Filmkritik: „Inglourious Basterds“ (2009)

Filmtitel: Inglourious Basterds
Regisseur:
Quentin Tarantino
Mit:
Brad Pitt
Laufzeit:
153 Minuten
Land:
USA / Deutschland
Genre:
Action

Inhalt: Während der zweite Weltkrieg noch in vollem Umfang tobt, landet ein US-amerikanisches Team aus einer handvoll Elitekämpfern im von Nazis besetzten Frankreich. Ihr Auftrag ist simpel, aber in der Durchführung keinesfalls einfach:  sie sollen so viele Nationalsozialisten wie nur irgendwie möglich zur Strecke bringen – egal auf welche Art und Weise. Während sie also mit einer Vorliebe für Nazi-Skalps als Trophäe durch Frankreich schleichen; rückt schon bald ein neues, potentiell kriegsentscheidendes Ziel in ihre Nähe. Die gesamte deutsche Führung, unter anderem eben auch Hitler – würde sich bald zu einem illustren Propagandafilm-Abend in einem französischen Kino versammeln. Was läge da also näher, als den Krieg mit dem Ableben Hitlers vorzeitig zu beenden ? Doch auch die Gegenseite schläft nicht – allen voran hat es sich ein perfider Nazi-Inspektor (Christoph Waltz) zum Ziel gemacht, Juden und der Ideologie nach sonstige „Vaterlandsverräter“ zu enttarnen. Und so scheint er recht schnell zu bemerken, dass sich hinter den als italienische Filmfreunde getarnten ganz andere, hochkarätige Gegner verbergen… nämlich Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) und sein Team.

Kritik: Regisseur Quentin Tarantino hat zumindest eines bereits im Vorfeld erreicht: Inglourious Basterds polarisiert. Das Lager der Zuschauer scheint gespalten ob der fragwürdig umgesetzten, filmischen Chance auf eine „späte Rache“, und der übermäßigen Gewaltdarstellungen. Andererseits bietet der Film mehr als solide Unterhaltung – er führt einige höchst spannende und brisante Charaktere ein, und ist dramaturgisch beinahe perfekt inszeniert. Wohlgemerkt, der Film entsprang nicht gänzlich der Fantasie des Regisseurs, sondern ist ein quasi-Remake des Filmklassikers Ein Haufen verwegener Hunde von Enzo G. Castellari. Lediglich die Umsetzung und der spezielle Tarantino-Schliff sind bis dato einzigartig, und katapultieren den Film in jedem Fall in die Riege des cineastischen Plichtprogramms. Diesen Film sollte man gesehen haben – wenngleich die persönlichen, geschmacklichen Empfindungen möglicherweise stark von der eigentlichen filmischen Qualität abweichen könnten.

Ratespiel: einer der hier dargestellten Personen ist nicht im Film selbst zu sehen...

Denn: es fällt einstweilen schwer, der grotesk-brutalen Nazi-Hatz etwas abzugewinnen – zumindest, wenn man sich auf diesen umrahmenden Handlungsablauf beschränken würde. Natürlich verlief die Geschichte in Wirklichkeit anders, und vielleicht hätten die schlimmsten Finger der NSDAP diese fiktive alternative Version in irgendeiner Form „verdient“ – doch es erscheint mehr als fraglich, statt den Deutschen nun die Amerikaner als gefühllose, mordende Bestien darzustellen. Aber, eine Rechtfertigung hat man natürlich sofort zur Hand, der Vorteil ist, dass sie argumentativ beinahe unumstößlich ist: es sind doch bloss Nazis… ! Zivilisten kommen schließlich nicht oder kaum zu Schaden (vergleichsweise). Aber dennoch, Gewalt mit Gewalt zu beantworten bleibt eine fragliche Methode – gönnen wir es Tarantino und den Amerikanern, sich möglicherweise noch ein klein wenig mehr an dem Film zu erfreuen als andere Nationen. Denn, glorifiziert wird nicht nur das Töten selbst, sondern im Grunde alles, was die Amerikaner tun und an sich haben. Schaut man auf die jüngere Geschichte, hinterlässt das natürlich einen leichten Beigeschmack.

Das "Duell der Giganten"...

Nun, man muss Tarantino zugestehen, dass er abgesehen von der vorgegebenen Rahmenhandlung durchaus einiges von seinem einzigartigen Stil in den Film verfrachtet hat – man hört es an den ersten Dialogen, sieht es an den ersten Darstellungen der Charaktere. Und, man merkt es bereits der Darstellerliste an: von Christoph Waltz über Brad Pitt bis zu Till Schweiger – einige Nationen (eben auch die Deutsche) sind vertreten, was dem Film ein zusätzliches Gefühl von Authentizität verleiht. Und dies waren erst drei der zahlreichen Rollen, die Liste ist lang. Und gut durchdacht, dass muss man sagen. Den wohl beeindruckensten Auftritt liefert aber nach wie vor der Österreicher Christoph Waltz als machtgieriger SS-Detektiv ab. Trotz des Wissens um den politisch bedrohlichen Hintergrund (NSDAP) versprüht sein Spiel einen unglaublichen Charme, und; das ist etwas ganz besonderes: man entwickelt tatsächlich so etwas wie Empathie für seinen Charakter. Und das, obwohl der Film sonst eher nach dem Credo Nazis sind nur fürs Skalpieren gut geht. Die Dialoge sind ein weiteres, ganz besonders Merkmal im Film: es wird ausschließlich in der jeweiligen Landessprache gesprochen. Alles was nicht in der jeweiligen Sprache der Zuschauer gesprochen wird, wird untertitelt – und zwar in bester (gelblicher) Western-Italo Manier.

Die "Basterds" kennen kaum Pardon...

Gewiss ist es auch die Optik und das allgemeine Flair des Films. Inglourious Basterds ist nicht nur ein Rachefeldzug an dem sich die Geister scheiden werden – sondern gleichzeitig auch eine Hommage an das Kino beziehungsweise die Geschichte des Films selbst. Die allgemeine Macht der bewegten Bilder, alte Kinotitel – vieles wird entweder versteckt oder offensichtlich behandelt. Die Szenenaufbauten und die Schauplatzwahl fallen überaus abwechslungsreich und gelungen aus. Schnitt, Kamera und Musik fügen sich nahtlos in das technisch perfekte Gesamtbild ein. Es bleibt die Story selbst, deren Inszenierung gewiss nichts für zart besaitete Gemüter ist. Einige werden den Film lieben, einige werden ihn hassen; und wiederum andere werden irgendwo dazwischen verharren.

Fazit: Die Story selbst ist sicherlich nicht sonderlich originär, aber die handwerkliche Umsetzung und der Unterhaltungswert sind einfach enorm. Inglourious Basterds ist in jedem Fall sehenswert, nicht zuletzt weil er bereits wenige Tage nach Erscheinen einen allgemeinen Kultstatus erreicht hat.

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