Filmkritik: „Three Fellas / Gang Fight“ (2006)

Originaltitel: Ddukbang
Regisseur:
Beom-Gu Cho
Mit: /
Laufzeit:
94 Minuten
Land:
Südkorea
Genre:
Action

Inhalt: Wir befinden uns in einer Wohngegend in Südkorea. Drei offenbar recht sportliche Typen rennen vor einer ganzen Meute gleichaltriger davon, auf ihren Gesichtern zeichnet sich eine Mischung aus Panik und Spaß ab. Dies ist jedoch nichts neues für die drei Hauptprotagonisten des Films: die Austragung von Straßenkämpfen und Klärung von Rivalitätsfragen gehören zu ihrem Alltag. Eines Tages beschließen sie, eine eigene Gang zu gründen um endlich ihre Ansprüche an bestimmten Territorien zu festigen. Der sogenannte Deich-Klan muss als erstes daran glauben – beziehungsweise eine Abreibung einstecken, die sich gewaschen hat. Denn wirklich zu Schaden kommen die Beteiligten selten, vielmehr werden die jeweiligen Territorien erobert; und später verliert man sie wieder – ein ganz natürlicher Kreislauf. Kompliziert wird es, als längst vermisst geglaubte wieder auf der Bildfläche erscheinen, und Freundschaften auf die Probe gestellt werden.

Kritik: Vielleicht handelt es sich um ein klischeehaftes und gar böses Vorurteil, welches in Bezug auf asiatische Filme hierzulande vorherrscht – aber als internationaler Zuschauer kann man es einstweilen etwas schwierig haben mit den jeweiligen, fremden Charakter- und Darstellernamen. Und, wer sich bereits auf derlei Prämissen nicht einlassen kann, für den ist Three Fellas wohl ein absolutes Paradebeispiel. Denn, die drei Hauptcharaktere auseinander zuhalten fällt gar nicht mal so leicht: sie heissen Jeong-Kwon, Seong-Hyeon und Gyeong-Ro Yoo. Gespielt werden sie übrigens von Cheon-hee Lee, M.C. Mong und Keon-Hyeong Park. Da die (durchaus zahlreichen) Nebendarsteller alle ähnliche Charakternamen haben, muss man sich schon ein wenig konzentrieren, um den Überblick über die „böse“ und die „gute“ Fraktion zu behalten. Falls es eine so strikte Abgrenzung in diesem Fall überhaupt gibt.

Der Film startet mitten im Geschehen – es wird hier und dort gerangelt und auch mal härter zugelangt. Wer genau gegen wen kämpft und warum, wird wenn überhaupt erst später ersichtlich – doch den 3 Hauptprotagonisten (über die man sonst leider eher wenig erfährt) geht es offensichtlich um die Ehre. Eine Ehre, die aus dem hoffentlich siegreichen Ausgang der unzähligen Straßen- und Revierkämpfe entsteht – und damit durchaus fraglich erscheint. Doch eigentlich gründet sich das Hauptgerüst der Story (und damit der ständig wiederkehrenden Kabbeleien und Machtkämpfe) auf einen kruden Wirtschaftsplan. Eine Art Gangster-Oberguru will einen neuen Gebäudekomplex errichten, und zwar genau in dem Bereich des Deiches – wo die 3 Hauptprotagonisten aufgewachsen sind. In jedem Fall erscheint die Story nicht sonderlich originell, doch das fatale ist die Inszenierung derselben: Three Fellas scheint nicht so richtig zu wissen, was er denn nun eigentlich für ein Film sein möchte. Eine Martial-Arts-Komödie vielleicht ? Ein Kampfkunst-Drama ? Ein packender Asia-Thriller um eine große Verschwörung – oder vielleicht ein wenig von alledem ?

Auch die Kampfszenen wirken nicht gerade sonderlich spektakulär...

Denn die Stimmung schwankt – mal werden geradezu lachhafte Kampfszenen gezeigt, die sich mit angedeuteten (aber grundsätzlich ernsthaften) Lebensgeschichten abwechseln. Mal wird die Bedeutung der Freundschaft und des bürgerlichen Zusammenhalts hinterfragt, die sich dann wiederum mit einer allgemeinen Blödelei abwechseln. Diese Mischung wirkt recht absurd; ganz besonders das Gehabe um die Kampfesehre scheint nie wirklich nachvollziehbar, und wirkt überstilisiert wie in einem Superhelden-Anime. Wer also gerne Typen sieht, die sich (in merkwürdig spielerischer Weise) gegenseitig den Schädel einschlagen und in den Pausen dazwischen über das Leben (das heisst, den Kampf) philosophieren – der ist hier absolut richtig beraten. Nur leider erschließt sich mir nicht wirklich der Sinn hinter all dem. Es ist offensichtlich: Three Fellas versagt definitiv auf internationaler Ebene, vielleicht werden die Menschen aus dem Produktionsland selbst (dann: nachvollziehbares Setting, keine Sprachbarrieren, O-Ton) schon eher Gefallen an diesem kruden Machwerk finden. Warum sich dann aber sogar ein deutsches Synchronstudio diesem Titel angenommen hat, das erscheint mir mehr als fraglich.

Vielleicht ist es aber nicht nur ein gewisser Kulturschock, den man als internationaler Zuschauer erlebt – vielleicht ist Three Fellas auch einfach nur ein mieser Film. Ein stumpfsinniger, brutaler; ohne eine wirklich nachvollziehbare Handlung. Zumindest in technischer Hinsicht bewegt sich der Film auf einem höheren Niveau – hier wird einiges an (qualitativer) Abwechslung geboten. Der Look des Films wirkt insgesamt angenehm farbenfroh und intensiv, die Kameraführung ist solide und wenig hektisch. Die zahlreichen verschiedenen Schauplätze vermitteln dem Zuschauer ein gewisses Gefühl von Größe und Bedeutung. Ganz im Gegensatz zur Handlung eben.

Fazit: Leider wirken auch die häufigen Kampfszenen größtenteils etwas unbeholfen, und kommen ohne großartige Choreographien aus. Die oben bereits erwähnten Darsteller machen ihre Sache gut, vielmehr sind es die von ihnen verkörperten Rollen die keinerlei Interesse oder Empathie seitens der Zuschauer wecken. Dafür weiss der Film ohnehin nicht, ob er nun eine ernste oder eine komödiantische Grundnote hat – in jedem Fall ist er reichlich brutal und eher sinnfrei.

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