlig unter.

Fazit: Man sollte District 9 zumindest einmal gesehen haben. Die Geister werden sich wahrscheinlich an diesem Werk scheiden, aber in Sachen Unterhaltungswert rangiert er weit über dem qualitativen Mittelfeld. Die Tatsache, dass das Porträt der Außerirdischen viel zu unspektakulär und oberflächlich ausfällt, verhindert aber eine höhere Wertung. Auch ein klein wenig philosophischen Tiefgang, oder zumindest Ansätze hinsichtlich einiger (dann offengelassener) weitreichender Fragestellungen wären vielleicht nicht verkehrt gewesen. Das hätte sich zwar angeboten bei dieser Thematik – doch offenbar wollte man auch nicht zuviel riskieren. Sonst verwendet man den Begriff Popcornkino eigentlich nur bei Actionfilmen, doch bei diesem Sci-Fi-Actiondrama trifft es diese Bezeichnung ebenfalls recht gut.

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