Filmkritik: „Max Payne“ (2008)

Filmtitel: Max Payne
Regisseur:
John Moore
Mit:
Mark Wahlberg
Laufzeit:
100 Minuten
Land:
USA / Kanada
Genre:
Action

Inhalt: Dies ist die Verfilmung des gleichnamigen, 2001 publizierten PC-Spiels; in dem der tragische Held Max Payne (Mark Wahlberg) Jagd auf eine skrupellose Pharma-Organisation macht. Denn: er findet heraus, dass diese etwas mit dem schrecklichen Tod seiner Frau und seines neugeborenen Kindes zu tun hat. Alles hängt mit einer mysteriösen Droge namens „Valkyr“ zusammen. Ursprünglich wurde sie für US-Soldaten konzipiert, um deren Leistungsfähigkeit zu verbessern. So war es Max Payne’s Frau, die als eine der ersten die Droge und das Unternehmen selbst in Frage stellte – vielleicht mit einem entsprechendem Ergebnis ? Die Vermutug liegt nahe, und so lässt Max nicht locker – auch nicht nach Jahren der erfolglosen Ermittlungen. Er würde nicht ruhen, bis alle Schuldigen verurteilt, oder aber von ihm selbst gerichtet wurden. Eines Tages wird eine Frau auf bestialische Weise ermordet – und Max‘ Geldbörse wird bei ihr gefunden. Die Polizei bezichtigt ihn des Verbrechens; und auch die geheimnisvolle Schwester der Ermordeten, Mona Sax (Mila Kunis) glaubt erst daran, dass es Max war. Doch scheinen die Fronten noch längst nicht vollständig geklärt.

Kritik: Eigentlich weiss man; dass viele Computerspielverfilmungen eher weniger gut umgesetzt werden. Doch vielleicht würde ja dieses Mal, und mit Regisseur John Moore, alles glattgehen ? Nicht ganz – doch zumindest hebt sich der Film merklich von der sonst üblichen Qualität a’la Uwe Boll ab. Aber auch im Falle von Max Payne hat(te) man offenbar ganz ähnliche Probleme, wenn es um eine (für Fans und Kenner) „gerechte“ Umsetzung der Computerspielvorlage geht. Vor allem in Sachen Story und Tiefe tun sich einige Unstimmigkeiten auf – die teilweise überaus beklemmende Stimmung des Spiels, mit all den intensiven Dialogen und interessanten Charakteren – kommt im Film leider nur ansatzweise rüber. Auch hatte man im Spiel eher das Gefühl, dass sich Max langsam vorarbeitet, und erst nach und nach immer mehr Verschwörungen auf die Schliche kommt. Die Verfilmung aber hält sich nicht mit großartigen Einstiegssequenzen, Erklärungen oder spezifischen Intensivierungen auf; sondern startet direkt durch. Und das oft in alle erdenklichen Richtungen – doch das Gesamtbild scheint in sich nicht wirklich stimmig, originell oder intensiv.

Max Payne mit für ihn typischen Gesichtsausdruck

Nun, es gibt in erster Linie zwei Aspekte, die das Spiel so besonders und erfolgreich machten. In inhaltlicher Hinsicht war es die oben schon erwähnte besondere Stimmung und die Erzählweise, und in technischer Hinsicht – natürlich die sogenannte Bullet-Time. Diese kommt im Film übrigens nur sehr sporadisch vor. Genauer gesagt, eigentlich nur in einer einzigen Szene; und die ist dazu noch abgrundtief dämlich. Als Max mit der Schrotflinte einen Gegner aufs Korn nimmt, muss sein Widersacher natürlich so ungenau schiessen, dass er alles ausser Max selbst trifft. Und warum „muss“ er dies tun ? Nur, damit der entsprechende Zeitlupeneffekt zu einem stilgerechten Einsatz kommen konnte. Ja, diese Effekte sind vielleicht ganz nett anzusehen – in diesem Kontext aber wirken sie eher deplatziert und vollkommen sinnlos. Es scheint fast, als hatte man den Film schon fertig, und stellte dann fest; dass man zumindest eine Bullet-Time-Szene integrieren sollte – und dann fügte man sie eben nachträglich und Kontext-befreit ein. Auch sonst gibt es in Bezug auf die (wenigen) Actionszenen nicht viel zu sagen – sie erinnern eher an einen 08/15-Hollywood Standard. Von einer guten, alten John-Woo Manier (Zweihandwaffen, Zeitlupe, durchlöcherte Wände et cetera) wurde größtenteils abgesehen. Schade eigentlich, wäre dies der Action des Spiels viel näher gekommen.

Die positiven Aspekte lassen sich hauptsächlich durchMark Wahlberg beschreiben. Welch eine Überraschung ! Obwohl er das Spiel selbst nie gespielt hat (eine kleine Schande), spielte er die Rolle des innerlich zerrissenen Polizisten, der seine Familie verlor, doch recht gut. Gewiss, ein vollständig „unverbrauchtes“ Darstellergesicht wäre vielleicht eine bessere Wahl gewesen – doch ohne hochkarätige, bekannte Namen lockt man eben weniger Zuschauer. Und irgendwie muss der Film ja auch finanziert werden. Positiv ausgefallen ist glücklicherweise auch die Portierung der Schauplätze aus dem Spiel, und der düstere Look im allgemeinen. Die desolaten Seitengassen, die umherschweifenden Schneeflocken, die markante U-Bahn Station, das Hauptgebäude des Pharmakonzerns – hier wird der Film erstmals der Vorlage gerecht. Das eigentliche Highlight des Films sind aber die Drogentrip-Szenen. Diese haben zwar weniger mit dem Spiel zu tun (die Flügelmänner, das Höllenfeuer am Himmel) – sehen aber schlicht genial aus, und fesseln den Zuschauer in den Kinosessel.

Fazit: Schlussendlich: vielleicht muss man zur „Verteidung“ der Macher auch sagen, dass es kaum möglich gewesen wäre den Ansprüchen der Fans und Spielern der Reihe vollständig gerecht zu werden. Aber etwas mehr Herzblut hätte man investieren sollen. Eine insgesamt noch halbwegs gelungene Umsetzung eines PC-Spiels, die im Endergebnis doch merklich von der Vorlage abweicht. Für Fans des Spiels vielleicht eine kleine Enttäuschung. Alle anderen werden einen düsteren Actionthriller erleben, der aufgrund der Inszenierungsweise und besonders den beeindruckenden Alptraumszenen überzeugt; storytechnisch sonst aber wenig innovatives bietet.

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